ccTLDs

EURid warnt vor Phishingwelle

Die .eu-Verwalterin EURid warnt aktuell vor einer Phishing-Welle.

Es kursieren eMails, in denen behauptet wird, der Absender sei EURids »WHOIS accuracy team«. Darin werden die Empfänger aufgefordert, Registrierungsdaten für nicht-.eu-Domains zu verifizieren. Auch wenn die eMails täuschend echt gestaltet sind, warnt EURid dringend davor, den angegebenen Link anzuklicken oder gar Daten einzugeben. EURid ist allein für .eu sowie die griechische und die kyrillische Variante zuständig, sonst für keine andere Top Level Domain. eMails von EURid stammen immer vom Absender @eurid.eu und verweisen bei Nachfragen auf die Registry-Website unter my.eurid.eu. Niemals bittet EURid dabei um die Übersendung von persönlichen Informationen zum Domain-Inhaber via eMail. Wer eine solche eMail erhalten oder gar versehentlich Daten übermittelt hat, kann sich an EURid unter der eMail-Adresse info@eurid.eu wenden, um möglichen Schaden rund um eine .eu-Domain abzuwenden.

UDRP

Im Streit um samet.com schlittert Firma Samet knapp am RDNH vorbei

In einem aktuellen UDRP-Verfahren prüfte der erfahrene Entscheider umfassend die Indizien für ein Reverse Domain Name Hijacking (RDNH) und legte seine Überlegungen Punkt für Punkt dar – und warum er gerade wegen des kleinen Schnitzers der Gegnerin keine Bösgläubigkeit der Beschwerdeführerin feststellen konnte.

Der weltweit operierende türkische Hersteller von Möbelzubehör Samet Kalıp Ve Madeni Eşya Sanayi Ve Ticaret A.Ş sieht seine Marken »S Samet« und »Samet« durch die Domain samet.com verletzt. Das Unternehmen versuchte, den Inhaber der Domain per eMail zu erreichen, um ein Kaufangebot zu unterbreiten, erhielt jedoch keine Antwort, weshalb er ein UDRP-Verfahren vor der WIPO anstrengte. Gegner ist die US-amerikanische Samet & Company Inc., die die Domain früher einmal genutzt hatte. Mittlerweile hat deren Registrar eine Parking-Seite mit Pay-Per-Click Werbung darunter geschaltet, die unter anderem Angebote von Schiebetüren und ähnlichem anzeigt. Als Entscheider kam der australische Rechtsanwalt und Lehrbeauftragte Warwick A. Rothnie ins Spiel.

Rothnie wies die Beschwerde der türkischen Beschwerdeführerin ab, prüfte auch ausführlich RDNH, das er aber nicht bestätigte (WIPO-Case No. D2022-1449). Den Schwerpunkt seiner Prüfung legte Rothnie auf das mögliche RDNH, doch zuvor stellte er kurz fest, dass die Domain samet.com den Marken der Beschwerdeführerin ähnlich bzw. mit diesen identisch ist. Bei der Frage eines Rechts oder berechtigten Interesses der Gegnerin an der Domain ließ er die Beschwerde scheitern: Er zeigt sich verwirrt, dass die Beschwerdeführerin die Gegnerin unter anderem bezichtigt, die Website sametcpa.com einer Buchhaltungsfirma zu betreiben. Sie verweist aber auch darauf, dass die Gegnerin rund 100 Domains registriert hält, von denen einige auf Parking-Seiten leiten. Daraus leitet die Beschwerdeführerin ab, dass die Gegnerin die Domain samet.com registrierte, um einen ungerechtfertigten kommerziellen Gewinn durch den Verkauf der Domain an Dritte zu erzielen. Die Gegnerin verneint die Vorwürfe und belegte dies umfänglich. Sie legte unter anderem eine eidesstattliche Versicherung von Dr. Samet vor, der ursprünglich die Domain samet.com 1996 registriert und für unterschiedliche Projekte genutzt hatte. Er erklärte, dass er, als er die Domain seinerzeit registrierte, nichts von der Beschwerdeführerin wusste. Die war damals noch ausschließlich in der Türkei aktiv und baute ihr weltweit agierendes Unternehmen mit zahlreichen Niederlassungen erst später aus. Für Rothnie zeigte sich die Lage so, dass Dr. Samet die Gegnerin bereits gegründet hatte, bevor die Beschwerdeführerin in den USA in ihrem speziellen Bereich aktiv wurde. Damit sah Rothnie die Gegnerin berechtigt, die Domain zu nutzen und das zweite Element der UDRP nicht erfüllt. Die Prüfung der Bösgläubigkeit ersparte er sich.

Stattdessen widmete er sich der Frage des Reverse Domain Name Hijacking, dessen Prüfung die Gegnerin beantragt hatte. Aktuell, so Rothnie, öffne die Domain samet.com auf eine Parking-Seite mit »related searches« (verwandten Suchbegriffen), die danach aussehen, dass sie Einkünfte bringen. Die Gegnerin erklärte, diese Parking-Seite sei ohne ihr Wissen vom Hosting-Provider eingerichtet worden, und man habe keine Einkünfte daraus eingestrichen. Das reiche aber als Verteidigung nicht aus, solange die Gegnerin nichts unternommen habe, um eine Parking-Seite zu verhindern. Und schaue man sich die Erfahrung der Gegnerin und von Dr. Samet auf dem Gebiet an, überrasche es, dass eine Parking-Seite besteht. Rothnie stellte fest, dass, wäre hier nicht eine Parking-Seite geschaltet, er von RDNH ausgegangen wäre. Denn die Behauptungen der Beschwerdeführerin hinsichtlich der Domain sametcpa.com, die definitiv nicht der Gegnerin gehört, ist deplatziert. Dem WHOIS-Verzeichnis sei zu entnehmen, dass Inhaber der Domain samet.com die Samet & Company Inc. ist, wobei es keine Hinweise gibt, dass die Beschwerdeführerin Anstalten gemacht habe, den Eintrag auf seine Richtigkeit zu überprüfen. Zudem ergäbe sich aus den WHOIS-Daten, dass die Domain 1996 registriert wurde, und nichts weise darauf hin, dass der Gegner nicht der ursprüngliche Registrant der Domain ist. Den Vorwurf der Bösgläubigkeit, resümiert Rothnie, sollte man nicht machen, solange man zuvor die Sache nicht gründlich überprüft hat. Weiter unterstrich Rothnie, dass ein berechtigter Domain-Inhaber nicht in der Pflicht stehe, auf eine eMail mit Kaufanfrage zu antworten, und dass sich daraus dessen Bösgläubigkeit ableiten lasse. In Anbetracht dieser Tatsachen, aber auch in Anbetracht der Auflösung der Domain samet.com zu einer Parking-Seite mit »verwandten Suchanfragen«, war Rothnie mit erheblichem Zaudern der Ansicht, dass es in diesem Fall nicht angebracht sei, ein Reverse Domain Name Hijacking der Beschwerdeführerin festzustellen.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

ccTLDs

Domain-Registrierung in den Niederlanden flutscht

Die Inhaber von .nl-Domains drücken aufs Gaspedal: nach Recherchen der Registry SIDN dauert es bei der Hälfte aller Anmelder weniger als eine Stunde vom Gedanken an eine Domain bis zur Registrierung.

Und auch danach muss es schnell gehen; bei 80 Prozent der registrierten Domains folgt die Website binnen lediglich einer Woche. Und zur Freude von SIDN hat sich einer weitere Erkenntnis durchgesetzt: die Registrierung der Domain erfolgt zeitlich noch vor der Erstellung des Business-Plans und der Programmierung der Website, geschweige denn der Eintragung im Handelsregister. Zu groß ist die Sorge, dass die Domain bis dahin bereits anderweitig vergeben ist und teuer abgekauft werden muss. Zudem beobachtet SIDN den Trend, dass sowohl die Variante unter .nl als auch unter .com einer Domain registriert wird; die Kombination aus .nl- und .eu-Domain ist seltener. Damit möchte man sowohl den einheimischen als auch den internationalen Markt abdecken. Im eMail-Bereich dominiert dabei die .nl-Domain. Für die Zukunft hat die niederländische Community vor allem einen Wunsch:

»People shouldn’t be allowed to register domain names just to sell them on at a fat profit.«

Ob das auch die Domainer so sehen, darf man aber bezweifeln.

Statistik

Länderendungen sind solide, .com schwächelt

Corona-Panemdie? Krieg in der Ukraine? Über die Gründe wird aktuell noch gerätselt, doch klar ist: nach einem leichten fünfstelligen Verlust im Mai 2022 sank die Zahl der registrierten .com-Domains im Juni 2022 sogar sechsstellig. Gut, dass da .de und .at für Stabilität sorgen.

Den statistischen Pflock schlägt in diesem Monat die .com-Registry VeriSign Inc. ein, die ihren »Domain Name Industry Brief« für das 1. Quartal 2022 veröffentlicht hat. Danach schloss das erste Kalendervierteljahr mit 350,5 Mio. Domains weltweit quer über alle Endungen, ein Plus von 8,8 Mio. Domains gegenüber dem 4. Quartal 2021. Davon entfielen allein auf .com 161,3 Mio. Domains, ein leichtes Plus gegenüber den 160,0 Mio. Domain-Namen aus dem 4. Quartal 2021. Mit diesem Plus dürfte es jedoch in der nächsten Ausgabe des „Domain Name Industry Brief“ vorbei sein; nach einem Verlust von 76.689 .com-Domains im Mai 2022 ging es im Juni 2022 um sogar 206.671 Domains zurück. Aktuell gibt es noch keine exakte Erklärung für den Rückgang, VeriSign verwies jedoch bereits Ende April 2022 auf »macro-economic factors«; darunter dürften vor allem die Folgen der Corona-Pandemie, mittlerweile aber auch der Krieg in der Ukraine samt seiner weltwirtschaftlichen Folgen fallen. Mit weit über 161 Mio. registrierten Domains bleibt .com aber die führende, alles dominierende generische Top Level Domain.

Wachstumstreiber bleiben die Länderendungen, deren Gesamtzahl sich zum 31. März 2022 auf 133,4 Mio. erhöht hat, ein Anstieg von 6 Mio. Domains gegenüber dem 4. Quartal 2021. Aber dieser Wert täuscht, fließen doch allein 20,6 Mio. .cn-Domains in diese Berechnung ein; im 4. Quartal 2021 waren es „nur“ 15,3 Mio. .cn-Domains. Der mutmaßlich hohe Anteil regulierter Registrierungen macht eine Vergleichbarkeit mit zahllosen anderen Endungen wie .de, .at oder .ch unmöglich. Und das, obwohl sich gerade .de und .at positiv entwickeln; beide Endungen können deutlich zulegen. In Summe zulegen kann auch das Lager der nTLDs, das sich per Ende Juni 2022 um rund 16.000 auf 30.116.379 Domains verbessern kann, obwohl mit .xyz und .online die beiden führenden Endungen verloren haben. Dennoch bleibt dieser Markt erfreulich, was auch VeriSign im »Domain Name Industry Brief« bestätigt:

»ngTLDs increased by 3.5 million domain name registrations, or 15.3%, year over year.«

Bei den Länderendungen blickt .it, das offizielle Kürzel Italiens, auf ein durchwachsenes erstes Quartal 2022 zurück. Zwar stieg die Gesamtzahl der registrierten Domain-Namen gegenüber Jahresbeginn um 13.474 per 31. März 2022 auf 3.463.811 an, die Tendenz ist aber aktuell negativ. Per 30. Juni 2022 waren nur noch 3.457.041 Domains registriert, und die Wachstumskurve, die 2020 noch bei 4,2 Prozent lag, liegt aktuell bei deutlich unter 3 Prozent. Dennoch soll 2022 nach Einschätzung der Verwalterin Registro.it zum »testing ground for the Italian digital transformation« werden. Und eine .it-Domain soll dabei maßgeblich helfen:

»With the choice of a .it site, citizens will demonstrate the value of their online identity even in their daily lives, and entrepreneurs and freelancers will seize the opportunities and challenges of online business.«

Vor allem Inhaber von Markenrechten sollten nun über eine präventive Registrierung nachdenken.

Die aktuellen Domain-Zahlen:

.de17.303.630(Vergleich zum Vormonat:+ 24.551)
.at1.438.656(Vergleich zum Vormonat:+ 4.253)
.com161.081.247(Vergleich zum Vormonat:– 206.671)
.net13.227.984(Vergleich zum Vormonat:– 16.920)
.org10.600.730(Vergleich zum Vormonat:– 7.011)
.info3.646.368(Vergleich zum Vormonat:– 4.718)
.biz1.417.467(Vergleich zum Vormonat:– 3.557)
.eu3.685.061(Vergleich zum Vormonat:– 3.549)
.xyz5.000.184(Vergleich zum Vormonat:– 54.259)
.online2.175.764(Vergleich zum Vormonat:– 10.715)
.top1.938.540(Vergleich zum Vormonat: + 25.670)

(Stand 01. Juli 2022)

Handel

Entwickler von yachts.com verkauft Domain nach 1 Jahr zu Top-Preis

Vor einem Jahr berichteten wir von dem Webseiten-Entwickler, Domain-Händler und Entrepreneur Eric Borgos, der die Domain yachts.com für US$ 350.000,– (ca. EUR 294.118,–) gekauft hatte, um sie zu entwickeln. Nun hat er die Domain yachts.com für US$ 600.000,– (ca. EUR 571.429,–) wieder verkauft.

Bei der Frage, ob man mit Domains spekulieren oder sie entwickeln sollte, entschied sich Borgos vor einem Jahr für die Entwicklung der gerade zu US$ 350.000,– (damals ca. EUR 294.118,–) gekauften Domain yachts.com. Der in Fragen von Website-Entwicklung und Domain-Handel bewanderte Borgos, der 2015 auch das Buch »How to make money online« veröffentlichte, hatte den Plan

»to have a killer domain to help me get my foot in the door of a real-world industry I knew nothing about.«

Die Domain yachts.com war teuerer als geplant, die Möglichkeiten der Vermarktung als eine Art Yacht-bnb/Uber zu aufwändig, weshalb er sich für eine schlichte Boots-Charter-Plattform entschied.

Wie Borgos nun in einem aktuellen Artikel zum Verkauf von yachts.com für US$ 600.000,– (ca. EUR 571.429,–) schreibt, arbeitete er 4 Monate Vollzeit an dem Projekt für yachts.com. Er testete verschiedene Geschäftsmodelle, erhielt viel Zuspruch und Angebote zur Zusammenarbeit. Alles lief eigentlich gut. Nur brachte es kein Geld. Mit über Jahre intensiven Arbeitens, ist sich Borgos sicher, hätte er da ein prima Geschäft draus machen können, das irgendwann auch Geld einbringen würde. Doch müssten letzten Endes monatlich US$ 5.000,– Gewinn rausspringen, wovon er weit entfernt war. Er konnte sich es nicht leisten, für länger als ein bis zwei Jahre so viel in die Domain zu investieren.

Borgos hatte erwogen, die Domain über einen Broker zu einem siebenstelligen Betrag zu verkaufen – viele hatten ihm gesagt, die Domain sei Millionen wert. Doch unvermittelt kam von dem Broker, der ihm die Domain verkauft hatte, ein Angebot in Höhe von US$ 600.000,–. Ein Kunde, dem der Broker schon vergangenes Jahr die Domain angeboten hatte, meldete sich, um die Domain zu kaufen. Borgos sagte ja. Für Borgos ist dies nach adventure .com (für US$ 200.000,– in 2011 gekauft) bereits das zweite Mal, dass er eine teuer gekaufte Domain über den gleichen Broker gewinnbringend wieder verkauft.

Borgos macht deutlich, dass das Entwickeln von Domains Zeit und jede Menge Energie kostet. Das lohnt sich, wenn man sich es leisten kann. In diesem Fall aber verwirklichte Borgos seinen Plan nicht; er konnte auf Dauer nicht seine volle Arbeitskraft in das Projekt stecken, da er nebenher mit anderen Projekten Geld verdienen musste. Diesen widmet er sich jetzt Vollzeit – und sie bringen Geld.

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