nTLDs

L’Oréal verkauft Schönheits-Top-Level-Domains .beauty, .hair, .makeup und .skin

Der französische Konsumgüterkonzern L’Oréal S.A. verabschiedet sich aus dem Geschäft mit generischen Top Level Domains.

Im Paket wechseln die vier neuen Endungen .beauty, .hair, .makeup und .skin zu der in Las Vegas ansässigen XYZ.COM LLC, die vor allem mit .xyz den Markt aufmischt und erst im Herbst 2019 die Endung .quest erworben hatte. Über die Höhe des Kaufpreises wurde bisher nichts bekannt. Die breite Öffentlichkeit dürfte sich freuen, denn damit rückt eine Registrierung in greifbare Nähe. Ursprünglich hatte L’Oréal die vier nTLDs als »closed generics« geführt, um sie exklusiv für sich zu nutzen; dem hatte ICANN aber einen Riegel vorgeschoben. Daraufhin machte L’Oréal eine Registrierung mit strengen Beschränkungen und Gebühren im deutlich vierstelligen Bereich für viele Nutzer unattraktiv. Das dürfte sich nun ändern; vor allem Beauty-, Kosmetik- sowie Schmink-Influencer kommen als Zielgruppe für die Registrierung in Betracht. Details zum Neustart hat XYZ.COM LLC bisher aber noch nicht bekanntgegeben.

Marktkonsolidierung

GoDaddy kauft das Registrargeschäft von Uniregistry und das Domain-Portfolio von Frank Schilling

Der weltweit größte Domain-Registrar GoDaddy Inc. baut die eigene Marktstellung aus: von der auf den Cayman Islands ansässigen Uniregistry erwirbt man sowohl das Registrargeschäft als den Domain-Handelsplatz. Und auch der New Yorker Domain-Manager Brandsight Inc. gehört künftig zu GoDaddy.

Es ist der erste Blockbuster-Deal der Domain Name Industry des Jahres 2020: am 11. Februar 2020 gab GoDaddy bekannt, von Uniregistry das »domain registrar and marketplace businesses« erworben zu haben. Uniregistry wurde 2012 von Frank Schilling gegründet, der damals bereits eines der größten privat gehaltenen Domain-Portfolios der Welt sein Eigen nannte und es später in Uniregistry einbrachte. Uniregistry ist sowohl als Domain-Registrar als auch als Domain-Registry tätig. Teil des Kaufvertrages ist aber nur das Registrar-Geschäft mit rund 1,5 Mio. verwalteten Domains; das Geschäft mit den 26 nTLDs, darunter .link, .click und .photo, behält man. Wie GoDaddy weiter mitteilt, hat man auch das Domain-Portolio von Uniregistry erworben; dazu zählen rund 350.000 wertvolle Domains. Über die Höhe des Kaufpreises machte GoDaddy keine Angaben, vollzogen werden soll diese Transaktion im zweiten Quartal 2020.

Gegenüber domainnamewire.com widersprach Schilling den Gerüchten, er sei wegen der Scheidung von seiner Frau Michele Schilling zum Verkauf gezwungen worden. Es habe vielmehr eine Reihe guter Gründe gegeben, wie die Höhe des Kaufpreises:

At my age, crystallizing the value that we’ve created here and putting it to work in other ways makes sense.

GoDaddy gewinnt dagegen einen relativ kleinen, aber innovativen Registrar hinzu und wird von dessen Ideen profitieren, die vor allem auf Domain-Investoren und Entwickler zugeschnitten waren. Aufatmen dürften auch Domainer, denn Schilling hat angekündigt, sich aus dem Handel zurückzuziehen und künftig etwa bei auslaufenden Domains nicht mehr mitzubieten. Zugleich könnte GoDaddy versucht sein, einige der Domains aus Schillings Portfolio zur Refinanzierung zu verkaufen, so dass sie nun auf den Markt kommen.

Lediglich eine Randnotiz war GoDaddy die Mitteilung wert, dass man auch Brandsight erworben hat, wobei auch hier über die Höhe des Kaufpreises nichts verlautbart wurde. In der Pressemitteilung heißt es spärlich:

To better support enterprise-level customers, GoDaddy is acquiring Brandsight in the transaction.
Brandsight wurde von Phil Lodico gegründet und bezeichnet sich als »corporate domain name management and consulting firm.« Zu den öffentlich bekanntesten Vertretern zählen Matt Serlin und Elisa Cooper.

Internet Governance

EuroDIG 2020 findet im Juni in Triest statt

In Triest (Italien) findet vom 10. bis 12. Juni 2020 »The Pan-European dialogue on Internet governance« (EuroDIG) statt. Der Kongress steht unter dem Thema »Towards a sustainable governance of the Internet«.

Triest ist dieses Jahr die Europäische Wissenschaftsstadt und Gastgeberin des »EuroScience Open Forum« (ESOF2020); im Rahmen dessen findet dort auch die diesjährige EuroDIG statt. Die EuroDIG ist eine 2008 entstandene offene Plattform für informelle und integrative Diskussionen über Fragen der öffentlichen Politik im Zusammenhang mit der Internet-Verwaltung (IG). Gastgeber in Triest ist »The Abdus Salam International Centre for Theoretical Physics« (ICTP) auf deren Campus die EuroDIG auch stattfinden wird. Kooperationspartner sind die »Scuola Internazionale Superiore di Studi Avanzati« (SISSA), das »EuroScience Open Forum« (ESOF) und zudem die Fakultät für Ingenieurwesen und Architektur und das Interfakultäre Zentrum STeDIC der Universität Triest. Auf der gut gefüllten, aber noch unfertigen Agenda für die Konferenz stehen Themen wie Zusammenarbeit, Gesetzgebung, Standardisierung: Beiträge zum und zur Fortführung des UN HLP-Berichts »The Age of Digital Interdependence«; Data Governance und Datensicherheit; alles was sich um DNS dreht; Internet of Things (IoT); Implementation von Urheberrechten und vieles mehr. Die Konferenz mit dem übersetzten Motto »Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Verwaltung des Internets« beginnt am Morgen des 10. Juni 2020 um 09:00 Uhr und endet am 12. Juni 2020 gegen 18:00 Uhr. Es gibt zwei Abendveranstaltungen: zunächst einen Cocktailempfang am ersten Abend und am zweiten den »Social Event 2020«. Dem Kongress geht vom 08. bis 10. Juni der »YOUthDIG – Youth Dialogue on Internet Governance« voraus, mit dem Ziel, die aktive Beteiligung der Jugend zu fördern.

Die EuroDIG 2020 findet 10. bis 12. Juni 2020 auf dem Campus der The Abdus Salam International Centre for Theoretical Physics (ICTP), Strada Costiera 11,­ I-­34151 in Triest (Italien) statt. Informationen zur Anmeldung liegen bisher nicht vor.

Domain-Industrie

Ron Jacksons »The State of the Industrie"-Report offenbart Optimismus für 2020

Ron Jackson, Betreiber des Branchenblogs dnjournal.com, fragte – wie alle Jahre – Experten aus der Domain Name Industry nach deren Beurteilung von 2019 und was 2020 zu erwarten steht. Die DSGVO und ihre Folgen waren auch für 2019 noch Thema, aber alles überschattend steht der Verkauf von PIR (.org) im Raum. Im Jahr 2019 spürten alle eine Stabilisierung des Marktes und blicken optimistisch auf 2020.

Ron Jacksons dnjournal.com widmet sich ganz dem Handel von Internetdomains, listet wöchentlich die Preise von verkauften Domains und berichtet darüber hinaus täglich, was in der Domain-Industrie vor sich geht. Die Befragung von mehreren Experten zum Stand der Industrie nimmt Jackson seit 16 Jahren zu Anfang eines jeden Jahres vor. Die diesjährige 17. Befragung von diesmal 22 ExpertInnen spricht von einem positiven Jahr 2019 sowie einer weiteren Verbesserung des Marktes in 2020 und darüber hinaus. Beinahe jede*r der Angesprochenen sprach den Verkauf der .org-Verwaltung PIR an den Finanzinvestor Ethos Capital an und sieht diesen als problematisch. Michael Castello sieht diesen Verkauf als Beispiel dafür, dass einige das System der Domain-Industrie ausspielen, auf Kosten der Mehrheit. Für Bill Sweetman wirft die Affäre, die in den allgemeinen Medien Widerhall findet, leider ein schlechtes Licht auf die Industrie. Und für Marco Hoffman (InternetX.com) bringt der PIR-Verkauf eine Menge Unsicherheiten hinsichtlich der zukünftigen Preisentwicklung. Dazu tragen auch die Änderungen im .com-Verwaltervertrag von VeriSign bei, die Preiserhöhungen wieder zulassen.

Rick Schwartz sieht ein sehr gutes Jahr voraus: Der Verkauf von voice.com zum Preis von US$ 30 Mio. im letzten Jahr öffne die Tore für zukünftige achtstellige Domain-Verkäufe. Diese würden bald die Normalität von siebenstellige Verkäufe erlangen. Er bleibt bei seinem Mantra: nur .com zählt, das Interesse an neuen Endungen gehe zurück. Viele Endkunden, die mit einer nTLD als Unternehmensdomain gestartet sind, würden jetzt auf .com-Domains umsteigen, was die Preise nach oben treiben werde. Ähnlich sehen das auch andere wie James Booth (Phenom .com) und Georg Hong (Guta.com): Ein-Wort-.com-Domains würden weiter im Preis steigen, genauso wie Super-Premium-Domains. Auch Zwei-Wort-.com-Domains würden immer interessanter. Alle anderen verlieren. Weitestgehend einig ist man sich auch im Hinblick auf die Konsolidierung der Registries und Registrare. Schwierig ist die Aussage von Frederick Schiwek (Zonat S.A.), der im Zuge dieser Konsolidierung die Diversität abhandenkommen sieht, aber zugleich erklärt, das eigene Unternehmen werde in diesem Jahr weitere Hostinganbieter aufkaufen, um schneller zu wachsen. Joe Uddeme (NameExperts.com) sieht wie seine BranchenkollegInnen ein fantastisches Jahr für den Zweitmarkt, mit Wachstum bei .com und langsamen Abstieg von nTLDs. Tess Diaz erwartet für dieses Jahr den ersten Schritt zu einem universellen Domain-Bewertungsprozess (univeral appraisal process), auf den im Grunde alle warten, Investoren, Unternehmen, Berater, Broker und andere. Paul Nicks (Aftermarket, GoDaddy.com) erwartet unter anderem auch die positive Entwicklung von industriespezifischen ccTLDs wie etwa .gg (Guernsey) bei eSports, oder – wie 2019 bereits deutlich wurde und auch Michael Robrock (Sedo.com) bestätigt – .io und .ai. Marco Hoffman (InterNetX.com) stellt fest, dass die Industrie wächst, mit immer mehr Wettbewerbern, so dass sich die Industrie beschleunigt, und weil jeder seinen Anteil haben möchte, werde die Konkurrenz unter den Registraren härter. Für die neuen Endungen sprach Sandeep Ramchandani (Radix), der 2019 Wachstum bei ccTLD-Verkäufen von 33 % ausmachte und auch einen Anstieg der Renewal-Einnahmen um 45 % verzeichnet. Premium-Domains seien von 2019 an gestiegen und würden auch zukünftig ansteigen. Für Radix sei es jetzt wichtig, die eigenen Endungen wie .tech, .store, .online und .site zu branden, damit sie fester Bestandteil der TLD-Szenerie werden, und sie nicht einfach mit kurzfristigem Aktionismus auf den Markt zu drücken.

Auf alle Stimmen dieser Befragung durch Ron Jackson können wir hier nicht eingehen. »The State of the Industry 2020« macht jedoch deutlich, dass die Befragten sich mit ihren Antworten weitestgehend auf ihrem Arbeitsfeld bewegten, und dass eine insgesamt positive Zuversicht für die Entwicklungen im Jahr 2020 vorherrscht.

VeriSign

Die Verwaltung von .com und .net verdient sehr gut und darf die Preise erhöhen

Die .com-Registry VeriSign Inc. schwimmt im Geld: für das Jahr 2020 erwartet das Unternehmen einen Umsatz von mindestens US$ 1,120 Mrd. Eine Preiserhöhung für .com-Domains ist darin noch gar nicht eingerechnet.

Im Januar 2020 gab die Internet-Verwaltung ICANN bekannt, dass man mit VeriSign eine Einigung über eine Ergänzung zum »Registry Agreement« (RA) erzielt habe. Kernbestandteil der Änderungen ist das Recht von VeriSign, die Gebühren für .com-Domains ohne erneute Zustimmung der US-Regierung oder ICANNs in den letzten vier Jahren jeder sechsjährigen Vertragsperiode um bis zu sieben Prozent zu erhöhen. Da der aktuelle Vertrag seit dem 26. Oktober 2018 läuft, betrifft die mögliche Änderung also die Jahre 2020 bis 2023, 2026 bis 2029, usw. Macht VeriSign davon Gebrauch, würden sich die .com-Gebühren bis Oktober 2026 von derzeit US$ 7,85 auf bis zu US$ 10,26 erhöhen. Im Gegenzug hatte sich VeriSign verpflichtet, zusätzliche finanzielle Mittel in Höhe von US$ 20 Mio. bereitzustellen, um die Sicherheit und Stabilität des Domain Name Systems zu gewährleisten.

Diese US$ 20 Mio. dürfte VeriSign jedoch aus der Portokasse bezahlen. Wie das Unternehmen in seinem Bericht für das 4. Quartal 2019 mitteilt, erwartet man für das Geschäftsjahr 2020 einen Umsatz zwischen US$ 1,120 und 1,265 Mrd.; im Jahr 2019 lag er bei US$ 1,232 Mrd. Bei den Domain-Namen erwartet VeriSign ein Wachstum zwischen 2 und 4 Prozent. Zum Jahresende 2019 verwaltete VeriSign 158,8 Mio. .com- und .net-Domains, wobei im 4. Quartal 10,3 Mio. Domains neu registriert wurden. Die »renewal quote« lag bei voraussichtlich 73,7 Prozent; genaue Zahlen liegen noch nicht vor. Angesichts dieser beeindruckenden Zahlen ließ die Kritik an der möglichen Preiserhöhung für .com nicht auf sich warten. So beschäftigte VeriSign im Jahr 2019872 Mitarbeiter, 2009 waren es noch 1.100. Zugleich sind die Kosten seit 2009 von US$ 455.989.000,– auf US$ 425.534.000,– gesunken; das operative Einkommen stieg im gleichen Zeitraum von US$ 159.958.000,– auf US$ 806.127.000,–. Wirtschaftlich betrachtet scheint VeriSign auf zusätzliche Einnahmen aus einer Gebührenerhöhung für .com eher nicht angewiesen zu sein.

Neuerlich laut wurden Forderungen, den Registry-Vertrag für .com öffentlich auszuschreiben, um so mehr Wettbewerb für die Nutzer zu schaffen und günstigere Preise zu erreichen. Allerdings wäre der Transfer von über 145 Mio. .com-Domains zu einer anderen Registry ein historisch einmaliger Vorgang für eine höchst sensible Ressource; ob ICANN und vor allem die US-Regierung dieses Risiko eingehen würden, darf man bezweifeln.

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