Newsletter-Ausgabe #469: Juni 2009

Themen: Kinderporno – Bundestag verabschiedet Zensurgesetz | Neue TLDs – diese Endungen sollen kommen! | TLDs – Neues von .xxx, .tel und .eco | Switchplus – wird SWITCH zum Registrar? | x.de – LG Frankurt weist Kartellklage ab | spel.se – schwedische Spiele für EUR 190.000,- | T.R.A.F.F.I.C. – im Oktober in New York

Kinderporno – Bundestag verabschiedet Zensurgesetz

Mit den Stimmen der Regierungsfraktionen aus CDU, CSU und SPD hat der Bundestag am vergangenen Donnerstag das „Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen“ (Zugangserschwerungsgesetz) beschlossen. Doch die Kritik am neuen Gesetz reisst nicht ab, zumal erste Forderungen nach einer Ausweitung der zu sperrenden Inhalte auf so genannte Killerspiele bereits laut wurden.

Mit 389 zu 128 Stimmen bei 18 Enthaltungen gab der Bundestag dem umstrittenen Gesetzesentwurf grünes Licht. Das aus wenigen Artikeln bestehende Gesetz enthält Änderungen zum Telemediengesetz (TMG) und zum Telekommunikationsgesetz (TKG), und soll den Abruf von Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen erschweren. Wie bereits im Rahmen der vertraglichen Vereinbarungen mit grossen Internet-Anbietern verpflichtet das Gesetz Diensteanbieter, Maßnahmen zu ergreifen, um den Zugang zu Telemedienangeboten, die in einer Sperrliste aufgeführt sind, zu hindern. Diese beim Bundeskriminalamt geführte Sperrliste enthält eine Liste über vollqualifizierte Domain-Namen, Internetprotokolladressen und Zieladressen von Telemedienangeboten, die Kinderpornographie nach § 184b des Strafgesetzbuchs enthalten oder deren Zweck darin besteht, auf derartige Telemedienangebote zu verweisen. Wer derartige Angebote aufruft, dem versperrt künftig ein Stoppschild den weiteren Datenabruf. Stichprobenartig überprüft werden soll die Liste von einem Expertengremium, das beim Bundesdatenschutzbeauftragten angesiedelt ist.

Heftige Kritik an diesem Gesetz kam während der Debatte von Max Stadler (FDP). Neben formalen Mängeln – der Name des Gesetzes war auf der Tagesordnung in Zugangserschwerungsgesetz geändert worden – verwies Stadler darauf, dass dem Bundestag die Gesetzgebungskompetenz fehle, da die behandelte Materie zum Polizeirecht gehöre und damit Ländersache sei. Zuvor war auf eine sogenannte „kleine Anfrage“ der FDP hin bekannt geworden, dass die Bundesregierung über keine eigenen wissenschaftlich gesicherten Kenntnisse im Zusammenhang mit der Verbreitung von Kinderpornographie verfügt, ebenso wenig wie über eine detaillierte Einschätzung des Marktes für Kinderpornographie in Deutschland. Mit dem Argument, dass „Kinderpornographie über kommerzielle Webseiten vertrieben wird, die Millionen umsetzen“, hatte Familienministerin Ursula von der Leyen jedoch für das Gesetz geworben.

Der Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur (AK Zensur) betonte nochmals, dass die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Internet-Sperren in Wirklichkeit nur Sichtblenden sind, da kriminelle Inhalte nicht gelöscht werden, sondern lediglich vor Zugriff verborgen bleiben sollen. Die Inhalte, die über andere Kanäle vertrieben werden, bleiben somit erhalten. Vor allem aber erwarten Experten einen Dammbruch, bei dem die nun aufgebaute Infrastruktur dazu genutzt werden soll, entgegen der geplanten Gesetzeslage auch andere Inhalte zu sperren. Darin bestätigt sehen sie sich durch Forderungen des CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Strobl, der eine Sperrung von Killerspielen ins Gespräch brachte. Ob es dazu kommt, bleibt jedoch abzuwarten: die ersten Verfassungsbeschwerden gegen das Gesetz sind bereits in Vorbereitung.

Weitere Informationen finden Sie unter:
> http://ak-zensur.de

Quelle: bundestag.de, ak-zensur.de, tagesschau.de, eigene Recherche

Neue TLDs – diese Endungen sollen kommen!

Seit letzten Sonntag tagt die Internet-Verwaltung ICANN im ausstralischen Sydney, um über die Zukunft des Domain Name Systems und die Einführung neuer Top Level Domains (TLDs) zu entscheiden. Aus diesem Anlass wollen wir den Stand des Verfahrens kurz zusammenfassen und Ihnen einen Überblick geben, welche neuen Endungen sich bei ICANN bewerben wollen.

Folgende 20 generische Top Level Domains (gTLDs) stehen aktuell bereits zur Verfügung und können mit mehr oder weniger grossen Einschränkungen registriert werden: .aero, .asia, .biz, .cat, .com, .coop, .edu, .gov, .info, .int, .jobs, .mil, .mobi, .museum, .name, .net, .org, .pro, .tel und .travel. Daneben gibt es 248 weitere Länderendungen (ccTLDs) wie .de, .at oder .ch; erweitert werden soll jedoch ausschließlich der Kreis der gTLDs. Diesen Erweiterungsprozess hat ICANN anlässlich des Paris-Meetings Anfang 2009 an- und die Tür damit aufgestoßen für eine grundsätzlich unbeschränkte Erweiterung des TLD-Namensraumes. Dies hat weltweit zahlreiche Diskussionen um Sinn und Unsinn neuer Top Level Domains ausgelöst; ICANN hat jedoch angekündigt, den eingeschlagenen Weg weiter konsequent zu verfolgen.

Um diesen Prozess zu ordnen, will ICANN im Gegensatz zu früheren Einführungsrunden neuer TLDs einheitliche Leitlinien aufstellen, an denen sich künftig jeder Bewerber orientieren kann und muss. Diese Leitlinien sind zusammengefasst im „Applicant Guidebook“, das inzwischen in mehreren Entwurfsfassungen veröffentlicht ist. Demnach müssen die Bewerber wirtschaftliche wie technische Kriterien erfüllen, um Aussicht auf einen Zuschlag zu erhalten; bereits an dieser Hürde dürften viele Interessenten scheitern. Neben einer Bewerbungsgebühr von derzeit US$ 185.000,00 müssen Bewerber je nach Ausrichtung ihrer Endung wohl mehrere Millionen an Investitionen in Anwaltsgebühren, Infrastruktur, Technik, Marketing, Personal und Betrieb einplanen. Da die Bewerbungskriterien (etwa in Bezug auf Schutzmechanismen für Kennzeichenrechteinhaber) im Detail noch nicht festgelegt sind, lassen sich verlässliche Aussagen derzeit nicht treffen.

Mehr oder weniger konkrete Absichtserklärungen, sich bei ICANN um den Zuschlag für eine TLD bewerben zu wollen, liegen für folgende Städte-Endungen vor: .bcn (Barcelona), .berlin, .hamburg, .london, .köln, .munich, .paris, .nyc und .pdx (Portland). An Regio-TLDs werden genannt: .africa, .bayern, .bzh (Bretagne), .cym (Wales), .eng (England), .gal (Galizien), .ker (Cornwall), .lli (Leon), .lat (Lateinamerika), .med (Mediterranean), .que (Quebec), .sco (Schottland), .vla (Flandern) und .yks (Yorkshire). Für ethnische TLDs kommen derzeit .arab, .eus (Baskenland) und .indigi (Eingeborene) in Frage. Als gemeinnützig könnten die potentiellen Bewerbungen von .eco, .green und .fam zusammengefasst werden. Für die Internet-Community die grösste Bedeutung haben dürften die Bewerbungen folgender industriespezifischer TLDs: .food, .health, .movie, .music, .sport, .xxx, .vin und .web. Schließlich gilt es als offenes Geheimnis, dass weltbekannte Marken wie Apple (.mac), HP (.hp) oder Microsoft (.msn) ebenfalls über ihre TLD nachdenken. Bei einzelnen TLDs wie etwa .london oder .sport gibt es zudem mehrere Initiativen, die sich bei ICANN bewerben wollen.

Ein konkretes Startdatum, wann ICANN erste Bewerbungen für neue TLDs entgegennimmt, gibt es bisher nicht; vorgesehen ist das 1. Quartal 2010. Da noch völlig offen ist, ob und welche neuen TLDs eingeführt werden, ist derzeit auch eine verbindliche Vorbestellung von Domain-Namen nirgendwo seriös möglich. Von gar kostenpflichtigen Angeboten zur Vorbestellung ist also dringend abzuraten.

Weitere Informationen zu einzelnen Bewerbungen finden Sie unter
> http://www.mindsandmachines.com/2009/03/new-gtlds-sightings/

Quelle: circleid.com, mindsandmachines.com, eigene Recherche

TLDs – Neues von .xxx, .tel und .eco

Während ICANN in Sydney schon über neue Top Level Domains diskutiert, lässt ein alter Bekannter nicht locker: im Herbst 2009 trifft sich ICANN mit dem Bewerber ICM Registry Inc. vor Gericht. Die bereits eingeführte Telefon-Domain .tel glänzt mit einem Statistik-Service, und Afilias will die geplante Endung .eco unterstützen – hier unsere Kurznews.

Heisser Herbst für die Rotlicht-Domain .xxx: wie Bewerber ICM Registry bekanntgegeben hat, findet im Schiedsverfahren gegen die Internet-Verwaltung ICANN Ende September 2009 in Washington, D.C. die mündliche Verhandlung statt. Das dreiköpfige Schiedsgericht unter Vorsitz von Stephen Myron Schwebel und zwei weiteren Richtern aus Europa und den USA prüft, ob die Zurückweisung der Bewerbung im März 2007 rechtmäßig war oder nicht. Auf mehr als 1.000 Seiten hat ICM Registry über die US-Kanzlei Crowell & Moring inzwischen versucht, zu dokumentieren, dass ICANN mit der Ablehnung gegen seine eigenen Statuten verstoßen hat. Präsident Stuart Lawley zeigte sich zuversichtlich: „Das Verfahren war immer ein Gewinn für uns, deshalb haben wir allein in Anwaltskosten über US$ 3 Mio. investiert. Laut Lawley stößt .xxx zudem auf großes Interesse in der Community; auch wenn derzeit Vorbestellungen noch gar nicht möglich sind, will ICM Registry bereits mehr als 100.000 Vorreservierungen erhalten haben.

Allen Inhabern einer .tel-Domain stellt Verwalter Telnic Limited einen praktischen Statistik-Service zur Verfügung: unter der Adresse telstats.nic.tel können sie erfahren, wie viele Zugriffe ihr Webauftritt verzeichnet hat. Zugleich können die Domain-Inhaber die Daten in ihr bevorzugtes Analyse-Tool importieren und dort weiter auswerten, etwa um die Zahl der Zugriffe festzuhalten und wie ein Nutzer auf die Domain gelangt ist. Die Erfassung hat am 27. Mai 2009 begonnen und wird auf Tagesbasis fortgesetzt. Der Service ist kostenfrei, erfordert jedoch einen TelFriends-Account, den man sich ebenfalls kostenfrei unter TelFriends.tel besorgen kann.

Afilias, bekannt geworden als Verwalter der Top Level Domain .info, hat angekündigt, die Initiative zur Einführung der Öko-Domain .eco technologisch zu unterstützen. Bei der bevorstehenden Bewerbungsrunde für neue TLDs wird Afilias als Registrier-Service-Provider dem kanadischen Kandidaten Big Room Inc. zur Seite stehen. „Da Afilias schon sehr erfolgreiche ICANN-Anfragen unterstützt und auch mehr neue TLDs gelauncht hat als alle anderen Registry-Anbieter, sind wir sehr zuversichtlich, dass wir für den Launch den richtigen technischen Partner ausgesucht haben.“, so Trevor Bowden, Co-Gründer von Big Room. Big Room möchte eine .eco-Plattform aufbauen, auf der laufend detaillierte Informationen über Umwelt und Nachhaltigkeit gesammelt und gespeichert werden. Damit gibt es bereits zwei Initiativen, die sich bei ICANN um .eco bewerben möchten; zuvor hatte bereits Dot Eco LLC ähnliche Pläne angekündigt und sich der Unterstützung von Friedensnobelpreisträger Al Gore versichert.

Informationen über das Schiedsverfahren bei .xxx finden Sie unter:
> http://www.icmregistry.com/irp.html

Den Statistik-Website von Telnic finden Sie unter:
> http://telstats.nic.tel

Weitere Informationen zu .eco finden Sie unter:
> http://www.doteco.info (Big Room Inc.)
> http://www.supportdoteco.com (Dot Eco LLC)

Quelle: xbiznewswire.com, prnewswire.com, eigene Recherche

Switchplus – wird SWITCH zum Registrar?

Die Schweizer Domain-Verwaltung SWITCH ändert ihr Dienstleistungsmodell: Bisher reine Verwalterin der Länderendung .ch in der Schweiz, will man zukünftig mit der ausgegründeten Switchplus AG vielfältige Internetdienstleistungen anbieten. Damit wird sie zum neuen Konkurrenten unter anderem auf dem Registrarmarkt, was Wellen schlagen könnte.

SWITCH ist als Stiftung gegründet, die über die Schweizer Domain-Endung .ch und die Liechtensteiner Domain-Endung .li waltet. Im Jahr 2015 läuft der Konzessionsvertrag mit dem Schweizer Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) jedoch aus. Bei SWITCH geht man laut netzwoche.ch davon aus, dass BAKOM dann auf ein Shared Registration System (SRS) umstellt mit der Folge, dass neben SWITCH mehrere gleichberechtigte Registrare für die .ch- und .li-Domain-Namen zuständig sein werden. Um zu diesem Zeitpunkt weiter auf dem Markt bestehen zu können, gründete SWITCH nun die Switchplus AG, die am 08. Mai 2009 ins Schweizer Handelsregister eingetragen wurde. Sie bietet laut Eintrag zukünftig Dienstleistungen an „wie insbesondere die Registrierung von Domain-Namen, Betrieb von eMail, Hosting von Webseiten und Softwarevertrieb sowie weitere Dienstleistungen rund ums Internet.“ Zudem kann die Gesellschaft „Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften im In- und Ausland errichten und sich an anderen Unternehmen im In- und Ausland beteiligen“.

Wie sich diese Entwicklung bei .ch und .li auswirkt, ist derzeit nicht abzusehen. Bei netzwoche.ch vermutet man, die Registrare und Hostinganbieter, die mit SWITCH zur Zeit zusammenarbeiten, seien beunruhigt, das mit der Switchplus AG ein neuer Konkurrent erwächst, der einen Wettbewerbsvorteil hat, soweit SWITCH mit staatlichen Geldern unterstützt würde. Diesseits scheint es etwas früh für solche Befürchtungen, doch ist nicht von der Hand zu weisen, dass mit Switchplus ein neuer Konkurrent das Spielfeld betritt, mit dem man rechnen muss. Der hat sich auch bereits die einschlägigen Domain-Namen wie switchplus.ch, switchplus.de, switchplus.at, switchplus.com und so weiter über SWITCH gesichert; nur bei der .net-Domain scheint ein Dritter früher zugeschlagen zu haben, es sei denn, bei SWITCH hat man sich da für einen WHOIS-Protectionservice entschieden.

Die Umstellung zeitigt auch ganz aktuell erste Auswirkungen: wie SWITCH dieser Tage bekannt gab, wird die Domain-Registrierung für die Endungen .ch und .li ab 15. Juli 2009 unter der Adresse http://nic.ch erfolgen und nicht mehr unter der alten Adresse http://switch.ch. SWITCH will so das von BAKOM konzessionierte Geschäft klarer von den Dienstleistungen für Hochschulen trennen. Zugleich dürfte diese Trennung auch im Hinblick auf die Zukunft von Switchplus sinnvoll erscheinen. Die Änderung hat bereits Einzug in die Registrierungsbedingungen gefunden. Für Kunden ändert sich dagegen nichts.

Den Eintrag ins Handelsregister findet man im Schweizerischen Handelsamtsblatt unter:
> http://www.zefix.ch/shabpdf/2009/092-14052009-1.pdf

Quelle: netzwoche.ch, zefix.ch, switch.ch, eigene Recherche

x.de – LG Frankurt weist Kartellklage ab

Die deutsche Domain-Verwaltung DENIC eG sah sich wieder einmal einem Streit um die Registrierung einer Domain vor dem Landgericht Frankfurt am Main ausgesetzt. Diesmal wollte ein Markeninhaber eine Ein-Zeichen-Domain. Der Kläger, der x.de für sich registriert haben wollte, scheiterte vor dem Landgericht in Frankfurt/M (Urteil vom 20.05.2009, Az.: 2-6 O 671/08).

Der Kläger ist Inhaber der Wortmarken „E“, „F“, „G“, „X“, „Y“ und „Z“, und beantragte sechs entsprechende .de-Domains, deren Registrierung DENIC unter Berufung auf ihre Vergaberichtlinien ablehnte, da es sich um Ein-Zeichen-Domains handelte. Das beeindruckte den Kläger zumindest hinsichtlich der Domain x.de nicht: er klagte vor dem Landgericht Frankfurt/M auf Registrierung derselben und berief sich dabei auf die marktbeherrschende Stellung der DENIC; zudem, so der Kläger, werde der als Domain zu registrierende Buchstabe von der „Internetgemeinde“ als angesprochenem Verkehrskreis mit Erwachsenenunterhaltung assoziiert, und müsse die Domain nicht für ein Auto-Kennzeichen zurückgehalten werden, da der Buchstabe „X“ für NATO-Fahrzeuge vorgesehen sei. DENIC beantragte Klageabweisung.

Das LG Frankfurt wies die Klage zurück. Wie bisher immer in diesen Entscheidungen stellte sich die Frage nach der marktbeherrschenden Stellung der DENIC und die damit verbundene Möglichkeit einer Behinderung von Unternehmen gegenüber Mitbewerbern (§§ 20 Abs. 1 und 33 Abs. 3 GWB). Dabei konnte das Landgericht auf die Rechtsprechung des OLG Frankfurt/M zu vw.de Bezug nehmen: DENIC ist Normadressatin des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), sie hat die marktbeherrschende Stellung im Sinne von § 19 Abs. 2 Nr. 1 GWB (was die DENIC bekanntlich anders sieht). Der Kläger ist Unternehmer im Sinne des GWB, auch wenn er bisher seine geschäftliche Tätigkeit erst noch plant. Das Gericht sah hier freilich keine Ungleichbehandlung des Klägers gegenüber Wettbewerbern durch die Beklagte. Der Kläger selbst hatte sich zu irgendwelchen Mitbewerbern, die durch die Praxis und Richtlinien der DENIC Vorteile genössen, nicht geäußert. Das LG Frankfurt/M sieht eine Rechtfertigung für eine Ungleichbehandlung in den Domainrichtlinien von DENIC. Diese decken auch die Domains x.de und y.de, selbst wenn diese keinem Kfz-Zulassungsbezirk entsprechen, denn sie entsprechen den Kfz-Kennzeichen internationaler militärischer Dienststellen. Würden diese Domains diesen Dienststellen zur Nutzung einmal seitens DENIC angeboten, so würden Nutzer unter diesen Domains die Dienststellen auch suchen. Weiter differenziert das Gericht den unterschiedlichen Sachverhalt der vw.de-Entscheidung: Der VW-Konzern bestehe bereits viel länger als das Internet, und die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer VW unter dieser Domain suchten, sei viel höher, als dass bei dem noch in Planung befindlichen Angebot des Klägers der Fall ist. Zudem stehen dem Kläger andere Domains zu Gebote, die die Erwachsenenunterhaltung besser repräsentieren.

DENIC äußert sich durch ihren Justiziar Stephan Welzel sehr zufrieden mit dem Urteil: Wieder sei ein Kläger damit gescheitert, DENIC „zu zwingen, eine nach den DENIC-Regeln unzulässige Domain zu registrieren. Dieses Scheitern erweist sehr schön, dass die VW-Entscheidung sich nicht verallgemeinern lässt und durchaus nicht bedeutet, dass nun jeder von DENIC verlangen kann, was ihm gerade in den Sinn kommt.“ Stephan Welzel betont zudem, dass DENIC zur Anwendung des Kartellrechts (GWB) auf DENIC eine andere Auffassung vertritt als das Gericht und, „dass vor allem wegen dieser Frage die Sache vw.de gegenwärtig beim Bundesgerichtshof liegt.“

Das Urteil des LG Frankfurt/M findet man unter:
> http://www.domain-recht.de/verweis/117

Spezialisierte Anwälte findet man unter:
> http://www.domain-anwalt.de

Quelle: kanzlei.de, denic.de

spel.se – schwedische Spiele für EUR 190.000,-

In der vergangenen Domain-Handelswoche schien beinahe alles anders. Die teuerste Domain stellte Schweden mit spel.se für EUR 190.000,-; .com liefert eine sechsstellige, wird aber von .co.uk übertrumpft, und eine .biz wusste sich einzuschleichen.

Teuerste Domain der vergangenen Handelswoche war überraschend spel.se (EUR 190.000,-), Spiele auf schwedisch. Damit zieht aber keineswegs das Onlinecasinogewerbe in Schweden ein, sondern ein großes Angebot von Flash-Vergnügen. Mit einem Ergebnis im sechsstelligen Bereich steht die Domain nicht alleine, denn .co.uk hatte eine ihrer stärksten Wochen überhaupt, und lieferte mit onlinecasino.co.uk und horseracing.co.uk für je GBP 100.000,- (ca. EUR 118.427,-) das Spielvergnügen anderer Art zu hohen Preisen. Weiter bot .co.uk noch sechs Domains:

dongles.co.uk – GBP 11.000,- (ca. EUR 13.027,-)
optic.co.uk – GBP  8.500,- (ca. EUR 10.066,-)
landforsale.co.uk – GBP  5.000,- (ca. EUR  5.921,-)
mobilephonedeals.co.uk – GBP  5.000,- (ca. EUR  5.921,-)
mikemartin.co.uk – GBP  3.000,- (ca. EUR  3.553,-)
lol.co.uk – GBP  2.500,- (ca. EUR  2.961,-)

Die deutsche Endung wirkte dagegen etwas blass, wenn auch schutzfolien.de sehr schöne EUR 23.800,- kostete, und alkoholfrei.de mit EUR 10.000,- ein teures Vergnügen zu sein scheint. Weiter dabei waren:

cabal.de – EUR  9.500,-
reporting.de – EUR  4.900,-

sextoys.com.au – AUD 25.500,- (ca. EUR 14.765,-)
jeux-flash.fr – EUR  6.300,-
nortia.es – EUR  5.191,-
bad.nl – EUR  4.999,-
thestudio.se – EUR  4.690,-
everydrop.com.au – AUD  7.000,- (ca. EUR  4.035,-)
allrecipes.cn – US$  5.000,- (ca. EUR  3.571,-)

Die neueren generischen Domains übten gänzliche Zurückhaltung, was .biz dazu nutzte, sich endlich wieder einmal selbst ins Spiel zu bringen, mit air-max.biz (EUR 2.000,-). Die klassischen Endungen .net und .org waren nicht überragend vertreten, aber zeigten Präsenz:

snowboards.net – US$ 30.000,- (ca. EUR 21.429,-)
plus.org – US$ 10.000,- (ca. EUR  7.143,-)
cdo.org – EUR  6.000,-
socialmedia.org – US$  8.000,- (ca. EUR  5.714,-)
ybp.org – US$  7.000,- (ca. EUR  5.000,-)
thescore.org – US$  5.000,- (ca. EUR  3.571,-)
tur.net – US$  5.000,- (ca. EUR  3.571,-)
zeugnis.net – EUR  3.400,-
frankly.net – US$  4.388,- (ca. EUR  3.134,-)
turismorural.net – EUR  3.000,-
ccbn.net – US$  3.788,- (ca. EUR  2.706,-)
fpc.net – US$  3.749,- (ca. EUR  2.678,-)
rollerskates.net – US$  3.500,- (ca. EUR  2.500,-)
wiil.net – US$  3.188,- (ca. EUR  2.277,-)
yourstuff.org – US$  3.000,- (ca. EUR  2.143,-)
igea.net – US$  2.805,- (ca. EUR  2.004,-)
zonaconsolas.net – EUR  2.000,-
patricia.net – US$  2.750,- (ca. EUR  1.964,-)
messiahs.org – US$  2.588,- (ca. EUR  1.849,-)

Mit french.com für US$ 150.000,- (ca. EUR 107.143,-) ergab sich für .com wenigsten eine beachtliche Domain, konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass im mittleren Preissegment der richtige Drive derzeit fehlt. Erwähnenswert waren jedoch allemal folgende Domains:

pinballmachines.com – US$ 35.000,- (ca. EUR 25.000,-)
educationdegree.com – US$ 32.500,- (ca. EUR 23.214,-)
directories.com – US$ 30.000,- (ca. EUR 21.429,-)
gamesfreak.com – EUR 18.500,-
animaldoctor.com – US$ 20.750,- (ca. EUR 14.821,-)
mwc.com – US$ 20.525,- (ca. EUR 14.661,-)
raileasy.com – US$ 20.000,- (ca. EUR 14.286,-)
brandspace.com – EUR 10.000,-
36o.com – US$ 14.000,- (ca. EUR 10.000,-)

Weitere Domain-Preise finden Sie unter:
> http://www.domain-spiegel.de

Quelle: dnjournal.com, sedo.de, domainnamewire.com

T.R.A.F.F.I.C. – im Oktober in New York

Die kommende T.R.A.F.F.I.C.-Veranstaltung von Rick Schwartz und Howard Neu findet vom 26. bis zum 29. Oktober 2009 in New York City statt und wendet sich wieder an die Werbebranche in der Madison Avenue. Aufgrund des vergünstigten Vorverkaufs und der neuen „Open Arms Policy“ sind die günstigsten Eintrittskarten bereits verkauft.

Bisher war es üblich, sich zu einer T.R.A.F.F.I.C.-Veranstaltung einladen zu lassen. Dies sollte sicher stellen, dass nur wirklich „ernstzunehmende“ Domainer an der T.R.A.F.F.I.C. teilhaben konnten. Nun steht das nach wie vor wichtigste Domainertreffen allen offen, und für Frühbucher zu erheblich kommoderen Preisen. So können nun auch nicht so finanzstarke Jungdomainer teilnehmen und neue Ideen einbringen. Dieser Schritt der Veranstalter liegt bereits einige Monate zurück.

Kommentatoren sehen in diesem Wandel ein Zugeständnis an das sich verringernde Interesse an und die gleichzeitig aufgekommene Schwemme von Domainer-Veranstaltungen. Zuletzt schien das Interesse an der T.R.A.F.F.I.C. nachzulassen; auf die von Rick Latona kürzlich organisierte und mitgetragene T.R.A.F.F.I.C.-Amsterdam gab es kaum Reaktionen. Bei denen, die sich äußerten, gehen die Meinungen über die erste T.R.A.F.F.I.C. auf europäischem Boden auseinander. Elliot Silver von elliots blog.com, einer der wichtigsten Domainer, zeigte sich allerdings begeistert; er lernte einiges über country code Top Level Domains und gibt zu, bisher zu US-zentriert gewesen zu sein. Mittlerweile sind Rick Latona und die beiden T.R.A.F.F.I.C.-Veranstalter Rick Schwartz und Howard Neu eine Partnerschaft eingegangen. Rick Latona wird 2010 alle T.R.A.F.F.I.C.-Veranstaltungen mitorganisieren. Was für die Macher der Veranstaltung und einige Kommentatoren als weiterer Erfolg für die Domain-Industrie verbucht wird, sehen andere kritisch. Es wird vermutet, dass das Domain-Auktionshaus Moniker damit bei T.R.A.F.F.I.C.-Auktionen aus dem Rennen ist. Doch überwiegt die Ansicht, dass auch in Zukunft Domainer-Veranstaltungen notwendig sind, da das Gespräch von Angesicht zu Angesicht für gute Geschäfte unabdingbar ist.

T.R.A.F.F.I.C. New York findet vom 26. bis 29. Oktober 2009 im Brooklyn Bridge Marriott Hotel, 333 Adams Street, Brooklyn, New York 11201 USA, statt. Die Agenda ist bereits grob vorgezeichnet, die Referenten stehen aber noch nicht fest. Die Preise steigen kontinuierlich jeden Monat von US$ 1.295,- im Juli bis US$ 1.995,- im Oktober an.

Weitere Informationen und Anmeldung unter:
> http://targetedtraffic.com

Quelle: targetedtraffic.com, elliotsblog.com, ricklatona.com, domainnamewire.com

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