Domain-Newsletter

Ausgabe #1157 – 02. März 2023

Themen: Sicherheit – Cyber-Angriff auf GoDaddys Hosting | topDNS – eco-Report aus Experten-Workshop | TLDs – Neues von .cr, .me und .no | UDRP – brotloses Verfahren um iloveart.com | Tipps – der undurchsichtige Handel mit Domains | pfp.com – Drei-Zeichen-Domain für US$ 353.000,- | Datenschutz – Ulrich Kelber im März in Köln

SICHERHEIT – CYBER-ANGRIFF AUF GODADDYS HOSTING

GoDaddy Inc, grösster Domain-Registrar der Welt, ist Opfer von Cyberkriminellen geworden: Ende 2022 gelang es den Angreifern, Schadcode auf Systeme für Shared-Hosting einschleusen.

Wie das in Tempe (US-Bundesstaat Arizona) ansässige Unternehmen am 16. Februar 2023 mitteilte, habe man bereits Anfang Dezember 2022 eine kleine Anzahl von Kundenbeschwerden erhalten, weil deren Webseiten umgeleitet worden waren. Bei Untersuchungen habe man dann festgestellt, dass diese Weiterleitungen von scheinbar zufälligen Webseiten herrührten und nicht ohne weiteres reproduziert werden konnten. Im Zuge der weiteren Ermittlungen stellte sich heraus, dass ein unberechtigter Dritter Zugang zum „cPanel shared hosting environment“ erlangen konnte und dort Malware installiert hatte, die zu den Weiterleitungen führte. Nachdem die Schwachstelle identifiziert wurde, konnte man sie beseitigen und Sicherheitsmaßnahmen implementieren, um weitere Infektionen zu vermeiden. Man arbeite mit Strafverfolgungsbehörden aus aller Welt und Forensikern daran, den Vorfall weiter zu untersuchen. Dabei war man offenbar bereits erfolgreich: „We have evidence, and law enforcement has confirmed, that this incident was carried out by a sophisticated and organized group targeting hosting services like GoDaddy.“ Deren Ziel sei es laut GoDaddy, Webseiten und Server mit Malware für „phishing campaigns, malware distribution and other malicious activities“ zu infizieren.

Die Angriffe sind für Unternehmen wie GoDaddy nicht ungewöhnlich. So heißt es in einer Börsenmitteilung vom 16. Februar 2023: „Based on our investigation, we believe these incidents are part of a multi-year campaign by a sophisticated threat actor group that, among other things, installed malware on our systems and obtained pieces of code related to some services within GoDaddy“. Aber GoDaddy gibt Entwarnung: diese Angriffe hätten „not resulted in any material adverse impact to our business or operations“. Für die aktuellen Unannehmlichkeiten bittet das Unternehmen um Entschuldigung und versprach, die notwendigen Lehren für die Sicherheitssysteme zu ziehen, um den Schutz der Kunden und ihrer Daten zu verbessern. Ob und gegebenenfalls welche konkreten Schäden entstanden sind, ist der Mitteilung nicht zu entnehmen.

Für GoDaddy setzen sich damit die negativen Schlagzeilen fort. Am 08. Februar 2023 hatte sich CEO Aman Bhutani per eMail an die Mitarbeiter gewandt und angekündigt, dass man sich von ca. 8 Prozent des „global team“ trennen werde. Zur Begründung verweist Bhutani auf „impacts of slower growth in a prolonged, uncertain macroeconomic environment.“ Betroffen sind vor allem Mitarbeiter, die unter den Marken „Media Temple“, „Main Street Hub“ und „123 Reg“ tätig sind. Zumindest in den USA erfolgt die Trennung nicht entschädigungslos; die Rede ist unter anderem von „12 weeks of paid administrative leave with continued core benefits coverage“ sowie „extended healthcare benefits“. Mit dem Personalabbau steht GoDaddy unter den Tech-Unternehmen nicht alleine; Amazon hatte im Januar 2023 angekündigt, rund 18.000 Arbeitsplätze zu streichen, wenig später folgten Microsoft mit einer Reduzierung um fünf Prozent und Alphabet mit sechs Prozent. Als Gründe werden häufig genannt, dass man nach Abflauen der Pandemie wieder zum Normalmaß zurückkehre; zudem greift angesichts der weltweiten Krisen vor allem in den USA die Furcht vor einer Rezession um sich. An der Stellung als mit Abstand weltweit größter Domain-Registrar ändert sich für GoDaddy allerdings nichts; das Unternehmen verwaltet über 84 Mio. Domains.

Die Mitteilung von GoDaddy finden Sie unter:
> https://aboutus.godaddy.net/newsroom/company-news/news-details/2023/Statement-on-recent-website-redirect-issues/default.aspx

Die Börsenmitteilung finden Sie unter:
> https://d18rn0p25nwr6d.cloudfront.net/CIK-0001609711/e4736ddb-b4c7-485b-a8fc-1827691692c9.pdf

Die eMail von CEO Aman Bhutani finden Sie unter:
> https://aboutus.godaddy.net/newsroom/press-releases/press-release-details/2023/A-message-from-GoDaddy-CEO-Aman-Bhutani/default.aspx

Quelle: heise.de, godaddy.net

TOPDNS – ECO-REPORT AUS EXPERTEN-WORKSHOP

Die vom eco – Verband der Internetwirtschaft eV ins Leben gerufene Initiative „topDNS“ hat den Report „State of the DNS 2022“ veröffentlicht. Darin finden sich elf vorrangige Maßnahmen, um das Domain Name System (DNS) noch effektiver zu schützen.

Anfang 2022 haben sich auf Betreiben von eco unter der Bezeichnung „topDNS“ weltweit führende Registries, Registrare und Hosting-Provider zusammengeschlossen, um Missbrauch des DNS zu bekämpfen. Zu den Mitgliedern zählen unter anderem die .com- und .net-Registry VeriSign, die .org-Verwalterin Public Interest Registry (PIR), die sowohl als Registry als auch als Registrar tätige CentralNic Group PLC und einige größere Domain-Registrare. Ihr Ziel ist es, einen stabilen und sicheren Betrieb des DNS zu gewährleisten, einschließlich der Förderung bestehender Aktivitäten zur Bekämpfung von DNS-Missbrauch und Aufklärung darüber, welche Maßnahmen effektiv und angemessen sind. Im November 2022 lud topDNS rund 30 Experten, darunter Vertreter dreier verschiedener Generaldirektionen der EU-Kommission, zu einem Workshop nach Brüssel ein, um gemeinsam an einer sicheren Zukunft des DNS zu arbeiten, allgemeine Ideen und Vorschläge neu zu formulieren und sich auf Maßnahmen und umsetzbare Lösungen zu einigen. Die Ergebnisse hat topDNS nun in dem 28-seitigen Abschlussbericht „State of the DNS in 2022“ veröffentlicht, der die Maßnahmen zusammenfasst, die zur Bekämpfung von Missbrauch und illegalen Inhalten im Internet sowie zur Verfolgung von Straftaten ergriffen werden können.

Konkret finden sich im Bericht elf Maßnahmen, die von den Workshop-Teilnehmern als vorrangig eingestuft wurden. Schlagwortartig werden genannt:
– Die schnelle Löschung bösartiger und kompromittierter Domain-Namen.
– Verhinderung von Missbrauch, bevor er gemeldet wird.
– Automatisierung ist in diesem Zusammenhang unverzichtbar.
– Vertrauen aufbauen, insbesondere persönliche Beziehungen zwischen den beteiligten Akteuren.
– Verbesserung des Umgangs mit Missbrauch durch Förderung angemessener Verfahren zur Bearbeitung von Missbrauchsmeldungen.
– Automatische Rückmeldungen auf Missbrauchsmeldungen als erster Schritt zur Verbesserung der Kommunikation.
– Entwicklung von Schulungsangeboten für alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette.
– Erstellung von „Anti-Abuse-Kits/Toolbox in a Box“.
– Einleitung eines Kulturwandels, beispielsweise durch die Umsetzung aktueller technischer Standards.
– Schaffung kommerzieller Anreize und reputationsbasierter Maßnahmen
– Erstellung eines Rollen- und Zuständigkeitsplans für alle Akteure.

Die Empfehlungen knüpfen an eine Studie zum Missbrauch des DNS an, die von unabhängigen Experten durchgeführt und im Januar 2022 von der EU-Kommission veröffentlicht wurde. Auf über 170 Seiten zeichnet die Studie das Grundproblem angefangen mit einer fehlenden Definition des Begriffs DNS Abuse nach, zeigt jedoch auch etwaige Wege der Eindämmung von Missbrauch auf.

„Wir freuen uns sehr, dass so viele Stakeholder – unter ihnen auch die Europäische Kommission – der Einladung der topDNS-Initiative gefolgt sind und aktiv an dem Workshop teilgenommen haben“, so Thomas Rickert, Director Names & Numbers bei eco. „Wir können jedoch noch deutlich bessere Ergebnisse erzielen, wenn wir noch mehr Marktteilnehmer in die Lage versetzen, bei der Missbrauchsbekämpfung mitzuwirken: Durch Aufklärung, Schulung, unterstützende Tools, den Austausch von Daten und Informationen sowie die Etablierung gemeinsamer Best Practices und Standards.“ Ein Folge-Workshop soll im vierten Quartal 2023 stattfinden, um erneut Bilanz zu ziehen und die Fortschritte in der Branche zu bewerten.

Den „State of the DNS 2022“-Report finden Sie unter:
> https://www.eco.de/wp-content/uploads/2023/02/2023_topdns_state_of_the_dns_2022_report.pdf

Die „Study on Domain Name System (DNS) abuse“ der EU-Kommission finden Sie unter:
> https://www.domain-recht.de/verweis/2718

Quelle: eco.de, eigene Recherche

TLDS – NEUES VON .CR, .ME UND .NO

Klimaschutz statt Briefpost: zur Vermeidung von unnötigem Müll testet .no, auf die Löschung einer Domain nur noch per eMail hinzuweisen. Derweil versucht Costa Ricas .cr, mit einer PromoAktion zu punkten, während Montenegro über Premium-Domains berichtet – hier unsere Kurznews.

Die National Academy of Sciences Academia Nacional de Ciencias, Verwalterin der Länderendung .cr von Costa Rica, hat eine Promotion-Aktion namens „Verlieben Sie sich in Ihre neue .cr“ gestartet. Seit dem 14. Februar und noch bis 03. März 2023 können .cr-Domains mit einem massiven Rabatt für einen Zeitraum von einem Jahr zu einem Preis von US$ 15,82 (einschließlich 13 % Mehrwertsteuer) registriert werden. Die Zahlung kann per Kredit- oder Debitkarte und PayPal erfolgen. Nach Ablauf des Jahres fallen dann jedoch deutlich höhere Gebühren an. Die Registry bewirbt damit ihre neue Plattform dominios.cr, einen exklusiven Bereich für den Verkauf und die Verwaltung aller .cr-Domains. Für die Verlängerung einer .cr-Domain gelten die reduzierten Gebühren nicht, auch Premium-Domains bestehend aus 1, 2 und 3 Zeichen sind ausgenommen. Außerdem beschränkt sich das Angebot auf die reine Registrierung der Domain, ohne zusätzliche Leistungen. Die Registrierung von .cr-Domains ist grundsätzlich sowohl für Privatpersonen als auch Unternehmen gestattet. Die Vergabestelle verlangt bei Privatpersonen allerdings die Personalausweisnummer sowie das Geburtsdatum, Unternehmen müssen ihre Umsatzsteuernummer oder ihre Handelsregisternummer übermitteln.

Montenegros Länderdomain-Verwalterin DoMEn d.o.o hat den halbjährlichen „Premium Domain Report“ für die zweite Jahreshälfte 2022 veröffentlicht. Das Geschäft mit diesen besonders attraktiven Premium-Domains bleibt demnach eine Nische, aber lukrativ. Im Zeitraum 01. Juli bis 31. Dezember 2022 wurden 36 (von an die 2.800 offiziell klassifizierten) Premium-Domains registriert und spülten der Registry dabei insgesamt EUR 278.500,- in die Kasse. Namentlich erwähnt werden zk.me (ein „identity service provider“), lp.me (ein Musik-Studio) und easy.me für ein Social-Wallet. Allein 14 dieser Domains wurden über GoDaddy verkauft, weitere 8 über Namecheap. Dabei ist ein Trend unverkennbar: je kürzer eine Domain, desto begehrter. Insgesamt sind Premium-Domains vor allem in den USA beliebt, dort haben 25 der 36 Domain-Inhaber ihren Sitz. Danach folgen 10 Domains, deren Inhaber unbekannt bleiben wollen, sowie Domain-Inhaber aus Singapur, Russland und Australien. Die Entscheidung, die Länderendung .me als generische Endung zu vermarkten, hat sich also im wahrsten Sinne des Wortes ausgezahlt.

Norid AS, Registry der norwegischen Länderendung .no, hat angekündigt, die bevorstehende Löschung einer .no-Domain im Monat Februar 2023 vorübergehend nicht per Briefpost anzukündigen. Bisher ist es so, dass im Fall des Auslaufens einer .no-Domain oder wenn eine Organisation aus dem „Central Coordinating Register for Legal Entities“ gestrichen wird, das Norid-System automatisiert die Löschung der Domain veranlasst. Daran erinnert Norid zuerst per eMail, dann per Briefpost, um einen versehentlichen Domain-Verlust zu vermeiden. Im Februar 2023 beschränkt sich Norid auf eine Erinnerung per eMail; erst ab dem 06. März gibt es wieder eine postalische Erinnerung. Zur Begründung heißt es: „On average we send out about 7000 letters each month as part of the deletion processes. This leads to big climate emissions that could be avoided. Norid aims to operate sustainably and climate friendly. We will therefore stop sending these letters for four weeks to see if this has any effect on the renewal rates, and thus if we can cut the letters permanently in the future.“ Wer eine .no-Domain registriert hält, sollte sein eMail-Postfach bis 06. März 2023 also besonders aufmerksam im Blick haben und auch mal in den Spam-Ordner schauen.

Den jährlichen „.ME Premium Domain Report“ finden Sie unter:
> https://domain.me/h2-2022-me-premium-domain-report/

Quelle: nic.cr, domain.me, norid.no

UDRP – BROTLOSES VERFAHREN UM ILOVEART.COM

Im Streit um die Domain iloveart.com zeigte sich die Beschwerdeführerin sehr kreativ in ihren Behauptungen, hielt aber eine Palette von Beweisen zurück, womit ihre Beschwerde vom zuständigen WIPO-Panel nicht abgekauft wurde.

Die deutsch Gerstaecker Verlag GmbH, ein Anbieter von Künstlerbedarf, machte die Rechte der französischen Le Géant des Beaux-Arts, SARL geltend, die ihre Rechte an ihrer 2012 registrierten EU-Wort-/Bild-Marke „I LOVE ART GERSTAECKER G“ durch die Domain iloveart.com verletzt sieht. Im UDRP-Verfahren vor der WIPO behauptet sie, ihre Marketingabteilung habe die Domain, deren Inhaberin sie seit 19 Jahren gewesen sei, versehentlich bei einem Providerwechsel verloren. Der Gegner sei als Nutzer von Dropcatch für Wiederverkaufszwecke bekannt und habe in der Vergangenheit schon mehrere UDRP-Verfahren verloren. Er sei bösgläubig, da er Domains lediglich zum Wiederverkauf registriere. Der jetzige Inhaber der Domain iloveart.com und Gegner des Verfahrens, der US-Amerikaner Bruce Wong, ließ sich von Domain-Anwalt John Berryhill vertreten. So kommt es, dass der Vortrag des Gegners deutlich umfassender als der der Beschwerdeführerin ist. Der Gegner wendet unter anderem ein, die Domain umfasse acht Buchstaben, die in einer Wort-/Bild-Marke mit insgesamt 20 Buchstaben enthalten sind; der Satz „i love art“ sei eine gängige Floskel, die zudem von zahlreichen Markeninhabern in den USA genutzt werde. Die entsprechende US-Marke der Beschwerdeführerin sei im Januar 2022 ausgelaufen. Er habe die Domain bei einer Dropcatch-Auktion im Januar 2022 für US$ 10.163,- erstanden und bis zum Beginn des UDRP-Verfahrens auf eine Website mit verschiedenen Werken von Instagram-Künstlern geleitet, also entsprechend ihrer Bedeutung genutzt. Die Beschwerdeführerin sei keinesfalls seit 19 Jahren Inhaberin der Domain; vielmehr ging die Domain über die Jahre durch viele Hände und erst im April 2011 sei sie an einen französischen Entwickler transferiert worden, der ab September 2013 eine Weiterleitung auf die Domain greatart.co.uk einrichtete, welche eine Verbindung mit der Beschwerdeführerin aufweise. Der Gegner beantragte, Reverse Domain Name Hijacking (RDNH) festzustellen.

Das eingesetzte WIPO-Gremium bestehend aus dem Vorsitzenden, dem spanischen Rechtsanwalt Manuel Moreno-Torres, und den beiden Beisitzern, dem französischen Rechtsprofessor Michel Vivant und dem US-Rechtsanwalt Steven M. Levy, wiesen die Beschwerde ab, da die Beschwerdeführerin nicht den Nachweis für die Bösgläubigkeit des Gegners erbracht hatte (WIPO Case No. D2022-4632). Das Dreier-Panel sparte sich eine umfangreiche Darstellung und ging lediglich auf die Frage der Bösgläubigkeit des Gegners bei Registrierung und Nutzung der Domain iloveart.com ein. Hier kam sie zu dem Ergebnis, dass sich der Akte keine Hinweise entnehmen ließen, wonach der Gegner die Marke der Beschwerdeführerin im Auge hatte, auf unlautere Weise unfaire Vorteile aus ihr gezogen oder sie missbraucht habe. Das Argument der Beschwerdeführerin, der Gegner registriere Domains, um sie zu verkaufen, verfange nicht, denn das verstößt nicht gegen die UDRP. Es finde sich kein Nachweis dafür, dass der Gegner die Domain gezielt wegen der Marke der Beschwerdeführerin registriert habe: einerseits ist „i love art“ eine gebräuchliche Floskel, andererseits gab die Beschwerdeführerin die Domain zum gleichen Zeitpunkt wie ihre US-Marke auf. Zudem habe die Beschwerdeführerin keinen Nachweis darüber erbracht, dass ihre EU-Marke in den USA so bekannt ist wie in Europa. Vielmehr zeige sich, dass entsprechende Marken von zahlreichen anderen genutzt werden. Die Floskel „iloveart“ findet sich als Domain unter zahlreichen Endungen, gerne in Verbindung mit Bezeichnungen wie „deco“, „store“ und „studio“, genutzt von Künstlern und Unternehmungen. Letztlich habe die Beschwerdeführerin keine Beweise vorgelegt, aufgrund derer man die Domain-Inhaberschaft und die Behauptung, der Gegner sei bösgläubig, beurteilen könne. Damit deutet nichts auf die Bösgläubigkeit des Gegners hin.

Schließlich prüfte das Gremium noch den Antrag auf Reverse Domain Name Hijacking. Dessen Vorliegen erachtete es in diesem Fall und unter diesen Umständen für angemessen. Es hielt fest, dass die Beschwerdeführerin von einer dritten Partei vertreten wird, die keine ausreichenden Beweise für ihre Behauptungen vorgelegt hat. Berryhill bat das Gremium, den Namen des Gegners nicht zu nennen, damit dessen Name durch dieses Verfahren nicht in den Schmutz gezogen werde. Dies lehnte das Gremium ab: „The Panel finds no grounds upon which redact Respondent’s name and neither can it find grounds to alternatively identify Complainant’s counsel in the decision beyond the name of the law firm mentioned above.“ Das Gremium wies damit die Beschwerde ab, die Domain iloveart.com verbleibt beim Gegner.

Die UDRP-Entscheidung über die Domain iloveart.com finden Sie unter:
> https://www.wipo.int/amc/en/domains/decisions/pdf/2022/d2022-4632.pdf

Spezialisierte Anwälte findet man unter:
> https://www.domain-anwalt.de

Quelle: wipo.int, eigene Recherche

TIPPS – DER UNDURCHSICHTIGE HANDEL MIT DOMAINS

Domain-Handel ist schwer, er kostet Zeit und Geld, und ist recht unsicher. Aktuell tritt wieder einmal zu Tage, dass der Verkauf von Domains auf dem „Secondary Market“ eine unbeständige Angelegenheit ist, mit der jeder Domain-Investor alleine steht.

Abdul Basit Makrani ist ein erfolgreicher Domain-Investor mit einem Portfolio von zur Zeit ca. 8.250 Domains. Doch er hat ein Problem, denn sein Domain-Handel läuft nicht beständig, sondern inkonsistent: „There are still a lot of inconsistencies in sales like in December 2022 I just had one sale only! That month was the worst month in sales in over 6 years! Then in January 2023, I had 10 sales. This is just mind boggling. I’ve been consistently adding around 100 domains every month and fluctuation in sales keeps happening but December was a shocker to me.“ Makrani geht davon aus, dass er mit einem Portfolio von 12.000 Domains einen beständigen Fluss von Kauf und Verkauf erzielen kann. Doch ob der eintritt, muss sich erst noch weisen. Die Mehrzahl der Domain-Investoren arbeitet wahrscheinlich mit kleineren Portfolien.

Andrew Allemann (domainnamewire.com) zum Beispiel, der auf den Artikel von Makrani aufmerksam macht, verfügt über etwa 2.000 Domains in seinem Portfolio. Bei ihm sieht es ähnlich aus: er verkaufte im vergangenen Jahr 32 Domains. Manchmal verkauft er einige Domains in einer Woche, doch im November 2022 verkaufte er keine Domain. Die Anzahl gehandelter Domains bei einem so kleinen Portfolio reichen nach seiner Ansicht nicht aus, den Markt zu verstehen. Er unterstreicht aber, dass Domain-Verkäufe, von denen berichtet wird, immer den Ausnahmefall darstellen. Domain-Verkäufe sind Anomalien, die meisten Domains werden nicht verkauft. Führt man sich das vor Augen, geht man vielleicht gelassener an die Sache heran.

Dass viele nach wie vor in den Domain-Handel einsteigen, um schnelles Geld zu machen, ist dem Umstand geschuldet, dass man keine Vorstellung davon hat, wie dieser funktioniert. Und wenn nicht einmal ein Andrew Allemann mit jahrzehntelanger Erfahrung und einem ansehnlichen Domain-Portfolio sagen kann, wie der Markt funktioniert, hat ein Einsteiger kaum eine Chance. Allerdings lassen sich die Chancen verbessern, wenn man die allgemein gehaltenen Tipps zum besseren Verständnis des Domain-Marktes von Elliot Silver beherzigt, die er dieser Tage auf Twitter und auf seinem Weblog mitgeteilt hat:

– den Domain-Name-Handel mit Blick auf Domains, die Unternehmen und Start-Ups nutzen und kaufen genau beobachten
– verstehen, was sich an wen, warum und zu welchen Preisen verkauft
– soviel wie möglich zu dem Thema lesen, etwa auf Twitter bei @namepros, @namebio, @dnjournal, @domainingcom, @dnacademy, @ysolanky und @darryllopes (Anmerkung der Red.: aber auch auf den einschlägigen Weblogs wie z.B. domaininvesting.com, tldinvesting.com, domainnamewire.com, onlinedomain.com und thedomain.com)
– begreifen, dass Domain-Investing weder ein leichtes Geschäft noch ein Weg zu schnellem Reichtum ist: es hat eine steile Lernkurve, die teuer zu stehen kommen kann.

Oder wie Tony bei Elliots Eintrag kommentiert: „Want to learn how to sell domains? 1. Learn how to identify and buy domains other people want. 2. Master #1“.

Den Artikel von Abdul Basit Makrani findet man unter:
> https://www.abdulbasit.com/domaining/some-of-the-acquisitions-in-2023

Andrew Allemann diskutiert ihn unter:
> https://domainnamewire.com/2023/02/13/the-inconsistency-of-domain-sales/

Und Elliot Silver gibt seine Empfehlung wieder unter:
> https://domaininvesting.com/advice-and-resources-for-a-newbie-domain-investor/

Quelle: domainnamewire.com, abdulbasit.com, domaininvesting.com

PFP.COM – DREI-ZEICHEN-DOMAIN FÜR US$ 353.000,-

Die vergangene Domain-Handelswoche bringt mit pfp.com zu einem Preis von US$ 353.000,- (ca. EUR 334.762,-) einen alten Bekannten, der sich zur Premium-Domain mausert. Auch sonst sind die Preise wieder erfreulich.

Die Drei-Zeichen-Domain pfp.com erzielt US$ 353.000,- (ca. EUR 334.762,-) und setzt sich damit an Platz 2 der Jahresbestenliste. Bereits im September 2018 wurde die Domain gehandelt, damals zum Preis von US$ 28.600,- (ca. EUR 24.237,-). Auch die Domain scratchy.com mit jetzt US$ 16.750,- (ca. EUR 15.885,-) hat eine Vorgeschichte und kam im Mai 2015 auf US$ 4.500,- (ca. EUR 4.018,-).

Unter den Länderendungen steht endlich die deutsche Endung vorne, mit der Zwei-Zeichen-Domain qm.de zu EUR 25.000,-. Ihr folgen 12 weitere .de-Domains. Die spanische Domain gay.es war nicht so glücklich wie die zuvor genannten .com-Domains; sie kommt auf US$ 5.185,- (ca. EUR 4.917,-), nachdem sie im September 2014 noch mit EUR 6.200,- reüssierte.

Die neuen generischen Endungen beglücken mit der von Swetha gehandelten reactor.xyz zum Preis von US$ 45.000,- (ca. EUR 42.675,-) und mit push.bike zum Preis von US$ 9.500,- (ca. EUR 9.009,-). Letztere ist damit die bisher teuerste verzeichnete .bike-Domain. Die klassischen generischen Endungen weisen wieder sehr gute Zahlen auf: dmer.org kommt auf US$ 25.600,- (ca. EUR 24.277,-) und deltacostproject.org auf US$ 17.700,- (ca. EUR 16.786,-). Darüber hinaus meldet sich drums.org wieder mit jetzt US$ 3.356,- (ca. EUR 3.183,-); Raymond Hackney teilt auf tldinvestors.com mit, dass drums.org in 2017 auf US$ 2.550,- bei GoDaddy und danach lediglich US$ 1.719,- bei DropCatch erzielt hatte. Die vergangene Domain-Handelswoche führt erfreulichweise fort, was in der Woche davor begonnen wurde.

Länderendungen
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qm.de – EUR 25.000,-
getlande.de – EUR 5.000,-
vebos.de – EUR 5.000,-
nextgen.de – EUR 4.900,-
deinedoku.de – EUR 4.300,-
carboncontrol.de – EUR 3.880,-
jobcrafting.de – EUR 3.750,-
apoguide.de – EUR 3.500,-
investcom.de – EUR 3.500,-
true-nature.de – EUR 3.000,-
didaktik.de – EUR 2.700,-
kfzschaden.de – EUR 2.600,-
woodhome.de – EUR 2.500,-

workout.ai – US$ 11.499,- (ca. EUR 10.905,-)
mindspace.us – US$ 10.050,- (ca. EUR 9.531,-)
bear.io – US$ 9.150,- (ca. EUR 8.677,-)
continuum.fr – EUR 5.999,-
recipes.ai – US$ 5.199,- (ca. EUR 4.930,-)
edw.at – EUR 5.000,-
mixer.ai – EUR 5.000,-
gay.es – US$ 5.185,- (ca. EUR 4.917,-)
i.ar – US$ 5.099,- (ca. EUR 4.836,-)
5.to – US$ 5.000,- (ca. EUR 4.742,-)
52av.tv – US$ 5.000,- (ca. EUR 4.742,-)
raw.co.za – US$ 4.999,- (ca. EUR 4.741,-)
motorkit.fr – EUR 4.500,-
mx.se – EUR 3.600,-
myhub.be – EUR 3.500,-
ciseaux.fr – EUR 3.500,-
9978.cc – US$ 3.350,- (ca. EUR 3.177,-)
bbg.eu – GBP 2.500,- (ca. EUR 2.830,-)
puntos.es – EUR 2.500,-

Neue Endungen
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reactor.xyz – US$ 45.000,- (ca. EUR 42.675,-)
push.bike – US$ 9.500,- (ca. EUR 9.009,-)
manager.plus – US$ 5.344,- (ca. EUR 5.068,-)
manager.plus – EUR 5.000,-
amp.finance – US$ 4.999,- (ca. EUR 4.741,-)
risingup.org – US$ 4.999,- (ca. EUR 4.741,-)
supplies.xyz – US$ 4.250,- (ca. EUR 4.030,-)
the.kiwi – US$ 3.600,- (ca. EUR 3.414,-)
startseite.org – EUR 2.500,-
just.biz – US$ 2.299,- (ca. EUR 2.180,-)

Generische Endungen
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dmer.org – US$ 25.600,- (ca. EUR 24.277,-)
deltacostproject.org – US$ 17.700,- (ca. EUR 16.786,-)
womenchefs.org – US$ 8.200,- (ca. EUR 7.776,-)
dniprograd.org – US$ 6.300,- (ca. EUR 5.975,-)
komarovskiy.net – US$ 6.250,- (ca. EUR 5.927,-)
upup.org – US$ 3.688,- (ca. EUR 3.497,-)
myev.org – US$ 3.488,- (ca. EUR 3.308,-)
drums.org – US$ 3.356,- (ca. EUR 3.183,-)
thebrainstimulator.net – US$ 3.333,- (ca. EUR 3.161,-)
apawomen.org – US$ 3.200,- (ca. EUR 3.035,-)
earthresource.org – US$ 3.200,- (ca. EUR 3.035,-)
johnmuirtrail.org – US$ 3.100,- (ca. EUR 2.940,-)
hiddenmickeys.org – US$ 3.100,- (ca. EUR 2.940,-)
kategreen.org – US$ 3.001,- (ca. EUR 2.846,-)

.com
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pfp.com – US$ 353.000,- (ca. EUR 334.762,-)
sunhome.com – US$ 49.491,- (ca. EUR 46.934,-)
c58.com – US$ 39.388,- (ca. EUR 37.353,-)
brawler.com – US$ 35.070,- (ca. EUR 33.258,-)
c86.com – US$ 30.500,- (ca. EUR 28.924,-)
mailtrack.com – US$ 30.000,- (ca. EUR 28.450,-)
biobank.com – US$ 22.722,- (ca. EUR 21.548,-)
q68.com – US$ 22.472,- (ca. EUR 21.311,-)
steelcitypops.com – US$ 22.350,- (ca. EUR 21.195,-)
shoprx.com – US$ 21.200,- (ca. EUR 20.105,-)
funhub.com – US$ 20.000,- (ca. EUR 18.967,-)
qgroup.com – US$ 17.505,- (ca. EUR 16.601,-)
scratchy.com – US$ 16.750,- (ca. EUR 15.885,-)
vegasluck.com – US$ 16.500,- (ca. EUR 15.648,-)
templateexpress.com – US$ 16.251,- (ca. EUR 15.411,-)
iwish.com – US$ 16.020,- (ca. EUR 15.192,-)
xmtd.com – US$ 15.000,- (ca. EUR 14.225,-)

Weitere Domain-Preise finden Sie unter:
> https://www.domain-spiegel.de

Quelle: dnjournal.com, sedo.de, thedomains.com. tldinvestors.com, namebio.com

DATENSCHUTZ – ULRICH KELBER IM MÄRZ IN KÖLN

Eco – Verband der Internetwirtschaft eV lädt seine Mitglieder Anfang März 2023 nach Köln zum „Jahresauftakt mit dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) Prof. Kelber bei der eco Kompetenzgruppe Politik & Recht“.

Thema der eco-Veranstaltung am 09. März 2023 ist die Diskussion um den Umgang mit Daten, insbesondere mit personenbezogenen Daten. Die Politik hat das zunehmende Potential einer datenbasierten und datenzentrierten Wertschöpfung aus personenbezogenen Daten erkannt und mehrere Gesetze und Verordnungen auf den Weg gebracht, um die Wertschöpfung zu regeln. Eco nimmt das zum Anlass, „mit dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationssicherheit Prof. Kelber im Rahmen einer eco Kompetenzgruppensitzung über das Spannungsverhältnis einer gelingenden Datenökonomie und der europäischen und insbesondere deutschen Ausgestaltung des Datenschutzes in den Austausch zu kommen.“ Die Veranstaltung legt den Schwerpunkt auf den Datenschutz unter Berücksichtigung von TDDG, der europäischen CSAM-Verordnung, zukünftige Regelungen zur Vorratsdatenspeicherung, von Quick-Freeze und IP-Datenspeicherung sowie des transatlantischen Datenaustausches im Rahmen des „Transatlantic Data Privacy Frameworks“. Die Teilnehmer können sich ab 09:30 Uhr vor Ort registrieren. Nach der Begrüßung um 10:00 Uhr durch Henning Lesch (Leiter eco Hauptstadtbüro, Kompetenzgruppenleiter) setzt Prof. Ulrich Kelber (Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit) zu einem fünfzehnminütigen Impulsvortrag an, dem ein eineinhalbstündiger Austausch unter den Anwesenden folgt. Um 12:00 Uhr wird dann geluncht. Nach dem Mittagessen bleibt noch ein Stündchen, um etwas über aktuelle rechtspolitische Themen und gesetzgeberische Vorhaben auf europäischer und nationaler Ebene zu erfahren.

Die Jahresauftaktveranstaltung des eco eV findet am 09. März 2023 von 10:00 bis 13:45 Uhr im eco Office, Lichtstraße 43h in 50825 Köln statt. Die Veranstaltung ist ausschließlich den Mitgliedern des eco – Verband der Internetwirtschaft eV vorbehalten. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Weitere Informationen und Anmeldung unter:
> https://www.eco.de/event/kg-politik-recht/

Quelle: eco.de

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