ICANN

IANA-Vertrag verlängert

Im zweiten Anlauf hat es dann doch noch geklappt: die National Telecommunications and Information Administration (NTIA) im US-Wirtschaftsministerium hat sich mit der Internet-Verwaltung ICANN auf eine Verlängerung des IANA-Vertrags verständigt. Mit bis zu sieben Jahren läuft der Vertrag so lang wie nie.

Es war die letzte Amtshandlung des scheidenden ICANN-CEO Rod Beckstrom: am 1. Juli 2012 und damit unmittelbar vor Staffelübergabe an den Interims-CEO Akram Atallah unterzeichnete Beckstrom nach eigenen Angaben in Istanbul den neuen Vertrag. Die Vereinbarung läuft bis zum 30. September 2015 und enthält die Option, zweimal um jeweils zwei Jahre zu verlängern; im Idealfall läuft der Vertrag also bis 30. September 2019. Für Akram Atallah ein Grund zu Freude:


Das ist der längste IANA-Vertrag, den es bisher gab. Er spiegelt die Beiträge von Interessengruppen aus aller Welt wider und bekräftigt die Unterstützung für ICANN und das Multi-Stakeholder-Modell.«

Die Nachricht erfolgte kurz nach Abschluss des ICANN-Meetings in Prag, das mit 1.821 Teilnehmern das bestbesuchteste in der Geschichte war. Weitere Details zum Vertragsinhalt blieben bisher unveröffentlicht.

Für ICANN setzt diese Vertragsverlängerung ein deutliches politisches Signal. Völlig überraschend hatte die NTIA im März diesen Jahres die Ausschreibung abgebrochen. Offiziell hiess es, man habe keine Gebote erhalten, die den Anforderungen der »global community« entsprächen. Die NTIA deutet zwar an, den IANA-Vertrag um einige Regelungen unter anderem im Hinblick auf die Beachtung internationaler Rechtsvorschriften erweitern zu wollen; woran genau es damals ICANN mangelt, blieb aber offen. Schon damals kündigte man aber an, den Vertrag zu einem späteren Zeitpunkt erneut auszuschreiben; Details blieben auch in der Folge im Dunkeln. Erste Spekulationen, man habe den Abschied von Beckstrom mit einer Vertragsverlängerung »belohnt«, bestätigten sich allerdings nicht, nachdem Beckstrom selbst den Vertrag noch unterzeichnen durfte. Auch ein Zusammenhang mit dem nTLD-Programm zur Einführung von möglicherweise über 1.400 neuen Domain-Endungen bleiben spekulativ.

Die Netzgemeinde dürfte die Verlängerung ebenfalls begrüssen, bedeutet der doch Stabilität für das Domain Name System (DNS) und damit eine der Kernfunktionen des Internets. Wer den IANA-Vertrag hat, sitzt an den Schalthebeln, da er eine Reihe zentraler technischer Aktivitäten in Bezug auf das DNS regelt, darunter die Wahrnehmung administrativer Aufgaben des Root-Managements, die Koordinierung der Zuteilung von Internetressourcen einschließlich der IPv4- und IPv6-Adressen sowie die Verwaltung von Codes und IP-Adressen bei verschiedenen Internet-Registries. Und auch die Bewerber um neue globale Top Level Domains dürfen davon ausgehen, dass ICANN nun auch politisch in der Lage ist, alle technischen Entscheidungen umzusetzen.

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