nTLDs

Amazon und Google begrüßen die kommende Einrichtung der Endung .internal

Die Internet-Verwaltung ICANN ist ihrem Vorhaben, die Zeichenkette .internal auf die Liste der reservierten Top Level Domains zu setzen, einen Schritt näher gekommen.

Im Rahmen der öffentlichen Anhörung gingen insgesamt 32 Stellungnahmen bei ICANN ein, darunter von Gregory DiBiase (Amazon) und Vinton Cerf (Google). Beide begrüssten die Ankündigung ausdrücklich. DiBiase teilt mit:

Amazon makes extensive use of the ».INTERNAL« TLD within our network for infrastructure that is only accessible locally“

Vint Cerf erklärt:

In addition, Google is already using the string .internal (and has been for many years) in a manner similar to that described in SAC113, as part of our Google Cloud Platform offerings to businesses.

Keine der eingegangenen Stellungnahmen sprach sich aus begründetem Anlass gegen .internal ein. ICANN wird damit voraussichtlich wie geplant eine Empfehlung des Security and Stability Advisory Committee (SSAC) aus dem September 2020 umsetzen. Das auf Sicherheit und Integrität des Domain Name Systems spezialisierte Gremium hatte vorgeschlagen, ein Label zu reservieren, dass weder aktuell noch in Zukunft delegiert wird. Mit .internal soll es daher künftig eine Zeichenfolge geben, die auf ähnliche Weise wie private IP-Adressen reserviert bleibt. Die Entscheidung des ICANN Board of Directors wird in Kürze erwartet.

Gesetzgebung

Justizminister Buschmann kündigt Qick-Freeze-Verfahren statt Vorratsdatenspeicherung an

Im Streit um die anlasslose Vorratsdatenspeicherung hat Justizminister Marco Buschmann angekündigt, die Möglichkeit einer anlassbezogenen Sicherungsanordnung für Verkehrsdaten (»Quick Freeze«) einzuführen. Dem Bundeskriminalamt (BKA) geht die Regelung nicht weit genug.

Mit Urteil vom 20. September 2022 hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) einmal mehr bestätigt, dass die deutschen Vorschriften zur Vorratsdatenspeicherung unvereinbar mit EU-Recht sind, da das Unionsrecht einer allgemeinen und unterschiedslosen Vorratsspeicherung von Verkehrs- und Standortdaten wie zum Beispiel IP-Adressen oder Telefonnummern entgegensteht. Ausnahmen erkannte das Gericht nur in wenigen Fällen an, die sich aus dem Schutz der nationalen Sicherheit, der Bekämpfung schwerer Kriminalität und der Verhütung schwerer Bedrohungen der öffentlichen Sicherheit ergeben. Insbesondere müsse die nationale Regelung einen auf das absolut Notwendige begrenzten Zeitraum für eine allgemeine und unterschiedslose Vorratsspeicherung der IP-Adressen, die der Quelle einer Verbindung zugewiesen sind, vorsehen. Buschmann kündigte unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Urteils an, die anlasslose Vorratsdatenspeicherung »zügig und endgültig« aus dem Gesetz zu streichen. Stattdessen werde man das »Quick-Freeze«-Verfahren einführen. Beim »Quick Freeze« können Ermittlungsbehörden relevante Telekommunikationsdaten bei den Providern einfrieren lassen, wenn der Verdacht auf eine Straftat von erheblicher Bedeutung besteht. Die damit zusammenhängenden Daten dürfen dann vorerst nicht mehr gelöscht werden, und auch neu anfallende Daten müssen gesichert werden. Wenn sich im Verlauf der weiteren Ermittlungen zeigt, dass die Daten tatsächlich für das Verfahren relevant sind, dürfen die Ermittler in einem zweiten Schritt auf die relevanten Daten zugreifen. Sowohl das Einfrieren als auch die spätere Übermittlung an die Behörden benötigen eine gerichtliche Anordnung.

Gegen dieses Vorhaben regte sich insbesondere bei den von der SPD geführten Ministerien, darunter Innenministerin Nancy Faeser, erheblicher Widerstand. Dort hatte man sich für eine neue rechtskonforme Regelung für eine anlasslose Speicherung von Verkehrs- und Standortdaten der Telekommunikation ausgesprochen; die IP-Adresse des Tatverdächtigen sei »oft der einzige Ermittlungsansatz«. Das von Buschmann vorgeschlagene Verfahren sei »kein adäquater Ersatz für eine Speicherung von IP-Adressen«. Buschmann sah für die bisherige Vorratsdatenspeicherung jedoch keinen Raum mehr, zumal die anlasslose Vorratsdatenspeicherung in Deutschland aufgrund der Rechtsprechung des EuGH bereits seit mehreren Jahren nicht mehr durchgesetzt wird. Mit dieser Forderung konnte er sich nun durchsetzen. Über den Kurznachrichtendienst X (vormals Twitter) verkündete Buschmann:

Wir geben den Ermittlungsbehörden ein Instrument an die Hand, das effektiv, grundrechtsschonend und rechtssicher ist. Ein guter Tag für Freiheit und Sicherheit!.

Der Gesetzesentwurf soll in einem nächsten Schritt vom Bundesministerium der Justiz (BMJ) überarbeitet und den Bundesländern zur Stellungnahme übersandt werden. Das Bundesinnenministerium betonte allerdings, dass es über IP-Adressen »ausdrücklich keine Einigung« gegeben habe. Der SPD-Fraktionsvize Dirk Wiese kündigte an, im parlamentarischen Verfahren intensiv beraten zu wollen, »wie diese Methode den Anforderungen einer effizienten Strafverfolgung im Internet gerecht wird.«

Weiteren Gesprächsbedarf für eine befristete Speicherung von IP-Adressen hat auch Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), angekündigt. In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland betonte er, dass man einen dringenden Bedarf dafür habe, IP-Adressen grundsätzlich für einen gewissen Zeitraum zu speichern. Derzeit würden die Provider die IP-Adresse maximal sieben Tage speichern, um nachverfolgen zu können, wenn es technische Probleme gegeben hat. Die meisten IP-Adressen seien deshalb nicht oder nicht mehr vorhanden, wenn das BKA Ermittlungen beginnen. Münch:

Eine Speicherung der IP-Adressen von zwei bis drei Wochen würde ausreichen, um die Erfolgsquote bei der Strafverfolgung im Bereich der Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen massiv zu steigern.

Auch Hinweise auf Terrorgefahr und auf Hass und Hetze im Netz ließen sich viel sicherer und schneller verfolgen. Für weitere Diskussionen scheint also gesorgt.

Vilnius

Der EuroDIG 2024 findet im Juni in Litauen statt

Der EuroDIG 2024 findet im Juni 2024 als Hybridveranstaltung und zusammen mit den Baltic Domain Days 2024 in Vilnius (Litauen) statt. Thema ist diesmal »Balancing innovation and regulation«.

Der European Dialogue on Internet Governance (EuroDIG) findet jedes Jahr in einem anderen europäischen Land statt, so dass immer wieder neue Teilnehmer hinzukommen. Der EuroDIG ist keine gewöhnliche Konferenz, die von oben nach unten von einem kleinen Ausschuss organisiert wird. Es ist eine Plattform, auf der man sich bei der Gestaltung der Tagesordnung und der Themen in jeder Phase der Organisation einbringen kann. In diesem Jahr ist Vilnius in Litauen vom 17. bis 19. Juni 2024 Austragungsort. Das übergreifende Thema lautet »Balancing innovation and regulation« (Balance zwischen Innovation und Regulierung). Die Veranstaltung wird von der »Communications Regulatory Authority of Lithuania (RRT)« in Zusammenarbeit mit dem litauischen Außenministerium, dem litauischen Ministerium für Verkehr und Kommunikation und der öffentlichen Einrichtung GoVilnius ausgerichtet. Die Wahl fiel nicht von ungefähr auf Vilnius: zeitgleich finden dort die Baltic Domain Days 2024 statt. Die Veranstalter haben sich zusammengetan, so dass die Baltic Domain Day als Teil der EuroDIG am gleichen Ort und zur gleichen Zeit stattfinden. Das Programm für beide Veranstaltungen wurde konsolidiert und ist online. Bereits vom 14. bis 16. Juni 2024 findet Begleitveranstaltung YouthDIG (Youth Dialogue on Internet Governance) statt. Sie wendet sich an junge Teilnehmer zwischen 18 und 30 Jahren aus Europa, die großes Interesse an Internet Governance, digitaler Politik und Zusammenarbeit haben. Die YouthDIG wird in englischer Sprache abgehalten.

Der EuroDIG 2021 findet vom 17. bis 19. Juni 2024 in den Gebäuden der ISM University of Management und Economics, Gedimino pr. 7 in Vilnius (Litauen) und online statt. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos – dank zahlreicher Sponsoren. Nichtsdestotrotz bittet man um eine Spende der einzelnen Teilnehmer, da das Budget nicht sehr nachhaltig und stabil ist. Teilnehmer, die persönlich in Vilnius dabei sein möchten, müssen sich bis zum 14. Juni 2024 anmelden. Im vergangenen Jahr anlässlich des EuroDIG im Juni in Tampere in Finnland gab es 752 Anmeldungen, von denen über 66 Prozent erstmals am EuroDIG teilnahmen. Wie es diesmal wird, muss sich zeigen. Aufgrund der Verknüpfung mit den Baltic Domain Days 2024 könnte das Interesse und die Teilnehmerzahl allerdings noch größer sein.

nTLDs

APE Foundation will .ape bei der kommenden Einführungsrunde anmelden

Die APE Foundation, selbst ernannter »Steward« der Kryptowährung ApeCoin (APE), hat angekündigt, sich bei der Internet-Verwaltung ICANN um die Top Level Domain .ape bewerben zu wollen.

Gelingen soll dieser Schritt in Zusammenarbeit mit dem Start-Up D3 Global; das Unternehmen teilte in einem Blog-Artikel mit, dass man 3 Mio. Einheiten von $APE im Gegenwert von rund US$ 5 Mio. erhalten werde, um sich bei ICANN um .ape zu bewerben und die Endung zu betreiben. Der Zusammenarbeit ging eine Umfrage in der ApeCoin DAO (Decentralized Autonomous Organization) voraus, die mit überwältigender Mehrheit für die Bewerbung stimmte; im Gegenzug soll die DAO 50 Prozent der Bruttoeinnahmen erhalten. D3 Global geht davon aus, dass man im vierten Jahr einen Umsatz von rund US$ 8 Mio. mit 90.000 registrierten .ape-Domains erzielen kann. »It’s simple, Ape Names are built by Apes, for Apes«, so D3 Global. D3 Global wiederum entwickelt sich zum Magnet für Bewerber aus dem Blockchain-Ökosystem; mit der NEAR Foundation (.near), Gate.io (.gate), Viction (.vic) und Shiba Inu (.shib) vertritt man bereits vier weitere Unternehmen, die eine Bewerbung angekündigt haben. Interessenten müssen sich aber noch eine Weile gedulden: Bewerbungen für neue Domain-Endungen nimmt ICANN nach aktuellem Stand erst im 2. Quartal 2026 entgegen.

Tipps für Domain-Investoren

Bob Hawkes veröffentlicht seinen »Process to Rate and Price a Domain Name Acquisition«

Domain-Investor zu sein, bedeutet Arbeit. Methodisches Vorgehen beim Domain-Finden erleichtert die Arbeit. Domain-Investor Bob Hawkes zeigt in einem zweigeteilten Artikel auf NamePros.com sein Vorgehen bei der Domain-Wahl.

Hawkes investiert in und analysiert Domains, lehrt inoffiziell und schreibt zum Thema. Derzeit ist er bei nametalent.com und namepros.com aktiv. Anfang April 2024 veröffentlichte er seinen »Process to Rate and Price a Domain Name Acquisition« in zwei Teilen auf namepros.com. Wer ernsthaft mit Domains handeln will, kommt an diesen Informationen nicht vorbei. Wir haben uns den Artikel angeschaut.

Mit »Domain name investing is hard« eröffnet Hawkes sein Vademekum und macht im zweiten Satz klar, dass typischerweise allenfalls ein Prozent Domains von Investoren innerhalb eines ganzen Jahres verkauft werden. Um die eigenen Verkaufschancen zu erhöhen, sollte man systematisch bei der Wahl von Domains, mit denen man handeln will, vorgehen. Hawkes hält es für wichtig, die von ihm angegebene Reihenfolge einzuhalten, andernfalls wird das Ergebnis verfälscht. Er startet beim Domain-Namen selbst, seiner Struktur, Klarheit, Verständlichkeit und Erinnerbarkeit. Als Beispiel nimmt er die Domain rafter(.)xyz. Er baut auf Begriffe mit mehreren Interpretationsmöglichkeiten, sowohl wörtlich als auch metaphorisch. Die ausgesuchte Domain muss für ein Unternehmen zur Nutzung als Geschäftsadresse von Interesse sein. Im Laufe des Prozesses greift Hawkes auf zahlreiche Online-Hilfen zurück wie Wörterbücher, öffentlich zugängliche Datenbanken, Suchmaschinen und spezialisierte Angebote, die zumindest begrenzte Anfragen zulassen und so schon ordentliche Informationen bieten. Selbstverständlich stellt sich auch die Frage einer möglichen Markenrechtsverletzung und der bereits vorliegenden Registrierungen des Begriffs unter anderen Top Level Domains. Letzteres wird auch bei der Konsistenz von Domain-Name, möglicher geschäftlicher Nutzung und passender Endung dazu relevant. Gegen Ende stellt sich die Frage der Wert- und Preisfindung und damit der Wirtschaftlichkeit des Kaufs der Domain. Hawkes stellt dabei klar:

Never register or acquire another extension without carefully looking at the .com.

Von Bedeutung ist, wie sich vergleichbare Domains verkauft haben, wobei schon das Problem besteht, was eine vergleichbare Domain überhaupt ist. Vergleichsverkäufe zu finden und prüfen, ist laut Hawkes einer der schwierigsten und zeitaufwändigsten Teile des Prozesses. Die Preisfindung sei sowohl eine Kunst wie auch eine Wissenschaft. Kann man abschätzen, zu welchem Preis sich die Domain verkaufen lässt, kommt die Minute der Wahrheit: Ist es die Domain wert. Das berechnet Hawkes mit der Formel: Wahrscheinlichkeit des Verkaufs binnen eines Jahres (0,5 bis 1 Prozent) mal (*) Nettoverdienst bei Verkauf der Domain ist größer als (>) die jährlichen Registrierungsgebühren. Hawkes schließt mit der Liste der einzelnen Prozesse und der ungefähren Zeit, die man für sie aufwendet. Er geht davon aus, dass man anfangs deutlich länger braucht. Aber wenn man den Prozess oft genug durchlaufen hat, nimmt er ca. 30 Minuten für jede Domain in Anspruch. Dahin zu kommen, verlangt allerdings Disziplin.

Hawkes Artikel »Process to Rate and Price a Domain Name Acquisition« ist von großem Wert für jeden, der mit Domains handelt oder handeln will. Er gibt dem Prozess der Wahl einer Domain Struktur. Zudem gibt er immer wieder Hinweise, in welchem Fall an welcher Stelle die Prüfung einer Domain sinnvollerweise abgebrochen und mit einem anderen Domain-Namen von vorne begonnen werden sollte. Weiter bietet der Artikel eine Menge – kostenloser – Quellen, die einem bei der Prüfung der Kaufwürdigkeit einer Domain unterstützen. Die Lektüre ist unumschränkt zu empfehlen.

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