Premiumdomains

Was macht eine Domain grossartig?

Der Domain-Handel ist ein vertracktes Ding. Die Preisgestaltung von Domain-Namen orientiert sich wesentlich an der Qualität der Domain. Hinzu kommt das Interesse des Verkäufers und das des Käufers. Aber der wesentliche Faktor bleibt die Domain selbst. Woran erkennt man nun eine gute Domain – und woran eine großartige Domain?

Lage, Lage, Lage. Was für Immobilien gilt, gilt auch für Domains. Unter den weitestgehend US-zentrierten Domain-Investoren ist die Domain-Top-Lage nach wie vor .com. Daran wird sich auch in absehbarer Zeit nichts ändern. Andere Endungen haben gleichwohl ihre Berechtigung. Aber .com ist der Maßstab. Und es gibt viele Kriterien, die für die Güte einer Domain herangezogen werden können: ihre Kürze, ihre Kommunizierbarkeit (artikulieren, verstehen, erinnern, fehlerfrei tippen), ihr Sinngehalt. Aber was unterscheidet eine gute Domain von einer großartigen Domain? Andrew Allemann (domainnamewire.com) stellte sich kürzlich diese Frage und gab die Antwort am Beispiel von candy.com.

Domain-King Rick Schwartz hatte candy.com für US$ 108.000,– gekauft und war Inhaber, bis er sie 2009 für US$ 3 Mio. nebst einer 12,5-prozentigen Beteiligung an den Gewinnen, die der Käufer mit dem Geschäft unter der Domain machen würde, verkaufte. Schon damals machte Schwartz in einem Blog-Post klar, das Rezept für einen guten Domain-Deal sei das »Nein«, das man dem Interessenten entgegenhält. Käufer damals war eine Süßkramunternehmung mit 35 Jahren Geschäftserfahrung, die fortan Süßigkeiten über die Domain vertrieb: mit Gewinn für sich selbst und Schwartz. Mit der Zeit orientierte sich die Inhaberin neu, wurde ein Logistikunternehmen, das entsprechende Dienstleistungen Dritten anbietet. Aus dem Süßigkeitengeschäft verabschiedete sie sich. Die Domain candy.com fand Anfang dieses Jahres einen neuen Inhaber. Doch der bietet unter candy.com keine Süßigkeiten an, sondern NFTs (non fungible tokens), fokussiert auf Sportthemen. Allemann stellt fest, dass sich in den letzten Jahren Domains, die den Geschäftsbereich klar kommunizieren und unter denen genau das angeboten wurde, was man erwarten kann, zu Marken-Domains mutieren. Denkt man „candy.com“, denkt man an etwas Süßes, was schöne Erinnerungen mit sich bringt. Nun bekommt man unter candy.com NFTs. Aber es gibt zahlreiche andere Branchen, die Produkte unter dem Label und der Domain candy.com hätten anbieten können. Es zeigt sich: eine großartige Domain ist – neben all den anderen Kriterien, die eine gute Domain ausmachen – so versatil, dass sie auch als Marke für eine Vielzahl von Produkten und nicht nur denen, die sie bezeichnet, fungieren kann. Allemann resümiert, viele Unternehmen kaufen nach wie vor Domain-Namen, die exakt den angebotenen Produkten entsprechen, wie christmas.com, rx.com (US-Abkürzung für „rezeptpflichtig“), nursing.com, floor.com. Während man unter carrot.com keine Möhren findet, unter blade.com keine Klingen, aber unter hippo.com Versicherungen, unter angel.com Unterhaltung und unter badger.com Kryptozeug findet. Das macht den Unterschied einer großartigen Domain aus.

Dezember

Internet Measurement Day In Tschechien

Die tschechische Domain-Verwaltung CZ.NIC begeht am 14. Dezember 2021 den »Internet Measurement Day: Czech Republic«. Interessierte, insbesondere tschechische Akteure sind zu diesem virtuellen Treffen eingeladen.

»Internet Measurement Day« ist eine Reihe von Veranstaltungen, die von RIPE NCC und ICANN organisiert werden, um lokale Gemeinschaften in der RIPE NCC-Dienstleistungsregion für Internet-Messinstrumente zu sensibilisieren. Gastgeber und Mitorganisator ist diesmal die tschechische CZ.NIC, die am 14. Dezember 2021 ab 09:00 Uhr zu dem Treffen einlädt. Angesprochen sind vorwiegend tschechische Akteure. In dem Meeting werden verschiedene Internet-Messinstrumente und -systeme vorgestellt. Dazu gehören RIPE Atlas, Identifier Technology Health Indicators (ITHI) und Resource Public Key Infrastructure (RPKI). Besondere Aufmerksamkeit wird auch RIPEstat gewidmet, einem groß angelegten Informationsdienst und der offenen Datenplattform von RIPE NCC. Lokale Partner sind ebenfalls eingeladen, ihre Erfahrungen mit Internet-Messinstrumenten und -Plattformen zu teilen. Die Agenda steht bereits fest und ist auf den Webseiten von ICANN einsehbar. Durch den Tag führt Gabriella Schittek (ICANN).

Internet Measurement Day: Czech Republic findet am 14. Dezember 2021 von 09:00 Uhr bis 13:00 Uhr online statt. Das Meeting wird in englischer Sprache gehalten. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung notwendig.

ccTLDs

DNS Belgium warnt vor Domain-Registrierungs-Abzockern

DNS Belgium, Registry der belgischen Länderendung .be, vermeldet erneut das Auftauchen einer altbekannten Abzockmasche.

In den vergangenen Wochen wurden Unternehmen von einer Unternehmung namens TM Benelux mit Sitz in Brüssel kontaktiert. Dabei gab TM Benelux vor, dass namentlich nicht benannte Dritte an der Registrierung einer Domain interessiert seien, die der Unternehmensdomain entspreche, wenngleich auch unter anderer Top Level Domain. Daher gebe TM Benelux dem Unternehmen das Recht, diese Domain vorrangig zu registrieren – zu einem nach Angaben der Registry exzessiven Preis und einer langjährigen Vertragsbindung. Ähnliches hatten zuvor auch bereits DNS Benelux und IDS Belgium versucht, wobei DNS Benelux vom »Court of Liège« am 20. Juni 2019 dafür abgestraft wurde. DNS Belgium empfiehlt, das Angebot nicht anzunehmen:

This seems to us to be a case of fraud.

Zudem können sich Betroffene an FPS Economy wenden, den Föderalen Öffentlichen Dienst Wirtschaft, KMB, Mittelstand und Energie des belgischen Wirtschaftsministeriums. Vor allem aber gilt: wer neue Domain-Namen unter weiteren Endungen registrieren möchte, sollte sich an seinen bekannten, bewährten und vertrauten Domain-Registrar halten, um kein böses Erwachen zu erleben.

IPv4

Neue Ideen der EFF, um mehr aus den alten IPv4-Adressen rauszukitzeln

Trotz der offiziell gemeldeten Knappheit an freien IPv4-Adressen schlummert in diesem Namensraum ein Milliardenwert für die Internetnutzer. Das wollen zwei Vertreter der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) ermittelt haben.

Bereits 2019 meldete das RIPE (Réseaux IP Européens Network Coordination Centre), dass der Pool an freien IPv4-Adressen auch in Europa nahezu erschöpft ist. Danach gebe es nur noch »IPv4-Staub«, äußerte sich CEO Axel Pawlik damals gegenüber dem Online-Magazin heise.de. Geht es nach Seth David Schoen und John Gilmore, ist das aber nur ein Teil der Wahrheit. Schoen ist leitender Technologe bei der EFF, Gilmore ein Mitbegründer. Am 09. November 2021 haben sie ein Dokument für ihr »IPv4 Unicast Extensions«-Projekt veröffentlicht, wonach möglicherweise noch hunderte von Millionen neuer IPv4-Adressen zur Verfügung stehen, die einen wirtschaftlichen Wert von mehreren Milliarden US-Dollar schaffen könnten. Schoen und Gilmore wollen dabei jenen Pool an IPv4-Adressen angreifen, der zwischen 1981 und 1986 reserviert wurde, zu einer Zeit also, in der Adressknappheit noch kein Problem war. Es gibt nur eine kleine Einschränkung: ein zentraler Bestandteil von Betriebssystemen müsste geändert werden.

Nach Angaben von Schoen und Gilmore ist die niedrigste Adresse in jedem Adressblock (also zum Beispiel 93.184.216.0 im Block 93.184.216.0/24) eine »duplicate broadcast address«. Schoen und Gilmore wollen diesen Raum als »ordinary unicast address« reklassifizieren und allein auf diese Weise Millionen freier IPv4-Adressen generieren. Ähnliches schlagen sie auch für die »Class E« oder »Experimental range« an Adressblöcken vor, die ebenfalls für zukünftige Nutzung reserviert sind, ohne dass eine Nutzung absehbar sei. Ferner soll der Adressraum 127/8 von »local loopback to unicast« konvertiert werden. Gert Doering vom Münchner Provider SpaceNet hat diese Adressen gegenüber heise.de als Selbstgespräche beschrieben; so könne man lokale Services laufen lassen, die nicht aus dem Internet erreichbar sein sollen. Geht man davon aus, dass freie IPv4-Adressen derzeit schon Preise von US$ 50,– je Stück erzielen, könnte all dies »billions of dollars of value in the existing Internet« schaffen. Dabei verwahren sich Schoen und Gilmore ausdrücklich dagegen, zu entscheiden, was mit diesen Adressen passiert bzw. wer sie vergeben soll. Darüber sollen wie bisher die zuständigen Organisationen wie IETF, IANA oder ICANN entscheiden.

Bei RIPE sieht man diesen Vorschlag von Schoen und Gilmore kritisch, weil jedes Gerät, das am Netz hängt, die reservierten Bereiche als »speziell« kennt. Daher hätte es Datenverkehr von diesen Bereichen schwer, am Zielort anzukommen, meint etwa Marco Hogewoning. Der finanzielle und personelle Aufwand, den die schwer überschaubaren Anpassungen kosten könnten, sollte besser ins Nachfolger-Protokoll IPv6 gesteckt werden. Doering formuliert es plastisch:

Man kann natürlich auch Pferdekutschen immer weiter perfektionieren, aber irgendwann werden sie trotzdem vom Flugzeug abgelöst…

nTLDs

Google wirft eine neue Internet-Endung auf den Markt: .day

Die Google-Tochter Charleston Road Registry Inc. erweitert ihre Palette an Top Level Domains.

Am 14. Dezember 2021 startet sie hierzu die Sunrise Period für die neue Domain-Endung .day. Zur Zielgruppe von .day heisst es in der Bewerbung:

The mission of this gTLD, .day, is to provide a dedicated domain space in which registrants can enact second-level domains that relate to memorable, special, or hallmark days and⁄or physical or online events. […] Charleston Road Registry expects these uses may include but are not limited to applications such as birth .day, christmas.day, wedding.day, rememberthat.day, and event .day.

Das spricht tendenziell dafür, dass .day kein Massenpublikum im Visier hat, auch wenn sich Google öffentlich aktuell noch nicht weiter geäussert hat. Enden wird die Sunrise-Phase am 24. Januar 2022, um dann am 25. Januar 2022 in die Live-Phase überzugehen. Zur Höhe der Gebühren und weiteren Details der Registrierungen liegen noch keine verbindlichen Angaben vor.

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