nTLDs

ICANN budgetiert bis Ende 2027 ohne neue Domain-Endungen

Die Internet-Verwaltung ICANN plant vor dem Jahr 2028 mit keinen zusätzlichen Einnahmen aus der Einführung neuer Top Level Domains. Bemühungen um eine rasche Öffnung des Bewerbungsfensters erleiden damit einen herben Rückschlag.

Im Herbst 2021 gab es für Freunde neuer Domain-Endungen Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Im Anschluss an ein Meeting vom 21. September 2021 hatte das ICANN Board of Directors beschlossen,

to conduct the Operational Design Phase (ODP) by addressing the questions outlined in the New gTLD Subsequent Procedures Operational Design Phase Scoping Document.

Zugleich wurde ein Budget von vorläufig bis zu US$ 9 Mio. verabschiedet, das aus den Einnahmen der vorherigen Runde gespeist wird. Um die ODP transparent zu halten, hat ICANN weiter angekündigt, regelmässig Updates zu veröffentlichen und auch schon in dieser Phase die Community einzubinden. Am Ende der ODP, die voraussichtlich zehn Monate andauert, soll ein Operational Design Assessment (ODA) stehen, das erstmals auch eine »proposed implementation timeline« enthält. Einen konkreten Starttermin für die nächste Runde gab es nicht; unter Berücksichtigung der vorgesehenen Prüfungszeit von zehn Monaten für die ODP konnte man aber zumindest spekulieren, dass die nächste Runde frühestens 2023, realistischer Weise nicht vor 2024 beginnt.

Doch diese Hoffnungen haben sich nach der Veröffentlichung des geplanten ICANN-Budgets für die Jahre 2023 bis 2027 vorläufig zerschlagen. Es beruht auf Annahmen, die in den »Funding Forecast Assumptions for Fiscal Years 2023—2027« dargestellt sind. Demnach soll im schlimmsten Fall die Zahl der delegierten neuen Top Level Domains von 1.149 auf 1.011 bis 30. Juni 2028 sinken. Als realistisch gelten 1.091, was auch noch einen Verlust von 38 nTLDs bedeuten würde. In einer Fussnote heisst es ergänzend:

These scenarios do not assume any further TLD delegations arising from the resumption of the New gTLD Program. While there is ongoing work and an intent to launch a subsequent round, the timing of its release remains unclear and potential impact(s) on funding indeterminate. Given this, ICANN org has deemed it prudent not to assume any prospective impacts from a subsequent round across the described scenarios.

Auch wenn eine solche Annahme keine verbindliche Aussage trifft, scheint ICANN eher skeptisch zu sein, was die rasche Umsetzung der ODP betrifft. Jedenfalls spricht nun erst recht viel dafür, dass die nächste Runde weit nach 2024 beginnt.

Darüber hinaus finden sich in den Unterlagen von ICANN weitere Annahmen, die aufhorchen lassen. So hat sich die Branche trotz der – dank Corona – zuletzt stark steigenden Registrierungszahlen entwickelt »from a period of rapid expansion to one that is now witnessing steady maturation«. Damit einher geht, dass die Zahl der »domains under management« (DUM) unter den so genannten »legacy TLDs« wie .com oder .net zuletzt eher stagniert, jedenfalls nicht mehr so steil steigt wie seit 2013. Konkurrenz durch digitale Plattformen fürchtet ICANN weniger, denn wer Kontrolle behalten will, setzt auf die eigene Domain. Und auch der Trend zur Konsolidierung unter Registries und Registraren hält nach Ansicht von ICANN an, um so die Effizienz zu schaffen, die die Domain Name Industry braucht. Damit sollte sie erst recht für neue Top Level Domains gerüstet sein – wenn sie denn kommen, irgendwann.

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