UDRP

Howard Neu listet Domain-Investoren freundliche Panelisten

Domain-Anwalt Howard Neu führt seit einigen Jahren Listen von UDRP- und URS-Entscheidern (Panelisten) bei WIPO und NAF, die Streitbeilegungsverfahren zugunsten von Domain-Investoren entscheiden. Dieser Tage legte er die aktuelle Liste für WIPO-Panelisten vor.

Howard Neu ist kein Unbekannter im Domain-Business, ist er doch mitverantwortlich für die Mutter aller Domainer-Konferenzen, die T.R.A.F.F.I.C., die er zusammen mit Domain-King Rick Schwartz in die Welt rief und lange Jahre mit ihm organisierte. Als Kenner der Domain-Investoren-Landschaft sowie der juristischen Nöte von Domainern im Falle von UDRP-Verfahren, initiierte er Listen von UDRP-Entscheidern, die domainer-freundliche Entscheidungen treffen. Nach seiner Ansicht hilft die Kenntnis von freundlichen Entscheidern Gegnern eines UDRP-Verfahrens, gegebenenfalls ein Gremium aus drei Panelisten zu beantragen, um die eigenen Chancen im Verfahren zu erhöhen.

Zur aktuellen Halbjahresliste für WIPO-Entscheider teilt Neu mit, dass 63 unterschiedliche Entscheider unabhängig voneinander zugunsten von Domain-Investoren entschieden haben. 21 dieser Entscheider stellten zudem Reverse Domain Name Hijacking (RDNH) fest, was gegenüber dem 2. Halbjahr 2017, das 25 RDNH-Entscheidungen aufwies, etwas abfällt. Es finden sich drei Listen, deren erste das 1. Halbjahr 2018 umfasst, während die 2. Liste sich auf die vergangenen 12 Monate und die 3. auf den Gesamtzeitraum der UDRP bezieht. Während es im 1. Halbjahr 2018 deutliche Positionswechsel unter den Entscheidern gab, zeigen die beiden Listen über längere Zeiträume mehr Konstanz. Neben den Namen der Panelisten finden sich die Anzahl ihrer Entscheidungen und der RDNH-Entscheidungen, sowie der frühere Ranglistenplatz. So übernahm im ersten Halbjahr 2018 John Swinson die Führung mit 7 domainer-freundlichen Entscheidungen, von denen eine auch die Feststellung eines RDNH umfast. Die frühere »Nummer 1«, Adam Taylor, fiel auf Platz 11 zurück. Doch führt Taylor nach wie vor die Liste der vergangenen 12 Monate an, mit 13 domainer-freundlichen Entscheidungen, die auch Tony Willoughby an zweiter Position aufweist. Über die Jahre ist als der domainer-freundlichste Entscheider Neil Brown mit 96 positiven Entscheidungen vermerkt, vor Tony Willoughby mit 72 Entscheidungen und Richard Lyon mit 60 Entscheidungen.

Es lohnt sich, die verschiedenen Listen zu durchstöbern, die Neu zur Verfügung stellt. Ob allerdings diese Listen wirklich weiterhelfen, bleibt die Frage. Letztlich kommt es immer auch auf die Umstände des Einzelfalles und darauf an, wie überzeugend der Gegner seine Rechte verteidigt. Entscheider sind sicher nicht frei von Vorurteilen und Prinzipien, die sie bei ihrer Bewertung des jeweiligen Sachverhalts und der Rechtslage auch leiten. Dass für den Gegner eines UDRP-Verfahrens ein guter Rechtsvertreter mitausschlaggebend ist für eine domainerfreundliche Entscheidung, liegt auf der Hand. Grund genug für Howard Neu, sich bei den maßgebenden Domain-Anwälten, dank deren Arbeit zahlreiche Domains bei ihren Investoren blieben, zu bedanken: Zak Muscovitch, John Berryhill, Gerald Levine und Jason Schaeffer.

Brexit

EURid veröffentlicht Informationsseite für .eu-Domain-Besitzer aus Großbritannien

Die .eu-Registry EURid geht in Sachen Brexit in die Offensive: mit einer eigenen Informationsseite will EURid über die aktuellen Entwicklungen informieren.

Nach bisher unbestätigten Meldungen soll EURid den Fahrplan für den Austritt von Großbritannien aus dem Kreis der registrierungsberechtigten Personen bereits im Juni 2018 vorgestellt haben. Demnach sollen alle .eu-Domains, die derzeit noch auf Personen mit Sitz in Großbritannien registriert sind, spätestens am 30. März 2019 gelöscht werden. Sämtliche Sachstandsmeldungen stehen aber ausdrücklich unter dem Vorbehalt, dass keine gegenteilige Ausscheidensregelung auf politischer Ebene gefunden wird. Parallel arbeitet EURid allerdings weiter an dem konkreten Ausstiegsszenario, und hat sich hierzu mit zahlreichen Fragen an die EU-Kommission gewandt. Unter anderem möchte EURid wissen, bis wann man mit einer endgültigen Entscheidung rechnen kann, und ob es Ausnahmen für Personen gibt, die ihren Sitz in Nord-Irland, Gibraltar oder britischen überseeischen Gebieten haben. Die betroffenen Domain-Inhaber können sich dort nun ab sofort über den aktuellen Stand informieren.

UDRP

Streit um fairmarkets.com endet in Reverse Domain Name Hijacking

Eine australische Unternehmung mit Plänen für ein Finanzinformationsangebot sah ihre Rechte durch die Domain fairmarkets .com verletzt und startete, nachdem Kaufanfragen gegenüber dem Domain-Inhaber gescheitert waren, ein UDRP-Verfahren. Der die Domain innehabende Finanzexperte konterte hart.

Die australische ILQ Australia Pty Ltd, eine Finanzdienstleisterin, vertreten von einem Mitarbeiter, sah ihre Markenrechte durch die Domain fairmarkets.com verletzt. Sie versuchte, die Domain vom Inhaber, John Gidman, zu erwerben. Der hatte die Domain im Oktober 2014 für US$ 3.788,– ersteigert und nutzte sie seitdem nicht. Auf die Kaufangebote reagierte Gidman zunächst nicht, wodurch sich die Beschwerdeführerin genötigt sah, ihren Preis zu erhöhen. Schließlich bat Gidman um ein finales Angebot. Daraufhin erhob die ILQ die Beschwerde vor dem National Arbitration Forum (NAF). Gidman hielt entgegen, die Beschwerdeführerin habe ihr Markenrecht nicht belegt, es bestünde überhaupt kein Markenrecht. Und wenn es doch bestünde, so könne man nicht von einer Verwechslungsgefahr sprechen, da es sich bei »fairmarkets« um einen beschreibenden Begriff handele. Er selbst habe als Finanzexperte ein berechtigtes Interesse an der Domain und arbeite daran, die Domain in Zusammenhang mit der Namensbedeutung zu nutzen. Zudem habe er ein Recht, die Domain zu verkaufen. Schließlich meinte er, es liege ein Fall von Reverse Domain Name Hijacking (RDNH) vor. Als Entscheider wurde vom NAF der britisch-australische Jurist Debrett G. Lyons bestellt.

Lyons exerzierte die komplette Prüfung dieses Falles durch, obwohl die Beschwerde bereits am ersten Element der UDRP scheiterte (NAF Claim Number: FA1806001790689). Er vermochte beim besten Willen kein Markenrecht auf Seiten der Beschwerdeführerin erkennen. Eine eingetragene Marke hält sie nicht, und die behauptete Nutzungsmarke vermochte sie nicht zu belegen. Ihr Vortrag erschöpfe sich darin, dass sie sich selbst als „Fair Market Trading“ bezeichne und Sätze wie »Fair Market Trading has, since the beginning of 2016 been involved in the development of financial technology, namly, the company, BrokerMate Pty Ltd« in die Welt setze, und das »Fair Market Trading« ihr neues Finanzprodukt starten möchte. Auch eigene Recherchen von Lyons führten zu keinem besseren Ergebnis: weder bei Bloomberg finde man entsprechende Informationen, noch böten die Domains fairmarkets.com.au und fair.markets Inhalte, noch finde man auf der von der Beschwerdeführerin betriebene Webseite unter brokermate.com.au irgendwo den Begriff »Fair Markets«. Mit einer Bemerkung ziele sie lediglich auf zukünftige Aktivitäten, aber nicht auf frühere. Damit habe die Beschwerdeführerin keinen Nachweis für eine bestehende Marke erbracht, und das Verfahren sei an dieser Stelle eigentlich zu beenden. Da aber, so Lyons, der Gegner den Antrag auf Feststellung eines RDNH beantragt hatte, müsse er die Sache weiter prüfen.

Bei der Frage nach dem Recht oder legitimen Interesse des Gegners an der Nutzung der Domain ergebe sich zwar, dass der Gegner selbst keine Marke »FAIR MARKETS« innehabe und auch nicht unter diesem Namen bekannt sei, geschweige denn die Domain vor dem UDRP-Verfahren Inhalte aufwies. Doch zeige sich, dass der Gegner ein Experte auf dem Gebiet der Finanzmärkte ist, zahlreiche Artikel und andere Dokumente dazu veröffentlicht und bereits vor dem US-Kongress gesprochen hat. Zudem habe der Gegner erklärt, von einer Marke »FAIR MARKETS« nichts gewusst zu haben, was nachvollziehbar sei, da es keinen Hinweis auf eine solche Marke gäbe, geschweige denn im Oktober 2014 gab. Und da der Gegner für sein Geschäft steht, hatte Lyons auch keinen Zweifel daran, dass er die Domain in diesem Bereich nutzen wolle. Auch stellte Lyons keine Bösgläubigkeit seitens des Gegners fest. Die Beschwerdeführerin habe den Gegner mehrfach angeschrieben und Kaufangebote unterbreitet, der freilich nicht darauf reagierte. Das sei nicht als Methode, den Preis zu erhöhen zu verstehen, sondern als schlichtes Desinteresse am Verkauf der Domain. Die Frage nach einem finalen Angebot spreche von einem Geschäftsangebot angesichts der überlappenden Interessen der Parteien, aber nicht von Bösgläubigkeit seitens des Gegners. Somit vermochte die Beschwerdeführerin keine der drei Elemente der UDRP zu belegen.

Was nun das RDNH betreffe, so zeige das Verhalten der Beschwerdeführerin, dass sie die UDRP missbrauchte, um unberechtigt an die Domain fairmarkets.com zu kommen. Ihr hätte zumindest klar sein müssen, dass sie kein Markenrecht belegen könne. Außerdem war ersichtlich, dass der Gegner berechtigte Interessen an der Domain habe, soweit man die WHOIS-Daten für eine Internetsuche herangezogen hätte. Aber diese Internetsuche habe die Beschwerdeführerin gar nicht erst angestellt, wie sich aus der Korrespondenz der Parteien ergebe. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin gleichwohl das UDRP-Verfahren einleitete, zeige, dass sie bösgläubig agierte. Und ihre haltlosen Vorwürfe hinsichtlich der angeblichen Bösgläubigkeit des Gegners brächten das Fass zum Überlaufen. Damit bestätigte Lyons das Reverse Domain Name Hijacking.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

nTLDs

ICANN mahnt .pharmacy-Verwaltung ab

Die Internet-Verwaltung ICANN hat die »National Association of Boards of Pharmacy«, Registry der Top Level Domain .pharmacy, wegen einer Verletzung des Registry-Agreements (RA) abgemahnt.

ICANN stört sich daran, dass .pharmacy auf seiner Website keinen Kontakt für Beschwerden benenne, und zudem in intransparenter Weise betrieben werde. Letztgenannter Vorwurf geht offenbar auf ein Public Interest Commitment Dispute Resolution Procedure (PICDRP)-Verfahren zurück, das Canadawide Pharmacy Ltd. eingeleitet hatte, nachdem dem Unternehmen die Registrierung der Domain canadawidepharmacy.pharmacy untersagt worden war. Die Registry hatte unter anderem geltend gemacht, dass Canadawide Pharmacy in geschäftlicher Verbindung mit Apotheken gestanden haben soll, die Arzneimittel in Gegenden gesandt haben, in denen sie keine Lizenz innehatten; den Nachweis konnte die Registry dafür aber nicht liefern. Die »National Association of Boards of Pharmacy« hat nun Zeit bis 11. August 2018, die abgemahnten Verstöße abzustellen.

Hackerangriff

Datenpanne bei DomainFactory

Nach einem Bericht des Online-Magazins heise.de ist der in Ismaning bei München ansässige Webhoster DomainFactory GmbH Ziel eines Hackerangriffs geworden. Zumindest vorübergehend sollen Daten tausender Kunden öffentlich abrufbar gewesen sein. Kunden von DomainFactory sollen vorsorglich ihr Passwort ändern.

»Datenleck bei Domainfactory: Hacker knackt Systeme, lässt Kundendaten mitgehen« – unter dieser Schlagzeile wies heise.de am 6. Juli 2018 zum ersten Mal auf eine Panne bei DomainFactory, einem der grössten Webhosting-Unternehmen im deutschsprachigen Raum und Teil von GoDaddy Inc., hin; weitere Berichte folgten. DomainFactory hat den Vorgang mittlerweile untersucht und eine Reihe von Informationen veröffentlicht. Demnach behauptete am 3. Juli 2018 ein Nutzer im DomainFactory-Forum, Zugang zu Kundendaten zu haben. Hintergrund war nach den Recherchen von heise.de ein Streit des nach eigenen Angaben aus Österreich stammenden Angreifers mit einem Dritten um einen angeblich siebenstelligen Betrag. Das Ergebnis einer ersten Untersuchung von DomainFactory war, dass nach einer Systemumstellung, die Ende Januar 2018 erfolgte, unbeabsichtigt bestimmte Kundeninformationen für außenstehende Dritte über einen Datenfeed zugänglich waren. Dieser Datenfeed wurde ausgelöst, wenn Kunden an ihren Kundenkonten Änderungen vorgenommen hatten, die beim Speichern jedoch Systemfehler ausgelöst haben. Die Informationen in dem Datenfeed umfassten Kundenname, Firmenname, Kundennummer, Kunden-E-Mail-Adresse, Anschrift, Telefonnummer, Telefon-Passwort, Bankname und Kontonummer (z.B. IBAN oder BIC) sowie den SchufaScore. Der Feed enthielt keine weiteren Zahlungsdaten. Der Datenfeed wurde unmittelbar nach Entdeckung geschlossen; auch das Forum wurde rasch geschlossen, um einen weiteren Zugang zu diesen Informationen zu verhindern.

DomainFactory hat eine externe Sicherheitsfirma beauftragt, um sich auf die Schadensbegrenzung konzentrieren zu können, um eine forensische Analyse der Situation vornehmen und um weitere möglicherweise problematische Systeme zu erkennen und gegebenenfalls zu schließen. Zudem wurde die Authentifizierung für telefonische Anfragen mit dem Telefon-Passwort gesperrt. Außerdem wurden sämtliche Zugangsdaten von Mitarbeitern und alle sonstigen systemrelevanten Passwörter abgeändert. Schließlich wurden die Datenschutzbehörde, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und alle Kunden über die Datenpanne informiert. Man geht derzeit davon aus, dass der unbefugte Zugriff durch eine Einzelperson erfolgte; es gibt keine Hinweise, dass weitere Personen Zugriff auf die DomainFactory-Systeme hatten. Man könne aber noch nicht feststellen, auf welche Kundendaten der Angreifer zugegriffen hat. Sämtlichen Kunden wird vorsorglich empfohlen, ihre Passwörter bei DomainFactory so schnell wie möglich abzuändern. Ferner sollten Kunden ihre Bankkontoauszüge überwachen und bei verdächtigen Kontobewegungen in Erwägung ziehen, die Polizei zu verständigen.

Nicht erst mit Anwendung der Datenschutzgrundverordnung sollte das Thema Datensicherheit allgemein eine höhere Priorität geniessen. Das BSI hat eine Reihe von Vorgaben für die praktische Passwortgestaltung veröffentlicht, die dabei helfen sollen, die Sicherheit der Zugangs- und Zugriffsrechteverwaltung eines EDV-Systems entscheidend zu verbessern. Insoweit sollte der aktuelle Vorfall nicht nur für Kunden von DomainFactory ein Anlass sein, ihre eigene Datensicherheit zu prüfen und bei Bedarf anzupassen.

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