Domains

Spamhaus' aktueller Quartalsbericht sieht erneut .com als am meisten missbrauchte Top Level Domain

Die Top Level Domain .com hat den unrühmlichen Titel als meistmissbrauchte Domain-Endung verteidigt: nach Angaben des gemeinnützigen »Spamhaus Project« war die weltweit wichtigste Endung bei Cyberkriminellen im 2. Quartal 2021 noch beliebter als zuvor.

Die in London gegründete und mittlerweile auch in Genf ansässige Organisation, die sich seit dem Jahr 1998 der Bekämpfung von Spam verschrieben hat, hat ihren vierteljährlichen »Botnet Report« für das zweite Quartal 2021 veröffentlicht. Die gute Nachricht zuerst: gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres 2021 ist die Anzahl der »Command-and-Control«-Server (C&Cs) um zwölf Prozent von 1.660 auf 1.462 zurückgegangen. C&Cs sind mit Schadprogrammen infizierte Rechner, die eine vitale Rolle bei der Verbreitung von Malware durch Cyberkriminelle spielen. Etwas beunruhigend ist aber, dass die Täter ihre Rechner allmählich in Südamerika abziehen und nach Europa verlagern; vor allem in der Tschechischen Republik, in Polen und Finnland, aber auch in Deutschland stellte Spamhaus einen Anstieg fest. Am beliebtesten bleiben jedoch die USA, die sich an der Spitze des Rankings halten können, vor Russland und den Niederlanden. Was genau diese Länder für Cyberkriminelle attraktiv macht, verrät der Report leider nicht.

Wenig Vergnügen am Spamhaus-Ranking dürfte VeriSign, die .com-Registry verspüren. In der Liste der »Most abused top-level domains« taucht .com wie bereits im ersten Quartal 2021 ganz an der Spitze auf. Doch während damals die Zahl missbrauchter Domains mit 27 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2020 erheblich rückläufig war, explodierte ihre Zahl nun mit einem Wachstum von 166 Prozent förmlich – statt 1.549 C&C-Domains unter .com zählte Spamhaus nun 4.113. Auf Platz zwei folgt mit .xyz eine neu eingeführte Endung, die mit einen Anstieg von 114 Prozent aber ebenfalls überdurchschnittlich gefragt war und somit .top als bisherigen Zweitplatzierten ablöste, die nunmehr auf Platz vier steht. Sowohl .xyz als auch .top geniessen kein besonders gutes Image:

These two gTLDs have a long history of abuse, and it’s not surprising that they continue to be in the Top 5,

stellte Spamhaus bereits im ersten Quartal 2021 fest. Daher dürften bei .buzz alle Warnleuchten angehen, nachdem sie mit 662 C&C-Domains auf Platz drei eingestiegen ist. Entspannung ist dagegen bei den ccTLDs angesagt, was vor allem für die deutsche Endung gilt. Nachdem sich die Registry DENIC eG vor drei Monaten noch eine »weak anti-abuse policy« vorwerfen lassen musste, hat .de mittlerweile die Top 20 der am meisten missbrauchten TLDs verlassen.

Doch nicht nur die Domain-Registries, auch die Domain-Registrare bekommen bei Spamhaus ihr Fett weg. Während lange Jahre der US-Registrar Namecheap die Liste der »Most abused domain registrars« anführte, ist er im zweiten Quartal 2021 auf Platz zwei abgerutscht. Spitzenreiter ist Namesilo; dort hatten 1.797 C&C-Domains ihre virtuelle Heimat, deutlich vor Namecheap mit 955. Auf Platz drei und vier folgen mit eName Technology und Alibaba zwei chinesische Registrare, wobei China mit insgesamt fünf Registraren unter den Top 10 vertreten ist. Aber Spamhaus möchte auch loben; so sind die Netzwerke von Mail.ru, DigitalOcean, Eurobyte und Telstra aus den Top 20 der »Networks hosting the most newly observed botnet C&Cs« gefallen. Es geht also, wenn man nur will!

ccTLDs

4 Bewerber wollen .eu verwalten

Um den neuen Registry-Vertrag für die europäische Top Level Domain .eu ist ein Vierkampf entbrannt.

Nach den Veröffentlichungen der EU-Kommission vom 09. Juli 2021 gibt es insgesamt vier Bewerber, die sich Hoffnung machen dürfen. Wenig überraschend hat sich die aktuelle Verwalterin EURid (European Registry for Internet Domains) für die Endauswahl qualifiziert. Hinzu kommen das European Network Information Center ASBL (EU NIC), die The Open Registry ASBL (TORA) sowie die .ee-Registry Estonian Internet Foundation (Eesti Interneti Sihtasutus – EIS). EU NIC steht möglicherweise in Verbindung mit EuroDNS S.A., TORA möglicherweise mit der britischen CentralNic Group PLC; darauf deuten zumindest die im Netz recherchierbaren Postanschriften hin, ohne dass es dafür aber bisher eine Bestätigung gibt. Genaueres werden wir in 80 Arbeitstagen gerechnet ab dem 09. Juli 2021 wissen. Bis dahin werden die Bewerbungen geprüft und eine interne Rangliste erstellt; der »Gewinner« erhält sodann von der EU-Kommission die Einladung zum Abschluss des Registry-Vertrages. Es gibt derzeit kein Anzeichen dafür, dass die alte Registry nicht auch die neue sein wird.

UDRP

Die Brime LLC scheiterte in 2 Verfahren an brime.com und brime.net

Die US-amerikanische Brime LLC sieht ihre Markenrechte durch die Domains brime.com und brime.net verletzt, die sich in unterschiedlichen Händen befinden. Sie startete, vertreten durch eine fachkundige Anwaltskanzlei, zwei Verfahren vor The Forum (National Arbitration Forum, NAF). Die Entscheider handhabten die Verfahren jeweils unterschiedlich, im Ergebnis kam es aber aufs Gleiche raus.

brime.net
Die Brime LLC ist ein Anbieter von Medieninhalten, die online an Nutzer ausgegeben werden. Sie trägt vor, sie sei Inhaberin einer Gewohnheitsmarke, da sie seit dem 24. Juni 2020 auf dem Markt aktiv sei, und sie habe am 09. März 2021 die Marke »BRIME« beim US-Patent- und Markenamt beantragt. Im Streit um brime.net erklärte sie, der Gegner habe die Domain brime.net am 05. Mai 2001 registriert. Sie entspreche der Marke, der Gegner sei unter dem Domain-Namen nicht bekannt und nicht von Brime legitimiert, die Marke zu nutzen. Es gäbe unter brime.net kein gutgläubiges Angebot von Waren oder Dienstleistungen, und es habe nie ein ordentliches Angebot unter der Domain gegeben, weshalb er kein Recht oder berechtigtes Interesse an der Domain habe. Zudem habe er sie bösgläubig registriert und genutzt. Der Gegner äußerte sich nicht im Verfahren. Als Panelist wurde US-Anwalt Terry F. Peppard berufen.

Peppard klärte zunächst die Frage der Verfahrenssprache, die eigentlich Spanisch hätte sein müssen. Er hatte jedoch für den Antrag der Beschwerdeführerin ein Einsehen und ließ die englische Sprache für das Verfahren zu, zumal die Inhalte unter brime.net in englischer Sprache gehalten seien. Damit hörte der Spaß aber auf und Peppard ging direkt auf die Zielgerade:

[…] we find it best to consider first, and exclusively, the question of bad faith registration of the contested domain name, because, in the particular circumstances of this proceeding, that issue resolves the entire controversy.

Er prüfte lediglich die Frage der Bösgläubigkeit und orientierte sich dabei gezwungenermaßen allein am Vortrag der Beschwerdeführerin. Aus Sicht von Peppard hat die Beschwerdeführerin nicht nachweisen können, dass hier eine bösgläubige Domain-Registrierung vorliegt, da die Domain brime.net beinahe zwei Jahrzehnte vor etwaigen Markenrechten der Beschwerdeführerin registriert wurde. Eine bösgläubige Registrierung sei bei dieser Faktenlage nicht möglich. Aus diesem Grunde habe die Beschwerdeführerin die Voraussetzungen der UDRP nicht erfüllt und die Beschwerde sei abzuweisen (NAF Claim Number: FA2105001947610).

brime.com
Ganz anders lief es im zweiten Streit. Hier ging Brime LLC gegen den in China sitzenden Inhaber von brime.com, Jack Zhang, vor. Die Beschwerdeführerin trug unter anderem vor, dass die Domain brime.com zum Verkauf stehe, was für die Bösgläubigkeit des Gegners spreche. Der Gegner trat der Beschwerde ausführlich entgegen und machte, untermauert von Nachweisen, deutlich, die Marke „BRIME“ beim China National Intellectual Property Administration (CNIPA) angemeldet zu haben und die Domain aktiv zu nutzen. Die Beschwerdeführerin habe keine Rechte an „Brime“ gehabt, als er die Domain brime.com am 25. Dezember 2012 erworben habe. Außerdem handele es sich bei Brime um einen bekannten Nachnamen. Es läge ein Fall von Reverse Domain Name Hijacking (RDNH) vor. Hier sah sich die Beschwerdeführerin zu einer Replik gezwungen und erklärte, kaum, dass 2020 ihr Produkt gestartet sei, habe der Gegner die Inhalte unter brime.com geändert zu »Something really cool is coming soon« und sie zugleich zum Preis von US$ 200.000,– zum Verkauf angeboten. Aktuell habe der Gegner die Domain mit einem Weblog konnektiert, der aber im Internetarchiv (archive.org) nicht abrufbar sei. Über die Angelegenheit entschied ein Dreier-Gremium bestehend aus Hector Ariel Manoff, The Honourable Neil Anthony Brown QC und Professor David E. Sorkin.

Das Gremium kam ebenfalls zu einem schnellen Ergebnis und wies die Beschwerde ab (NAF Claim Number: FA2105001945815). Die drei waren sich einig, dass die Beschwerde bereits am Bestehen der von der Beschwerdeführerin behaupteten Marke »BRIME« scheitere, da sie keine Nachweise für die Verkehrsgeltung der Marke aufgrund von Gewohnheitsrechten eingereicht hatte, und die US-Marke sich noch in der Anmeldung befinde, aber nicht eingetragen sei. Brown hielt es für sinnvoll, noch mitzuteilen, wie es bei den beiden weiteren Voraussetzungen der UDRP aussehe, weshalb kurz eingefügt wurde, dass der Gegner unter anderem mit dem Weblog, der von Dritten gelesen werde, gezeigt habe, dass er Berechtigter ist, und dass er beim Erwerb der Domain im Dezember 2012 nicht bösgläubig habe sein können. Das Gremium ging alsdann der Frage eines Reverse Domain Name Hijackings nach und bestätigte dies als typisches »Plan B«-Szenario, mit der Gegenstimme von Manoff, der meinte, auch wenn die Beschwerdeführerin von erfahrenen Fachleuten vertreten wurde, so sei es doch verständlich, dass sie Missbrauch beim Gegner annehmen konnte, weil dieser die Domain brime.com mit Beginn ihres Geschäfts plötzlich zum Verkauf anbot.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

ccTLDs

Kambotscha bekommt für seine Endung .kh eine neue Verwaltung

Das südostasiatische Königreich Kambodscha hat die Absicht geäussert, die Verwaltung der Landesendung .kh neu zu organisieren.

Nach einem Bericht der »The Phnom Penh Post« fand am 09. Juli 2021 ein Treffen zwischen dem Wirtschaftsministerium und dem Ministerium für Post und Telekommunikation statt, bei dem die Neudefinition der »principles, rules, mechanisms of management and use of national domain names« besprochen wurde. So soll an die Stelle des aktuellen Verwalters, des Telecommunication Regulator of Cambodia (TRC), das Cambodian Network Information Centre (KHNIC) rücken und Verträge mit ICANN und IANA abschließen. Das Registrierungsverfahren soll sich an den Vorgaben des Asia-Pacific Network Information Centre (APNIC) orientieren; als konkrete Vorbilder für .kh gelten Thailand und Vietnam. Mit einer raschen Entscheidung ist nicht zu rechnen.

Creation of the KHNIC would take time and require extensive research on all related aspects. For instance, Vietnam has a dedicated general department to manage domain name registration,

so Chea Manit, der zuständige Sekretär im Ministerium für Post und Telekommunikation. Offiziell bestätigte Angaben zur Zahl der registrierten .kh-Domains machte er nicht.

Halbzeit

Rückblick und Ausblick auf das Domain-Jahr 2021

Das erste Halbjahr 2021 ist rum. Nicht nur Andrew Allemann vom Branchen-Blog domainnamewire.com schaut, was war und was kommen wird, wie sich der Markt entwickelt. Nach Ablauf des 2. Quartals 2021 legen Guta.com und Liquid.com ihre aktuellen Premium-Domain-Berichte vor. Wir versuchen zu zeigen, was zu erwarten steht.

Andrew Allemann versucht auf domainnamewire.com einen Ausblick auf und Einblick in nicht nur den Domain-Markt, sondern auf digitale Märkte allgemein. Dabei verweist er auch auf ein aktuelles Gespräch, das er mit Domain-Investor und Betreiber einer Kindertagesstätte Shane Cultra führte. Allemann macht drei Beobachtungen: Die Konkurrenz der Domain-Handelsplattformen ist größer geworden. Neben Sedo, Afternic und GoDaddy etablieren sich DAN.com, Squadhelp und Efty, die gegenüber den alteingesessenen Marktplätzen geringere Provisionen nehmen. Kryptowährungen und NFTs sind verstärkt in das allgemeine Bewußtsein getreten und ziehen Geld an, sind aber ein risikoreiches Geschäft, das eigentlich nur Spielernaturen mit Geldreserven zupass kommt. Das spiegelt sich in der hohen Volatilität gerade bei den Kryptowährungen wieder, während es bei NFTs weiter bergauf zu gehen scheint. Von Kryptowährungsverkäufen abgesehen, ist aufgrund der Pandemie und des langen Lockdowns, und in USA dank der staatlichen Förderung der Bürger, eine Menge Geld vorhanden, das in Umlauf gebracht und investiert werden wird – auch in Domains.

Das zeigt sich beispielsweise bei der Verkaufs- und Preisentwicklung von englischsprachigen One-Word-.com-Domains, von denen im 2. Quartal 2021 laut Guta.com 112 gehandelt wurden. Darunter sind Namen wie sports.com (US$ 6 Mio.), angel.com (US$ 2 Mio.) und exodus.com (US$ 1,945 Mio.). Damit einher geht auch, dass über 60 Prozent der Käufe an Endnutzer gingen. Diese Entwicklung dürfte sich verstärken dergestalt, dass, wenn mehr solcher Domains in Endnutzerhände fallen, der Markt immer enger wird und die Preise weiter steigen. Wenn eine One-Word-.com-Domain ihren Endnutzer gefunden hat, ist sie nicht mehr auf dem Markt, es sei denn, der Inhaber geht pleite – oder man macht dem Endnutzer ein Angebot, das er nicht ablehnen kann, was dann wirklich hochpreisig sein müsste. Cultra bringt im Gespräch mit Allemann nochmals das alte Argument für die teure Domain: der Preis ist (in der Regel) nichts im Vergleich zum gesamten Werbebudget. Nicht so gut lief es laut Guta.com für die Zwei- und Drei-Zeichen-Domains: einerseits wurden nicht so viele oder gleichbleibend viele wie im Vorjahresquartal gehandelt. Sie finden auch weniger Endnutzer, weshalb der Markt für diese nicht so stark anziehen dürfte. Giuseppe Graziano berichtet in seinem Q2 2021 Liquid Market Report unter anderem, dass viel mehr Verkäufe öffentlich kommuniziert werden (über 57 Prozent mehr), was Käufer und Verkäufer unter Zugzwang setzen dürfte: erstens hebt das die Preise, wenn bekannt ist, was für Preise Premium-Domains erzielen; zugleich erhöht sich der Druck, die Preise zu kommunizieren.

Die Aussichten für die 2. Hälfte 2021 sind nicht schlecht. Auch wenn im Moment die Menschen auf der nördlichen Welthalbkugel sich – teilweise durchgeimpft – am Sommer und den neuen Freiheiten, nach Monaten der pandemiebedingten Einschränkungen, draußen erfreuen und gerne Abstand vom Arbeitsdisplay halten, sind bei den aktuellen Entwicklungen der Pandemie doch neue Einschränkungen nicht ausgeschlossen und werden die Online-Präsenzen unter leichtfindbaren Domains weiter wichtige Kommunikatoren bleiben. In der Folge dürfte der Domain-Markt weiter anziehen und die Preise, jedenfalls im Premiumsegment, in neue Höhen treiben.

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