EuroDIG

Frankreich rüttelt an ICANNs Thron

Zur Vorbereitung des dritten Internet Governance Forum (IGF) fand letzte Woche in Strassburg der „European Dialogue on Internet Governance (EuroDIG)“ statt. Eines der Ergebnisse: in Sachen Internetverwaltung sieht man weiter Gesprächsbedarf.

Während die Internet-Verwaltung ICANN mit der Einführung neuer Top Level Domains Fakten schafft und ihre dominierende Rolle unterstreicht, diskutierten in Strassburg europäische Experten über die Netzzukunft, um das IGF vorzubereiten, das im Dezember 2008 im indischen Hyderabad stattfindet. Hauptthemen des zweitägigen Meetings, an dem mit Wolfgang Kleinwächter von der Universität Aarhus ein renommierter Experte für die Internetverwaltung teilgenommen hat, waren Sicherheit, Datenschutz und Offenheit des Internets.

Nach einem Bericht des Online-Magazins heise.de, das mit ausführlicher Berichterstattung vom EuroDIG glänzt, hat vor allem Frankreich nach heftiger Kritik an ICANN moderatere Töne angeschlagen. Stellte man in Person des Staatssekretärs Eric Besson noch vor wenigen Tagen die Monopol-Stellung von ICANN in Frage, äusserte sich nun Bertrand de la Chapelle, Frankreichs Beauftragter für die Informationsgesellschaft, vorsichtiger. Er erwartet für das Jahr 2009 mehrere Gespräche zur Zukunft von ICANN, zumal dann der aktuelle Vertrag zwischen ICANN und dem US-Handelsministerium ende; dort könnte dann die Frage der Unabhängigkeit ICANNs von der US-Regierung unter neuer Führung neu diskutiert werden. Dabei scheint er zu verdrängen, dass die US-Regierung erst Anfang August 2008 in einem Schreiben an den ICANN-Aufsichtsrat Peter Dengate-Thrush betont hat, die Oberaufsicht über die Root Zone nicht aus der Hand zu geben; man wolle weder jetzt noch in Zukunft Verhandlungen über die Rolle des US-Handelsministeriums, von ICANN und VeriSign führen. Klare Worte, die wenig Anlass für eine grundsätzliche Diskussion um ICANN geben.

Den von ICANN ungeachtet aller politischen Diskussionen angestossenen Entwicklungen steht übrigens auch Kleinwächter aufgeschlossen gegenüber. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk erklärte er unter anderem, beim Prozess der Einführung neuer TLDs sei die weitere Entwicklung nicht absehbar; Kleinwächter geht aber davon aus, dass allein aus Deutschland Dutzende von Vorschlägen kommen werden, wie der Domain-Namensraum weiter gestaltet und erweitert werden soll. So schlecht scheint ICANNs Arbeit also nicht zu sein.

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