Handel

Donuts' Verkauf von online.casino für US$ 510.000,– (ca. EUR 451.327,–) im Preisvergleich

Die nTLD-Verwaltung Donuts verkaufte die Domain online.casino zum Rekordpreis von US$ 510.000,– (ca. EUR 451.327,–). Wir versuchen, den Deal einzuordnen.

Mit dem Verkauf der Domain online.casino für einen Rekordpreis von US$ 510.000,– (ca. EUR 451.327,–) liegt der bisher höchste Preis vor, für den eine Domain unter einer der neuen Top Level Domains verkauft wurde. Käufer ist ein Online-Casino Betreiber, der seine zukünftige Kundschaft noch vertröstet: »Our website is Coming Soon« heißt es dort. Donuts konnte mit dem Preis von US$ 510.000,– (ca. EUR 451.327,–) seine bisherigen Rekorde übertrumpfen: home.loans erzielte im Januar diesen Jahres bereits sagenhafte US$ 500.000,– (ca. EUR 403.226,–); noch um US$ 300,– besser schnitt allerdings im April 2018 der Verkauf von vacation.rentals ab, die US$ 500.300,– (ca. EUR 403.468,–) kostete. Letzterer Deal hat eine Geschichte, über die wir im Juni berichteten und über den Michael Kugler, Verantwortlicher für den Kauf von vacation.rentals, heute in den höchsten Tönen und höchst zufrieden spricht. Alle drei eindrucksvolle Domain-Deals. Doch wie lässt sich der online.casino-Verkauf mit anderen »online-casino«-Domains einordnen?

Doch zunächst sei die umgekehrte Domain-Variante erwähnt: casino.online erzielte im März 2017 einen Preis von US$ 201.250,– (ca. EUR 186.343,–) und war die bis dahin teuerste bekannte Domain unter einer der neuen Endungen. Welche der beiden Domains erfolgreicher sein wird, und ob »casino first and online second« die besser Wahl war, wird man sehen; in jedem Falle lag der Preis von online.casino höher. Beim weiteren Blick in unser Archiv sticht die deutsche Domain online-casino.de heraus, die allerdings im Juli 2011 zunächst den später lächerlich wirkenden Betrag von EUR 3.500,– einbrachte. Kaum ein Jahr später konnte der Inhaber online-casino.de im Juni 2012 für EUR 115.000,– an den Mann bringen. Die Preissteigerungsrate ist herausragend, und der Preis für eine .de-Domain ebenfalls. Aber im Vergleich zur »reinen« Domain online.casino, die das Manko hat, eine neue Domain zu sein, nimmt sich der Preis der .de-Domain nicht gerade großartig aus. Ebenfalls nicht schlecht stand mit online-casino.nl zum Preis von EUR 23.800,– im Januar 2009 die niederländische Variante da, die allerdings derzeit nicht erreichbar ist und somit kein Geld bringt. Weitere online-casino-Domains erwecken den Eindruck, dass die Preise – nicht nur in ihrer Zeit – durchaus angemessen sind: So erzielte die Hong Kong-Domain online-casino.hk im Januar 2007 US$ 9.000,– (seinerzeit ca. EUR 6.923,–), die irische online-casino.ie im Januar 2016 US$ 5.000,– (ca. EUR 4.587,–), die norwegische online-casino.no im November 2013 US$ 2.000,– (ca. EUR 1.471,–) und die unerwartete online-casino.biz im Juli 2005 lediglich US$ 750,– (ca. EUR 616,–).

Der Verkauf von online.casino zum Preis von US$ 510.000,– (ca. EUR 451.327,–) ist nicht nur für Donuts und die nTLDs herausragend, sondern auch unter den »online-casino«-Domains. Selbstredend stellt dieser Deal keinen Vergleich zu dem Verkauf von casino.com dar, die im Oktober 2003 für US 5,5 Mio. (damals ca. EUR 4,13 Mio.) von der Boss Media an einen neuen Inhaber ging. Allerdings dürfte online.casino – bei gehöriger, verständlicher Werbung – eine große Zukunft beschieden sein, für die der reine Kaufpreis geradezu Schnäppchencharakter zugesprochen werden wird. Doch jetzt noch nicht.

ccTLDs

Die belgische .be-Verwaltung verschärft Löschungsmöglichkeiten im Kampf gegen Cyberkriminalität

Die belgische Domain-Verwaltung DNS Belgium erweitert die Handlungsmöglichkeiten im Kampf gegen Cyberkriminelle.

Eine Policy-Änderung gestattet es der Registry, auf Verlangen des Wirtschaftsministeriums FPS Economy (Föderaler Öffentlicher Dienst Wirtschaft, KMB, Mittelstand und Energie) .be-Domains auch ohne vorherige gerichtliche Entscheidung zu löschen, wenn sie zu Betrugszwecken genutzt werden. Im Visier hat die Registry vor allem betrügerische Webshops und Phishing-Angebote, wobei jeweils »erhebliche« Straftaten einschlägig sein müssen. Im ersten Schritt wird die Domain innerhalb von 24 Stunden nach einer Mitteilung des FPS Economy blockiert; der Domain-Inhaber hat dann zwei Wochen Zeit, um auf diese Blockade zu reagieren. Reagiert er nicht, wird die Domain nach sechs Monaten gelöscht. DNS Belgium geht davon aus, dass mehrere hundert Domains jährlich betroffen sein werden. Die Neuregelung ist am 1. Dezember 2018 in Kraft getreten, findet also ab sofort Anwendung.

UDRP

BMW AG erstreitet gegen zähen Gegner bwmvin.com

Die BMW AG führte einmal mehr ein UDRP-Verfahren. Diesmal ging es um die Domain bmwvin.com, unter der ein Dritter Fahrzeugidentifikationsdaten vertrieb und Ersatzteilanbietern eine Werbeplattform bot. Der WIPO-Entscheider prüfte den Fall unter anderem nach den Prinzipien der OKI-Data-Entscheidung aus 2001.

Die Bayerische Motoren Werke AG sah ihre Kennzeichenrechte durch die Domain bmwvin.com verletzt und ging gegen den Privacy-Service und den Inhaber der Domain bmwvin.com im Wege eines UDRP-Verfahrens vor der WIPO vor. BMW unterhält eine Datenbank mit eigenen Daten zu BMW-Fahrzeugen, die über ihre »VIN« (vehicle identification number) identifiziert und verfolgt werden. Diese VIN-Datenbank sei nach europäischem Datenbankrecht (gemäß Richtlinie 96/9/EG) urheberrechtlich geschützt, und nur autorisierte Nutzer hätten Zugriff auf diese Datenbank. Die Beschwerdeführerin erklärte, sie würde nie die Erlaubnis geben, dass auf diese Daten über die Website eines Dritten zugegriffen werden könnte. Sie argumentierte auf die übliche Weise hinsichtlich ihrer Markenrechte, nicht bestehender Rechte beim Gegner sowie dessen Bösgläubigkeit. Die Domain bmwvin.com hatte der Inhaber im April 2012 registriert. Unter der Website zu der Domain fanden sich eine urheberrechtlich geschützte Abbildung eines BWM unter dem Hinweis »BMW VIN DECODER / CHECK YOUR BMW’S VIN IN SECONDS«. Zudem beinhaltete die Website Werbung für Dritte, unter anderem auch andere Fahrzeughersteller. Schließlich ließen sich über die Website auch Berichte generieren, auf denen die Marke BMW abgedruckt wurde. Der Gegner verteidigte sich damit, dass sein Angebot seit 2012 ermögliche, die VINs von BMW-Fahrzeugen zu decodieren. Die Marke »BMW« müsse er – beschreibend – nutzen, anders könne er ja nicht zielgerichtet die Nutzer ansprechen, die so an von BMW selbst offengelegte Daten herankämen. Er meint weiter, die Seite zeige keine Designelemente, aufgrund derer Nutzer annehmen könnten, sie sei mit BMW verbandelt. Außerdem habe ihm die polnische BMW-Marketingabteilung mitgeteilt, er können BMW-Werbebilder nutzen, wenn er das BMW-Logo auf diesen entferne. Die Seiten von BMW-Ersatzteilanbietern, die er verlinkt habe, seien keine Konkurrenten, da sie BMW-Originalteile verkaufen oder Teile, die es von BMW gar nicht erst gibt. Er habe die Domain nicht bösgläubig registriert, da er Werbelinks erst später und keine Bilder von BMW-Fahrzeugen vor 2016 veröffentlicht habe. Die Werbelinks brauche er, um die Seite zu finanzieren. Dass er Angebote von Wettbewerbern von BMW verlinkt habe, lasse nicht darauf schließen, dass er mit diesen verbandelt sei. Er bot an, die Seite umzugestalten, indem er die BMW-Bilder entfernt und klarer mitteilt, dass er nicht mit BMW zusammenarbeitet.

Der als Panelist eingesetzte schottische Rechtsanwalt Andrew D. S. Lothian stellte zunächst fest, dass der Gegner die Website unter bmwvin.com geändert hat: sie leite jetzt auf bvzine.com weiter, unter der eine Pop-Up-Box mitteilt: »Our VIN check has a new home! Find it at: decoder.bvzine.com«. Nach reichlicher Prüfung bestätigte Lothian die Beschwerde von BMW und entschied auf Übertragung der Domain (WIPO-Case No. D2018-2123). Lothian bestätigte, dass die im Domain-Namen genannte Marke „BMW“ diese dominiere, und das generische oder beschreibende Zeichen »VIN« die Ähnlichkeit nicht aufhebe. Das Argument seitens des Gegners, die Marke nur beschreibend zu nutzen, stehe dem nicht entgegen, sei aber besser bei der Frage nach dem Bestehen eines Rechts oder des berechtigten Interesses zu prüfen. Bei diesem 2. Element der UDRP war für Lothian die erste Frage, ob eine tatsächliche lautere Nutzung (nominative fair use) vorliege. Hier zog er die OKI-Data-Entscheidung (WIPO Case No. D2001-0903) heran, in der die Schiedsrichter vier Kriterien entwickelten, nach denen der Gegner rechtmäßig handelt, wenn er (1.) die Waren und Dienstleistungen der Marke und diese (2.) ausschließlich anbietet, (3.) die Webseite klar erkennbar die Verbindung zum Kennzeicheninhaber beschreibt und (4.) er nicht versucht, alle in dem Feld relevanten Domains zu registrieren. Lothian stellte bei der Prüfung der vier Kriterien fest, dass der Gegner auf seinem Angebot nicht deutlich mache, dass und welche vertriebenen Güter original BMW-Ware sei; ausserdem ginge es hauptsächlich um die VIN-Daten, die aber ausdrücklich von BMW nicht zum Verkauf bestimmt seien. Weiter habe der Gegner von sich aus letztlich erklärt, dass nicht ausschließlich alle Güter auf seinem Angebot von BMW stammen. Damit habe er das zweite Kriterium dieser Prüfung nicht erfüllt. Gleichwohl ging Lothian die weiteren Voraussetzungen durch und stellte sodann fest, dass die nicht bestehende Verbindung zu BMW nicht vermittelt werde; für die Annahme, er versuche alle Domains in diesem Feld zu registrieren, fand Lothian keine Anhaltspunkt.

Es blieb noch die Prüfung der Bösgläubigkeit, deren Ergebnis sich für Lothian bereits aus der vorangegangenen Prüfung ergab. Im Grunde erweise sich der Gegner als direkter Konkurrent der Beschwerdeführerin, da er, ob die angebotenen VIN-Daten korrekt sind oder nicht, diese jedenfalls entgegen dem ausdrücklichen Willen der Beschwerdeführerin anbiete in einer Art und Weise, die auf Zerstörung des Geschäfts der Beschwerdeführerin ziele. Daraus ergäbe sich, dass die Domain bösgläubig registriert und genutzt wurde und werde. Darüber hinaus spreche die werbliche Nutzung der Domain und die Verlinkung zu Drittanbietern für die Bösgläubigkeit. Damit waren für Lothian alle Elemente der UDRP erfüllt, so dass er auf Transfer der Domain entscheiden konnte.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

gTLDs

ICANN verlängert den Verwaltungsvertrag für .coop

Die Internet-Verwaltung ICANN hat den Registry-Vertrag für die Top Level Domain .coop verlängert.

Wie die US-Verwalterin DotCooperation LLC mitteilte, begannen die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung bereits im Jahr 2016, und konnten im November 2018 abgeschlossen werden. Die Dauer der Verhandlung begründete Tom Ivey, Kommunikationsdirektor bei der DotCooperation, mit den Veränderungen in der Umgebung und den zusätzlichen Regulierungen der Domain Name Industry. Die Verlängerung gilt für vorläufig zehn Jahre. Änderungen an den Vergaberegelungen gab es nicht, so dass .coop auch in Zukunft im Wesentlichen nur Genossenschaften nach vorheriger Verifizierung zur Registrierung offen steht. Diese hohen Hürden schlagen sich allerdings auch in den Registrierungszahlen nieder: seit der Einführung im Jahr 2001 kommt .coop per Ende August diesen Jahres auf lediglich 8.222 Domains; neuere Zahlen liegen nicht vor.

Statistik

Polens Endung .pl hat ihre lange Schwächephase überwunden

Trendwende in Polen: nach Verlusten in den letzten zwei Jahren hat die Länderendung .pl im 3. Quartal 2018 erstmals wieder zugelegt. Wie sich die wichtigsten Top Level Domains weltweit im November 2018 sonst entwickelt haben, fassen wir hier für Sie zusammen.

Für den globalen Überblick sorgt zum Einstieg der Global TLD Report von CENTR, dem Council of European National Top-Level Domain Registries, für das 3. Quartal 2018. Demnach sind weltweit 344,2 Millionen Domain-Namen registriert, davon 191,9 unter generischer Endung und 152,3 Millionen unter Länderendung. Interessant ist die Aufsplittung bei den ccTLDs: mit 57 Endungen kommt Europa auf 71,7 Millionen Domains, Afrika mit 58 dagegen nur auf 3,4 Millionen Domains. Hinzu kommen von den 53 amerikanischen ccTLDs 13,9 Millionen Domains und von den 98 in Asien ansässigen Länderendungen weitere 63,3 Millionen. Wachstumstreiber bleiben die gTLDs mit einem Wachstum von 7,1 Prozent im Median gegenüber dem Vorjahr, gefolgt von den Länderendungen aus Afrika mit 6,2 Prozent. Besonders beliebt war allerdings die britische Länderendung, die um 9,8 Prozent zulegen konnte.

Bei den nTLDs gibt es einen Wechsel auf dem Stockerl. Spitzenreiter bleibt zwar weiterhin .top, die um knapp 80.000 Domains zulegen kann und nun bei 3.845.444 steht. Zweiter ist aber nun wieder .xyz, die 142.952 Domains hinzugewinnt und damit bei insgesamt 2.315.168 Domains steht. Der bisherige Zweitplatzierte .loan verliert dagegen leicht und kommt Ende November 2018 auf 2.239.136 Domains. Zählt man die Registrierungen aller aktuell 1.212 delegierten nTLDs zusammen, notieren die Statistiker 26.734.886 Domains, ein sattes Plus von 679.971 Domains gegenüber dem Vormonat. Seit einer längeren Schwächephase, die von Mai 2017 bis Juni 2018 andauerte, geht es damit beständig nach oben.

In der Liga der Länderendungen hat die polnische Registry NASK PIB ihren Bericht für das 3. Quartal 2018 vorgelegt. Danach waren per Ende September 2018 insgesamt 2.585.609 .pl-Domains registriert, ein Plus von 223.204 Domains gegenüber dem Vorquartal. Damit steigt die Zahl der .pl-Domains zum ersten Mal seit dem 2. Quartal 2016 wieder an. Mit einer »renewal quote« von genau 65,05 Prozent liegt .pl aber unverändert unter dem Durchschnitt. Ebenfalls eine Erwähnung wert ist Südafrikas .za. Wie die Verwalterin ZA Central Registry (ZACR) mitteilte, hat die Zahl der registrierten .za-Domains erstmals 1,2 Millionen überschritten, davon allein 1.117.000 unter der offiziellen Subdomain .co.za. Damit zementiert .za seinen Status als Afrikas erfolgreichste ccTLD. Als zahlenmäßig bisher kleinste afrikanische Länderendung gilt übrigens .km (Komoren); sie kommt ebenso wie .er (Eritrea) auf rund 100 registrierte Domains.

Die aktuellen Domain-Zahlen:

.de 16.204.164 (Vergleich zum Vormonat:+ 864)
.at 1.298.719 (Vergleich zum Vormonat:+ 1.786)
.com 138.791.475 (Vergleich zum Vormonat:+ 669.961)
.net 14.039.968 (Vergleich zum Vormonat:+ 1.830)
.org 10.369.420 (Vergleich zum Vormonat:– 6.481)
.info 5.154.044 (Vergleich zum Vormonat:– 235.404)
.biz 2.234.266 (Vergleich zum Vormonat:– 10.165)
.eu 3.640.541 (Vergleich zum Vormonat:– 13.683)
.top 3.845.444 (Vergleich zum Vormonat:+ 78.554)
.xyz 2.315.168 (Vergleich zum Vormonat:+ 142.952)
.loan 2.239.136 (Vergleich zum Vormonat:– 6.492)

(Stand 1. Dezember 2018)

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