Das Warten hat ein Ende: seit dem heutigen 30. April 2026 nimmt die Internet-Verwaltung ICANN Bewerbungen um eine neue generische Top Level Domain entgegen. Die .fr-Registry AFNIC versucht, letzte offene Fragen für das Bewerbungsverfahren zu klären.
Nur wenige Wochen, nach derzeitigem Stand bis zum 12. August 2026, bleiben Zeit, um zum zweiten Mal nach 2012 die Gelegenheit zu nutzen, sich das eigene Stück vom Domain Name System zu sichern. Doch die Unsicherheit über Domain-Namen allgemein und das Bewerbungsverfahren im Besonderen ist groß, weshalb AFNIC, Verwalterin der französischen Länderendung .fr, mit einem umfangreichen Blog-Artikel (Teil 1 und Teil 2) für Aufklärung sorgt. Zunächst: Derzeit gibt es fast 1.600 aktive Top Level Domains, davon über 1.200, die im Rahmen der Einführungsrunde 2012 eingeführt wurden. Dazu zählen Länderendungen (wie .fr und .de), geoTLDs (wie .paris, .london oder .berlin), generische Begriffe (wie .cars, .shop oder .photo), Berufs-Domains (wie .dentist, .bank und .realestate) und Marken-Endungen (wie .audi, .bnpparibas oder .canon). Keine dieser Endungen wird abgeschafft; durch die Einführungsrunde 2026 wird das Angebot an Domain-Endungen vielmehr erweitert. Immer wieder wird auch die Fragen nach den Kosten einer Bewerbung gestellt. AFNIC verweist hier auf die Bewerbungsgebühr von US$ 227.000,–, empfiehlt aber, im ersten Jahr (2026) mit einem Budget von EUR 300.000,– zu rechnen; die jährlichen Betriebskosten belaufen sich auf etwa EUR 50.000,– bis EUR 80.000,–. Gibt es mehrere Bewerbungen um eine Top Level Domain, ist ebenfalls ein Lösungsweg vorgezeichnet; dieser reicht von der Wahl einer alternativen Domain-Endung bis hin zu einer Auktion, bei der sich der meistbietende Bewerber durchsetzt.
Unternehmen stellen sich häufig die Frage, ob der Betrieb einer eigenen Marken-Endung rentabel sein kann. Das hängt nach Einschätzung von AFNIC von der individuellen Nutzung ab. Für Organisationen, die Domain-Namen unter ihrer .brand intensiv nutzen, kann dies den Bedarf an defensiv registrierten Domains reduzieren und die Verwaltung des Domain-Portfolios vereinfachen; wer sich lediglich aus defensiven Gründen für eine Bewerbung entscheidet, wird auf Dauer auch Kosten ohne finanziellen Nutzen akzeptieren müssen. Eine Pflicht, eine .brand zu nutzen, gibt es aber nicht. Immer wieder taucht auch die Frage auf, wie lange es von der Bewerbung bis zur Einführung einer neuen Top Level Domain dauert. Hier ist zu berücksichtigten, dass ICANN umfangreiche technische, finanzielle und rechtliche Bewertungen auf der Grundlage der vom Antragsteller gemeldeten Informationen durchführt und zusätzliche Informationen vom Bewerber anfordern kann; auch Dritte können Einwände erheben. AFNIC prognostiziert, dass die Aktivierung in der Regel mehrere Monate bis über ein Jahr nach der Antragsphase erfolgt; man sollte also davon ausgehen, eine Top Level Domain frühestens Anfang 2028 nutzen zu können. Und schließlich: eine Domain-Endung ist ein Teamprojekt und erfordert die Einbindung von mindestens drei Schlüsselabteilungen insbesondere zu Beginn des Projekts: Marketing (um die Anwendungsfälle im Einklang mit der Markenstrategie zu definieren), IT (um die technischen Auswirkungen und mögliche Integrationen zu bewerten) und Rechtsabteilung (Einhaltung von Vorschriften, die Unternehmensführung und der Markenrechte). Diese Abteilungen müssen eng zusammenarbeiten, um Strategie und operative Abläufe abzustimmen. AFNIC empfiehlt dringend die Einrichtung eines Projektteams.
Schließlich noch eine wichtige Information für gewiefte Taktiker: es kann sinnvoll sein, eine Bewerbung einzureichen und diese in Kenntnis einer (Nicht-)Bewerbung der Konkurrenz wieder zurückzunehmen. Für diesen Fall sieht das nTLD-Programm zumindest eine teilweise Rückerstattung der Bewerbungsgebühr vor, je nachdem, wie weit das Verfahren fortgeschritten ist. Sie beträgt ungefähr 65 Prozent zu Beginn des Bewerbungsverfahrens, 35 Prozent vor Beginn des Evaluierungsprozesses und 20 Prozent, sobald ICANN mit der Evalulierung begonnen hat. Ein billiges Vergnügen bleibt der Wunsch nach einer eigenen Top Level Domain aber auch in diesem Fall nicht.