ccTLDs

Die Preise für .cm-Domains von Kamerun fallen

Nach bisher unbestätigten Pressemeldungen plant das Telekommunikationsministerium von Kamerun eine drastische Preisreduzierung für .cm-Domains.

Statt wie bisher CFA 130.000,– (ca. EUR 198,–) soll die jährliche Registrierungsgebühr künftig lediglich CFA 7.000,– (ca. EUR 11,–) betragen; entsprechende Ankündigungen soll Dr. Ebot Ebot Enaw, Director General der National Agency for Information and Communication Technologies (NAICT), bestätigt haben. Auslöser sei, dass viele Einwohner Kameruns nicht wüssten, dass man .cm-Domains registrieren kann. Unter Cyberkriminellen hat sich das jedoch schon längst herumgesprochen. Ein grosses Problem für .cm sind deshalb sogenannte »domain hacks«, bei denen .cm weitgehend von Vertippern bei .com-Domains lebt. Eine drastische Reduzierung der Registrierungsgebühren dürfte daher das Risiko für Markeninhaber drastisch erhöhen, so dass eine präventive Registrierung mehr als je zuvor geprüft werden sollte. Die offizielle Zahl der registrierten .cm-Domains ist nicht bekannt; im Jahr 2016 soll sie bei 53.000 gelegen haben.

DSGVO

Auch die Registry der estnischen Länderendung .ee ändert das WHOIS

Eesti Interneti Sihtasutus (EIS), Registry der estnischen Länderendung .ee, reagiert auf die rechtlichen Änderungen durch die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

Seit dem 25. Mai 2018 werden die Kontaktinformationen des Inhabers einer .ee-Domain, sofern es sich um eine natürliche Person handelt, nicht mehr im WHOIS angezeigt. Allerdings möchte EIS auch weiterhin eine Kontaktaufnahme mit dem Domain-Inhaber ermöglichen. Zu diesem Zweck erscheint beim Aufruf der WHOIS-Informationen ein Link »Click here« im Feld »Contacts«; wer darauf klickt, wird über ein »captcha«-Formular weitergeleitet und kann sich über ein anonymisierters Formular mit dem Domain-Inhaber in Verbindung setzen. Parallel hat EIS ausserdem eine neue »Protection Policy« aktualisierte »WHOIS Terms and Conditions« verabschiedet. Ist der Inhaber der .ee-Domain übrigens eine juristische Person, bleibt alles unverändert.

Handel

Diskussion um den Kauf von vacation.rentals (US$ 500.300,–) und die .com-Wende

Im April 2018 machte ein spektakulärer Domain-Kauf von sich reden: die US-amerikanische Unternehmung VacaRent kaufte die Domain vacation.rentals zum bisher höchsten Preis, den eine nTLD erzielt hat: für US$ 500.300,–. Jetzt fragen sich Domain-Investoren, ob das der Wendepunkt im Domain-Handel oder lediglich ein Fake-Deal war.

Mike Kugler, Domain-Inhaber von vacation.rentals, stellte sich Ende Mai 2018 einem »Ask me Anything« und meinte: Die Tage von obszönen Preisen für .com-Domains nähern sich dem Ende, da es nTLDs gibt.

I am willing to wager the days of obscene dot-com sales are coming to an end now that the gTLDs are available and gaining ground even moreso. People are no longer forced to dot-com everything and can start to break their addiction to dot-com’ing everything.

Der Wendepunkt im Domain-Handel sind damit nicht unbedingt höhere Preise bei nTLDs, sondern geringere Preis bei .com-Domains.

Kugler ist verantwortlich für den Kauf von vacation.rentals zu einem Preis von US$ 500.300,–, der bereits Ende 2017 eingeleitet wurde. Kugler beschäftigt sich schon lange mit Suchmaschinenoptimierung (SEO) und entschied, dass für sein Geschäft die Domain vacation.rentals die einzig richtige Wahl sei. Diese befand sich in festen Händen. Er wartete zweieinhalb Jahre, bis er den Hinweis erhielt, dass die Domain zum Verkauf steht. Binnen 30 Sekunden wandte er sich an den Inhaber und bot ihm US$ 15.000,- für die Domain. Dafür erhielt er eine Absage und die Mitteilung, man erwarte einen Preis im oberen sechsstelligen Bereich. Daraufhin bot Kugler US$ 500.000,–, die die Gegenseite nach fünf Minuten Bedenken annahm. Auf einen Preis von US$ 500.300,– einigten sich die Parteien schließlich, weil bereits im Januar 2018 der Preis von US$ 500.000,– für home.loans bekannt wurde und Kugler den höchsten bezahlten Preis für eine nTLD als Marketingmittel nutzen wollte. Unter vacation.rentals bietet Kugler ein Angebot zur gebührenfreien Direktenanmietung bei Eigentümern und Hausverwaltungen.

Die Einschätzung Kuglers zur Wende im Domain-Handel teilt die Domain-Gemeinde nicht. Berechtigterweise stellt sich die Frage nach coffee.club, die im Herbst 2014 für US$ 100.000,– an coffee.org ging, ein Deal, der seinerzeit bereits die Wende bringen sollte. Jedoch scheinen die Besucherzahlen auf coffee.club gering sein. Rick Schwartz widmete vacation.rentals kürzlich einen Artikel auf seinem wieder aktivierten Blog ricksblog.com und bemängelt, vacation.rentals werfe auf konkrete Anfragen keine Ferienwohnungen auf Maui aus. Er fragt, ob es sich nicht um einen Fake-Deal handeln könnte. Doch Alt-Domainer Michael Costello vermutet die üblichen Anfangsschwierigkeiten, bis ein ordentlicher Kundenstamm zusammengekommen ist. Kugler selbst teilt mit, noch am selben Tage, an dem sich Schwartz über fehlende Unterkunftangebote für Maui auf vacation.rentals beklagte, habe sich tatsächlich ein Anbieter gemeldet und bietet nun eine Wohnung auf Maui an. Weiter informierte Kugler, dass es unter vacation.rentals am 8. Juni 2018 exakt 265 Anbieter gab und rund 700 Nutzer, und es würden täglich mehr. Ob der vacation.rentals-Deal daher wirklich den Wendepunkt für »obszöne« .com-Preise einleitet, werden wir erst in einigen Jahren sehen. Bis dahin freuen wir uns über jeden Rekordpreis.

In einem Podcast von Andew Allemann erzählt Mike Kugler, wie der Kauf von vacation.rentals zustande kam und welches Geschäft er mit der Domain betreibt.

nTLDs

Die neue Endung .inc wechselt die Registry

Die in Hong Kong ansässige GTLD Limited trennt sich vor der Delegierung von .inc: noch bevor diese Top Level Domain in die Root Zone eingetragen wurde, gab die Intercap Holdings Inc. bekannt, die Rechte an der Endung erworben zu haben.

Gegründet von Jason Chapnik (.tv) und geleitet von Shayan Rostam (.xyz), hat Intercap seinen Sitz auf Cayman Islands; es ist die bisher erste TLD des Unternehmens. Gedacht als Abkürzung für »Incorporation«, soll die Registrierung unter .inc für jedermann zu jedem beliebigen legalen Zweck möglich sein. Es soll weder eine Liste reservierter Domains noch den Verkauf von Premium-Adressen zu erhöhten Gebühren geben. Den Auftakt der Registrierung macht eine 30tägige Sunrise-Phase, die im Oktober 2018 starten soll. Im Anschluss folgt im November 2018 eine 7tägige »Early Access Period«, bevor ebenfalls im November die Live-Phase beginnt. Zur Höhe der Registrierungsgebühren schwieg sich Intercap vorerst aus. ICANN soll der Vertragsübernahme bereits zugestimmt haben.

Netzsperren

OLG München bestätigt kinox.to-Urteil des LG München I

Nachdem das Landgericht München I am 1. Februar 2018 auf Betreiben von Constantin Film ein Urteil im einstweiligen Rechtsschutzverfahren erlassen hatte, wonach Vodafone Kabel Deutschland ihre Kabelkunden von einer Nutzung des Portals kinox.to ausschließen muss, ging Vodafone in Berufung und scheiterte vor dem OLG München.

Das OLG München bestätigte das Urteil des LG München I; die Entscheidung liegt uns noch nicht vor. In erster Instanz machte die Constatin Film ihre Verwertungsrechte an dem Film »Fack Ju Göhte 3« geltend. Unter der Domain kinox.to war dieser Film ab dem 07. November 2017 durchgehend als Links zu Sharhostern verfügbar, die es ermöglichten, ihn per Stream kostenlos von überall zu jeder Zeit abzurufen. Die Antragsgegnerin Vodafone bietet unter anderem Kabelanschlüsse an und versorgt so rund 3,340 Mio. Kunden mit Internetanschlüssen. Die Webseite kinox.to hält kein Impressum bereit, allerdings ein Kontaktformular, über das die Antragstellerin die Betreiber von kinox.to erfolglos abmahnte. Im Rahmen eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens wurden die Brüder Selimi als Verantwortliche für die Internetseite ermittelt. Diese versuchte die Constantin Film erfolglos, in Anspruch zu nehmen und wandte sich nun an die Vodafone als Access-Provider ihrer Kabelkunden. Die Antragstellerin ist der Ansicht, dass kinox.to ein illegales Geschäftsmodell betreibe und die Maßstäbe aus der Entscheidung des Bundesgerichtshofs „Störerhaftung des Access-Providers“ (Urteil vom 26.11.2015, Az. I ZR 174/14) anwendbar sind, mit der Folge, dass eine DNS-Sperre oder eine Sperre in Bezug auf eine IP-Adresse von Vodafone für ihre Kabelkunden vorzunehmen sei. Die Antragsgegnerin wendete unter anderem ein, die Kosten für die Einrichtung einer DNS- und IP-Sperre lägen bei mindestens EUR 150.000,–. Zudem bestünde bei IP-Sperren, die leicht umgangen werden könnten, die Gefahr des »Overblockings«.

Das Landgericht München I ließ sich von den Einwendungen allerdings nicht überzeugen und untersagte der Antragsgegnerin nach mündlicher Verhandlung, »ihren Kunden über das Internet Zugang zum Film ‚Fack Ju Göhte 3‘ zu vermitteln, soweit dieser Film über den gegenwärtig ‚kinox.to‘ genannten Internetdienst abrufbar ist« (Urteil vom 01.02.2018, Az. 7 0 17752/17). Das Landgericht stützte diesen Anspruch auf die Grundsätze der Störer­haftung und bezog sich dabei auf das Bundesgerichtshof-Urteil zur »Störerhaftung des Access-Providers«. In diesem Urteil hatte der BGH auf Grundlage europarechtlicher Erwägungen entschieden, dass ein Telekommunikationsunternehmen, das den Zugang zum Internet bereitstellt, von einem Rechteinhaber als Störer darauf in Anspruch genommen werden könne, den Zu­gang zu Internetseiten zu unterbinden, auf denen urheberrechtlich geschützte Werke rechtswidrig öffentlich zugänglich gemacht werden. Selbst Vodafone stellte nicht in Abrede, dass kinox.to einen hoch kriminellen Charakter hat. Aus Sicht des LG München sei sie als Störerin anzusehen, denn als Internetanbieterin träfen sie zumindest dann Prüfpflichten, wenn sie auf klare Rechtsverletzungen hingewiesen würde und diese Kontrollpflichten ihr Geschäftsmodell nicht wirtschaftlich gefährdeten oder ihre Tätigkeit nicht unverhältnismäßig erschwerten. Im Urteil setzte sich das LG München ausführlich mit Fragen der Effektivität der Sperrmaßnahmen auseinander und kam zu dem Ergebnis, dass alle Schutzmöglichkeiten mit etwas Sachkenntnis umgangen wer­den könnten. Dies sei aber unbeachtlich, weil nicht erwartet werden könne, dass durch das Vorgehen gegen einen Internetzugangsprovider die Verbreitung urheberrechtsverletzender Inhalte im Internet abschließend unterbunden werde. Maßgeblich sei, dass durch die Sperre der Zugang für Gelegenheitsnutzer erschwert werde. Die Kosten von EUR 150.000,– seien kein überzeugendes Argument, da sie nur die erstmalige Einrichtung einer DNS- und IP-Sperre beträfen und sonst jedem Begehren die Ersteinrichtungskosten entgegenhalten werden könnten. Abzustellen sei auf die Kosten im Verhältnis zum Gesamtumsatz, der hier im Milliardenbereich liege.

Nach dieser Entscheidung ging Vodafone Kabel vor das OLG München in Berufung. Das aber bestätigte die vorangegangene Entscheidung des LG München I (OLG München, Urteil vom 14.06.2018, 29 U 732/18). Die Entscheidungsgründe liegen uns noch nicht vor. Auf pr-online.de heißt es, Vodafone habe sich enttäuscht von dem Urteil des OLG München gezeigt und prüfe nun, welche weitere rechtlichen Schritte zu ergreifen sind. Die Constantin Film erklärte laut pr-online.de, sich zu laufenden Verfahren nicht äußern zu wollen. Vodafone hatte vorher schon, um der einstweilige Verfügung nachzukommen, eine DNS-Umleitung für ihre Kabelkunden eingerichtet, die diese auf eine Sperrseite weiterleitet, sobald sie kinox.to in ihre Browser eingeben. Problematisch daran ist, dass nicht nur der Zugang zu »Fack ju Göhte 3« verhindern wird, sondern zum gesamten Portal. Die Betreiber von kino.to teilen auf ihrem Portal mit,

Dank Constantin Film haben wir in Deutschland bald Internet Zensur wie in China oder Nord Korea. Sagt Tschuess zum freien Internet! Wir haben dennoch knapp 280~ Ersatzdomains gesichert.
und geben Vodafone-Kunden Tipps, wie sie die DNS-Sperre umgehen können.

Eine Stellungnahme von netzpolitik.org zum Urteil des LG München finden Sie hier.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

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