ccTLDs

Nominet will mit einer Campagne .uk beliebter machen und für mehr Domain-Registrierungen sorgen

Die britische Länderendung .uk steckt in der Krise. In einem Blog-Artikel vom 27. April 2026 räumt David Carroll, CCO der Registry Nominet, ein:

we have experienced a slowing demand in recent years.

Allerdings bleibt Nominet nicht untätig und hält daher mit einem ».UK Growth Programme« dagegen, um für mehr Registrierungen unter .uk zu sorgen. Es soll am 03. Juni 2026 starten und jährlich neu aufgelegt werden. Die Teilnahme steht allen akkreditierten Registraren offen und bietet die Wahl zwischen einer ».UK price promotion« oder »marketing campaign funds«. Die Promotionsoption würde im ersten Jahr in einem bestimmten Monat einen Rabatt auf Neuregistrierungen innerhalb der .uk-Familie bieten. Die Marketing-Option wäre dagegen wettbewerbsorientiert, wobei die Kampagnen anhand ihres ROI-(Return on Investment)-Potenzials ausgewählt und Obergrenzen die Teilnahme einer breiten Mitgliederbasis gewährleisten würden. Nominet betont, dass man keine nicht-nachhaltigen Registrierungen unterstützen möchte, die zwar anfänglich stark ansteigen, dann aber wieder abfallen oder den Missbrauch von .uk-Domains fördern. Die .uk-Domain erreichte im Juli 2019 mit 13.348.378 Registrierungen ihren Höchststand, hat aber seitdem drei Mio. Domains verloren und verzeichnete Ende März 2026 »nur« noch 10.371.270 registrierte Domains.

UDRP

Französischer Pharmaversender scheitert im Streit um izypara.com

Im Streit um die Domain izypara.com scheiterte ein französisches Unternehmen, am fehlenden Nachweis der Bösgläubigkeit des Gegners. Das WIPO-Panel ergriff Eigeninitiative und stellte fest, dass der Domain-Name keinesfalls auf die Marke der Beschwerdeführerin zielt.

Die 2007 gegründete Easyparapharmacie aus Frankreich sah ihre Rechte durch die Domain izypara.com verletzt und leitete deshalb ein UDRP-Verfahren vor der WIPO ein. Sie handelt mit Pharmazeutika und Kosmetik im westlichen europäischen Raum und fand bereits lobenswerte Erwähnung in der Zeitschrift Capital. Seit 2022 ist sie Inhaberin der EU-Marken »EASYPARA« und »EASYPARAPHARMACIE«. Die Beschwerdeführerin legte unter anderem einen undatierten Screenshot der Website unter izypara.com vor, der eine Kopfzeile mit dem Logo eines Pandas und dem Schriftzug »Izy Para« auf der linken Seite zeigt. »izy« entspreche lautlich dem Begriff »easy« und zusammen mit »para« ergäbe sich so die Marke »EASYPARA«. Die Beschwerdeführerin brachte alsdann, aufgrund des »Panda«-Symbols, das Angebot unter der Domain mit Angeboten vermutlich gefälschter Markenkleidung auf Instagram und TikTok in Verbindung, da diese auch das Panda-Bild enthielten. Die Beschwerdeführerin beantragte die Übertragung der Domain. Inhaber der im August 2025 registrierten Domain izypara.com ist Jan Michael Scott aus Polen. Er meldete sich in der Sache nicht. Als Entscheider wurde der schottische Rechtsanwalt Andrew D. S. Lothian berufen.

Lothian wies die Beschwerde ab (WIPO Case No. D2026-1042). Die Ähnlichkeit von Marke und Domain bestätigte er; die Frage eines Rechtes oder berechtigten Interesses übersprang er. Im Rahmen der Bösgläubigkeitsprüfung reduzierte er die Vorwürfe der Beschwerdeführerin auf drei Punkte: Ihre Marke sei berühmt, Domain und Marke seien zum Verwechseln ähnlich sowie die Angebote auf den Social Media-Seiten, über die vermutlich gefälschte Markenwaren gehandelt würden, stünden mit der Seite des Gegners in Verbindung. Lothian räumte alle drei Punkte ab, wobei er selbst vertiefte Recherchen vornahm. Hinsichtlich der Berühmtheit der Marke bemängelte Lothian, dass die Beschwerdeführerin keinen Hinweis auf eine Präsenz in Polen, wo der Gegner seinen Sitz habe, oder der Türkei behauptet und belegt habe. Im Rahmen seiner Recherche entnahm Lothian dem Quellcode der Webseite, dass sie sich an türkische Nutzer wende: »izy« und »para« seien türkische Begriffe, die für »einfach« und »Geld« stehen, so dass sich der Name der Domain als »einfaches Geld« lesen lasse und folglich nicht die Marke »EASYPARA« der Beschwerdeführerin nachbilde. Und was die Verbindung zu möglichen rechtswidrigen Angeboten auf Social Media-Seiten betreffe, so sei die Verknüpfung über das Panda-Bild nicht stichhaltig: Es sei durchaus möglich, dass der Gegner das identische Panda-Bild einfach aus derselben Quelle bezogen hat wie die Betreiber der Social Media-Seite. Damit lagen für Lothian nicht alle drei Elemente der UDRP vor, weshalb er die Beschwerde abwies.

Die Entscheidung zeigt einmal mehr, dass auch ohne Reaktion des Gegners des UDRP-Verfahrens Beschwerden problemlos scheitern können. Dies ist unter anderem auch Folge davon, dass das Verfahren den Panels die Möglichkeit gewährt, eigene Recherchen vorzunehmen, um die Sachverhalte aufzuklären. Davon machte Lothian im Streit um izypara.com reichlich – dokumentierten – Gebrauch.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains GmbH.

ccTLDs

Nominet investiert mit Fonds in DNS-Technologien

Die .uk-Verwalterin Nominet hat die ersten Projekte bekanntgegeben, die sich über Unterstützung aus dem neuen »Nominet DNS Fund« freuen dürfen.

Der Nominet DNS Fund investiert in die Stabilität und Widerstandsfähigkeit von Open-Source-Domain-Name-System-Technologien, die für ein reibungsloses Funktionieren des Internets sorgen; im ersten Antragszeitraum standen bis zu GBP 370.000,– (umgerechnet ca. EUR 427.000,–) zur Verfügung. Die ersten geförderten Projekte sind Cascade von NLnet Labs (für ein neues DNSSEC-Signaturtool), Validns by OARC (für eine Sicherheitsprüfung von Domain-Namen), die OpenSSL-Bibliothek (eine der weltweit am häufigsten verwendeten kryptografischen Bibliotheken), Quad9 (für das öffentliche DNS-Resolver-Netzwerk) und BIND 9 von ISC (das Open-Source-DNS-System wird von vielen Root-, TLD- und Second-Level-Domain-Betreibern weltweit genutzt). Zur Gestaltung des Fondsprogramms wurde ein Expertengremium eingerichtet, darunter Vertreter von ICANN, der Sovereign Tech Agency, der Linux Foundation und Mitglieder von Nominet. Die erste Förderrunde ist erst der Anfang, im Laufe des Jahres 2026 soll die nächste Antragsphase folgen. Teilnehmen kann jede Organisation, die sich für den Schutz, die Stärkung oder die Weiterentwicklung des DNS und der zugehörigen Open-Source-Technologien einsetzt.

nTLDs

Nameshop, Bewerber der ersten Runde, hält an .idn fest

Wer im Zuge der zweiten nTLD-Einführungsrunde meint, es sei eine clevere Idee, sich um das Kürzel .idn zu bewerben, dem kann man nur dringend abraten.

In einem Schreiben vom 01. Mai 2026 hat ICANN-Vertreterin Theresa Swinehart das indische Unternehmen Nameshop erneut darauf hingewiesen, dass deren Bewerbung um .idn aus dem Jahr 2012 keinen Erfolg haben wird:

your application for .IDN is unable to move forward.

Das Unternehmen hat nun Zeit bis 15. Mai 2026, die Bewerbung freiwillig zurückzuziehen. Nameshop hatte erst kurz nach Abgabe der Bewerbungsunterlagen festgestellt, dass die Wunsch-Domain keine zuteilungsfähige Endung ist, weil das Kürzel »IDN« nach der Liste der »ISO 3166-1 alpha-3 codes« das geschützte Zeichen für Indonesien ist; deren Registrierung war 2012 und ist auch 2026 ausgeschlossen. Nameshop wollte daher auf diesen Fehler reagieren und zu .internet umschwenken, wird aber auch damit keinen Erfolg haben. Swinehart schreibt:

Given that we are unable to take further action on Nameshop’s application for .IDN or its change request to change the string to .INTERNET, as explained in full above and several times before, we encourage you to withdraw the application for a full refund of Nameshop’s application fee of $47,000 and consider applying in a subsequent round for .INTERNET.

Ob sich Nameshop nun in der aktuell laufenden Einführungsrunde 2026 um .internet bewirbt, ist öffentlich bisher nicht bekannt.

Statistik

Annäherung an 400 Mio. Domains dank starker .com-Registrierungen

In der Domain Name Industry herrscht eitel Sonnenschein: die Gesamtzahl der weltweit registrierten Domain-Namen nähert sich der Marke von 400 Mio. Dazu trägt nicht nur .com, sondern auch die Kontinental-Domain .eu sowie die Landesendung .fr von Frankreich bei.

Der Domain Name Industry Brief der .com- und .net-Registry VeriSign gilt als zuverlässiges Branchenthermometer, so dass jede Neuauflage für öffentliche Beachtung sorgt. Das gilt auch für die Auflage zum 1. Quartal 2026. Per Ende März 2026 zählte VeriSign weltweit 392,5 Mio. Domains (ein Plus von 5,6 Mio. Domains gegenüber dem Vorquartal und sogar von 24,1 Mio. gegenüber dem 1. Quartal 2025), davon 246,1 Mio. mit generischer und 146,3 Mio. mit Landesendung. Bei den generischen Endungen führt .com das Feld mit 163,6 Mio. registrierten Domains an, gefolgt von .net (12,4 Mio.) und .org (11,7 Mio.). Bei den Landesendungen führt Chinas .cn mit 20,9 Mio. Domains vor dem deutschen Landeskürzel .de (17,9 Mio.) und der britischen .uk (10,4 Mio.). Der Hauptwachstumstreiber bleibt .com, die sich in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 von 161 Mio. auf die genannten 163,6 Mio. registrierten Domains steigern konnte. Alles in allem zeigt sich VeriSign zuversichtlich, dass dieses Wachstum anhält; ging man bisher von einem Wachstum für das Gesamtjahr 2026 von 1,5 Prozent bis 3,5 Prozent aus, könnten es nun sogar 3,1 Prozent bis 4,3 Prozent werden. Interessant: die »renewal quote« lag bei VeriSign für Domains im ersten Jahr bei »nur« 45 Prozent; ist das erste Jahr geschafft, springt sie aber auf 85 Prozent. Ob sich der Preisanstieg bei .com um sieben Prozent auswirkt, bleibt abzuwarten; er greift erst für Registrierungen und Verlängerungen ab dem 01. November 2026.

Pünktlich zum 20-jährigen Geburtstag legt die Europa-Domain .eu ein überdurchschnittlich gutes erstes Quartal 2026 hin. Wie die Registry EURid meldet, waren zum Ende März 2026 offiziell bestätigte 3.810.119 .eu-Domains registriert, was einem Wachstum von 2,25 Prozent entspricht. Die Zahl der Neuregistrierungen lag bei insgesamt 182.156, die »renewal quote« bei 81 Prozent. Am beliebtesten ist .eu unverändert in Deutschland mit 966.585 Registrierungen, gefolgt von den Niederlanden (440.848) und Frankreich (318.403). EURid bekräftigte zudem das Engagement für die Einbindung junger Menschen, indem es Bewerbungen für sein Jugendkomitee entgegennahm. Die Initiative stieß auf großes Interesse bei jungen Menschen, die ihre Ideen und Perspektiven einbringen wollten; zwei neue Mitglieder werden dem Komitee beitreten.

Auf ein Rekordjahr 2025 blickt AFNIC, Verwalterin der französischen Länderendung .fr, zurück . Mit 4.319.120 registrierten Domain-Namen per 31. Dezember 2025 und umgerechnet einem Wachstum von 2,4 Prozent hat sich .fr als Eckpfeiler der französischen digitalen Souveränität etabliert. Die Zahl der neu registrierten .fr-Domains ist dabei stark gestiegen, nämlich um 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2024, und hat mit 853.000 einen neuen Rekordwert erreicht. Der Anteil der mehrjährigen Registrierungen hat zudem exponentiell zugenommen, von drei Prozent im Jahr 2023 auf 14 Prozent im Jahr 2025. Lediglich die »renewal quote«, also der Anteil der Vertragsverlängerungen, verzeichnet mit 82,2 Prozent einen leichten Rückgang; 2024 lag diese Quote noch bei 82,6 Prozent. Trotz dieser Faktoren wird für 2026 ein Wachstum zwischen ein und zwei Prozent prognostiziert, was dem Wachstum anderer europäischer ccTLDs entspricht. Als Registry sieht sich AFNIC bestens positioniert, um die Anpassung der französischen Gesellschaft, insbesondere im Hinblick auf die digitale Transformation, weiter zu begleiten.

Die aktuellen Domain-Zahlen:

.de17.902.835(Vergleich zum Vormonat:+ 44.707)
.at1.508.761(Vergleich zum Vormonat:+ 4.127)
.com 164.490.768(Vergleich zum Vormonat:+ 856.999)
.net12.430.614(Vergleich zum Vormonat:+ 13.257)
.org11.827.175(Vergleich zum Vormonat:+ 75.082)
.info5.250.593(Vergleich zum Vormonat:+ 17.914)
.biz1.220.992(Vergleich zum Vormonat:+ 5.656)
.eu3.694.283(Vergleich zum Vormonat:+ 762)
.xyz10.416.634(Vergleich zum Vormonat:+ 185.584)
.top9.373.408(Vergleich zum Vormonat:+ 500.392)
.shop6.295.265(Vergleich zum Vormonat:+ 255.699)

(Stand 01. Mai 2026)

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