ccTLDs

Afilias hat bereits 2017 .io für rund US$ 70 Mio. gekauft

Wo .io drauf steht, steckt Afilias dahinter: wie das Branchenblog domainincite.com meldet, hat die .info-Verwalterin Afilias die Rechte an der Landesendung des Britischen Territoriums im Indischen Ozean erworben.

Als Quelle nennt das Blog Finanzunterlagen, die kürzlich in Irland veröffentlicht wurden; demnach hat Afilias im April 2017 einen Betrag von US$ 70,17 Mio. für die Anteile an der Internet Computer Bureau Ltd. (IBC) bezahlt; IBC betreibt neben .io noch .ac (Ascension) sowie .sh (St. Helena und Tristan da Cunha). Dass die Übernahme nicht öffentlich gemacht wurde und derzeit die IO Top Level Domain Registry als Verwalterin für .io in der IANA-Datenbank gelistet ist, hat offenbar mit vertraglichen Geheimhaltungsvereinbarungen zu tun. Aktuell verzeichnet .io rund 270.000 Domain-Registrierungen und ist vor allem bei Start-Ups aus der Technologie-Branche beliebt.

DSGVO

WHOIS-Studie der geoTLDs zeigt keine hohe Nachfrage nach Domain-Inhaberdaten

Im Zuge der Einführung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gibt es mehrere Untersuchungen hinsichtlich der Auswirkung eines begrenzt einsehbaren WHOIS-Systems und der Folgen, die damit einhergehen. Eine aktuelle Studie der geoTLD-Group zeigt, dass es gar nicht so schlimm ist.

Die geoTLD-Group ist der internationale gemeinnützige Zusammenschluss der Betreiber von geographischen Top Level Domains wie .berlin, .nyc und .africa. Die Betreiber haben sich zur geoTLD-Group zusammengeschlossen, um eigene Interessen zu verfolgen. In einer kleinen, kürzlich veröffentlichten Studie zeigen die geoTLDs, dass die Nachfrage nach WHOIS-Daten seit Anwendung der DSGVO am 25. Mai 2018 nicht besonders hoch ausfällt.

Dirk Krischenowski, Chef der dotBerlin GmbH & Co. KG, stellte die Studie unter geotld.group vor. An der Studie nahmen alle 39 aktiven geoTLDs teil, von denen 25 in der EU sitzen, während 14 aus dem Rest der Welt stammen. Zusammen verwalten sie rund 600.000 registrierte Domains. Die Studie, bei der die geoTLDs neun Fragen beantworten mussten, wurde über SurveyMonkey vom 15. August bis 04. Oktober 2018 durchgeführt. Sie sollte verwertbare Zahlendaten bringen, um Klarheit in die Diskussion über die ICANN-Vorstellung von einem zukünftigen WHOIS zu bringen. Aufgrund der Studie kommt Krischenowski zu der Schlussfolgerung, dass es keines »Universal Access Model« bedarf, bei dem die Zugangsanforderungen an WHOIS-Daten vereinheitlicht würden. Die Befragung der geoTLD-Verwaltungen zeigt, dass alle EU-basierten geoTLDs rechtskonforme Maßnahmen ergriffen haben, die veröffentlichten WHOIS-Daten zu reduzieren. Fast alle diese Registries haben auch klare Vorgaben für einen Zugriff auf die nicht-veröffentlichten WHOIS-Daten implementiert, die Rechteinhabern die Möglichkeit geben, die Daten anzufordern. Seit Anwendung der DSGVO gab es bis zum Ablauf des Studienzeitraums, also in gut vier Monaten, weniger als 50 WHOIS-Anfragen, bei insgesamt 600.000 registrierten Domains unter den geoTLDs. Die Anfragen wurde in der Regel binnen 1 bis 2 Tagen beantwortet; lediglich eine Anfrage brauchte sieben Tage, bis sie beantwortet war. Die meisten geoTLDs bekamen in dem genannten Zeitraum keine WHOIS-Anfragen: von den EU-basierten geoTLDs bekamen 76 Prozent und von den übrigen 79 Prozent keine Anfragen. Weitere und detailliertere Ergebnisse der Studie sind in dem Artikel von Krischenowski unter geotld.group ausgeführt.

Diese Zahlen und Erkenntnisse der Studie sprechen für sich. Es gibt vergleichsweise nur wenige WHOIS-Anfragen. Die von Krischenowski gezogene Schlussfolgerung ist für den Fall der geoTLDs nachvollziehbar und erscheint richtig. Jedoch kommt unter dem Schirm der geoTLDs eine ganz andere Klientel zusammen als etwa unter .com oder .xyz. Zudem sind die Mengenverhältnisse bei über 138 Millionen registrierten .com-Domains andere, wenn der gleiche prozentuale Anteil an WHOIS-Anfragen gestellt würde: es wären mindestens 11.500 Anfragen, der sich .com-Verwalterin VeriSign binnen vier Monaten allein gegenüber sähe. Was die Studie zudem nicht berücksichtigt, ist, dass selbstverständlich auch Registrare solche Anfragen erhalten, die nicht bis zu den Registries vordringen, da nunmal die Registrare in erster Linie über die WHOIS-Daten der Domain-Inhaber verfügen. Nichtsdestotrotz ist die Studie informativ und der Artikel von Krischenowski lesenswert.

ccTLDs

DK Hostmaster (.dk) lädt zu juristischen Fortbildungsveranstaltungen

Die dänische Domain-Verwaltung DK Hostmaster weist nochmals darauf hin, dass im November 2018 gleich mehrere juristische Seminare stattfinden, an denen jedermann teilnehmen kann.

Kosten werden nicht erhoben. Die Kurse werden von erfahrenen Domain-Juristen geleitet und teilweise in dänischer, teilweise in englischer Sprache gehalten. Den Auftakt macht »Legal insight for practitioners in the domain area« (in Dänisch) am 19. November 2018, bevor am 21. November 2018 mit »What is the relation of domain names to unlawful content?« und »Should we trust trusted notifiers to enforce unlawful online content?« zwei Kurse in englischer Sprache folgen. Alle Kurse finden am Sitz von DK Hostmaster in Kopenhagen statt; mit eingeschlossen ist jeweils ein Frühstück sowie ein Mittagessen. Wer Interesse hat, kann sich unter registration@dk-hostmaster.dk anmelden.

nTLDs

Was macht ICANN mit den US$ 233,4 Mio. aus den Versteigerung neuer Endungen?

Was tun mit US$ 233,4 Millionen? Die Internet-Verwaltung ICANN sucht unverändert nach einem Weg, die Auktionserlöse aus ihrem nTLD-Bewerbungsverfahren gerecht zu verteilen. Dabei denkt man nicht zuletzt an sich selbst.

US$ 240.590.128,00 – diesen Betrag hat ICANN aus der Versteigerung von bisher 17 neuen generischen Top Level Domains erlöst. Für sie gab es jeweils mehr als einen Bewerber, ohne dass sich eine gütliche Einigung erzielen ließ. Allein US$ 135.000.000,– stammen aus der Versteigerung von .web, die sich der Neuling NU DOT CO LLC mit Hilfe von VeriSign Inc. sicherte. Eher günstig war dagegen .srl; für die Endung musste die in Regensburg ansässige mySRL GmbH lediglich US$ 400.000,– bezahlen. Nach Abzug der Kosten von US$ 7.134.565,– verbleiben ICANN damit noch US$ 233.455.563,–. Allerdings ist das Ende dieser Fahnenstange bisher nicht erreicht, da Endungen wie .hotel, .kid und .music auf ihre Versteigerung hoffen und weitere Erlöse aus den so genannten „auctions of last resort“ erwarten lassen. Da um die verbliebenen Endungen besonders heftig gestritten wird, lässt sich derzeit noch nicht absehen, bis wann die Auktionen sämtlich abgeschlossen sind. Das von ICANN auf einem gesonderten Konto verwahrte Geld weckt aber schon seit Beginn des nTLD-Programms Begehrlichkeiten, weil umstritten ist, was mit den Einnahmen passieren soll.

Anlässlich des ICANN-Meetings in Barcelona hat die Cross-Community Working Group on new gTLD Auction Proceeds (CCWG) nun erste Vorschläge unterbreitet, wie mit dem Geld umgegangen werden soll. Derzeit werden vier Optionen diskutiert:

  • Schaffung einer ICANN-internen Abteilung, die sich der Angebotseinholung, Implementierung und Evaluierung widmet
  • Zusammenarbeit von ICANN und einem »donor-advised-fund« eine zweckgebundene Zustiftung in das Grundstockvermögen einer rechtsfähigen Stiftung
  • Schaffung einer neuen von ICANN unabhängigen Wohltätigkeitsstruktur, die für die Einholung und Prüfung von Vorschlägen zuständig ist
  • Nutzung einer externen Organisation, um Projekte zu bestimmen und die Einnahmen zu verteilen

Sämtliche Vorschläge der CCWG zielen also darauf ab, eine Entscheidungsstruktur zu schaffen bzw. zu nutzen, in der dann im zweiten Schritt beschlossen wird, wofür genau die Erlöse verwendet werden. Je komplexer allerdings allein dieser Prozess zur Entscheidungsfindung wird, desto weniger dürfte am Ende übrig bleiben.

ICANN selbst tendiert hingegen dazu, einen Reservefond anzulegen, der sich der Höhe nach an den ICANN-Betriebskosten eines Jahres orientiert. Dafür fehlen derzeit US$ 68 Millionen, wobei US$ 32 Millionen mit Überschüssen der kommenden acht Jahre finanziert werden sollen; weitere US$ 36 Millionen will ICANN dem Topf mit den Versteigerungserlösen entnehmen. Die Netzverwaltung sieht sich sowohl in juristischer als auch in finanzieller Hinsicht verpflichtet, selbst über eine Verwendung zu entscheiden, um die eigenen Verpflichtungen erfüllen zu können. Zugleich räumt man aber auch ein, dass keine Situation absehbar sei, in der man gezwungen sei, auf diese Gelder zuzugreifen. Mit einer verbindlichen Antwort dürfte sich ICANN jedoch noch Zeit lassen, bis auch die letzte nTLD vergeben ist – und keine weiteren Rechtsstreitigkeiten zu erwarten sind.

UDRP

BMW erstreitet vor der WIPO die IDN-Domain »xn--bm-e3s.com«

Die BMW AG musste sich in einem aktuellen UDRP-Verfahren vor der WIPO mit einer IDN-Variante von bmw.com herumschlagen. Der italienische WIPO-Entscheider hatte allerdings kein Problem festzustellen, dass die Domain »xn--bm-e3s.com« und die Marke »BMW« zum Verwechseln ähnlich sind.

Die Bayerische Motoren Werke AG mit Sitz in München musste sich die Domain »xn--bm-e3s.com« erstreiten. Was als internationale Domain im Punycode-Format nach nichts aussieht, erweist sich aufgelöst als »bmẉ.com«, bei der das »w« unter sich mittig einen kleinen Punkt aufweist. Es handelt sich um die Romanisierung eines pakistanischen Urdu-Zeichens, in Unicode dargestellt als U+1E88 (Großschreibung) und U+1E89 (Kleinschreibung). Damit ist die Domain bmẉ.com im richtigen Umfeld sehr leicht mit der BMW-Domain bmw.com zu verwechseln. Die BMW AG stützte sich in einem aktuellen UDRP-Verfahren vor der World Intellectual Property Organization (WIPO) auf ihre deutsche Marke von 1929 sodie die US-amerikanische Marke von 1955. Die im Mai 2018 registrierte Domain lieferte eine Website mit dem offiziellen BMW-Logo aus. Auf der Seite konnten Internetnutzer vorgeblich an einer Umfrage teilnehmen, bei der sie ihre persönlichen Daten angeben mussten und einen von 75 BMWs gewinnen konnten. Tatsächlich nutzte der Domain-Inhaber die Seite zum Phishing. Im Verfahren meldete sich der Inhaber der Domain, der einen WHOIS-Privacy-Service nutzte, nicht zur Sache. Als Entscheider wurde der italienische Jurist Edoardo Fano berufen.

Fano hatte unter den gegebenen Voraussetzungen leichtes Spiel bei der Prüfung der Beschwerde und seiner Entscheidung, mit der er der gewünschten Übertragung der Domain stattgab (WIPO-Case No. D2018-2016). Er nahm sich allerdings die Zeit, deutlich zu machen, dass, nach gefestigter UDRP-Rechtsprechung, bei der Prüfung der Ähnlichkeit von Marke und Domain im Falle einer IDN diese und ihre Punycode-Übersetzung gleichgestellt würden. Es sei ständige Rechtsprechung, dass bei Nutzung eines Nicht-ASCII-Zeichens wie »ẉ« (mit Punkt), um das korrekte »w« (ohne Punkt) zu ersetzen, sich nichts an der Ähnlichkeit und Verwechslungsgefahr zwischen Marke und Domain ändere. Demnach hatte BMW das erste Element der UDRP erfüllt. Zudem habe, so Fano, BMW den Anscheinsbeweis für ein fehlendes Recht oder berechtigtes Interesse des Gegners an der Domain erbracht. Da der Gegner nichts entgegnet hatte und die Domain nicht für ein legales, nicht-kommerzielles und faires Angebot nutzte, die Seite unter der Domain vielmehr das BMW-Logo und eine vermeintliche Verlosung von 75 kostenlosen Fahrzeugen durch BMW anzeigte, um so Daten fehlgeleiteter Internetnutzer zu ergattern, sah Fano auch das zweite Element erfüllt. Auch bei der Frage nach der Bösgläubigkeit gab es für Fano nicht viel zu tun. Bereits hinsichtlich der Registrierung der Domain sei davon auszugehen, dass der Gegner die Marke BMW kannte und gerade deshalb die sehr ähnliche Domain mit dem Punycode »xn--bm-e3s.com« registrierte. Auch die Nutzung der Domain erfolgte nach Ansicht von Fado bösgläubig, da die relevante Website unter der Domain ein falsches Angebot kostenfreier BMWs machte, mit dem Ziel, die Daten irregeleiteter Nutzer einzusammeln. Der Domain-Inhaber zog damit wissentlich Vorteile aus der Konfusion der Internetnutzer. Daraus folgerte Fano, dass der Gegner wissentlich eine der Marke der Beschwerdeführerin ähnliche Domain registrierte und nutzte, um Internetnutzer mit der Marke irrezuführen und so geschäftliche Vorteile zu erzielen, er also bösgläubig handelte. Damit waren alle drei Elemente der UDRP erfüllt, und Fano entschied auf Transfer der Domain.

Dieser Fall zeigt nochmals, welche Verwirrung »look-alike«-Domains stiften können und wie Cybersquatter internationalisierte Domains ausnutzen, um an Daten heranzukommen. Marken- und Domain-Portfoliomanager von Unternehmen kommen nicht umhin, ihr Augenmerk auch auf IDNs auszudehnen – falls sie es nicht sowieso schon tun. Übrigens zeigen sowohl Safari als auch Firefox bei Eingabe der der Punycode-Variante »xn--bm-e3s.com« die verwechslungsfähige IDN-Domain an.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

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