nTLDs

.music verzögert sich weiter wegen internen Streitereien

DotMusic Limited, erfolgreiche Bewerberin um die Top Level Domain .music, hat mit internen Streitigkeiten zu kämpfen.

Die vormals für ICANN als Chief gTLD Registry Liaison tätige Tina Dam hat beim Superior Court of California Klage gegen Constantine Roussos, Gründer von DotMusic erhoben. Im Mittelpunkt der 122 Seiten starken Klage steht der Vorwurf, dass Dam im Zusammenhang mit dem gesellschaftsrechtlichen Konstrukt rund um DotMusic sowie die beiden in Zypern ansässigen Unternehmen MYTLD Limited und CGR Commerce Limited benachteiligt worden sein soll. Dabei legt Dam offen, dass Roussos im ersten Live-Jahr von .music mit einem Umsatz von US$ 62 Mio. inklusive US$ 35 Mio. an Sunrise-Gebühren geplant hat. Roussos ließ die Vorwürfe anwaltlich entschieden zurückweisen; ob und wann über die Klage mündlich verhandelt wird, steht aktuell noch nicht fest. Die Einführung von .music dürfte sich damit weiter verzögern. Nach den letzten Ankündigungen sollte die Registrierung im kommenden Jahr 2020 beginnen, derzeit ist .music aber noch nicht einmal delegiert.

Live Stats

Das Internet ist voll von Zombie-Websites

Das Netz ist voll von Zombies: nach Recherchen des Webangebots »Internet Live Stats« gibt es weltweit zwar mehr als 1,7 Milliarden Websites – mit 200 Millionen ist aber nur ein Bruchteil davon auch aktiv.

Rund 354,7 Millionen Domain-Namen waren zum 30. Juni 2019 weltweit verteilt über alle Top Level Domains registriert. Das meldet zumindest VeriSign im Domain Name Industry Brief. Doch wieviele Domain-Namen sind auch mit einer Website verknüpft? Diese Frage untersucht das internationale Angebot »Internet Live Stats«, Teil des »Real Time Statistics Project«. Demnach gibt es aktuell 1,7 Milliarden Websites, wobei als Website im Sinne dieses Werts jeder »unique hostname« zählt, also die eindeutige Bezeichnung eines durch eine IP-Adresse erreichbaren Rechners in einem Netzwerk. Dieser Wert schwankt dabei erheblich. im Jahr 2016 gab es 1.045.534.808 Websites, Ende 2017 waren es schon 1.766.926.408. Im Jahr 2018 ging es dann wieder herunter auf 1.630.322.579 Websites, so dass sich aktuell bei noch dreieinhalb Monaten im Jahr 2019 ein deutlich höherer Wert abzeichnet.

Allerdings darf man sich von den 1,7 Milliarden Websites nicht täuschen lassen. Wie »Internet Live Stats« weiter meldet, sind weniger als 200 Millionen Websites auch tatsächlich aktiv. Leider verrät man nicht, wie man zu diesem Wert kommt und was man unter »aktiv« versteht. Es wird aber zumindest deutlich, dass weder die reine Zahl der Websites noch die Zahl der registrierten Domain-Namen verlässlich darüber Auskunft gibt, wie das Internet genutzt wird. Selbst im Zeitraum 2015 bis 2017, in dem sich die Zahl der Websites verdoppelt hat, blieb die Anzahl der aktiven Websites mit rund 170 Millionen vergleichsweise stabil. Nach Einschätzung von mashable.com wird die Lücke zwischen aktiven Websites zu den tatsächlich messbaren vor allem durch Parking-Angebote geschlossen. Einen empirischen Beleg nennt man dafür ebenfalls nicht, spricht aber gleichwohl drastisch von »Zombie-Websites«.

Wer schließlich nach kuriosen Fakten sucht, wird bei „Internet Live Stats“ ebenfalls fündig. So war die erste aktive Website info.cern.ch die des britischen Physikers und WWW-Begründers Tim Berners-Lee vom 06. August 1991; sie funktioniert noch heute.

München

Der 8. Domain-Stammtisch München findet am 28.09.2019 statt

Der Herbst hat Einzug gehalten. Aber der Nachsommer blüht in München nochmal auf und könnte für gutes Wetter beim 8. Münchner Domain-Stammtisch Ende September sorgen. Der findet diesmal im Muffatwerk statt. Bisher haben sich 13 Teilnehmer angemeldet.

Der Domain-Stammtisch München, ein privat organisiertes, loses Treffen der Domain-Branche, kommt zum 8. Male zusammen und befindet sich im 4. Jahr. Das Konzept des offenen Austauschs und losen Beisammenseins in einem wechselnden Münchner Biergarten führt im anstehenden Frühherbst in das Muffatwerk im Süden der Maximiliansanlagen. Schon jetzt haben sich 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für dieses Treffen angemeldet. Unter ihnen finden sich Daniela Heinrich (InternetX), Stefan Meinecke (CEO GreenSec), Sebastian Röthler (CEO info.at), Richard Wein (CEO Nic.at), Natalie Becker (Bloggerin) und weitere.

Der 8. Domain-Stammtisch München findet am 28. September 2019 ab 12:00 Uhr im Biergarten »Muffatwerk«, Zellstraße 4 in 81667 München, statt. Die Teilnahme am Treffen ist kostenlos. Für Essen und Getränke muss jeder Teilnehmer selbst aufkommen.

UDRP

MX Technologies Inc. unterliegt im Streit um die Transliterations-Domain ᴍx.com

Ein US-amerikanischer Finanzdienstleister sah seine Markenrechte durch eine »transliterarisierte« Domain verletzt. Die Domain ᴍx.com (xn--x-x6l.com) sah der Marke »MX« und der Domain mx.com zum Verwechseln ähnlich. In einem UDRP-Verfahren scheiterte der Finanzdienstleister allerdings.

Die MX Technologies Inc. aus den USA sah ihre Rechte durch die internationalisierte Domain ᴍx.com (xn--x-x6l.com) verletzt. MX ist ein Technologieunternehmen, das Finanzinstituten und Finanztechnologieunternehmen Software und Backend-Softwaredienstleistungen zur Verfügung stellt, um ihren Endnutzern dabei zu helfen, ihre jeweiligen Transaktionen zu budgetieren, zu verwalten und persönliche Schulden zurückzuzahlen. Früher nannte es sich MoneyDesktop, 2014 firmierte es in MX um. Das Unternehmen ist Inhaberin einer 1994 und einer 2016 (in anderen Markenklassen) eingetragenen US-Marke »MX«. In einem vor der WIPO gestarteten UDRP-Verfahren trägt sie unter anderem vor, sie nutze die eigene Domain mx.com seit September 2014; sie habe 1.800 Klienten und über 26 Millionen Nutzer, die ihre Geldangelegenheiten auf ihrer Plattform abwickelten. Die im März 2019 registrierte Domain ᴍx.com stelle eine Transliteration ihrer Marke in einen Zeichensatz dar, der nicht aus ASCII-Zeichen oder lateinischen Buchstaben bestehe, aber ihre Marke und ihre Domain mx.com kopiere. Im März 2019 habe ein Kunde in einem Sicherheitsscan das Potenzial der Domain für verdächtige Aktivitäten bemerkt und sie darüber informiert. Daraufhin habe man gleich den Inhaber, einen Privacy-Anbieter, per eMail kontaktiert, jedoch keine Antwort erhalten. Die Domain könne zum Zwecke des Missbrauchs, der Ausnutzung und Zerstörung ihres Geschäftsmodells genutzt werden; dafür spreche unter anderem die Nutzung eines Privacy-Services. Der Gegner, auf den die Domain im Mai 2019 übertragen wurde, nahm nicht offiziell zur Sache Stellung, sandte aber eine eMail, in der er auf Spanisch erklärte, dass er nicht mehr Inhaber der Domain sei und seine Kreditkarte, mit der er für die Domain bezahlt habe, gekündigt worden sei. Später teilte er – wieder auf Spanisch – mit, der Registrar habe ihm geschrieben, dass er keine Erlaubnis mehr habe, die Domain zu nutzen. WIPO setzte den brasilianischen Rechtsanwalt Wilson Pinheiro Jabur als Entscheider ein.

Jabur kam zu dem Ergebnis, dass derzeit kein Anzeichen für ein bösgläubiges Verhalten des Gegners des UDRP-Verfahren ersichtlich sei und wies die Beschwerde von MX zurück (WIPO Case No. D2019-1241). Unter Verweis auf die WIPO Jurisprudential Overview 3.0, Section 1.14, in der das Thema »Transliteration« abgehandelt wird, stellte Jabur die Identität von Marke und Domain fest. Bei einer Transliteration handelt es sich um eine buchstabengetreue Übertragung von Wörtern aus einer Schrift in eine andere. Im WIPO-Overview heißt es sinngemäß: Ein Domain-Name, der aus einer Übersetzung oder Transliteration einer Marke besteht oder diese beinhaltet, wird in der Regel als identisch oder verwirrend ähnlich zur Marke angesehen, soweit diese – oder ihre Variante – erkennbar ist. Jabur verwies in dem Fall auf die optische Ähnlichkeit.

Ein Recht oder berechtigtes Interesse des Gegners an der Nutzung der Domain ᴍx.com vermochte Jabur nicht festzustellen: Formell habe der Gegner keine Stellung bezogen. In seiner informellen eMail erkläre er nicht die Wahl der Domain und die Zwecke, für die er sie einsetzen wollte, sondern beschreibe den Verlust der Domain und seiner Kreditkarte, was angesichts des Umstands, dass die Beschwerdeführerin ein Finanztechnologieunternehmen und ein potentielles Ziel für betrügerische Aktionen sei, fasziniere. Davon abgesehen helfe dem Gegner auch die über die Domain erreichbare Website nicht weiter: auf der seien Charaktere und Sternzeichen dargestellt; sie unterstreiche jedoch nicht, dass er ein Recht oder berechtigtes Interesse an der Domain habe.

Schließlich wandte sich Jabur der Frage der Bösgläubigkeit zu und stellte fest: Die Beschwerdeführerin stütze sich auf die eMail eines Kunden, der eine »suspicious email domain« (verdächtige eMail-Domain) erkannt habe, und verweise auf bekannte, ähnlich gelagerte Fälle, bei denen solche Domains für betrügerische Rechnungen oder zu „Social Engineering“ missbraucht wurden. Aus Jaburs Sicht seien das lediglich mögliche Risiken; aber daraus ergäben sich für die Domain aktuell keine Hinweise, dass sie derzeit zu solchen zwielichtigen Zwecken genutzt werde. Der Gegner habe zwar keinen Nachweis dafür erbracht, dass er die Domain aktuell oder zukünftig berechtigterweise nutzt oder nutzen werde. Zudem bestünden andere Punkte, die gegen den Gegner sprächen, wie die Nutzung eines Privacy-Service, die Behauptung, die Domain nicht mehr unter Kontrolle zu haben, die gekündigte Kreditkarte und die Möglichkeit, die Domain gegen die Beschwerdeführerin als Ziel für Betrugsaktionen zu nutzen. Jedoch gäbe es zur Zeit keinen Nachweis, dass der Gegner einen Markeninhaber wie die Beschwerdeführerin bei der Registrierung der Domain ins Auge gefasst hatte, noch gäbe es Beweise für einen aktuelles Betrugsszenario, das mit der Domain ausgeführt werde und die Beschwerdeführerin zum Ziel hätte. Damit habe die Beschwerdeführerin keinen Nachweis für die Bösgläubigkeit des Gegners erbracht, weshalb sie das 3. Element des UDRP-Verfahrens nicht erfüllt habe. Aus diesem Grund wies Jabur die Beschwerde zurück, räumte aber ein, sollten sich Betrugsaktionen im Zusammenhang mit der Domain ᴍx.com (xn--x-x6l.com) ergeben, könne ein neues UDRP-Verfahren gestartet werden.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

PIR

ICANN-Ombutsmann gibt Wiedereinführung der Gebührendeckelung für .org keine Chance

Der am 30. Juni 2019 verlängerte Registry-Vertrag für .org zwischen ICANN und der US-amerikanischen Public Interest Registry (PIR) hat nun auch den Ombudsman der Internet-Verwaltung, Herb Waye, beschäftigt.

Auslöser sind zwei »Reconsideration Request«-Verfahren, eingeleitet vom US-Registrar Namecheap Inc. und der Electronic Frontier Foundation (EFF). Ihr gemeinsames Ziel ist es, die Streichung der Gebührendeckelung (»price caps«) rückgängig zu machen. Geht es nach Waye, sollten sie sich aber keine große Hoffnung machen. In seiner Stellungnahme vom 07. September 2019 macht er deutlich, dass ICANN sich an die Spielregeln (»by the book«) gehalten habe. Soweit der Einwand erhoben worden, war, dass die mehr als 3.200 eingegangenen Kommentare nicht ausreichend berücksichtigt worden seien, so sei die Zahl an sich beachtlich; bei genauerem Hinsehen würden jedoch viele Kommentare Spam ähneln. Das Ergebnis seiner Prüfung fasst er wie folgt zusammen:

What Requestor set forth and requests in Request for Reconsideration 19-2 does not merit a recommendation by me to the BAMC or the Board to take the action Requestor requests, or to take any action at all.

Wann das ICANN-Board seine abschließende Entscheidung trifft, steht derzeit noch nicht fest.

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