ccTLDs

Domain-Registrierung in den Niederlanden flutscht

Die Inhaber von .nl-Domains drücken aufs Gaspedal: nach Recherchen der Registry SIDN dauert es bei der Hälfte aller Anmelder weniger als eine Stunde vom Gedanken an eine Domain bis zur Registrierung.

Und auch danach muss es schnell gehen; bei 80 Prozent der registrierten Domains folgt die Website binnen lediglich einer Woche. Und zur Freude von SIDN hat sich einer weitere Erkenntnis durchgesetzt: die Registrierung der Domain erfolgt zeitlich noch vor der Erstellung des Business-Plans und der Programmierung der Website, geschweige denn der Eintragung im Handelsregister. Zu groß ist die Sorge, dass die Domain bis dahin bereits anderweitig vergeben ist und teuer abgekauft werden muss. Zudem beobachtet SIDN den Trend, dass sowohl die Variante unter .nl als auch unter .com einer Domain registriert wird; die Kombination aus .nl- und .eu-Domain ist seltener. Damit möchte man sowohl den einheimischen als auch den internationalen Markt abdecken. Im eMail-Bereich dominiert dabei die .nl-Domain. Für die Zukunft hat die niederländische Community vor allem einen Wunsch:

»People shouldn’t be allowed to register domain names just to sell them on at a fat profit.«

Ob das auch die Domainer so sehen, darf man aber bezweifeln.

Statistik

Länderendungen sind solide, .com schwächelt

Corona-Panemdie? Krieg in der Ukraine? Über die Gründe wird aktuell noch gerätselt, doch klar ist: nach einem leichten fünfstelligen Verlust im Mai 2022 sank die Zahl der registrierten .com-Domains im Juni 2022 sogar sechsstellig. Gut, dass da .de und .at für Stabilität sorgen.

Den statistischen Pflock schlägt in diesem Monat die .com-Registry VeriSign Inc. ein, die ihren »Domain Name Industry Brief« für das 1. Quartal 2022 veröffentlicht hat. Danach schloss das erste Kalendervierteljahr mit 350,5 Mio. Domains weltweit quer über alle Endungen, ein Plus von 8,8 Mio. Domains gegenüber dem 4. Quartal 2021. Davon entfielen allein auf .com 161,3 Mio. Domains, ein leichtes Plus gegenüber den 160,0 Mio. Domain-Namen aus dem 4. Quartal 2021. Mit diesem Plus dürfte es jedoch in der nächsten Ausgabe des „Domain Name Industry Brief“ vorbei sein; nach einem Verlust von 76.689 .com-Domains im Mai 2022 ging es im Juni 2022 um sogar 206.671 Domains zurück. Aktuell gibt es noch keine exakte Erklärung für den Rückgang, VeriSign verwies jedoch bereits Ende April 2022 auf »macro-economic factors«; darunter dürften vor allem die Folgen der Corona-Pandemie, mittlerweile aber auch der Krieg in der Ukraine samt seiner weltwirtschaftlichen Folgen fallen. Mit weit über 161 Mio. registrierten Domains bleibt .com aber die führende, alles dominierende generische Top Level Domain.

Wachstumstreiber bleiben die Länderendungen, deren Gesamtzahl sich zum 31. März 2022 auf 133,4 Mio. erhöht hat, ein Anstieg von 6 Mio. Domains gegenüber dem 4. Quartal 2021. Aber dieser Wert täuscht, fließen doch allein 20,6 Mio. .cn-Domains in diese Berechnung ein; im 4. Quartal 2021 waren es „nur“ 15,3 Mio. .cn-Domains. Der mutmaßlich hohe Anteil regulierter Registrierungen macht eine Vergleichbarkeit mit zahllosen anderen Endungen wie .de, .at oder .ch unmöglich. Und das, obwohl sich gerade .de und .at positiv entwickeln; beide Endungen können deutlich zulegen. In Summe zulegen kann auch das Lager der nTLDs, das sich per Ende Juni 2022 um rund 16.000 auf 30.116.379 Domains verbessern kann, obwohl mit .xyz und .online die beiden führenden Endungen verloren haben. Dennoch bleibt dieser Markt erfreulich, was auch VeriSign im »Domain Name Industry Brief« bestätigt:

»ngTLDs increased by 3.5 million domain name registrations, or 15.3%, year over year.«

Bei den Länderendungen blickt .it, das offizielle Kürzel Italiens, auf ein durchwachsenes erstes Quartal 2022 zurück. Zwar stieg die Gesamtzahl der registrierten Domain-Namen gegenüber Jahresbeginn um 13.474 per 31. März 2022 auf 3.463.811 an, die Tendenz ist aber aktuell negativ. Per 30. Juni 2022 waren nur noch 3.457.041 Domains registriert, und die Wachstumskurve, die 2020 noch bei 4,2 Prozent lag, liegt aktuell bei deutlich unter 3 Prozent. Dennoch soll 2022 nach Einschätzung der Verwalterin Registro.it zum »testing ground for the Italian digital transformation« werden. Und eine .it-Domain soll dabei maßgeblich helfen:

»With the choice of a .it site, citizens will demonstrate the value of their online identity even in their daily lives, and entrepreneurs and freelancers will seize the opportunities and challenges of online business.«

Vor allem Inhaber von Markenrechten sollten nun über eine präventive Registrierung nachdenken.

Die aktuellen Domain-Zahlen:

.de17.303.630(Vergleich zum Vormonat:+ 24.551)
.at1.438.656(Vergleich zum Vormonat:+ 4.253)
.com161.081.247(Vergleich zum Vormonat:– 206.671)
.net13.227.984(Vergleich zum Vormonat:– 16.920)
.org10.600.730(Vergleich zum Vormonat:– 7.011)
.info3.646.368(Vergleich zum Vormonat:– 4.718)
.biz1.417.467(Vergleich zum Vormonat:– 3.557)
.eu3.685.061(Vergleich zum Vormonat:– 3.549)
.xyz5.000.184(Vergleich zum Vormonat:– 54.259)
.online2.175.764(Vergleich zum Vormonat:– 10.715)
.top1.938.540(Vergleich zum Vormonat: + 25.670)

(Stand 01. Juli 2022)

Handel

Entwickler von yachts.com verkauft Domain nach 1 Jahr zu Top-Preis

Vor einem Jahr berichteten wir von dem Webseiten-Entwickler, Domain-Händler und Entrepreneur Eric Borgos, der die Domain yachts.com für US$ 350.000,– (ca. EUR 294.118,–) gekauft hatte, um sie zu entwickeln. Nun hat er die Domain yachts.com für US$ 600.000,– (ca. EUR 571.429,–) wieder verkauft.

Bei der Frage, ob man mit Domains spekulieren oder sie entwickeln sollte, entschied sich Borgos vor einem Jahr für die Entwicklung der gerade zu US$ 350.000,– (damals ca. EUR 294.118,–) gekauften Domain yachts.com. Der in Fragen von Website-Entwicklung und Domain-Handel bewanderte Borgos, der 2015 auch das Buch »How to make money online« veröffentlichte, hatte den Plan

»to have a killer domain to help me get my foot in the door of a real-world industry I knew nothing about.«

Die Domain yachts.com war teuerer als geplant, die Möglichkeiten der Vermarktung als eine Art Yacht-bnb/Uber zu aufwändig, weshalb er sich für eine schlichte Boots-Charter-Plattform entschied.

Wie Borgos nun in einem aktuellen Artikel zum Verkauf von yachts.com für US$ 600.000,– (ca. EUR 571.429,–) schreibt, arbeitete er 4 Monate Vollzeit an dem Projekt für yachts.com. Er testete verschiedene Geschäftsmodelle, erhielt viel Zuspruch und Angebote zur Zusammenarbeit. Alles lief eigentlich gut. Nur brachte es kein Geld. Mit über Jahre intensiven Arbeitens, ist sich Borgos sicher, hätte er da ein prima Geschäft draus machen können, das irgendwann auch Geld einbringen würde. Doch müssten letzten Endes monatlich US$ 5.000,– Gewinn rausspringen, wovon er weit entfernt war. Er konnte sich es nicht leisten, für länger als ein bis zwei Jahre so viel in die Domain zu investieren.

Borgos hatte erwogen, die Domain über einen Broker zu einem siebenstelligen Betrag zu verkaufen – viele hatten ihm gesagt, die Domain sei Millionen wert. Doch unvermittelt kam von dem Broker, der ihm die Domain verkauft hatte, ein Angebot in Höhe von US$ 600.000,–. Ein Kunde, dem der Broker schon vergangenes Jahr die Domain angeboten hatte, meldete sich, um die Domain zu kaufen. Borgos sagte ja. Für Borgos ist dies nach adventure .com (für US$ 200.000,– in 2011 gekauft) bereits das zweite Mal, dass er eine teuer gekaufte Domain über den gleichen Broker gewinnbringend wieder verkauft.

Borgos macht deutlich, dass das Entwickeln von Domains Zeit und jede Menge Energie kostet. Das lohnt sich, wenn man sich es leisten kann. In diesem Fall aber verwirklichte Borgos seinen Plan nicht; er konnte auf Dauer nicht seine volle Arbeitskraft in das Projekt stecken, da er nebenher mit anderen Projekten Geld verdienen musste. Diesen widmet er sich jetzt Vollzeit – und sie bringen Geld.

WIPO

UDRP-Workshop im Oktober 2022 in Genf

Die in Genf ansässige World Intellectual Property Organization (WIPO) bietet am 12. und 13. Oktober 2022 einen UDRP-Workshop unter dem Titel »WIPO Advanced Workshop on Domain Name Dispute Resolution: Update on Precedent and Practice«.

Der üblicherweise im Herbst angebotene Workshop fiel in den beiden vergangenen Jahren coronabedingt aus. Jetzt plant WIPO, den Workshop wieder in Genf am Mittwoch und Donnerstag, 12. und 13. Oktober 2022, vor Ort stattfinden zu lassen. Wer vorträgt, ist noch nicht bekannt. Geplant ist wie üblich, Teilnehmer über den Stand von Rechtsprechung und Praxis zu informieren. Es werden die relevanten sachlichen und prozessualen Fragen zur UDRP sowie die aktuellen Trends der UDRP-Rechtsprechung vermittelt. Der Lehrkörper besteht aus erfahrenen WIPO-UDRP-Panelisten, Markenanwälten und leitenden WIPO-Mitarbeitern. Das Programm umfasst praktische Breakout-Sitzungen mit anschließender Diskussion zwischen Teilnehmern und Dozenten. Der Workshop bietet nicht nur potenziellen UDRP-Antragstellern, sondern auch Registraren und ccTLD-Verwaltern die Möglichkeit, ihr Wissen über UDRP-Verfahren zu erweitern. Die Teilnehmer erhalten Fortbildungsnachweise. Da die Anzahl der Teilnehmer begrenzt ist, erscheint eine frühe Anmeldung sinnvoll. Wer über den Start der Anmeldung informiert werden will, kann sein Interesse per eMail an arbiter.meetings@wipo.int bekunden.

Der »WIPO Advanced Workshop on Domain Name Dispute Resolution: Update on Precedent and Practice« findet am 12. und 13. Oktober 2022 in den Räumlichkeiten von WIPO, 34, chemin des Colombettes, 1211 Geneva 20 (Schweiz) statt. Die Kosten für die Teilnahme sind noch nicht bekannt.

UDRP

Flexspace No 2 die Zweite: im Streit um »flexspace.nu«

Die Flexspace No 2 LLP, ein Anbieter von flexiblen Büros, Werkstätten und Industrie- und Selbstlagerflächen in ganz Großbritannien, ist zwar Markeninhaberin, aber die Marke »Flexspace« nicht gerade einmalig, weshalb sie wenig erfolgreich bei den Versuchen war, die Domains flexspace.tech und flexspace.nu im Rahmen von UDRP-Verfahren vor der WIPO zu erstreiten.

flexspace.nu
Erst dieser Tage entschied WIPO-Panelist Mathias Lilleengen, ein norwegischer Rechtsanwalt, über die Domain flexspace.nu. Hier ging Flexspace No 2 LLP gegen Cem Arslan aus Dänemark, Inhaber der Domain flexspace.nu, vor. Die Beschwerdeführerin verwies auf ihre Marken, die der Gegner auf seiner Website exzessiv gebrauche. Nutzer, die auf die Domain gingen, erwarteten dort die Beschwerdeführerin zu finden oder zumindest einen ihrer Geschäftspartner. Sie beantragte, neben der Übertragung der Domain auf sich, Englisch als Verfahrenssprache. Der Gegner meldete sich nicht zum Verfahren.

Lilleengen wies die Beschwerde der Flexspace No 2 LLP ab, da der Gegner zumindest nicht bösgläubig handelte (WIPO Case No. DNU2022-0001). Er ließ Englisch als Verfahrenssprache zu, da ein Übersetzungstool auf der Website unter flexspace.nu dafür spreche, dass der Gegner auch Englisch spreche; die Beschwerde sei in Dänisch und Englisch an ihn übersandt worden. Lilleengen bestätigte auch, dass die Domain des Gegners und die Marke der Beschwerdeführerin identisch sind. Was das Recht oder berechtigte Interesse des Gegners an der Domain flexspace.nu betraf, so ersparte sich Lilleengen eine Entscheidung, nicht ohne eingehend auf eigene Faust die Sache untersucht zu haben: er schaute sich die Website an, unter der flexible Büroräume in Kopenhagen und Umgebung angeboten würden. Die Nutzung des Begriffs »flexspace« entspräche optisch aber nicht der Marke der Beschwerdeführerin. Der Gegner biete da eine eigenständige Dienstleistung an. Die Domain flexspace.nu sei im Dezember 2021 registriert worden, mit Verweis auf das dänische Handelsregister und den Gegner als Inhaber. Es sähe allerdings danach aus, als sei das Geschäft am 24. März 2022 aufgegeben worden. Auch wenn die Dauer des Geschäfts nicht langlebig war, so sei die Einstellung der Tätigkeit für den Ausgang des Verfahrens nicht ausschlaggebend. Da die Beschwerde sowieso beim Merkmal Bösgläubigkeit des Gegners scheiterte, enthielt sich Lilleengen an dieser Stelle einer Bewertung.

Im Rahmen der Prüfung der Bösgläubigkeit stellte Lilleengen keine ausreichende Nachweise fest, wonach der Gegner die Beschwerdeführerin kannte oder hätte kennen müssen. Er verwies auf die Begriffe »flex« und »space«, die zusammen eine Kombination von allgemeinen Begriffen ergäben, die ganz natürlich für die Beschreibung von flexiblen Büroräumen dienen und genutzt würden. Davon abgesehen, gäbe die Marke der Beschwerdeführerin keinen Hinweis darauf, weithin bekannt zu sein. Für den Gegner hingegen zeigten sich keine Hinweise auf Domain-Grabbing. Selbst wenn er vor Registrierung der Domain eine Internetsuche nach dem Begriff »flexspace« angestrengt hätte, so hätte er Millionen Ergebnisse gehabt und wäre nicht schlauer als vorher gewesen. Lilleengen erklärte, es sei wahrscheinlicher, der Gegner wußte nichts von der Marke der Beschwerdeführerin und registrierte eben die Domain wegen ihrer Aussagekraft aufgrund der beiden zusammengesetzten Begriffe. Auch bei der Nutzung der Domain stellte Lilleengen keine Bösgläubigkeit fest, da der Begriff »flexspace« als Abkürzung für »flexible space« weithin für entsprechende Dienstleistungen genutzt werde – auch in Ländern, in denen Englisch nicht die Erstsprache ist. Alle Wahrscheinlichkeit spreche dagegen, dass der Gegner die Beschwerdeführerin im Sinn hatte, als er die Domain für seine Website nutzte. Nach alledem lag zumindest keine Bösgläubigkeit vor, die Voraussetzungen der UDRP waren nicht erfüllt, und Lilleengen wies die Beschwerde ab.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

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