Newsletter-Ausgabe #167: August 2003

Themen: .aero/.coop – Registrierungszahlen im Keller | Cyber-Taufe – Jugoslawien erhält neue TLD .cs | .ph – Philippinen verschenken ihre Domains | Spendabler Schotte – Rekordpreis fuer glasgow.com | starbuckscoffee.com – WIPO macht kurzen Prozeß | Sedo 2.0 – Relaunch der Website | In eigener Sache – Newsletter und Spamfilter

.aero/.coop – Registrierungszahlen im Keller

In einem Interview mit der italienischen Domain-Vergabestelle Registration Authority Italiana (RA) haben die Verwalter der neuen Top Level Domains .aero und .coop aktuelle Registrierungszahlen bekanntgegeben. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Nach Angaben von SITA-Direktor Martin Gaskell hatten sich Mitte Juni 2003 insgesamt 1.231 Kunden genau 3.939 Domains unter .aero gesichert. Wenig besser sieht es bei .coop aus: laut Mr. Hazen vom dotCOOP Operations Center waren am 20. Juni 2003 insgesamt 7.520 Domains mit der Endung .coop registriert. Davon aktiv im Netz erreichbar ist mit gut 4.000 Adressen nur wenig mehr als die Hälfte. Auch die Registrierungsgebühren sind eher happig: im Fall von .aero bewegen sie sich mittlerweile bei etwa US$ 200,- für die Dauer von zwei Jahren; bei .coop ist mit durchschnittlich etwa US$ 99,- pro Jahr oder knapp US$ 200,- für zwei Jahre zu rechnen.

Sieht man von einer grundsätzlichen Kritik am ICANN-Konzept der sponsored Top Level Domains einmal ab, so müssen diese Zahlen dennoch als ernüchternd angesehen werden. Im Fall von .aero geht ein Grossteil der Registrierungen auf das Konto großer Fluglinien zurück, die allein ihre Kennzeichenrechte umfassend schützen wollen. Sofern die Adressen überhaupt genutzt werden, dienen sie wie im Fall von airfrance.aero oder klm.aero meist lediglich zur Umleitung auf bestehende .com-Domains. Eigenständige Angebote sind Mangelware. Das gleiche Bild findet sich auch unter .coop: nach Angaben von dotCOOP gibt es über 700.000 Organisationen weltweit, die für eine Anmeldung unter .coop qualifiziert sind. Damit hat gerade mal ein Prozent von der Registrierung auch tatsächlich Gebrauch gemacht.

Ein endgültiges Fazit kann derzeit selbstverständlich noch nicht gezogen werden; hierzu sind die neuen Endungen schlicht noch zu jung. Die Vergabestellen müssen sich allerdings fragen lassen, was das mangelnde Interesse der eigenen Zielgruppe verursacht. Ähnliche Erfolge wie bei .info oder .biz waren zwar vernünftigerweise nie zu erwarten. Echte Alternativen zu .de oder .com stellen jedoch derzeit weder .aero noch .coop dar.

Weitere Informationen über .aero finden Sie unter:
> http://www.information.aero

Ein Verzeichnis mit .aero-Domains finden Sie unter:
> http://www.nic.aero/directory

Weitere Informationen über .coop finden Sie unter:
> http://www.nic.coop

Quelle: R.A. News, eigene Recherche

Cyber-Taufe – Jugoslawien erhält neue TLD .cs

Für Wirbel sorgten vergangene Woche Meldungen, wonach die jugoslawische Top Level Domain .yu zugunsten der Endung .cs abgeschafft worden sein soll. Doch ganz so fix ist man nicht einmal im Internet.

Die International Organization for Standardization (ISO) hat mit Wirkung zum 23. Juli 2003 beschlossen, das Kürzel .yu für Jugoslawien von der ISO-3166-1-Codeliste zu streichen und durch .cs für Serbien und Montenegro (Srbija i Crna Gora) zu ersetzen. Diese Codeliste, die weltweit verbindlich die offiziellen zweibuchstabigen Länderkürzel festlegt, dient unter anderem der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) als Grundlage für die Festlegung der country code Top Level Domains (ccTLDs).

Doch vorläufig bleibt alles beim alten: .yu-Domains werden nicht plötzlich ungültig und können bis auf weiteres auch registriert werden. Bei der Vergabestelle NIC.YU hat man noch keinen offiziellen Hinweis erhalten. So ist zumindest bis zum 1. September urlaubsbedingt nicht mit Änderungen zu rechnen. Erst gegen Jahresende dürfte .yu durch .cs ersetzt werden. Die Vorgehensweise ist aber noch unklar.

Die Entscheidung der ISO fiel auf .cs, da die Endung .sm bereits an San Marino vergeben ist und auch .sc schon durch die Seychellen besetzt war. Bleibt als nur noch abzuwarten, ob sich ein findiges Unternehmen die Vermarktungrechte am Länderkürzel .cs sichert und .cs einer größeren Öffentlichkeit anbietet. Denn bisher ist der Kreis der Inhaber einer .yu-Domain ziemlich exklusiv: nur Unternehmen und Organisationen mit Sitz in Serbien und Montenegro können sich anmelden, bleiben aber auf maximal eine Webadresse beschränkt.

Die ISO erreichen Sie unter:
> http://www.iso.ch/iso/en/ISOOnline.openerpage

Die IANA-Liste aller offiziellen ccTLDs finden Sie unter:
> http://www.iana.org/cctld/cctld-whois.htm

Mehr über .yu erfahren Sie unter:
> http://www.nic.yu

Quelle: iso.ch, faz.net, heise.de, eigene Recherche

.ph – Philippinen verschenken ihre Domains

Zur Steigerung des Internet-Wachstums auf den Philippinen hat die Domain-Vergabestelle dotPH angekündigt, ab sofort .ph-Domains unter bestimmten Bedingungen zu verschenken.

Voraussetzung für den Erhalt der für die Dauer von fünf Jahren völlig kostenlosen Domain ist allerdings ein Wohnsitz auf den Philippinen. Zudem muss die Adresse ohne die Top Level Domain mindestens 18 Zeichen lang sein. Die Webadresse muss auf eine fertige oder nahezu fertige Website verweisen, die in drei Monaten mindestens 90 Besucher anklicken; sonst droht Löschung. Zur Vermeidung kann ein kostenpflichtiger Webhosting- oder Mailforwarding-Dienst bei dotPH geordert werden. Das Angebot, das maximal drei kostenlose Domains umfasst, gilt noch bis zum 15. August. Eine missbräuchliche Nutzung durch ausländische User scheint nahezu ausgeschlossen, da dotPH die Anmeldung per SMS bestätigt und somit ein empfangsbereites Mobiltelefon vor Ort erforderlich ist.

Erst kürzlich waren Pläne der philippinischen Regierung bekanntgeworden, wonach die Vermarktung von .ph als „Phone“-Domain gestoppt und durch eine Nutzung als reine Länderdomain ersetzt werden soll. Stellvertretend für Verwalter DotPH, dem die Regierung ein Kontrollgremium vor die Nase setzen will, bezeichnete Sprecher Emil Avancena das Zusammenfallen des Angebots von kostenlosen Domains mit der Diskussion um die Zukunft von .ph jedoch als „rein zufällig“.

Weitere Informationen über die Gratis-Domains unter:
> http://www.domains.ph/PromoFreeDomain.asp

Weitere Informationen über .ph-Domains unter:
> http://www.domains.ph

Quelle: inq7.net, eigene Recherche

Spendabler Schotte – Rekordpreis fuer glasgow.com

Sein Name ist Programm: der Schotte Tommy Butler, der erst kürzlich im Streit um lawscot.co.uk von sich Reden machte, diente seinem Vaterland Schottland nun, indem er einem US-Amerikaner für umgerechnet gut EUR 85.000,- die Domain glasgow.com abkaufte und zurück nach Schottland holte.

Vier Jahre hat er um die Domain gefeilscht. Die langwierigen Verhandlungen führten schließlich zum Erfolg, nachdem er den Domain-Inhaber, der die Domain als Informationsseite für die Gemeinde Glasgow in Missouri registriert hatte, einmal im Monat am Telefon beschwatzt hat.

Dieser Weg war in diesem Fall der einzig Gangbare. Denn anders als im Falle barcelona.com hat Butler genauso viel oder wenig Anspruch auf die Domain glasgow.com wie der vorherige Inhaber. Ob die schottische Stadt Glasgow allerdings erfolgreich gegen Butler vorgehen kann, ist die Frage. Nach der Uniform Domain Name Dispute Resolution Policy (UDRP) kann sie es nur versuchen, wenn sie entsprechende Marken eingetragen hat. Die UDRP schützt keine Namensinhaber.

Wie die Rechtslage nach schottischem oder Commonwealth-Recht ist, kann diesseits nicht beurteilt werden. Aber man wird davon ausgehen können, dass Namen vom Gesetzgeber oder aufgrund der Rechtsprechung geschützt sind. Dass Butler die Domain trotzdem abgeben müsste, darf bezweifelt werden. Denn aufgrund der Second-Level-Struktur der Domain-Endung für Großbritannien (.uk), wissen die Internetnutzer, wo sie die Gemeinde Glasgow im Internet finden: unter glasgow.gov.uk.

Der Österreichische Oberste Gerichtshof (OHG) sah in seiner Entscheidung adnet.at wegweisend, dass Gemeinden, soweit eine entsprechende Second Level Domain für Gemeinden vorgesehen ist, sich auf diese beschränken können. Allerdings stritten die Parteien dabei nicht um die .com-Domain, sondern die landeseigene .at-Domain.

Die Domain-Endung .com ist für die kommerzielle Nutzung gedacht, und dafür will Butler die Domain glasgow.com, die schon jetzt 4.000 Hits täglich aufweist, entsprechend nutzen.

> http://www.glasgow.com
> http://www.glasgow.gov.uk
> http://www.barcelona.com
> http://www.adnet.at

Mehr zum Fall barcelona.com finden Sie unter:
> http://www.domain-recht.de/magazin/article.php?id=159

Mehr zur Entscheidung adnet.at finden Sie unter:
> http://www.domain-recht.de/magazin/article.php?id=173

Mehr zum Fall lawscot.co.uk unter:
> http://www.domain-recht.de/magazin/article.php?id=167

Spezialisierte Rechtsanwälte finden Sie unter:
> http://www.domain-anwalt.de

Quelle: thescotsman.co.uk, eigene Recherche

starbuckscoffee.com – WIPO macht kurzen Prozeß

Kein kalter Kaffee war der Rechtsstreit um die Internet-Domains starbuckscoffee.com und frappuccino.com, den das Schiedsgericht der World Intellectual Property Organisation (WIPO) zu entscheiden hatte. Doch der WIPO gelang es, den über sechsjährigen Streit zu schlichten, ohne sich daran die Finger zu verbrennen.

Duncan Freeman aus der Olympiastadt Atlanta hatte ursprünglich beide Domains im Jahr 1997 registriert. Bereits im Januar 1998 meldeten sich prompt die Anwälte der US-amerikanischen Coffeeshop-Kette Starbucks und forderten Freeman auf, die Adressen gegen Erstattung der Registrierungsgebühren zu übertragen, da sich Starbucks in seinen Markenrechten verletzt fühlte. Freeman folgte der Aufforderung jedoch nicht; und weil die Uniform Domain Name Dispute Resolution Policy (UDRP) zu diesem Zeitpunkt noch nicht existierte, beantragte Starbucks im Februar 1998 beim damaligen Verwalter Network Solutions (NSI) erfolgreich zumindest die Suspendierung der Adresse. Es folgte eine lange Phase der Verhandlungen: während Starbucks auf seinem Angebot beharrte, forderte Freeman die Zahlung von US$ 7.500,-. Andernfalls drohe die Domain an eine unbekannte Person in Senegal, Madagascar oder Sansibar zu gehen.

Im Februar 2000 trat die UDRP in Kraft. Doch es sollten noch drei weitere Jahre vergehen, bis die Anwälte von Starbucks auf die Idee kamen, diesen Weg wenigstens auszuprobieren. Als nun beim Schiedsgericht der WIPO im April 2003 endlich ein Klageantrag einging, berief sich Freeman auf den Grundsatz der Verwirkung, der – wie auch in anderen Rechtsordnungen – im US-Markenrecht kodifiziert ist und die Geltendmachung eines Rechts ausschließt, wenn der Berechtigte sein Recht längere Zeit nicht geltend macht (Zeitmoment) und der andere daher darauf vertrauen durfte, daß der Berechtigte es auch künftig nicht ausüben werde (Umstandsmoment). Obwohl ein solcher Grundsatz in der UDRP nicht ausdrücklich normiert ist, scheint er nicht völlig ausgeschlossen. Letztlich konnte die Frage jedoch offen bleiben: nachdem Starbucks bereits bei NSI die Suspendierung der Adresse erreicht hatte, konnte Freeman nicht darauf vertrauen, daß sein Verhalten geduldet werde. Mangels Umstandsmoments entschied das Gericht daher schließlich auf Übertragung der Adressen, da die erforderlichen Voraussetzungen hierfür erfüllt waren und beendete so nach einer Verfahrensdauer von lediglich zwei Monaten einen sechsjährigen Rechtsstreit.

Weitere Informationen zum UDRP-Verfahren finden Sie unter:
> http://www.icann.org/udrp

Mehr ueber das UDRP-Verfahren lesen Sie unter:
> http://www.domain-recht.de/magazin/article.php?id=33

Spezialisierte Anwälte finden Sie unter:
> http://www.domain-anwalt.de

Quelle: eigene Recherche, demys.net

Sedo 2.0 – Relaunch der Website

Die Kölner Domain-Handelsbörse Sedo.de hat vergangene Woche ihre Website einer Überarbeitung unterzogen. Die neue Seite soll eine bessere Benutzbarkeit gewährleisten und die Plattform grafisch attraktiver machen.

Für Layout und Design zeichnet sich die Agentur „ab sofort“ (absofort.de) verantwortlich. Das Ergebnis ist bereits unter sedo.de sichtbar. Im Zuge der Umgestaltung wurde auch das beliebte Domain-Parking Programm weiter verfeinert: neben einer Erhöhung der Klickpreise wurde auch die Optik verbessert, um höhere Klickraten zu ermöglichen. Inhaber ungenutzter Domains haben also jetzt noch bessere Möglichkeiten, Geld mit ihren ungenutzten Domains zu verdienen.

Eine derartig komplexe Seitenumgestaltung birgt natürlich auch Fehlerquellen. Sedo nimmt daher Kundenanregungen, Verbesserungsvorschläge, Fehlernotizen und jegliches andere Feedback sehr gerne entgegen. Zu erreichen ist Sedo ganz einfach unter der passenden eMail-Adresse neu@sedo.de.

Die überarbeitete Website finden Sie unter
> http://www.sedo.de

Quelle: sedo.de

In eigener Sache – Newsletter und Spamfilter

In den vergangenen Wochen häufen sich die Zuschriften von Lesern, die einzelne Ausgaben des domain-recht.de Newsletters nicht erhalten haben. Besonders betroffen waren vergangene Woche alle Leser, die den Newsletter über einen eMail-Account von Web.de erhalten.

Ursache für diese Probleme ist der verstärkte Einsatz von Spamfiltern insbesondere bei großen Freemailanbietern wie GMX oder eben Web.de, aber auch in zahlreichen Firmennetzwerken. So berichteten wir letzte Woche über eine Entscheidung des OLG Frankfurt; in diesem Verfahren ging es um die Domain v* * *ratip.de. Wer die Sternchen durch die Buchstaben i, a und g ersetzt, gelangt zu einem weltbekannten Kräftigungsmittel für Männer. Eben dieser Name des Kräftigungsmittels sorgte jedoch dafür, daß der Newsletter teilweise unter Umgehung spezieller Spamordner vollständig geblockt oder ohne jeden Hinweis an die Benutzer sofort gelöscht wurde. Doch auch scheinbar unverfängliche Begriffe bleiben oft aus Versehen in Wortfiltern stecken: so kann etwa beim Auktionshaus eBay.de nicht nach dem aus „Cafe“ und „Tisch“ zusammengesetzten Wort gesucht worden, da sich darin auch der Begriff „fe * isch“ (Sternchen ersetzen durch „t“) finden würde.

Wir haben uns deshalb mit großen Mailanbietern in Verbindung gesetzt und arbeiten an einer Lösung. Ein Patentrezept gibt es angesichts der unzähligen Filter jedoch nicht. Spürbare Verbesserungen verspricht oftmals eine Konfiguration des eigenen eMail-Accounts, bei der der Newsletter auf eine sogenannte „White List“ gesetzt wird und damit problemlos alle Filter passiert. Konfigurationshinweise finden sich auf den Webseiten der Mail-Anbieter. Zudem wird sich das Team des Newsletters künftig noch mehr bemühen, sensible Worte nicht mehr zu verwenden.

Ergänzend möchten wir Sie darauf hinweisen, daß jede Ausgabe
des Newsletters archiviert wird.

Das Newsletter-Archiv erreichen Sie unter:
> http://www.domain-recht.de/archiv/index2.php

Quelle: eigene Recherche

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