Sedo

Ein Vergleich der Domain-Strategien berühmter deutscher Marken

Auch in Zeiten der Corona-Krise zählen viele deutsche Unternehmen zu den Top 100 der weltweit wertvollsten Marken. Doch verfolgen sie mit ihren berühmten Marken dabei eine ausgeklügelte Domain-Strategie? Die Kölner Sedo GmbH hat sich auf die Suche gemacht.

Jede Krise bietet auch Chancen, und warum nicht gleich von den Besten lernen? Das dachte sich auch die Domain-Handelsplattform Sedo und hat in einem Blog-Beitrag die zehn erfolgreichsten und am höchsten bewerteten Marken aus Deutschland und ihre jeweilige Domain-Strategie vorgestellt. An der Spitze steht dabei die Mercedes-Benz AG; dort dient mercedes-benz.com als Anlaufstelle für Informationen über den Konzern und seine Produkte. Einheitlich ist die Domain-Strategie aber nicht: Während die deutsche Website zum Beispiel die länderspezifische Domain mercedes-benz.de nutzt, setzt der Konzern in den USA auf mbusa.com. Die weitaus griffigere Domain mercedes.com leitet hingegen auf mercedes-benz.com weiter. Generell gestaltet sich die Strategie von Mercedes-Benz aufgrund des Doppelnamens samt eines Bindestrichs schwierig. Weitaus einfacher hat es der bayerische Konkurrent BMW AG: er bietet Interessenten unter der Domain bmw.com Informationen rund um das Unternehmen. Konsequent ist der Konzern aber ebenfalls nicht. Der deutsche Internetauftritt nutzt die Domain bmw.de und der französische bmw.fr – so wie die meisten anderen länderspezifischen Angebote ebenfalls unter länderspezifischen Top Level Domains auffindbar sind. In den USA hat man sich aber für bmwusa.com entschieden, und in Kuwait für bmw-kuwait.com. Beide Unternehmen lassen es daher an Stringenz vermissen.

Da sticht der Software-Konzern SAP Deutschland SE & Co. KG hervor. Die Hauptdomain lautet sap.com, ist naheliegend und einfach zu merken. Die länderspezifischen Unterseiten mit lokalisiertem Angebot findet man dann im Format sap.com/germany oder für zusammengefasste Regionen unter sap.com/latinamerica. Einzig für die USA präsentiert sich SAP direkt unter sap.com. Ähnlich verfährt auch die Volkswagen AG; sie ist unter volkswagenag.com/de.html für deutsche und unter volkswagenag.com/en.html für englischsprachige Besucher erreichbar. Außerdem hält der Konzern die beiden besonders wertvollen, weil zweistelligen Domains vw.com und vw.de. Die Allianz SE stellt sich breit auf: Der Versicherungskonzern stellt sich unter allianz.com vor, unter allianz.com/de.html für das deutsche Publikum und unter allianz.com/en.html für englischsprachige Besucher. Für jedes Land, in dem der Konzern seine Versicherungen anbietet, gibt es außerdem eine länderspezifische Domain wie allianz.de oder allianz.fr. Hinzu kommen spezifische Begriff-Domains wie zum Beispiel travelinsurance.ca.

Damit sticht die Allianz SE bei allen berühmten deutschen Marken besonders positiv hervor. Sie ist mit ihren Domains breit und konsequent aufgestellt, so dass versehentliche Traffic-Verluste wenn nicht ausgeschlossen, dann zumindest reduziert werden. Nicht die Zahl der Domain-Namen an sich entscheidet über Erfolg, sondern der konsequente Umgang mit ihnen. Erst recht wäre es fahrlässig, keine Domain-Strategie zu haben, denn das kostet nicht nur Geld, sondern vor allem Kunden und Umsatz.

ccTLDs

Die Verwaltung der kolumbianischen Landesendung .co bleibt bei Neustar

Das kolumbianische Ministerio de Tecnologías de la Información y las Comunicaciones hat entschieden: die zu Neustar gehörende Registry CO Internet S.A.S. darf die Landesendung .co auch weiterhin verwalten.

Am 03. April 2020 gab die Behörde bekannt, dass der neue Verwaltervertrag eine Laufzeit von fünf Jahren hat. Das neue Betriebsmodell ist dabei mit einschneidenden Änderungen für CO Internet S.A.S. verbunden; so liegt nach Angaben des Ministeriums der Prozentsatz, den das Land für die Verwaltung der Domain erhält, bei 81 Prozent; im bisherigen Konzessionsmodell soll er zwischen 6 und 7 Prozent gelegen haben. Des Weiteren darf das Ministerium mehr Einfluss auf den opertiven Betrieb von .co nehmen. Offiziell das Nachsehen haben damit das Consorcio Dot CO (Centralnic Limited, Team Internet AG und Central Comercializadora de Internet SAS) und die .uk-Registry Nominet UK; ob man angesichts der drastischen Änderungen am Betriebsmodell über diese Entscheidung so unglücklich ist, darf aber bezweifelt werden.

UDRP

Streit um die 18 Jahre alte Domain shaze.com

Gleich zwei Beschwerdeführer mit Sitz in Indien gingen gegen den Inhaber von shaze.com vor, der die Domain 2002, kurz nach Gründung des indischen Unternehmens Shaze Luxury Retail, registriert hatte. Panelist Adam Taylor schaute genau hin, ob hier eine bösgläubige Domain-Registrierung vorlag.

Der Inder Samrat N. Zaveri gründete die Shaze Luxury Retail Private Limited aus Indien, die gemeinsam seit 2001 die Marke »SHAZE« im Zusammenhang mit der Lieferung von Schmuckstücken, Wohndekor, Uhren, Parfüms und anderem nutzen, die sie unter anderem über shaze.in vertreiben. Seit 2003 sind sie Inhaber der indischen Marke »SHAZE« und registrierten unter anderem 2018 eine EU-Marke und 2019 eine US-Marke. Gegner des UDRP-Verfahrens ist der Domain-Investor Warren Weitzman mit seiner Caramba LLC aus den USA. Der hatte die Domain shaze.com im November 2002 registriert. Er nutzt sie als Parking-Site mit Pay-per-Click-Links, und bietet sie für US$ 5.000,– zum Kauf an. Die Beschwerdeführer sehen damit ihre Rechte verletzt und starteten ein UDRP-Verfahren vor der WIPO. Sie trugen unter anderem vor, sie seien weltweit bekannt und hätten ihre Marke »SHAZE« in Indien und weltweit vermarktet, die so eine weltweite Bekanntheit – unter anderem über amazon.com in den USA – erlangt habe. Sie hätten gesetzliche Rechte und Gewohnheitsrechte an dem Begriff »SHAZE«, die denen des Gegners vorausgehen. Diese Marke sei zudem ein erfundener Begriff und in keinem Wörterbuch zu finden. Dass der Gegner seine Domain im November 2002, kurz nach Beginn der Nutzung des Begriffs durch die Beschwerdeführer, registriert habe, spreche für seine Bösgläubigkeit. Der Gegner hielt unter anderem entgegen, es handele sich bei »Shaze« um einen japanischen Begriff mit unterschiedlichen Bedeutungen, wie etwa Unternehmensregeln, Ablehnung und Kochbanane. Zudem werde der Begriff vielfach von anderen benutzt, und ein indischer Ort nenne sich so. Er selbst lebe in den USA und habe von den Beschwerdeführern nie gehört, außerdem kämen sie nach 18 Jahren ziemlich spät mit ihrer Beschwerde: Es handele sich daher hier um Reverse Domain Name Hijacking. Als Entscheider wurde der britische Rechtsanwalt Adam Taylor berufen.

Taylor nahm eine Abkürzung, um sich dann lange mit den Fragen der Bösgläubigkeit auseinanderzusetzen, und wies schließlich die Beschwerde zurück (WIPO Case No. D2020-0285). Die Parteien hatten noch einige ergänzende Erklärungen abgegeben, die Taylor aber weitestgehend nicht berücksichtigte, weil sie verspätet und deren Inhalte für die Entscheidung nicht relevant waren. Was er aber aufgriff, war die Erklärung der Beschwerdeführer, der Nachweis, bei »Shaze« handele es sich um einen allgemeinen japanischen Begriff, sei irrelevant, da die Quelle nicht vertrauenswürdig sei und die möglichen Bedeutungen untereinander keine Verbindung miteinander aufwiesen; und dass davon abgesehen der Gegner die Domain nicht im Sinne der vermeintlichen Begriffsbedeutung genutzt habe. Die Identität von Domain und Marke stellte Taylor kurz fest, übersprang dann die Frage eines Rechts oder berechtigten Interesses des Gegners an der Domain, um sich ganz der Frage der Bösgläubigkeit zu widmen. Hier stellte sich die Frage, ob der Gegner zum Zeitpunkt der Domain-Registrierung von dem Unternehmen und dessen markenmäßiger Nutzung des Begriffs »SHAZE« hätte wissen können. Taylor stellte für das Jahr 2002 drei Erwähnungen fest, zwei in indischen Zeitungen im April und eine auf der Website der Beschwerdeführer im August. Diese stellten aus Taylors Sicht keinen Nachweis dafür dar, dass der in den USA lebende Gegner vom Start des beschwerdeführenden Unternehmens Kenntnis genommen habe. Die Frage, ob es sich bei »Shaze« um einen generischen Begriff handelt, reduzierte Taylor darauf, dass es jedenfalls kein englisches Wort sei. Der Gegner verwies weiter darauf, der Begriff werde allgemein genutzt. Taylor stellt allerdings fest, dass der Gegner nicht erklärt, wie er 2002 darauf kam, diesen als Domain zu registrieren. Es sei unwahrscheinlich, dass der Gegner sich da an dem japanischen Wort orientiert habe, denn er hatte die Domain nie im Wortsinne genutzt. Taylor stellte weiter fest, dass der Gegner keine Beweise vorgelegt habe, demnach der Domain-Name in ein bestimmtes legitimes Muster zu anderer seiner Domains falle. Allerdings habe er bei einer Internetrecherche, die er vor 18 Jahren hätte durchführen können, aber nicht müssen, nicht viel entdecken können, da die Beschwerdeführer ihre erste Markenanmeldung noch nicht eingereicht hatten und es zu diesem Zeitpunkt kaum Beweise für die Benutzung der Marke durch die Beschwerdeführer gab. Weiter spreche zugunsten des Gegners, dass die Beschwerdeführer nicht den Vorwurf machen konnten, dass der Gegner die Domain für irgendwelche Angebote, die mit denen der Branche der Beschwerdeführer korrelierten, genutzt habe. Die Beschwerdeführer bezögen sich stark darauf, dass der Gegner unrechtmäßig handelnder Domain-Händler sei, doch dazu hätte er die Domain gezielt registriert haben müssen, um sie den Beschwerdeführern zu verkaufen, wozu es aber keine ausreichenden Anhaltspunkte gäbe. Aufgrund alldessen hätten die Beschwerdeführer das dritte Element der UDRP nicht nachweisen können, womit die Beschwerde gescheitert sei.

Abschließend prüfte Taylor noch die Frage eines Reverse Domain Name Hijacking, wies dies aber zurück, da er den Eindruck hatte, die Beschwerdeführer hätten tatsächlich geglaubt, es gäbe eine vernünftige Grundlage für das Beschwerdeverfahren. Nach alle dem wies Taylor die Beschwerde zurück.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

ccTLDs

Südafrika greift wegen COVID-19 massiv in Domain-Rechte ein

Zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie greift die ZA Central Registry NPC, Verwalterin der südafrikanischen Länderendung .za, zu ungewöhnlichen Maßnahmen.

Ab sofort muss jede Website unter .za eine sichtbare Verlinkung zu sacoronavirus.co.za aufweisen. Wörtlich heißt es in Ziffer 5.1.4 der Anweisung Nr. 43164 vom 26. März 2020:

All Internet sites operating within .zaDNA top level domain name must have a landing page with a visible link to www.sacoronavirus.co.za.

Beim Aufruf erscheint die Website »COVID-19 Corona Virus South African Resource Portal«, das viele Informationen rund um den 21-tägigen Lockdown enthält, den die südafrikanische Regierung vorläufig im Zeitraum 21. März bis 16. April 2020 angeordnet hat. Zudem werden unter anderem Internet Service Provider (ISPs) verpflichtet, »fake news« (definiert als »statements with the intention to deceive«) zu COVID-19 unverzüglich von ihren Plattformen zu entfernen. Die naheliegendere Domain coronavirus.co.za hat die Registry übrigens verpasst – sie verweist zwar auf das staatliche Informationsangebot, steht aber zum Verkauf.

Statistik

VeriSign verzeichnet Ende 2019 mehr als 362 Millionen Domains

Das Jahr 2019 hat mit weltweit 362,3 Millionen Domain-Namen geendet: das teilte VeriSign Inc. im neuen Domain Name Industry Brief mit. Und auch im März 2020 konnten nahezu alle wichtigen Top Level Domains zulegen.

Das statistische Highlight setzt der aktuelle Domain Name Industry Brief der .com- und .net-Registry VeriSign Inc. Danach beschloss man das 4. Quartal 2019 mit weltweit 362,3 registrierten Domains quer über alle Endungen, darunter 158,8 Millionen Domains unter .com und .net und 157,6 Millionen ccTLDs. Wie VeriSign weiter mitteilt, thronte .com zum Jahresende mit 145,4 Millionen Domains an der Spitze, gefolgt von .tk (Tokelau) mit 25,1 Millionen, .cn (China) mit 23,0 Millionen sowie .de mit 16,3 Millionen. Gegenüber dem gleichen Zeitpunkt 2018 ist die Gesamtzahl an registrierten Domain-Namen um 13,5 Millionen angestiegen, umgerechnet 3,9 Prozent. 2018 lag dieser Wert noch bei 16,3 Millionen oder 4,9 Prozent. insgesamt hat sich damit das Wachstum verlangsamt.

Etwas überraschend auf dem Rückzug sind die ccTLDs. 157,6 Millionen Domains bedeuten zwar einen Zuwachs von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr; rechnet man allerdings .tk aufgrund ihrer kostenfreien Vergabe (und der Nutzung zu oft dubiosen Zwecken) heraus, kommt es sogar zu einem Rückgang um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit in die Berechnung eingeflossen sind 305 ccTLDs einschließlich aller IDN-Varianten. Den Rückgang nicht ausgleichen können die neuen generischen Top Level Domains. Sie kommen per 31. Dezember 2019 zusammen auf 29,3 Millionen, ein Anstieg um 23,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Registrierungszahlen der führenden nTLDs .icu, .top und .xyz spiegeln allerdings ihre praktische Nutzung nicht wider. Ausserdem konzentrieren sich auf die zehn führenden nTLDs 63,3 Prozent aller Registrierungen, also etwa ein Drittel. Die hohe Anzahl an Registrierungen haben sie meist Marketingaktionen mit günstigen Gebühren zu verdanken; eine weite Verbreitung haben sie also noch nicht gefunden.

Aus Frankreich teilt die Registry AFNIC mit, dass zum Jahresende 2019 exakt 3.428.951 .fr-Domains registriert waren, ein Nettozugewinn von 123.655 Domains oder umgerechnet 3,7 Prozent. Obwohl man damit das Ergebnis aus 2018 mit 4,4 Prozent um ein gutes Stück verpasst, liegt man über dem gesamten Marktschnitt für Frankreich, der bei 2,0 Prozent lag. Insgesamt erreichte .fr einen Marktanteil von 37,7 Prozent. An der Spitze rangiert unverändert .com mit einem Anteil von 45,2 Prozent. nTLDs hatten im Jahr 2017 ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht, seither befinden sie sich zumindest in Frankreich auf dem Rückzug. Weitere Details sind im Bericht »The .FR ccTLd in 2019« nachzulesen, der ab sofort kostenlos heruntergeladen werden kann.

Die aktuellen Domain-Zahlen:

.de16.387.731(Vergleich zum Vormonat:+ 14.410)
.at1.329.155(Vergleich zum Vormonat:+ 2.954)
.com147.281.929(Vergleich zum Vormonat:+ 654.519)
.net13.393.597(Vergleich zum Vormonat:+ 381)
.org10.119.345(Vergleich zum Vormonat:+ 6.122)
.info4.538.135(Vergleich zum Vormonat:– 41.567)
.biz1.521.771(Vergleich zum Vormonat:– 67.819)
.eu3.569.812(Vergleich zum Vormonat:+ 22.389)
.icu6.692.574(Vergleich zum Vormonat:+ 104.702)
.top3.809.145(Vergleich zum Vormonat:+ 72.935)
.xyz3.069.692(Vergleich zum Vormonat:+ 97.683)

(Stand 01. April 2020)

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Der Domain-Newsletter von domain-recht.de ist der deutschsprachige Newsletter rund um das Thema "Internet-Domains". Unser Redeaktionsteam informiert Sie regelmäßig donnerstags über Neuigkeiten aus den Bereichen Domain-Registrierung, Domain-Handel, Domain-Recht, Domain-Events und Internetpolitik.

Mit Bestellung des Domain-Recht Newsletter willigen Sie darin ein, dass wir Ihre Daten (Name und E-Mail-Adresse) zum Zweck des Newsletterversandes in unseren Account bei der Episerver GmbH, Wallstraße 16, 10179 Berlin übertragen. Rechtsgrundlage dieser Übermittlung ist Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe a) der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Sie können Ihre Einwilligung jederzeit widerrufen, indem Sie am Ende jedes Domain-Recht Newsletters auf den entsprechenden Link unter "Newsletter abbestellen? Bitte einfach hier klicken:" klicken.

Seite 1 von 546
Top