Domain-Newsletter

Ausgabe #1187 – 28. September 2023

Themen: EUR TLD ISAC – CENTR & Co starten Cyber-Projekt | Studie – Hitliste missbrauchter Top Level Domains | TLDs – Neues von .au, .food und .tv | Schlüssel – kein Vertragsrecht im WIPO-Streit | Squadhelp – Börse für Ultra-Premium-Domains | superwin.com – großartiger Sieg für US$ 75.000,– | Oktober – Webinare zu Marken- und Domain-Recht

EUR TLD ISAC – CENTR & CO STARTEN CYBER-PROJEKT

Unter dem Dach des Council of European National Top-Level Domain Registries (CENTR) haben zwölf Betreiber europäischer ccTLDs ein „Information Sharing and Analysis Center“ ins Leben gerufen. Die Projektwebsite tld-isac.eu ist ab sofort online.

Mit dem Launch der Website hat das erste Top Level Domain ISAC „Information Sharing and Analysis Center“ (kurz: „EUR TLD ISAC“) seine Arbeit offiziell aufgenommen. Ziel ist es, europaweit die Fähigkeiten zur Bekämpfung von Cyberbedrohungen zu stärken, eine größere Resilienz aufzubauen und die Zusammenarbeit zwischen den Betreibern europäischer Top Level Domains zu fördern. Dazu bringt man Registries, Sicherheitsexperten und andere Interessengruppen zusammen, um Informationen über Bedrohungen auszutauschen, neue Trends zu erkennen und proaktive Maßnahmen zur Verhinderung und Eindämmung von Cyberangriffen zu entwickeln. Die ISAC-Website bietet hierfür eine Plattform zum Austausch von Erkenntnissen und bewährten Praktiken. Sie startet mit einem Artikel zur Reifegradmessung, zwei weitere Artikel – einer zu DDOS-Angriffen auf autoritative Server und den Einsatz von Firewalls und einer über ungepatchte DNS-Server in internen Netzwerken – werden in Kürze folgen. Durch die Förderung einer Kultur des Vertrauens, der Transparenz und der Partnerschaft will man die Sicherheit der Top Level Domains in Europa verbessern und die kritische Infrastruktur der digitalen Wirtschaft schützen. Zu den zwölf Gründungsmitgliedern des Center zählen CENTR, AFNIC (.fr), DNS Belgium (.be), DENIC eG (.de), Punktum dk (.dk), EURid (.eu), Nic.at (.at), Nominet (.uk), Red.es (.es), Register.si (.si), SIDN (.nl) und SWITCH (.ch). Angesiedelt ist das EUR TLD ISAC als spezielle Arbeitsgruppe innerhalb von CENTR; damit folgt das Center den Regeln, wie sie in der Satzung von CENTR beschrieben sind. Dies bedeutet, dass die Generalversammlung und der Vorstand der CENTR die letztendliche Entscheidungsgewalt über EUR TLD ISAC behalten.

Um das EUR TLD ISAC zu entwickeln, wurde ein Zwei-Jahres-Arbeitsplan aufgestellt. Dieser Arbeitsplan wird von den Task Forces der Arbeitsgruppe bearbeitet; die operative Aufsicht wird von einem Lenkungsausschuss („Steering Committee“) wahrgenommen. Thomas Keller, Mitglied des Vorstandes der DENIC eG und Mitglied des Steering Committee, sagt: „Cybersicherheit ist eine Aufgabe, die uns alle angeht. Mit der TLD ISAC beteiligt sich die DENIC eG an einem gemeinsamen Projekt, mit dem das kollektive Fachwissen von Top-Level-Domain-Betreibern in ganz Europa für alle nutzbar gemacht wird. Es geht nicht nur darum, Unternehmungen und Maßnahmen zum Schutz unserer digitalen Welt zu fördern; es geht darum, diese stark und wirksam zu machen. Als Drehscheibe für Wissen und Zusammenarbeit ist unsere Website ein Ort, wo Erkenntnisse auf Maßnahmen treffen, zur Förderung eines sichereren und robusteren Internet für alle.“ Neben dem „Steering Committee“ gibt es eine „Working Group“, die sich derzeit alle zwei bis vier Wochen, je nach Arbeitsaufkommen, trifft. In der Arbeitsgruppe erfolgt die Umsetzung des Arbeitsplans durch die Einrichtung verschiedener Task Forces; dazu können die Mitglieder der „Working Group“ Experten aus ihren Organisationen um Hilfe bitten.

Die Mitgliedschaft im EUR TLD ISAC ist derzeit auf die Gründungsmitglieder für die Dauer des ersten Arbeitsplans beschränkt. Vollmitglieder von CENTR, die an einer Gründungsmitgliedschaft interessiert sind, können sich für weitere Informationen direkt an die EUR TLD ISAC wenden. Bis 2025 wird das EUR TLD ISAC seine Mitgliedschaft dann auch für andere Interessengruppen öffnen.

Weitere Informationen zum EUR TLD ISAC finden Sie unter:
> https://www.tld-isac.eu/?ref=blog.denic.de

Quelle: denic.de, eigene Recherche

STUDIE – HITLISTE MISSBRAUCHTER TOP LEVEL DOMAINS

Welche Domain-Endungen werden am häufigsten zweckentfremdet? Katrin Ohlmer, Geschäftsführerin des Berliner Beratungsunternehmens DOTZON GmbH, hat für den Provider InterNetX untersucht, welche Top Level Domains aktuell am häufigsten Opfer von Domain Abuse sind.

Seit vielen Jahre veröffentlicht das gemeinnützige „Spamhaus Project“ eine Liste der am meisten missbrauchten Top Level Domains. Dahinter steckt die Beobachtung, dass Cyberkriminelle bestimmte Domain-Endungen für ihre Taten bevorzugen, während sie andere eher meiden. So hat sich etwa die .org-Verwalterin Public Interest Registry (PIR) ganz besonders dem Ziel verschrieben, Missbrauch zu verhindern und dazu Anfang des Jahres 2021 das „DNS Abuse Institute“ gegründet, das sich der Bekämpfung von Missbrauchspraktiken des Domain Name Systems (DNS) durch „malware, botnets, phishing, pharming, and spam“ widmet. Katrin Ohlmer hat in ihrer Untersuchung nun einen anderen Ansatz gewählt. Viele Registries haben sich vertraglich verpflichtet, gegen missbräuchliche Aktivitäten vorzugehen; so hat etwa die .com-Registry VeriSign zugesagt, alles zu unternehmen, um Sicherheitsrisiken zu bekämpfen. Einige Registries haben hingegen lediglich freiwillige Absichtserklärungen abgegeben, während andere kaum oder gar nichts unternehmen. Ohlmer hat nun die Anzahl der Fälle von Domain Abuse in verschiedenen TLD-Kategorien analysiert. Dazu hat man mit dem 14. März 2023 einen Tag ausgewählt, an dem mit zwei Tools – Abusix und Phishtank – untersucht wurde, wie sich Missbrauch auf einzelne TLD-Kategorien verteilt. Während Abusix Mail Intelligence die Kategorien Spam, Malware und Phishing verfolgt, konzentriert sich Phishtank ausschließlich auf die Kategorie „Phishing“. Dabei hat sich in den Top Ten folgendes Bild ergeben:

Top 10 Abusix Top 10 Phishtank

.com .com
.link .app
.net .co
.cn .top
.top .io
.tk .net
.ru .dev
.org .ru
.club .org
.xyz .site

Unter den Top 10 der Domains mit den meisten Fällen befinden sich damit jeweils drei gTLDs, drei ccTLDs sowie jeweils vier nTLDs. Blickt man lediglich auf gTLDs, führen sowohl bei Abusix als auch bei Phishtank .com, .net und .org das Feld an. Nach Einschätzung von Ohlmer verdeutlichen die Werte, dass gTLDs gleichermaßen für Domain Abuse genutzt werden. Weiter zeigt Ohlmer die einzelnen TLD-Kategorien in eigenen Listen mit jeweils sechs Positionen. Bei ccTLDs zeigt sich da kein einheitliches Bild, sieht man davon ab, dass die russische Länderendung .ru bei beiden Tools auf dem dritten Rang zu finden ist. Die Listen der nTLDs liefern interessante Ergebnisse. Obwohl sich die drei Endungen .top, .link und .xyz in den Top 6 beider nTLD-Listen (Abusix und Phishtank) wiederfinden, sind sie auf unterschiedlichen Positionen gelistet – daher im Ergebnis als konträr zu betrachten. Bei den .brands gab es keine Fälle von Domain Abuse zu verzeichnen. Die logische Erklärung: Nur Markeninhaber können Domains unter einer Marken-Endung registrieren – eine missbräuchliche Verwendung durch Dritte ist daher ausgeschlossen.

Im Ergebnis zeige sich, dass bestimmte TLDs häufiger Opfer von Domain Abuse werden. Als wichtigen Faktor hierfür identifiziert Ohlmer vor allem den Preis; Domains mit Gebühren im dreistelligen Bereich werden fast nie Opfer von Domain Abuse. Ist eine Top Level Domain nur für eine begrenzte Zielgruppe von Interesse, wie .bank, .gmbh oder geoTLDs, ist zudem Domain Abuse im Vergleich zu anderen TLD-Kategorien sehr gering. Sind Kriminelle ferner der Ansicht, es gebe kein Management für Domain Abuse, weiten sie ihre illegalen Aktivitäten unter einer Top Level Domain vermutlich aus; hier sind also die Registries gefragt. Die Betrachtung, die naturgemäß einen Ausschnitt aus einem sich stetig wandelnden Markt abbildet, kann gerade bei der Verwaltung von Domain-Portfolien wertvolle Hilfe leisten und Missbrauch verhindern helfen, bevor er entsteht.

Den vollständigen Artikel von Katrin Ohlmer finden Sie unter:
> https://snapshot.internetx.com/domain-abuse-welche-tlds-werden-am-haeufigsten-missbraucht/

Quelle: eigene Recherche

TLDS – NEUES VON .AU, .FOOD UND .TV

Nation ohne Land: Tuvalu und damit .tv droht nicht nur, im Meer unterzugehen, sondern auch Opfer der Fragmentierung des Internets zu werden. Derweil erleidet .au nur einen kurzfristigen Ausfall, während die Internet Naming Company im nächsten Jahr mit fünf neuen Domain-Endungen auf den Markt kommt – hier unsere Kurznews.

Wer am 18. September 2023 versucht hat, eine .au-Domain aufzurufen, hat möglicherweise nur eine Fehlermeldung erhalten. Wie die Registry .au Domain Administration Ltd. (auDA) mitgeteilt hat, wurde das Problem durch einen DNSSEC (Domain Name System Security Extensions)-Signierungsprozess verursacht, der für kurze Zeit einen falschen Datensatz erzeugte. Betroffen waren Internetnutzer, deren Internet Service Provider einen DNS-Resolver mit DNSSEC-Validierung verwenden. Das Problem wurde in weniger als einer Stunde behoben. Die Sicherheit von .au sei nicht beeinträchtigt gewesen. auDA bedauerte die Unannehmlichkeiten, die den betroffenen Internetnutzern entstanden sind. Bei rund vier Millionen registrierten Domains ist es einer der größten öffentlich gewordenen Ausfälle im Zusammenhang mit einer DNSSEC-Signierung; im März 2022 gab es bei .au bereits einen ähnlichen Vorfall, bei dem aber lediglich rund 15.000 Domains betroffen waren.

Die auf den Cayman Islands ansässige Registry Internet Naming Company hat die Rechte an fünf generischen Top Level Domains erworben. Im Paket wechseln .diy, .food, .lifestyle, .living und .vana von der Lifestyle Domain Holdings Inc. zur Internet Naming Co., die aus der von Frank Schilling 2014 gegründeten Uniregistry hervorgegangen ist. Das Unternehmen hatte bisher sechs nTLDs unter Verwaltung, allen voran .click mit über 620.000 registrierten Domains. Der besondere Reiz bei den Zukäufen liegt darin, dass sie zwar delegiert, bisher aber nicht gestartet sind. Es gab bisher also weder eine Sunrise- noch eine Landrush-Phase, so dass Internet Naming Co. nicht nur die jeweiligen Vergaberegeln, sondern auch das Gebührenmodell frei gestalten kann. Laut Pressemitteilung können die Nutzer „vernünftige Preise“ erwarten; weiter heisst es: „The acquisition of these domains marks the company’s commitment to continued growth and expansion in the domain industry.“ Ein Marktstart der fünf Endungen ist für Anfang des Jahres 2024 angekündigt.

Tuvalu versinkt. Voraussichtlich schon im Jahr 2100 wird der Inselstaat vom Pazifischen Ozean überspült und unbewohnbar. Doch geht mit ihm auch die Top Level Domain .tv unter? Sebastián Schonfeld, Senior Communications and Advocacy Advisor bei der Internet Society, gibt Entwarnung. In seinem Blog-Artikel „Could Tuvalu Sink Twice?“ kündigt er an, dass Tuvalu auf dem Weg dazu sei, die erste Digital-Nation zu werden. In dem Bemühen, die Landschaft, die Identität, die Kultur und das Erbe von Tuvalu zu bewahren, durchläuft das Land einen Digitalisierungsprozess. Dabei werden alle möglichen Aspekte – von der biologischen Vielfalt bis hin zu Musik und Küche – aufgezeichnet und ins Internet hochgeladen; damit kann Tuvalu sein kulturelles Erbe für immer bewahren. Doch zugleich warnt Schonfeld, dass die drohende Fragmentierung des Internets dazu führen könnte, dass Tuvalu wieder „untergeht“. Die tuvaluische Diaspora könne tuvalu.tv möglicherweise nicht erreichen, wenn der Hosting-Server keine Verbindung zum Internet herstellen kann. Jede Politik, jedes Gesetz und jede technische oder kommerzielle Entscheidung, die das globale Internet störe, stelle eine ernste Gefahr für die Zukunft des digitalen und kulturellen Erbes von Tuvalu dar. Die Menschheit habe Tuvalu und sein Volk schon einmal im Stich gelassen, indem sie es versäumt habe, die globale Erwärmung zu verhindern. Man dürfe sie nicht ein zweites Mal im Stich lassen und ihr kulturelles Erbe in einem digitalen Ozean versinken lassen.

Den Artikel von Sebastián Schonfeld finden Sie unter:
> https://www.internetsociety.org/blog/2023/09/could-tuvalu-sink-twice/

Quelle: auda.org.au, domainnamewire.com, internetsociety.org

SCHLÜSSEL – KEIN VERTRAGSRECHT IM WIPO-STREIT

Die Hoteleigentümerin und die Hotelbetreiberin des Hotel Schlüssel in Luzern (Schweiz) streiten um die schweizer Domain schluessel-luzern.ch. Die Hoteleigentümerin war bereits in einem Räumungsverfahren gegen die Betreiberin gescheitert; beim Streitbeilegungsverfahren vor der WIPO hatte sie ebenfalls keinen Erfolg, da die Parteien eigentlich um Vertrags- und nicht um Kennzeichenrecht ringen.

Die am 11. September 1984 in das Handelsregister eingetragene schweizer „Genossenschaft zum Schlüssel“ ist Eigentümerin des Hotels „Schlüssel“ in Luzern. Das Hotel besteht bereits seit Jahrhunderten. Die Genossenschaft zum Schlüssel hat das Hotel 2012 an die Hotel & Restaurant zum Schlüssel, Luzern GmbH, S.B verpachtet. Sie kündigte das Pachtverhältnis und reichte im Dezember 2022 ein Ausweisungsgesuch (Räumungsklage) gegen die Hotel & Restaurant zum Schlüssel, Luzern GmbH, S.B ein, das im Mai 2023 vor dem Bezirksgericht Luzern scheiterte. Im April 2023 startete die Genossenschaft zum Schlüssel ein Verfahren nach dem Verfahrensreglement von SWITCH für Streitbeilegungsverfahren für „.ch“ und „.li“ vor der WIPO gegen die Hotel & Restaurant zum Schlüssel, Luzern GmbH, S.B. und beantragte die Übertragung der Domain schluessel-luzern.ch auf sich. Die Genossenschaft zum Schlüssel sieht ihre Rechte durch die am 25. Januar 2004 registrierte Domain schluessel-luzern.ch verletzt. Im Gesuchsverfahren trägt sie vor, für ihre Bezeichnung genieße sie seit 1984 firmen-, namens- und wettbewerbsrechtlichen Schutz. Die Gegnerin habe die 2018 beantragte und eingetragene Marke „HOTEL SCHLÜSSEL SEIT 1545“ im August 2022 auf ihre Geschäftsführerin übertragen und im Januar 2023 habe letztere per eMail mitgeteilt, dass sämtliche Marken ihr persönlich gehören und nur mit ihrem Einverständnis benutzt werden dürften. Die Gesuchstellerin macht nun die Übertragung der Domain geltend, da durch die Nutzung der Domain sich die Gegnerin wettbewerbswidrig verhalte, indem im geschäftlichen Verkehr Assoziationen mit der Gesuchstellerin geweckt würden, welche nicht mehr bestünden. Die Gegnerin hält entgegen, der Pachtvertrag zwischen beiden sei noch gar nicht beendet, die Kündigung sei angefochten, das Schlichtungsverfahren noch anhängig und das Bezirksgerichts Luzern sei auf das Ausweisungsgesuch nicht eingetreten (habe der Räumungsklage nicht stattgegeben). Solange der Vertrag noch bestehe und sie aktuelle Pächterin der Liegenschaft sei, nutze sie das Kennzeichen berechtigterweise. Die Kennzeichnung eines Hotels und/oder Restaurants verstehe das Publikum als Kennzeichen des Betreibers und nicht des Eigentümers der Liegenschaft. Die Gesuchstellerin sei nie Inhaberin der Domain gewesen, da die Domain stets von einem Pächter zum nächsten weitergereicht worden sei. Schließlich habe sie unter anderem schriftlich versichert, mit Beendigung des Vertragsverhältnisses die Domain auf die Gesuchstellerin zu übertragen.

Der schweizer Rechtsanwalt Andrea Mondini wurde als Experte eingesetzt. Er wies das Gesuch der Gesuchstellerin ab, da es sich in erster Linie um eine vertragliche Streitigkeit handele, die vor staatlichen Gerichten besser aufgehoben sei (WIPO Verfahren Nr. DCH2023-0012). Mondini klärte ohne viel Aufhebens, dass die Gesuchstellerin mit Eintrag der Firma „Genossenschaft zum Schlüssel“ in das Handelsregister als Eigentümerin des Hotels zum Schlüssel in Luzern firmenrechtlichen Schutz nach Schweizerischem Obligationenrecht (Art. 956 OR) genieße. Zudem enthalte die Domain schluessel-luzern.ch den kennzeichenrechtlich relevanten Firmenbestandteil „Schlüssel“. Weiter stellte Mondini aber fest, dass die vorliegende Streitigkeit primär vertraglicher und nicht kennzeichenrechtlicher Natur ist. Im Pachtvertrag heiße es, dass die Gesuchsgegnerin beim Ende des Pachtvertrags den streitigen Domain-Namen „auf dem Mietobjekt belassen“ müsse. Folglich sei sie bis zum Ende des Pachtvertrages berechtigte Nutzerin der Domain. Die Gegnerin mache geltend, das Pachtverhältnis sei noch nicht beendet. Es handele sich damit um eine vertragsrechtliche Frage, die besser vor den staatlichen Gerichten geklärt werde. Die Wort-/Bildmarke „HOTEL SCHLÜSSEL SEIT 1545“ und deren Übertragung auf die Geschäftsführerin der Gegnerin sei für den Fall nicht relevant. Damit wies Mondini das Gesuch auf Übertragung der Domain schluessel-luzern.ch ab.

Die UDRP-Entscheidung über die Domain schluessel-luzern.ch finden Sieunter:
> https://www.wipo.int/amc/en/domains/decisions/pdf/2023/dch2023-0012.pdf

Das Verfahrensreglement für .ch und .li findet man unter:
> https://www.nic.ch/de/terms/disputes/rules_of_procedure/

Spezialisierte Anwälte findet man unter:
> https://www.domain-anwalt.de

Quelle: wipo.int, eigene Recherche

SQUADHELP – BÖRSE FÜR ULTRA-PREMIUM-DOMAINS

Squadhelp, eine neue Domain-Verkaufsplattform, bietet ausschließlich „Ultra Premium Domains“ zu hohen Preisen an. Domain-Investoren begrüßen das Angebot, machen aber doch einige kritische Anmerkungen.

Squadhelp ist eine Agentur, die Unternehmen und Kreative zusammenbringt, um große Marken (Brands) zu entwickeln. Kürzlich fügte sie eine neue Dienstleistung zu ihrem Portfolio hinzu: „The Squadhelp Ultra-Premium Marketplace“, der zur Zeit ca. 123 Premium-Domains wie fancy.com, onyx.com, ladder.com und goods.com anbietet. Die Preise der Domains bewegen sich zur Zeit zwischen US$ 75.000,– und US$ 6 Mio. Nicht alle Preise sind ausgewiesen, teilweise wird um ein Angebot gebeten. Der erste und bisher bekannteste Deal, der über Squadhelp gemacht wurde, ist der Verkauf von plans.com zum Preis von US$ 275.000,– (ca. EUR 252.294,–). Die Domain, die im September 2008 anlässlich einer Versteigerung bei dem Domainer-Treffen T.R.A.F.F.I.C. US$ 70.000,– (ca. EUR 49.645,–) erzielte, verkaufte sich zu dem deutlich besseren Preis – laut Squadhelp – sieben Tage, nachdem sie auf der neuen Plattform eingestellt worden war. Die übersichtliche Seite listet die bisher 123 Domains in drei Reihen über zwei Seiten und bietet verschiedene Suchfilter wie „short“, „tech“ und „luxury“, um eine mögliche Domain zu finden. Dabei beschränkt sich Squadhelp nicht auf .com-Domains allein, sondern steht für Domains unter anderen Endungen offen – allerdings werden bisher nur .com-Domains angeboten.

Die Reaktionen von Domain-Investoren sind kritisch. Domain-King Rick Schwartz findet die Idee der Plattform gut, sieht aber ein entscheidendes Problem: „Nobody is putting a $6 Million domain in the cart and going to check out.“ Er meint, ohne eine Möglichkeit, einen Dialog zu beginnen und zu einem echten Angebot zu kommen, sei das alles sinnlos. Niemand kaufe Dinge für über US$ 100.000,– ohne zuvor mit dem Verkäufer kommuniziert und gehandelt zu haben. Schwartz empfiehlt einen Kontakt-Link zum Domain-Inhaber. Andere Stimmen zweifeln am Namen „Squadhelp“ für die Plattform. Der Name sei nicht aussagekräftig und nur schwer zu erinnern. Dafür, dass man eine Plattform für „great brandable names“ anbiete, sei der Name der Plattform schlecht gewählt. Wieder andere stellen fest, dass einige angebotene Domain-Namen nicht gerade „Premium“ seien, insbesondere wenn es sich um Zwei-Wort-Domains handelt. So finden sich beispielsweise sportsfan.com („Make an Offer“), customerloyalty.com (US$ 75.000,–) und townhome.com (US$ 450.000,–) unter den Angeboten.

Wie sich die Plattform zukünftig entwickelt, wird man sehen. Auf jeden Fall ist sie aus Sicht von Domain-Investoren ein Schritt in die richtige Richtung.

Weitere Informationen unter:
> https://www.squadhelp.com/ultra-premium-marketplace/all

Quelle: squadhelp.com, domaininvesting.com, onlinedomain.com. eigene Recherche

SUPERWIN.COM – GROSSARTIGER SIEG FÜR US$ 75.000,–

Die vergangene Domain-Handelswoche weist Preise weitestgehend im fünfstelligen Bereich auf. Wir haben uns überwiegend bei namebio.com mit Daten der vergangenen Wochen bedient.

Die teuerste Domain war superwin.com mit ihrem Preis von US$ 75.000,– (ca. EUR 70.466,–). Damit weist die Domain eine rasante Preisentwicklung auf, denn im Oktober 2016 lag sie noch bei US$ 2.100,– (ca. EUR 1.910,–).

Unter den Länderendungen stehen Drei-Ziffern-Domains von den Coconut-Islands vorne: 198.cc kommt auf US$ 31.000,– (ca. EUR 29.126,–) und 238.cc auf US$ 28.222,– (ca. EUR 26.516,–). .ai-Domains gedeien ihrerseits weiter und präsentieren mehrere hochpreisige Verkäufe. Überraschend steht auch die US-amerikanische .us mit bristolri.us zum Preis von US$ 19.750,– (ca. EUR 18.556,–) gut da. Die deutsche Endung überzeugt mit ferienhaus-nordsee.de zum Preis von EUR 15.000,–.

Die neuen generischen Endungen sind abermals nicht vertreten. Dafür aber läuft .org zur Höchstform auf, mit unter anderem pparx.org zum Preis von US$ 72.000,– (ca. EUR 67.647,–) und zahlreichen „pafi“-Domains, angefangen bei pafiboyolali.org für US$ 52.999,– (ca. EUR 49.795,–). Die vergangene Domain-Handelswoche liefert keinen Höchstpreis, aber zahlreiche hohe Preise.

Länderendungen
————–

198.cc – US$ 31.000,– (ca. EUR 29.126,–)
238.cc – US$ 28.222,– (ca. EUR 26.516,–)
9997.cc – US$ 6.400,– (ca. EUR 6.013,–)
hey.cc – US$ 2.850,– (ca. EUR 2.678,–)

clean.ai – US$ 25.508,– (ca. EUR 23.966,–)
beta.ai – US$ 20.001,– (ca. EUR 18.792,–)
alcove.ai – US$ 17.199,– (ca. EUR 16.159,–)
dolphin.ai – US$ 12.528,– (ca. EUR 11.771,–)
jolt.ai – US$ 12.201,– (ca. EUR 11.463,–)
fabulous.ai – US$ 8.608,– (ca. EUR 8.088,–)
blast.ai – US$ 8.100,– (ca. EUR 7.610,–)
meister.ai – US$ 6.766,– (ca. EUR 6.357,–)
investors.ai – US$ 5.402,– (ca. EUR 5.075,–)
aera.ai – US$ 5.250,– (ca. EUR 4.933,–)

bristolri.us – US$ 19.750,– (ca. EUR 18.556,–)
ferienhaus-nordsee.de – EUR 15.000,–
hapjes.nl – EUR 13.450,–
bourbon.vc – US$ 15.000,– (ca. EUR 14.093,–)
whois.fo – US$ 10.099,– (ca. EUR 9.488,–)
done.io – US$ 10.006,– (ca. EUR 9.401,–)
tap.me – US$ 9.700,– (ca. EUR 9.114,–)
invoice.eu – US$ 8.177,– (ca. EUR 7.683,–)
radfit.de – EUR 7.500,–
ninjakitchen.at – US$ 7.525,– (ca. EUR 7.070,–)
matador.ch – EUR 5.800,–
botfuel.io – EUR 4.500,–
executive.io – US$ 4.650,– (ca. EUR 4.369,–)
8555.tv – US$ 4.600,– (ca. EUR 4.322,–)
revenuemarketing.de – EUR 3.990,–
n3xt.io – US$ 4.200,– (ca. EUR 3.946,–)
casamami.co – US$ 4.000,– (ca. EUR 3.758,–)
tom.co.nz – EUR 3.450,–
1875.de – EUR 2.995,–
qr.is – EUR 2.800,–

Generische Endungen
——————-

pparx.org – US$ 72.000,– (ca. EUR 67.647,–)
pafiboyolali.org – US$ 52.999,– (ca. EUR 49.795,–)
clic-ctsa.org – US$ 51.000,– (ca. EUR 47.917,–)
pafiwonogiri.org – US$ 39.880,– (ca. EUR 37.469,–)
pafisukoharjo.org – US$ 39.500,– (ca. EUR 37.112,–)
pafisragen.org – US$ 36.250,– (ca. EUR 34.058,–)
pafikotajambi.org – US$ 36.000,– (ca. EUR 33.823,–)
pafiklaten.org – US$ 36.000,– (ca. EUR 33.823,–)
pafisumbawa.org – US$ 32.000,– (ca. EUR 30.065,–)
ifsmagazine.com – US$ 31.500,– (ca. EUR 29.596,–)
pafiacehtenggara.org – US$ 24.250,– (ca. EUR 22.784,–)
financialservicesforum.org – US$ 21.450,– (ca. EUR 20.153,–)
pafisumbawabarat.org – US$ 17.583,– (ca. EUR 16.520,–)
russia-direct.org – US$ 17.457,– (ca. EUR 16.402,–)
pafisalatiga.org – US$ 16.250,– (ca. EUR 15.268,–)
pafidiy.org – US$ 12.250,– (ca. EUR 11.509,–)
sparkprogram.org – US$ 11.550,– (ca. EUR 10.852,–)
painfoundation.org – US$ 11.500,– (ca. EUR 10.805,–)
nasawavelength.org – US$ 11.250,– (ca. EUR 10.570,–)

.com
—–

superwin.com – US$ 75.000,– (ca. EUR 70.466,–)
x8bet.com – US$ 67.666,– (ca. EUR 63.575,–)
haoleav.com – US$ 61.000,– (ca. EUR 57.312,–)
cnnexpansion.com – US$ 41.001,– (ca. EUR 38.522,–)
chulabhornhospital.com – US$ 32.522,– (ca. EUR 30.556,–)
cosmicvariance.com – US$ 30.533,– (ca. EUR 28.687,–)
digitalworldtokyo.com – US$ 30.200,– (ca. EUR 28.374,–)
worldwidemart.com – US$ 31.476,– (ca. EUR 29.573,–)
bosun.com – US$ 27.500,– (ca. EUR 25.837,–)
corotop.com – US$ 25.000,– (ca. EUR 23.489,–)
bestwritingadvisor.com – US$ 22.130,– (ca. EUR 20.792,–)
impactive.com – US$ 21.999,– (ca. EUR 20.669,–)
gifsoup.com – US$ 21.350,– (ca. EUR 20.059,–)
bookrevue.com – US$ 21.300,– (ca. EUR 20.012,–)
lovewithfood.com – US$ 20.590,– (ca. EUR 19.345,–)
a4yy.com – US$ 20.250,– (ca. EUR 19.026,–)
vanman.com – US$ 20.000,– (ca. EUR 18.791,–)
cbjonline.com – US$ 19.750,– (ca. EUR 18.556,–)
relationshipsinamerica.com – US$ 19.750,– (ca. EUR 18.556,–)
himachal.com – US$ 19.250,– (ca. EUR 18.086,–)

Weitere Domain-Preise finden Sie unter:
> https://www.domain-spiegel.de

Quelle: sedo.de, namebio.com, thedomains.com

OKTOBER – WEBINARE ZU MARKEN- UND DOMAIN-RECHT

Der Starnberger Domain-Spezialist united-domains GmbH bittet im Oktober zu zwei kostenlosen Webinaren zum Thema Marken- und Domain-Registrierung. Rechtsanwalt und UDRP-Panelist Peter Müller informiert jeweils 45 Minuten über Fragen des Schutzes von Marken und Domains durch Registrierung und mögliches Vorgehen gegen Dritte.

Diesmal ein Veranstaltungshinweis in eigener Sache: Der Starnberger Domain-Spezialist united-domains GmbH, dessen Projekt der Domain-Newsletter und domain-recht.de ist, bietet Interessierten ohne juristisches Vorwissen die Gelegenheit, an zwei Terminen mehr über Fragen des Marken- und Domain-Rechts zu erfahren. Für beide Webinare, die jeweils eigene Themenbereiche behandeln, konnte Rechtsanwalt und UDRP-Panelist Peter Müller gewonnen werden. Müller ist seit 2010 Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz und seit 2013 UDRP-Panelist bei FORUM (früher National Arbitration Forum, kurz NAF); seit 2016 ist er beim Asian Domain Name Dispute Resolution Centre (ADNDRC) und beim Czech Arbitration Court (CAC) und seit 2021 auch beim Canadian International Internet Dispute Resolution Centre (CIIDRC) Panelist. Als Moderator wird der Ihnen als Autor und Redakteur des Domain-Newsletter und von domain-recht.de bekannte Rechtsanwalt Florian Hitzelberger durch die Webinare führen. Ebenfalls dabei sein wird Maximilian Burianek, Vorstandsvorsitzender der united-domains GmbH.

Das erste Webinar findet am Mittwoch, 11. Oktober 2023 online von 11:00 bis 11:45 Uhr statt und widmet sich unter dem Titel „So schützen Unternehmen ihre Marke und Domain online“ Fragen wie „Wie hängen Marken- und Domainregistrierung zusammen?“, „Wie beeinflusst die Existenz eines Unternehmens oder eines Projekts den Anspruch auf eine Domain?“ oder „Welche Domain-Endungen sollte man registrieren?“. Das zweite Webinar findet 14 Tage später am 25. Oktober 2023 ebenfalls von 11:00 bis 11:45 Uhr statt. Das Thema lautet: „Wie können Unternehmen vorgehen, wenn Dritte Domains auf ihre Markennamen registrieren?“ und greift Fragen auf wie „Was tun, wenn Dritte Domains mit Ihrem Markennamen registrieren?“, „Wann verletzt eine Domain Ihre Marke und wann ist das Registrieren fremder Markennamen erlaubt?“.

Das Webinar „So schützen Unternehmen ihre Marke und Domain online“ findet am 11. Oktober 2023 online von 11:00 bis 11:45 Uhr statt. Das Webinar „Wie können Unternehmen vorgehen, wenn Dritte Domains auf ihre Markennamen registrieren?“ findet am 25. Oktober 2023 ebenfalls von 11:00 bis jedoch 11:45 Uhr statt. Die Teilnahme ist jeweils kostenlos, eine Anmeldung notwendig. Teilnehmer dürfen vorher ihre Fragen einreichen.

Weitere Informationen und Anmeldung unter:
> https://web.united-domains.de/webinar-markenrecht-1
> https://web.united-domains.de/webinar-markenrecht-2

Quelle: united-domains.de

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