Das internationale Managementberatungsunternehmen DOTZON GmbH legte dieser Tage einmal mehr seine Ranking-Studie »Digitale Stadtmarken« vor, diesmal für das Jahr 2026. Berlin verliert seinen 1. Platz an Tokyo und begnügt sich mit Platz 2.
Seit 2005 berät DOTZON Unternehmen im deutschsprachigen Raum zu digitalen Identitäten. Aktuell legte DOTZON die 15-seitige Studie »Digitale Stadtmarken 2026« vor und setzt damit die jährlichen Rankings von 2017 bis 2025 fort. Dieses Ranking bildet ab, wie erfolgreich eine Stadt ihre digitale Stadtmarke nutzt. DOTZON untersuchte 35 Städte und ihre 40 Domain-Endungen. Istanbul (.istanbul/.ist), Moskau (.moscow/.mockba), Barcelona (.barcelona/.bcn), Abudabi (.abudhabi/ابوظبي.) und Köln (.koeln/.cologne) verfügen über jeweils zwei Varianten ihrer Top Level Domains, so dass die 35 Städte mit 40 Domain-Endungen aufwarten können. Die Bewertung der einzelnen digitalen Stadtmarken beruht auf acht Kriterien, die DOTZON zunächst erläutert. Man greift dabei auf öffentliche Daten zurück und vermeidet Sondereinflüsse wie »temporäre Marketingmaßnahmen, Promotions, Preisnachlässe und ähnliche Aktivitäten« sowie die Anzahl zum besonderen Verkauf bestimmter Premium-Domains. Herangezogen werden hingegen die Anzahl registrierter und die der aktiven Domains unter jeder cityTLD, der damit erzielte Umsatz, das Google-Listing, der Tranco-Rank, die Anzahl Domains pro Einwohner, das Bruttosozialprodukt je Domain und der Vergleich Stadt-Endung versus Länder-Endung.
Nach Auswertung dieser Referenzwerte steht zum ersten Mal .tokyo an erster Stelle und verdrängt .berlin auf den 2. Platz. Die Endung .tokyo verdankt den ersten Platz der Anzahl der unter ihr registrierten Domains, die schon immer weit höher lag als bei anderen cityTLDs – aktuell sind es 89.847 Domains. Hinzu kommt aber nun auch noch die sehr gute Positionierung von .tokyo-Domains in der Tranco-Liste. Die im Vorjahr drittplatzierte Endung .hamburg fällt auf Platz 8 zurück. An ihrer Stelle konnte sich nun die belgische Städte-TLD .brussels einrichten, die von Verhältnis registrierter Domains zur Anzahl der Einwohner, einem guten Google-Ranking sowie dem Tranco-Listing profitiert.
Der Studie lässt sich entnehmen, dass über die Jahre die Zahl registrierter Domains unter den cityTLDs letztlich, mit Zwischenhöhen 2022 und 2024, abnimmt, von 615.710 in 2019 auf jetzt 438.581 Domains. DOTZON macht dafür die massive Domain-Löschung unter zahlreichen Stadt-Endungen verantwortlich. Dies zeigt sich beispielhaft in der vergleichenden Zwillings-CityTLD-Liste, in der bei den fünf Städten mit zwei Endungen dargestellt wird, wie viele Domains von 2025 zu 2026 abgebaut wurden. So verliert .koeln 840 Domains und steht nun bei 17.318, .cologne verliert 229 Domains und steht nun bei 3.932. Bei .moscow verringert sich die Domain-Anzahl um 523 auf 16.988, .mockba generiert ein Minus von 467 auf 9.190 Domains. Warum es diese Domain-Löschungen gibt, wird allerdings nicht ersichtlich. Weiter listet die Studie die Anzahl von gemeldeten Missbrauchsfällen (Spam, Phishing und Malware), die die Registries aufgrund ihrer vertraglichen Verpflichtungen gegenüber ICANN öffentlich machen müssen. Die digitalen Stadtmarken zeichnen sich, bei einer Anzahl von gut 2.100 Missbrauchsmeldungen bei insgesamt 438.581 registrierten Domains, mit wenig missbräuchlicher Nutzung aus.
Die Studie Digitale Stadtmarken 2026 informiert und ist – wie immer – lesenswert. Ein nicht zu unterschätzendes Gewicht trägt die Studie diesmal im Hinblick auf die aktuelle zweite ICANN-Bewerbungsrunde, die noch bis 12. August 2026 läuft. Auch wenn die Zahl registrierter Domains unter den Städteendungen kontinuierlich abnimmt, ändert das nichts an deren positiver Präsenz; nicht nur für die Städte selbst, sondern auch für Unternehmungen vor Ort, die unter der Endung ihrer Heimatstadt einen klar definierten, konkurrenzlosen Platz im Internet und an ihrem Standort mit Gewinn nach außen tragen. Mehr cityTLDs sind wünschenswert.