DSGVO

PwC entwickelt datenschutzkonforme WHOIS-Abruf-Plattform

Die internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewater-
houseCoopers (PwC) möchte bei der Reform des WHOIS-Systems mitmischen: über die »TieredAccess Platform« soll künftig der Zugriff auf die nicht-öffentlichen Domain-Inhaberdaten in DSVGOkompatibler Weise gesteuert werden.

Seit dem 25. Mai 2018 ist die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) anzuwenden und hat damit die seit Jahren überfällige Reform des WHOIS-Systems zusätzlich unter Druck gesetzt. Im Juli 2018 nahm daher die »Expedited Policy Development Process for Whois« (EPDP)-Arbeitsgruppe ihre Tätigkeit auf, um das Nachfolgemodell zu erarbeiten. Doch dort hat man nach intensiven, teils von Mediatoren geleiteten Diskussionen zwar die Phase eins abgeschlossen und insgesamt 29 Empfehlungen für die Grundsätze der Erhebung und Verarbeitung von WHOIS-Daten ausgesprochen, von denen ICANN in der neuen »Consensus Policy on gTLD Registration Data« bisher 27 umgesetzt hat. Die zweite Phase ist aber unerledigt; erst dort wird geklärt, wer und wie Dritte Zugriff auf den nicht-öffentlichen Teil der WHOIS-Daten erhalten. An diesem Punkt knüpft nun die »TieredAccess Platform« von PwC an; der nach eigenen Angaben zukunftsfähige Dienst soll eine DSVGO-kompatible Lösung anbieten, um unterschiedlichen Berechtigten Zugriff auf den nicht-öffentlichen Teil der WHOIS-Daten zu ermöglichen.

Viele Details hat PwC zu „TieredAccess Platform“, die sich aktuell in einer Testphase befindet, noch nicht veröffentlicht. Klar ist, dass man zwischen zwei Nutzergruppen unterscheidet: »Registries and Registrars« und »Requestors«. Erste sollen ihre WHOIS-Daten an die Plattform übermitteln und auslagern, so dass sie dort von zweiterer abgerufen werden können. PwV übernimmt es dabei, die »Requestors« vor dem Zugriff einer Prüfung zu unterziehen, wobei man offenbar zwischen 46 verschiedenen Zugriffsszenarien differenziert, sei es für Strafverfolgungsbehörden, sei es für Markenrechtsinhaber oder deren anwaltliche Vertreter. Je nach Szenario differenzieren auch die Anforderungen an die Nachweise, die für einen Zugriff erbracht werden müssen. Während der Testphase gestattet PwC lediglich »law enforcement agents, IP owners, attorneys and security specialists« die Teilnahme. Die erste Gruppe der »Registries and Registrars« soll auf die Anfragen jeweils automatisiert antworten können. PwC selbst gibt an, kein Auge auf die abgefragten WHOIS-Daten werfen zu können. entwickelt wurde das System vom Juristen Bart Lieben, der zahlreiche nTLD-Bewerber anwaltlich beraten hat. Über die Höhe der Gebühren, die mit einer Teilnahme an der »TieredAccess Platform« verbunden sind, schweigt sich PwC derzeit aus; ein Modell ist hierfür laut Lieben noch nicht gefunden.

Eine offizielle Stellungnahme von ICANN zu diesem neuen Dienst von PwC gibt es bisher nicht. Allerdings hat PwC unter anderem als „Validation Agent“ für .eu Erfahrungen in der Domain-Branche sammel können. Lieben hat ausserdem das Trademark Clearinghouse maßgeblich mitentwickelt. Gut möglich also, dass Phase 2 der WHOIS-Reform in Kürze beendet sein wird.

Markenrecht

TMAP Meeting vom 15. bis 17. September 2019 in Berlin

Die International Trademark Association (INTA) lädt im September in Berlin zum 2019 Trademark Administrators and Practitioners (TMAP) Meeting.

Das Meeting für Markenverwalter und -praktiker bietet temporeiche und dynamische Sitzungen über ein weites Spektrum von Themenfeldern, so dass für jeden etwas dabei ist. Talentierte Rechtsanwaltsfachangestellte, Rechtsanwälte und Profis geben ihr Wissen, ihre Werkzeuge und Fähigkeiten weiter und vermitteln essentielle Marken und Branding orientierte Themen. Eine klare Agenda liegt bisher nicht vor, doch sollen aktuelle Entwicklungen im Markenrecht, bewährte Praktiken beim Markenschutz und vieles mehr vermittelt werden.

Das 2019 Trademark Administrators and Practitioners (TMAP) Meeting findet vom 15. bis 17. September 2019 im Maritim Hotel Berlin, Stauffenbergstraße 26, 10785 Berlin statt. Die Teilnahme kosten belaufen sich bei Buchung bis zum 21. Juni 2019 je nach Status zwischen US$ 178,50 (inkl. MwSt.) für Studenten bis hin zu US$ 1.517,25 (inkl. MwSt.) für Nichtmitglieder. Nach dem 21. Juni steigen die Teilnahmekosten. Noch sind Sponsoren und Aussteller eingeladen, sich zu präsentieren.

Domain-Handel

Vom Handel mit vermarktbaren Domain-Namen

Der Handel mit Domain-Namen floriert mal mehr und mal weniger. Es gibt zahleiche Domain-Kategorien, die sich besser verkaufen, wie Drei-Zeichen-Domains. Es gibt jedoch auch die weniger gut verkäuflichen Domains, die als Marke aufgebaut werden können, so genannte »brandable domains«. Brandbucket.com gibt in einem aktuellen Mai-Newsletter Informationen darüber, wie lange es braucht, bis eine solche Domain verkauft wird.

Brandbucket.com ist eine Domain-Börse für »brandable domains«, die sich an Gründer richtet. Domain-Blogger Andrew Allemann unterscheidet zwei Arten von »brandable domains«: Ein-Wort-Wörterbuch-Domains, die außerhalb ihrer wörtlichen Bedeutung als Marke genutzt werden können, wozu sich beispielsweise Farben oder Tiernamen eignen, aber auch Verben. Außerdem fallen künstliche Wörter wie »Google« und Kombinationen aus zwei oder mehr Wörtern darunter, wie »GoSnow« oder »Biotronic«. Bei der Verschmelzung zweier Wörter zu einem neuen spricht man auch von einem Portmanteau.

Im Mai-Newsletter hat Brandbucket.com Verkaufsdaten für April 2019 veröffentlicht. Danach lag der Durchschnittspreis der verkauften Domains – unter Ausschluss von Preisen über US$ 10.000,– – bei im Schnitt US$ 2.881,–, was einen Anstieg gegenüber den US$ 2.793,– im März 2019 bedeutet. Aber das ist nicht so interessant wie die Angaben darüber, welche Domain-Arten verkauft wurden und wie lange die Domains über Brandbucket.com angeboten wurden. Keyword-Domains machten 73 Prozent der insgesamt 59 im April 2019 verkauften Domains aus, gegenüber 27 Prozent erfundener Wort-Domains. Von den verkauften Domains wurden bei Brandbucket.com 26 Prozent weniger als 12 Monate angeboten, aber weitere 26 Prozent befanden sich zwischen 2 bis 3 Jahren im Angebot. Ganze 20 Prozent warteten sogar 3 bis 4 Jahre auf ihren Verkauf, und noch 11 Prozent warteten 4 bis 5 Jahre. Jeweils 1 Prozent der Domains waren zwischen 5 und 6 Jahren und mehr als 6 Jahre im Angebot.

Der Verkauf von Domains ist ein langwieriges Geschäft, insbesondere wenn es erfundene Wort-Domains betrifft, deren Sinn und Zweck sich nicht einfach so erschließt. Der Käufer von gaps.com, der die Domain für über US$ 20.000,– bei Brandbucket .com gekauft hatte, empfiehlt allerdings unbedingt Brandbucket .com als Anbieter dieser Nischendomains und für Domain suchende Entrepreneure. Denn Brandbucket.com bietet etwas, was andere Domain-Börsen nicht aufweisen: Die angebotenen Domains werden mit individualisiertem Logo und stilisiertem Schriftzug angezeigt. Sobald man auf ein interessantes Domain-Angebot klickt, macht Brandbucket.com gleich auch noch Vorschläge für die namensgemäße Nutzung der Domain und gibt den Preis der Domain an. Das dürfte vielen potentiellen Käufern bei einer Kaufentscheidung weiterhelfen.

nTLDs

Mit .duns geht die 51. neue Endung

Dun & Bradstreet, einer der weltweit größten Dienstleister für Wirtschaftsinformationen, hat das Interesse an der eigenen Markenendung verloren.

Mit Schreiben vom 1. März 2019 kündigte das Unternehmen das Registry-Agreement mit der Internet-Verwaltung ICANN unter Berufung auf Sektion 4. 4 b), das eine jederzeitige ordentliche Kündigung unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von 180 Kalendertagen gestattet. Angestrebter Beendigungstermin ist demnach der 6. August 2019. Eine nähere Begründung für den Rückzug aus dem Domain Name System gibt Dun & Bradstreet nicht. Überraschend kommt dieser Schritt aber nicht; seit der Delegierung am 21. Juli 2016 gab es mit Ausnahme der obligatorischen Adresse nic.duns keine weiteren Domains. Aus der dort abrufbaren Ankündigung „Dun & Bradstreet is thrilled to introduce the .DUNS brand TLD with www.nic.DUNS“ ist also nichts geworden.

Statistik

AFNIC rechnet in einem aktuelle Marktbericht mit einer TLD-Pleitewelle

Droht dem Domain Name System eine Pleitewelle? Die Möglichkeit schließt die .fr-Registry AFNIC in ihrem Report »Global Domain Name Market in 2018« nicht aus, und glänzt dabei mit Übersicht und Details.

Nach dem Domain Name Industry Brief der .com-Registry VeriSign Inc. und dem Global TLD Report des »Council of European National Top-Level Domain Registries« (CENTR) widmet sich nun auch die .fr-Verwalterin AFNIC einem Rückblick auf den Domain-Markt im Jahr 2018. Im Mittelpunkt der 46seitigen kostenlosen Studie, die auf dem Datenmaterial von ICANN, CENTR, APTLD und Zahlen der Statistik-Experten von ntldstats.com beruht, steht erwartungsgemäß der französische Domain-Markt, setzt ihn aber in eine globale Perspektive und legt dabei großen Wert auf Details. Wie sehr statistische Auswertungen schwanken können, belegt AFNIC beispielhaft an den so genannten »penny ccTLD«, also Endungen, die gratis oder sehr günstig registrierbar sind, wie .cc (Kokos-Inseln), .cf (Zentralafrikanische Republik), .ga (Gabun), .gq (Äquatorialguinea), .io (Britisches Territorium im Indischen Ozean), .ml (Mali), .pw (Palau) und .tk (Tokelau-Inseln). Sie kamen 2015 auf zusammen 30,8 Millionen registrierte Domains, stürzten 2016 auf 23,1 Millionen ab, und standen Ende letzten Jahres wieder bei 31,6 Millionen. Seriöse Statistiken blenden sie daher in der Regel aus, da sie das Gesamtbild drastisch verwässern. Das gilt aber nicht für »Quasi-gTLDs«, also Länderendungen, die wie generische TLDs vermarktet werden; dazu zählen etwa .tv (Tuvalu) oder .me (Montenegro). Sie schwanken seit 2015 konstant um die Marke von 4,1 Millionen Domains.

Besonderes Augenmerk schenkt AFNIC dem Markt der neuen Top Level Domains, den man in »generic«, »community«, »geographic« und ».brand« unterteilt. Dabei arbeitet AFNIC heraus, dass es zwar mehr .brands als andere Kategorien von nTLDs gibt, die generischen nTLDs aber 92 Prozent der Registrierungen ausmachen; Community-TLDs spielen ebenso praktisch keine Rolle. Für grössere öffentliche Diskussion dürfte sorgen, dass 75 Prozent aller nTLDs weniger als 5.000 Registrierungen aufweisen. Wie AFNIC ermittelt hat, arbeiten über 50 Prozent aller nTLDs wirtschaftlich nicht profitabel, solange sie nicht mindestens US$ 20,– pro Domain jährlich verlangen; bei lediglich US$ 10,– wären es sogar 83 Prozent. Der Berechnung liegen die Pflichtzahlungen an ICANN zu Grunde. Das lässt für AFNIC nur einen einzigen Schluss zu: „orders of magnitude show that quite a large number of TLDs must be in a fairly precarious situation at the moment. The tension on costs (ICANN and others) will grow as time goes by“. Gut möglich also, dass bereits in naher Zukunft zahlreiche neu eingeführte Top Level Domains mangels Profitabilität wieder vom Markt verschwinden.

AFNIC beleuchtet aber auch eingehend die ccTLDs. So fällt etwa auf, dass der Anteil der Domain-Namen mit Länderendungen kontinental betrachtet zwischen 55 und 64 Prozent schwankt; nur in Nordamerika spielen .us und .ca mit einem Anteil von 5 Prozent praktisch keine Rolle, da .com alles überstrahlt. Außerhalb von Nordamerika haben die ccTLDs .com also den Rang abgelaufen. Demgemäß geht von den ccTLDs auch das größte Wachstum aus, vor allem Afrika und die Asia-Pazifik-Region stechen dabei hervor. Alles in allem kann man jedem, der den Domain-Markt verstehen will, nur empfehlen, die Studie zu lesen – eine bessere und aktuellere, vor allem aber kostenlose Marktanalyse wird man derzeit im Netz nicht finden.

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