UDRP

Das Streitbeilegungsverfahren um kaufmanauctions.com endet in einer Reverse Domain Name Hijacking-Entscheidung

Das UDRP-Verfahren um die Domain kaufmanauctions.com fand für die Kaufman Realty and Auctions LLC ein schmerzhaft schnelles Ende: Der Gegner meldete sich gar nicht erst und der Entscheider wies die Beschwerde nicht nur ab, sondern stellte auch gleich noch ein Reverse Domain Name Hijacking (RDNH) fest.

Die Kaufman Realty and Auctions LLC, vertreten durch Anwälte, sah ihre Markenrechte durch die Domain kaufmanauctions.com verletzt. Das Unternehmen ist auf Grundstücksversteigerungen spezialisiert und behauptet, seit 31. Dezember 2011 unter der Bezeichnung »Kaufman Auctions« auf dem Markt aktiv zu sein. Seit Oktober 2021 ist sie Inhaberin einer entsprechenden, beim US-Markenamt eingetragenen Marke. Vor The Forum erklärt sie unter anderem, der Gegner habe die Domain registriert, um diese an sie zu verkaufen. Der Gegner, die Rarenames INC., meldete sich nicht zur Sache. Als Panelist wurde US-Anwalt Terry F. Peppard berufen.

Peppard machte sehr kurzen Prozess und wies die Beschwerde ab, da sie die Voraussetzungen der UDRP nicht erfüllte (NAF Claim Number: FA2207002006249). Nach seiner Prüfung scheiterte die Beschwerdeführerin am Nachweis bösgläubigen Registrierens und Nutzens der Domain durch den Gegner. Peppard bemängelt vor allem den dünnen Vortrag der Beschwerdeführerin. Sie habe sieben kurze Absätze formuliert, und in jedem komme die Phrase »upon information and belief« (»nach besten Wissen und Gewissen«) vor. Aber sie gäbe keine Informationen und Belege dafür, woher sie das Wissen hat. Sie gibt keine Informationen oder Belege darüber, warum der Gegner, als er die Domain im September 2005 registrierte – mithin sechzehn Jahre, bevor die Beschwerdeführerin ihre Marke registrierte und sechs Jahre, bevor sie auf dem Markt in Erscheinung trat – von ihr hätte wissen können. Peppard war nicht davon überzeugt, dass der Gegner die Domain bösgläubig registriert und benutzt hat. Er sah sich allerdings genötigt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin das UDRP-Verfahren bösgläubig nutzt (Reverse Domain Name Hijacking). Das bestätigte er, da die Beschwerdeführerin sich von erfahrenen Anwälten vertreten ließ, die wissen mussten, dass der Gegner die Domain lange vor der Marke registriert hat, sie keinerlei Nachweise für ihre Anschuldigungen vorlegte, dass der Gegner die Domain zu ihrem Schaden registrierte, und sie wusste, dass ihre Behauptungen in Ermangelung ausreichender Beweise aufgestellt wurden, wie sich aus der wiederholt vorgetragenen unzutreffenden Formulierung »nach bestem Wissen und Gewissen« ergibt. Peppard sah also einen Missbrauch der UDRP durch die Beschwerdeführerin, stellte demnach Reverse Domain Name Hijacking fest und wies die Beschwerde ab.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

Studie

Welche neuen Top Level Domains sind jenseits von Registrierungszahlen tatsächlich erfolgreich?

Das 2012 von ICANN gestartete Bewerbungsprogramm um neue Top Level Domains führte ab Ende 2013 zur Einführung neuer Endungen. Einige, wie .online und .xyz, warten mit mehreren Millionen Registrierungen auf. Sind diese Endungen erfolgreich? Eine neue Studie wirft einen anderen Blick auf die Erfolgsfrage neuer Top Level Domains.

ICANN hatte deren Einführung initiiert, um mehr Innovation, Wettbewerb und Wahlmöglichkeiten zu ermöglichen. Welchen Nutzen die neuen Endungen bringen und welche wirklich genutzt werden, bleibt aber nach wie vor unklar. Dass die Anzahl registrierter Domains nicht gleichbedeutend mit Relevanz ist, zeigten die anfänglichen Achterbahnfahrten der Registrierungszahlen zahlreicher neuer Endungen, die oft auf Marketing-Aktionen beruhten, bei denen Domains zu Dumpingpreisen registriert werden konnten oder Domain-Inhabern, wie bei .xyz, ungefragt umsonst registriert wurden. Eine gewisse Ruhe und Ausgeglichenheit weisen die Registrierungszahlen bei nTLDs mittlerweile aus, aber ob eine Endung nur ob ihrer Registrierungszahlen erfolgreich ist, kommt auf die Blickrichtung an. Einige andere Blickrichtungen berücksichtigt der kommerzielle Anbieter Data Provider .Com, der die von ihm gesammelten Daten des Internets zur Verarbeitung durch Kunden aufbereitet. In einer kleinen Studie mit dem Titel »Beyond registration numbers: how popular are new generic TLDs?« zeigt Data Provider .Com, welche neuen Endungen wirklich genutzt werden und somit am erfolgreichsten sind.

In der Studie werden anhand einer Auswertung der Zonefiles zunächst die zwanzig zahlenstärksten nTLDs gelistet. Selbstverständlich steht .xyz mit rund 4 Mio. Registrierungen an der Spitze, gefolgt von .online und .top mit jeweils rund 2 Mio. Doch fragt sich, was, abgesehen von den Umsatzerfolgen der jeweiligen Registries, diese Zahlen wirklich bedeuten. Jedenfalls sagen sie nichts über die Anzahl aktiver Domains aus. Hier fördert die Studie zu Tage, dass die Endungen .online, .tech und .store mit 41 Prozent, 40 Prozent und 37 Prozent die meisten aktiven Domains aufweisen. .xyz und .top haben an der Stelle schon nichts mehr zu melden. Data Provider .Com geht aber einen Schritt weiter und siebte bei den aktiven Domains auch solche aus, die lediglich Platzhalterseiten aufwiesen oder lediglich geparkt waren. Nun lagen noch immer .online und .store vorne; auf Platz drei folgte aber überraschenderweise die Stadtendung .tokyo mit einem Anteil von 22 Prozent aktiver Domains mit individuellen Inhalten oder Geschäftsseiten. Am wenigsten ordentliche Inhalte weisen aus der Gruppe der Top 20 nTLDs mit den meisten Registrierungen die Endungen .buzz, .icu und .cyou auf. Diese haben weniger als 13 Prozent Domains mit ordentlichen Webseiten, insbesondere kommt .cyou auf lediglich 2 Prozent.

Doch damit nicht genug, ging Data Provider .Com noch einen Schritt weiter und schaute sich so gut wie möglich an, welche Endungen die meistbesuchten Domains aufweisen. Dabei griffen die Macher der Studie auf ihren hauseigenen »Traffic Index« zurück, bei dem der Traffic einer Website mit dem Traffic auf google.com verglichen wird. Und hier drehte sich das Ergebnis nochmals in eine ganz andere Richtung: In einem übersichtlichen Graph mit 20 nTLDs wird der Anteil von Domains und deren Trafficraten, eingeteilt in »little to no traffic«, »moderate traffic« und »high traffic« aufgezeigt. Nun steht plötzlich die Endung .dev mit 23 Prozent »high traffic« und 20 Prozent »moderate traffic« vorne, gefolgt von .club (19 Prozent und 16 Prozent) und .tech (18 Prozent und 15 Prozent). Endungen wie .app, .shop, .site und .website weisen ebenfalls gute Zahlen auf. Die Endungen .icu und .buzz stehen weit hinten mit 4 und 3 Prozent beziehungsweise 3 und 2 Prozent Traffic. Eine hohe Nutzung von Domains unter der eigenen Endung könnte das Modell von Erfolg sein, welches sich Registries wünschen, denn hohe Nutzung bedeutet Relevanz bei den angesprochenen Nutzerkreisen; und da stehen .dev, .club, .tech und .life vorne. Natürlich divergieren die Werte bei den absoluten Zahlen, den tatsächlichen Domain-Registrierungen: bei rund 4 Mio. .xyz-Domains bedeuten die Summe von 25 Prozent aus »moderate« und »high traffic« 1 Mio. gut genutzter Domains, während .dev mit etwa 319.000 registrierter Domains bei einer Quote von 43 Prozent »moderate« und »high traffic« lediglich auf 135.170 gut genutzter Domains kommt. Nichtsdestotrotz liegt darin das charmantere Bild eines nutzerfreundlichen Internets.

Auch diese – lesenswerte – Studie gibt nicht den letztgültigen Einblick in die Qualität der neuen Endungen und welche am erfolgreichsten ist. Zudem muss man sehen, dass diese Studie ein Marketingwerkzeug von Data Provider .Com ist. Immerhin erweitert die Studie den Blick auf die neuen Endungen und sollte zukünftigen Bewerbern um neue Endungen einiges zum Nachdenken geben.

nTLDs

PIR legt den Startplan für die neue Top Level Domain .giving vor

Die .org-Verwalterin Public Interest Registry (PIR) hat den offiziellen Startplan für die Einführung von .giving vorgestellt.

Den Auftakt macht eine Sunrise Period, die am 13. Oktober 2022 beginnt und bis 13. Dezember 2022 läuft. Nach einer kurzen Pause beginnt am 20. Dezember 2022 sodann die »Limited Registration Period«, die bis 20. Januar 2023 läuft. Sie gleicht einer Landrush Period; die Registrierung ist aber an eine zusätzliche Bedingung geknüpft:

»As a condition to registering a domain name in the .GIVING during Landrush […], you agree that by registering your domain name, you represent and warrant that: (a) you currently use one of Blackbaud’s digital giving solutions or will evaluate the free Giving Checkout solution offered by JustGiving from Blackbaud available at this link and (b) you acknowledge and agree that the Registry or the registrar can cancel the registration of the domain name if your warranty is found to be untrue, incomplete, incorrect, or misleading.«

Blackbaud ist ein US-amerikanischer Cloud-Computing-Anbieter, der der sozialen Wohlfahrt dient. Insgesamt soll die Endung .giving dabei helfen, »mission-driven organizations« bei der Erweiterung ihrer Online-Präsenz und der Erreichung ihrer Ziele zu helfen.

ICANN

Neue Whois-Regeln für RA- und RAA-Verträge

WHOIS ist tot, lang lebe WHOIS: mit der Veröffentlichung einer Neufassung der Registry- und Registrar-Verträge hat die Internet-Verwaltung ICANN die Endphase des alten WHOIS-Systems eingeläutet. Für die meisten Nutzer ändert sich jedoch nichts.

Seit 2011, damals noch auf Betreiben des »Security and Stability Advisory Committee«, arbeitet ICANN an einer Reform des WHOIS-Systems. Fehlende Internationalisierung, mehr Sicherheit im Datenzugriff, das Bedürfnis nach gestaffelten Zugriffen sowie standardisierte Ausgabemeldungen machten eine Reform des bisherigen WHOIS-Protokolls unvermeidbar. Unter dem (Bußgeld-)Druck der Datenschutzgrundverordnung mussten diese Arbeiten intensiviert werden. Im Februar 2019 schaffte ICANN erste Fakten: bis 26. August 2019 erhielten die Domain-Registrare Zeit, das neue Registration Data Access Protocol (RDAP) zu implementieren. Das RDAP basiert auf dem WHOIS-Kompromissmodell (»Temporary Specification for gTLD Registration Data«, kurz: »temp spec«); es wurde von der Internet Engineering Task Force (IETF) als potentielle Alternative zum bisherigen WHOIS-System geschaffen. Dazu liefert es die Registrierungsdaten wie das WHOIS, seine Implementierung standardisiert jedoch unter anderem den Datenzugriff. Näher beschrieben ist es in den IETF-RFCs 7480 bis 7484 sowie 8056.

Der Anweisung von ICANN aus dem Jahr 2019 folgt jetzt auch die Umsetzung in den Standardverträgen des Registry Agreement (RA) des Registrar Accreditation Agreement (RAA). Für beide Verträge, welche die Vertragsbeziehung zwischen ICANN und den Registries bzw. den akkreditierten Registraren regeln, gibt es nun eine Klausel, in der es heißt:

»Registry Operator shall implement the most recent version of the RDAP Technical Implementation Guide and RDAP Response Profile posted at https://icann.org/gtld-rdap-profile.«

Zugleich wird eine »RDAP Ramp-Up Period« von 180 Tagen vorgegeben, innerhalb der die praktische Umsetzung folgen muss. Das alte WHOIS-Protokoll erhält sodann unmittelbar anschließend ein »WHOIS Services Sunset Date«; während dieser Phase muss das alte WHOIS-Protokoll nur noch nutzbar sein, nach deren Ablauf kann es abgeschaltet werden. Mit anderen Worten: mit Inkrafttreten des neuen RA bzw. des neuen RAA im kommenden Jahr bleiben dem alten WHOIS-Protokoll noch (180 + 360 =) 540 Tage, bis es aus dem Domain Name System verschwindet. Im allgemeinen Sprachgebrauch dürfte aber auch das Nachfolgeprotokoll RDAP wieder als WHOIS bezeichnet werden; es gibt weiterhin eine Abfragemöglichkeit, auch wenn der Zugriff deutlich eingeschränkt und im Detail noch zu regulieren ist.

Vorerst hat die Öffentlichkeit Zeit bis zum 24. Oktober 2022, zu den geplanten Änderungen Stellung zu nehmen. Unmittelbare Geltung hätte der Wechsel zum RDAP nur für generische Top Level Domains, da ICANN für country code Top Level Domains unzuständig ist. Sollte es sich als Branchenstandard etablieren, dürften aber bald auch die ccTLDs nachziehen. Für alle Inhaber einer Domain ändert sich durch das RDAP vorerst nichts.

nTLDs

Hessen wird sich nicht um eine eigene Top Level Domain .hessen bewerben

Die hessische Landesregierung wird sich nach derzeitigem Stand nicht um die Top Level Domain .hessen bewerben.

Das geht aus einer Antwort des hessischen Ministeriums für Digitale Strategie und Entwicklung auf eine Anfrage der SPD-Fraktion hervor. Das Vorhaben sei wiederholt geprüft, aufgrund finanzieller und organisatorischer Erwägungen jedoch verworfen worden. Dem Aufwand für Einführung, Bereitstellung und Unterhaltung stünde kein gleichwertiger Nutzen gegenüber. Die SPD-Fraktion hatte hingegen argumentiert, eine solche Top Level Domain könne insbesondere regionalen Unternehmen, Start-Ups, Freiberuflern und Institutionen die Möglichkeit bieten, sich durch eine einprägsame Webadresse vom Wettbewerb zu unterscheiden. Mit .bayern, .berlin, .hamburg, .nrw und .saarland verfügen bereits mehrere Bundesländer über eine eigene geoTLD. Die gemessen an den Registrierungen erfolgreichste davon ist .berlin mit rund 50.000 Domains, .nrw verzeichnet derzeit rund 22.000 Domains und .saarland kommt aktuell auf knapp 4.200 registrierte Domains.

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