IANA-Vertrag

Chehadé warnt vor Internet-Split

Fadi Chehadé, noch bis März 2016 amtierender CEO der Internet-Verwaltung ICANN, hat davor gewarnt, dass ein Scheitern der so genannten »IANA transition« das Internet zerbrechen könnte. Damit stösst er jedoch nicht auf ungeteilte Zustimmung.

Am kommenden Sonntag, dem 18. Oktober 2015 beginnt im irischen Dublin das nächste ICANN-Meeting. Eines der Hauptthemen dürfte der IANA-Vertrag und damit die Zukunft der Netzverwaltung sein. Anlass genug für Chehadé, nochmals eindringlich die Bedeutung in Erinnerung zu rufen. Anlässlich einer Telefonkonferenz mit Führungspersonal diverser ICANN-Interessensgruppen zählte Chehadé fünf konkrete Risiken auf, falls es zu einer Verzögerung oder gar einem Scheitern bei der Übertragung der IANA-Funktionen auf ICANN käme. An erster Stelle droht, dass sich die Community in Einzelteile auflöse und zerteilt werde, was ICANNs Stabilität und Effektivität – und damit das gesamte Modell eines globalen Stakeholderism – gefährde. Zudem könnte es passieren, dass sich die für die technischen Fragen zuständige Gruppierung abspalte und künftig eigenständig agiere; damit wäre die Integrität der logischen Infrastruktur des Internets am Ende.

Als drittes Risiko zählt Chehadé auf, dass Regierungen, ermutigt durch die Gruppe der 77 (G 77), ihrerseits einen Versuch starten könnten, die Macht im Netz auf eine zwischenstaatliche Organisation zu übertragen. Weltweit führende Wirtschaftsnationen könnten im Gegenzug ihre Unterstützung für das Modell des »einen Internet« zurückziehen. Schließlich werde die Belastbarkeit und Effektivität des Multistakeholder-Modells generell in Frage gestellt. Um seine Warnung zu verdeutlichen, unterstrich Chehadé seine Ausführungen mit einer eigenen Präsentation, in der er die fünf Risiken nochmals zusammenfasste. Ob und wie die Teilnehmer der Konferenz reagierten, ist bisher nicht überliefert. Jedenfalls scheint bei ICANN auch die vorläufige Verlängerung des IANA-Vertrages mit der US-Regierung bis 30. September 2016 für keine Beruhigung gesorgt zu haben.

Für Antony Van Couvering, CEO von Minds + Machines Group Limited, sind die Behauptungen von Chehadé nur Panikmache. Bereits bei seinem Amtsantritt habe Chehadé davor gewarnt, dass das Internet zerbreche, wenn er seinen Willen nicht durchsetzen könne. Nach Ansicht von Van Couvering ist das Netz schon angebrochen, da zum Beispiel China bereits eine eigenständige technische Struktur und Organisation errichtet habe. Der wahre Wert des Internets liege in der »unified root zone«, die man schon habe, nicht dagegen in einem zentralisierten »command-and-control center«, wie es ICANN anstrebe. Auch wenn es ICANN in der Öffentlichkeit anders darstelle – beides sei gerade nicht identisch. Einzig IANA müsse zentralisiert in einer Hand liegen – und das allein sei der Grund, warum ICANN so verzweifelt nach dem IANA-Vertrag greifen wolle.

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