gTLDs

VeriSign erhöht die .com-Preise wegen Corona zunächst nicht

Im Angesicht der weltweiten Corona-Krise hat VeriSign Inc. angekündigt, die Gebühren für .com- und .net-Domains bis mindestens 31. März 2021 stabil zu halten. Bereits im März 2020 hatte VeriSign versprochen:

In order to support individuals and small businesses affected by this crisis, VeriSign will freeze registry prices for all of our Top-Level Domains (TLDs), including .com and .net, through the end of 2020.

Dieses Einfrieren der Gebühren hat VeriSign nun bis zum Ende des 1. Quartals 2021 verlängert. Wirtschaftlich hart treffen wird VeriSign dieser Schritt nicht. Zum einen lag die Zahl der im 2. Quartal 2020 registrierten .com- und .net-Domains trotz Pandemie über jener aus dem 2. Quartal 2019; zum anderen müsste VeriSign die Erhöhung sechs Monate vorher ankündigen, so dass man ohnehin erst ab Januar 2021 die Einkaufspreise für die Registrare hätte erhöhen können.

ECO

Neue Studie zur Internetnutzung 2020 durch Unternehmen in den DACH-Regionen

Eco – Verband der Internetwirtschaft eV, legt eine neue Studie unter dem Titel »Benchmarks der Internetnutzung 2020« vor, in welcher der Umgang von namhaften Unternehmen mit dem Internet untersucht wird. Bei der Domain-Pflege haben danach noch zahlreiche Unternehmen Nachholbedarf.

»Der Digitalisierungs-Schub durch Corona ist nachhaltig« heißt es schon in den ersten Zeilen der 35-seitigen Studie, in die Hauptgeschäftsführer von eco, Harald A. Summa, und Online-Marketingexperte Dr. Torsten Schwarz einführen. Die Zusammenfassung zu Beginn der Studie weist im Titel darauf hin, woran es deutlich fehlt: »Unternehmen sollten Domain-Sicherheit verbessern. Aber auch die Website-Gestaltung muss bei vielen in die Hand genommen und auf mobile Endgeräte abgestimmt werden, da immer mehr Menschen mit solchen Geräten im Internet aktiv sind und Google sein Ranking ab September 2020 »einzig und allein« über mobiles Webdesign indexieren wird. Aber zunächst zum Aufbau der Studie: Nach den einführenden Worten werden die Parameter der Untersuchung vorgestellt, die Anzahl der Unternehmen, Kriterien für die Differenzierung der Unternehmen, die Erkenntnisse und die Veränderungen gegenüber der Vorjahresuntersuchung. Dann wird kurz das Ranking betrachtet, ehe Einblick in die einzelnen Ergebnisse der Studie genommen wird.

Die Daten der Studie wurden im Zeitraum April bis Juni 2020 erhoben. eco untersuchte 5.036 Unternehmen aus der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz), die man neun Branchen (B2B, Handel, Markenhersteller, Finanzen, Medien usw.) zuordnet und unterhalb dieser Branchen in insgesamt 208 Sektoren (z.B. unter Gesundheit: Klinik, Seniorenheim, Versandapotheke usw.) aufteilt. Die Varianz der Unternehmen reichte von solchen mit über 5 Mio. Website-Zugriffen monatlich (6 Prozent), über das Gros von 36 Prozent mit bis zu 100.000 Zugriffen, bis auf die mit bis zu 10.000 (19 Prozent) Webzugriffen im Monat. Die Unternehmen wurden anhand von 18 Kriterien untersucht, von denen drei (u.a. Ladezeiten der Website) variabel waren und eine Bewertung von »0 bis 99«, während die Einzelkriterien lediglich ein »ja« oder »nein« zuließen. Wesentliche Erkenntnis war, dass lediglich vier Prozent der untersuchten Domains der Unternehmen vollumfänglich gegen Missbrauch Dritter geschützt waren. Was fehle, seien aktive DMARC- und SPF-Einträge. Es handelt sich dabei um »Domain-based Message Authentication, Reporting and Conformance«, eine Spezifikation, die den Missbrauch von eMails reduzieren soll. Die Authentifizierung von eMails soll mit dieser sicherer werden. DMARC baut dabei auf SPF (Sender Policy Framework) und DKIM (DomainKeys Identified Mail) auf. Diese legen für eine Absender-Domain fest, wie der Empfänger der eMail deren Authentifizierung durchführen soll und wie bei Fehlern zu verfahren ist. Die Studie zeigt, dass der Umfang der Domain-Sicherung bei Unternehmen mit kleinerer Online-Reichweite deutlich schlechter ausfällt. Davon abgesehen, scheinen Länderendungen bei den ausgewählten Unternehmungen nicht so populär zu sein, wie man es erwarten würde: lediglich 58 Prozent nutzen .de-, .at- oder .ch-Domains, während .com von 39 Prozent herangezogen wird. Bei letzteren handelt es sich auch vorrangig um international agierende Unternehmen. Diese, wie auch die je 1 Prozent, die .net und .eu als Endung nutzen, erkennen aber zum Großteil nicht einmal den Standort des Website-Besuchers, um sie direkt auf eine spezifische Länderseite weiterzuleiten.

Die Studie zeigt unter anderem, dass der Spielraum für Unternehmen, sich um die eigenen Internetdomains zu kümmern und die Situation zu verbessern, durchaus groß ist. Die Studie »Benchmarks der Internetnutzung 2020« ist leicht verständlich, sehr aufschlussreich und lesenswert. Wir haben uns die Kurzversion angeschaut. Eine ausführliche Standard-Version mit den vollständigen Rankings aller 208 Sektoren bekommt man ebenfalls bei eco eV. Übrigens, als vorbildlichstes Unternehmen sticht DHL hervor, das Platz eins belegt, gefolgt von Witt Weiden und jobware.

nTLDs

.shiram wird als erste .brand-Endung wegen Covird-19 gekündigt

Der indische Finanzdienstleister Shriram Capital Ltd., Teil eines umfangreichen Unternehmenskonglomerats, hat den Registry-Vertrag für die Marken-Endung .shriram mit der Internet-Verwaltung ICANN gekündigt.

Anders als praktisch alle .brands zuvor begründet Shriram Capital diesen Schritt, und zwar unter einem Verweis auf die Corona-Krise:

Due to unprecedented Covid-19 effect on the business, we have no other option but to terminate the registry agreement with effect from 3lst March 2020.

Auch wenn die Regelung nicht zitiert wird, wertet ICANN diesen Verweis als Kündigung gemäß Sektion 4. 4 b) des Registry-Agreements, die eine jederzeitige ordentliche Kündigung unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von 180 Kalendertagen gestattet. Die Endung wurde am 24. Dezember 2014 delegiert, die Zahl der registrierten Domains kam jedoch nie über 50 hinaus; in vielen Fällen wurden sie lediglich zur Weiterleitung auf ein .com-Angebot genutzt.

nTLDs

Das Schiedsverfahren um .web tritt in die finale Phase

Der seit Jahren schwelende Streit um die Zukunft der neuen generischen Domain-Endung .web tritt in die finale Phase: ab dem 03. August 2020 beginnt die virtuelle Anhörung vor dem Schiedsgericht des International Centre for Dispute Resolution (ICDR).

Im November 2018 hatte Afilias Domains No. 3 Limited, unterlegene Bewerberin um .web, ein »Independent Review Process«-Schiedsverfahren (IRP) gegen die Internet-Verwaltung ICANN eingeleitet. Darin führt Afilias aus, weshalb ICANN bei der Vergabe von .web an den Registry-Neuling Nu Dot Co LLC gegen eigene Statuten verstoßen habe und deshalb vom weiteren Bewerbungsverfahren hätte ausgeschlossen werden müssen. Zentraler Vorwurf ist, dass Nu Dot Co mit der .com-Registry VeriSign Inc. einen finanzstarken Partner im Rücken hatte, der das (am Ende siegreiche) Auktionsgebot von US$ 135 Mio. überhaupt erst möglich gemacht hat, dessen Beteiligung jedoch nicht offengelegt wurde. In einer ersten Reaktion auf dieses IRP-Verfahren hatte sich ICANN verpflichtet, von allen Maßnahmen abzusehen, die auf eine Delegierung von .web abzielen; daher ist .web bisher weder in die Root Zone eingetragen, noch gibt es einen konkreten Termin, ab dem die ersten .web-Domains registrierbar sind. Zuletzt wurde bekannt, dass sich VeriSign über einen »amicus curiae«-Schriftsatz zu Gunsten von ICANN an dem Verfahren beteiligt hat.

Ob das den gewünschten Erfolg hat, wird sich ab dem 03. August 2020 zeigen. Anlässlich des sogenannten »earnings call«, einer Telefonkonferenz mit Investoren, gab VeriSign am 24. Juli 2020 bekannt:

[…] a final hearing is currently scheduled to begin on August 03 in the Independent Review Process or IRP that affiliates initiated in November 2018.

Die Anhörung findet via Videokonferenz statt. VeriSign selbst ist zwar nicht Partei des Schiedsverfahrens, hat aber das Recht erhalten, in begrenztem Umfang teilzunehmen, hauptsächlich durch schriftliche Stellungnahmen. Bis wann das Schiedsgericht seine Entscheidung dann trifft, ist derzeit offen. Während es in der Auseinandersetzung um .amazon nur einige Wochen nach der Anhörung zu der Verkündigung kam, hat es in anderen Fällen mehrere Monate gedauert. Dass die ersten .web-Domains noch in diesem Jahr registriert werden können, ist also unwahrscheinlich, erst Recht in Zeiten einer weltweiten Pandemie.

Wie das Schiedsgericht entscheiden wird, lässt sich nicht seriös vorhersagen. Afilias macht unter anderem geltend, dass VeriSign mit den Einnahmen aus .com verhindern will, dass .web mit einer erfahrenen Registry zu einem ernsthaften Konkurrenten heranwächst. VeriSign hingegen hat ausgeführt, erst 2015, mithin drei Jahre nach Einreichung der .web-Bewerbung, vereinbart zu haben, dass man Nu Dot Co unterstützen wird. Ausserdem behauptet Verisign, dass Afilias selbst eine »blackout period« wenige Tage vor der öffentlichen Auktion verletzt habe. Details der gewechselten Schriftsätze sind auf der ICANN-Website für jedermann öffentlich einsehbar.

ccTLDs

EURid erneuert die Registrierungsregelungen für .eu

Die .eu-Verwalterin EURid hat die Registrierungsregelungen für .eu überarbeitet.

Am 11. Juni 2020 hat die European Free Trade Association (EFTA) mitgeteilt, sich mit der European Economic Area (EEA) auf eine Umsetzung der Verordnung (EU) 2019/517 des Europäischen Parlaments und des Rates verständigt zu haben. Damit können künftig auch Bürger aus Norwegen, Liechtenstein und Island .eu-Domains registrieren, unabhängig davon, wo sie ihren Sitz haben. Für EU-Bürger gilt diese Regelung bereits seit Oktober 2019. Damit möchte man zum einen die Domain Name Industry stärken, zum anderen den digitalen Binnenmarkt erweitern und um europäische Werte wie Vielsprachigkeit, Datenschutz und Sicherheit bereichern. Überarbeitete Vergaberegelungen will EURid bis zum 02. September 2020 veröffentlichen.

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Der Domain-Newsletter von domain-recht.de ist der deutschsprachige Newsletter rund um das Thema "Internet-Domains". Unser Redeaktionsteam informiert Sie regelmäßig donnerstags über Neuigkeiten aus den Bereichen Domain-Registrierung, Domain-Handel, Domain-Recht, Domain-Events und Internetpolitik.

Mit Bestellung des Domain-Recht Newsletter willigen Sie darin ein, dass wir Ihre Daten (Name und E-Mail-Adresse) zum Zweck des Newsletterversandes in unseren Account bei der Episerver GmbH, Wallstraße 16, 10179 Berlin übertragen. Rechtsgrundlage dieser Übermittlung ist Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe a) der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Sie können Ihre Einwilligung jederzeit widerrufen, indem Sie am Ende jedes Domain-Recht Newsletters auf den entsprechenden Link unter "Newsletter abbestellen? Bitte einfach hier klicken:" klicken.

Seite 1 von 559
Top