ICANN

Training für Registrare kommenden Mittwoch in München

ICANN veranstaltet kommende Woche am Vortag zum »Domain pulse« in München unter dem Titel »Get Engaged in ICANN – Seminar for Registrars« ein Seminar für Registrare. Bisher sind rund 40 Teilnehmer registriert.

Das am 21. Februar 2018 stattfindenden Seminar beackert ein breites Themenfeld, von den Funktionen von ICANN bis hin zu Schlüsselfragen der Domain Name Server (DNS). Das Seminar ist Teil von ICANNs Anstrengungen, ihre Stakeholder zu mehr Engagement zu motivieren und Neulinge zur Teilnahme an ICANN einzuladen. ICANN strebt eine engere Verbindung mit der Gemeinschaft der Registrare an, die eine wesentliche Komponente des Multistakeholder-Model der Internetverwaltung ist, und gibt Registraren mit diesem Seminar die Möglichkeit, Anknüpfungspunkte zu finden. So werden Themen wie »ICANN’s organizational structure and where registrars fit«, »“Internet Governance“ in ICANN context, including ICANN’s role and evolution«, »Introduction of the GNSO/Registrar Constituency and Policy Development«, »The Registrar Constituency’s role & structure«, »Uniform Domain-Name Dispute-Resolution Policy (UDRP)« und »Current projects where Registrars can contribute« aufgegriffen. Für die Agenda des Seminars zeichnen neben ICANN auch Blacknight, ECO, united-domains und Larsen Data verantwortlich. Das Seminar richtet sich an neuakkreditierte ICANN-Registrare, Registrare, die an einer Akkreditierung interessiert sind, und neue Mitarbeiter bereits akkreditierter Registriare. Insbesondere für Mitarbeiter von Registraren, die in ICANNs Compliance-Prozess und Regelungsarbeit involviert sind, ist das Seminar von Interesse. Als Referenten sind unter anderem Gabriella Schittek (ICANN), Nigel Hickson (ICANN), Mukesh Chulani (ICANN), Michaela Cruden (Afilias), Kristian Ormen (Larsen Data), Thomas Rickert (ECO) und Tobias Sattler (united-domains) mit im Boot.

Das ICANN-Seminar »Get Engaged in ICANN – Seminar for Registrars« findet am 21. Februar 2018 von 09:00 Uhr bis gegen 16:30 Uhr in der BMW World, Am Olympiapark 1 in 80809 München statt. Die Anmeldung endete offiziell bereits am 14. Februar 2018, doch werden nach wie vor Anmeldungen angenommen. Die Teilnahme lohnt sich.

Hinweis: domain-recht.de und der Domain-Newsletter sind Projekte der united-domains AG, die Mitorganisator des Seminars ist.

UDRP

Zwei wiedersprüchliche Entscheidungen zu Drei-Zeichen-Domains

Die Risiken von Domain-Investitionen treten bei den wertvollen Drei-Zeichen-Domains zutage. Zwei aktuelle UDRP-Entscheidungen könnten widersprüchlicher kaum sein: die unterschiedlichen Panels kamen bei ado.com und ade.com zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Im Streit um ado.com ging ein mexikanisches Busunternehmen gegen einen Domain-Investor mit Sitz in Frankreich vor. Das Busunternehmen ist Inhaberin einer mexikanischen Marke »ADO«, die für »Autobuses de Oriente« steht. Sie behauptet, auch Inhaberin zweier US-Marken zu sein (tatsächlich war deren Schutz bereits 2007 beendet) und einer EU-Marke. 2013 habe sie eine spanische Bus-Unternehmung gekauft. Dem Gegner und Inhaber von ado.com unterstellte die Beschwerdeführerin vereinfacht dargestellt, die Domain ado.com 2012 bösgläubig gekauft zu haben, um sie für US$ 500.000,– an sie zu verkaufen. Die Domain leite auf eine Verkaufsseite, catchy.com, weiter, wo die Domain mit einem roten Logo, das dem roten Logo der Beschwerdeführerin nachempfunden sei, angeboten werde. Unter catchy.com fände man außerdem andere Domains, die Marken ähneln und die mit den Marken nachempfundenen Logos versehen seien. Der Gegner beteuerte, nie in Mexiko gewesen zu sein und die Marke und die Beschwerdeführerin nicht zu kennen. Er hatte, als er die Domain für US$ 27.500,– kaufte, einen Plan für eine Werbeplattform, die unter der Domain ado.com laufen sollte. Den Plan habe er letztlich jedoch nicht umgesetzt, weil andere Projekte Vorrang gehabt hätten. Die Beschwerdeführerin habe kein Monopol auf das Drei-Zeichen-Akronym der Domain. Er habe diese und auch andere Domains nie für Pay-per-Click-Werbung oder sonstwie rechtswidrig genutzt.

Das mit drei Personen besetzte Entscheidungsgremium gab der Beschwerde des Busunternehmens statt (WIPO-Case No. D2017-1661). Aus seiner Sicht sprach zuviel gegen den Domain-Inhaber. Dabei bezog sich das Panel unter anderem auf die Marken der Beschwerdeführerin, ohne zu überprüfen, ob diese tatsächlich bestehen. Der Gegner habe die Marke gekannt, als er die Domain kaufte. Und wenn nicht, so habe er bewußt weggesehen, denn die Pay-per-Click-Nutzung des Vorinhabers verwies auf die Vermittlung von Bustickets und ähnlichem. Außerdem war für das Panel der »exorbitante« Preis von US$ 500.000,– relevant, den der Gegner für die Domain erwartete. Der Preis liege weit höher als der, den er für die Domain bezahlt hatte und den er für andere Domains unter catchy.com aufriefe. Schließlich sei der Gegner Domain-Investor und es ergäben sich keinerlei Hinweise, dass er je geplant hatte, die Domain für ein ordentliches Angebot von Waren und Dienstleistungen zu nutzen.

Anders lief es beim Streit um die Domain ade.com. Da startete eine New Yorker Unternehmung ein UDRP-Verfahren gegen den niederländischen Inhaber der Domain ade.com. Das New Yorker Unternehmen verfügt seit 1994 über eine US-Marke »ADE« und behauptete, weltweit mit Geschäftspartnern zu agieren. Der Gegner entgegnete ausführlich. Die Domain habe er 2016 für US$ 20.000,– vom vorangegangenen Inhaber »Amit Wasson« gekauft, der sie für die Beschwerdeführerin verwaltet habe. Über diesen Umstand entfachte sich der Streit, beide Parteien legten jeweils zwei Schriftsätze nach. Der Gegner erhob schließlich den Vorwurf des Reverse Domain Name Hijackings.

Auch hier entschied ein Entscheidungsgremium von drei Fachleuten. Die wiesen die Beschwerde zurück, da die Beschwerdeführerin den Nachweis nicht führen konnte, dass der Gegner die Domain bösgläubig erworben hatte (NAF-Claim Number: FA1711001760 774). Zwar stellte das Panel die Identität von Marke und Domain fest, doch damit hatte es sich. Dass der Gegner kein Recht oder berechtigtes Interesse an dem Domain-Namen habe, vermochte die Beschwerdeführerin nicht überzeugend vorzubringen. Der Gegner konnte nämlich einen umfänglichen Geschäftsplan vorlegen, was er mit der Domain, die eine Abkürzung für »advertising effect« darstelle, vorhabe. Die Frage, von wem der Gegner die Domain tatsächlich kaufte, ob hinter dem Namen und der eMail-Adresse wirklich der Administrator eines Dienstleisters stand, der die Domain für die Beschwerdeführerin verwaltete, blieb ungeklärt. Doch stand die Beschwerdeführerin da in der Pflicht, den Nachweis zu erbringen, was ihr nicht gelang. Der Gegner hingegen konnte nachweisen, dass er beim Kauf der Domain gutgläubig war. Raum für ein Reverse Domain Name Hijacking sah das Panel allerdings nicht.

Parallel zu beiden Entscheidungen wurde bekannt, dass die Drei-Zeichen-Domain dax.com zu einem Preis von US$ 500.000,– verkauft wurde, was gegen die Exorbitanz des vom Inhaber von ado.com geforderten Preises spricht. Die Inhaber von Drei-Zeichen-Domain stehen nach diesen Entscheidungen weiter unter Druck. Wichtig ist es, Domains rechtsneutral zu nutzen, um jede Form eines Eindrucks von einer bösgläubigen Nutzung auszuschließen.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

ccTLDs

Australien beschränkt Domain-Namen unter .au

Die australische Domain-Verwaltung auDA (.au Domain Administration) hat den Kreis der für eine Registrierung gesperrten Namen unter .au deutlich erweitert.

Am 28. Januar 2018 veröffentlichte die Registry eine aktualisierte »Reserved List Policy«; sie enthält eine nicht abschließende Liste von Worten, Phrasen, Abkürzungen und Akronymen, die nach australischem Recht nicht in Domains registriert werden dürfen. Darunter befinden sich Ausdrücke wie »Grand Prix«, »Formula One«, »What a Great Place for the Great Race«, »Bank«, »Purchased payment facility provider«, »Air Force«, »Family Relationships Online«, »Medicare« und die üblichen Verdächtigen »Red Cross«, »Olympics« sowie »Olympic Games«. Wer Domains registriert hat, die einen der gesperrten Begriffe enthalten, sollte sich nach Empfehlung der auDA um juristischen Rat bemühen; auDA selbst erteilt keinen Rat.

DSGVO

DENIC modifiziert die WHOIS-Abfrage

Im Vorfeld der Anwendung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hat die DENIC eG, Registry der Länderendung .de, ihre WHOIS-Abfrage modifiziert: ab sofort müssen sich die Nutzer zum Zweck ihrer Abfrage erklären.

Ab 25. Mai 2018 findet die DSGVO Anwendung und wird die Verarbeitung personenbezogener Daten durch private Unternehmen und öffentliche Stellen innerhalb der EU vereinheitlichen. Ob und welche Auswirkungen dies auf die Registrierung von Domain-Namen hat, ist Gegenstand vieler Gespräche zwischen ICANN, der EU-Kommission und der US-Regierung. Die DENIC scheint nun den Dingen selbst auf den Grund gehen zu wollen. Wer eine WHOIS-Abfrage unter denic.de für eine .de-Domain startet, wird im ersten Schritt unverändert darauf hingewiesen, dass die abgefragten Informationen nur zum Zwecke der technischen oder administrativen Notwendigkeiten des Internetbetriebs oder zur Kontaktaufnahme mit dem Domain-Inhaber bei rechtlichen Problemen genutzt und ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis der DENIC eG weder elektronisch noch in anderer Art gespeichert werden dürfen. Insbesondere untersagt die DENIC ausdrücklich die Nutzung zu Werbe- oder ähnlichen Zwecken. Ergänzend muss eine Sicherheitsabfrage im Captcha-Format gelöst werden. Bei Missachtung behält sich die DENIC vor, rechtliche Schritte einzuleiten und den Nutzer von der WHOIS-Abfrage auszuschließen.

Seit wenigen Tagen ist die Abfrage aber durch ein zusätzliches Feld ergänzt, in dem der Nutzer in einer Art „Multiple Choice“-Test begründen muss, warum er die WHOIS-Abfrage startet. Wörtlich heißt es:

Sie möchten wissen, wer Inhaber und/oder Admin-c der Domain ist,

  • weil Sie selbst Inhaber der Domain sind.
  • weil Sie die Domain für rechtlich problematisch halten (z.B. weil sie möglicherweise ein Namens- oder Kennzeichenrecht verletzt)
  • weil Sie die Nutzung der Domain für rechtlich problematisch halten. (z. B. wegen des Inhalts der darunter aufrufbaren Website)
  • weil Sie als Strafverfolgungs- oder Steuerbehörde Ermittlungen führen.
  • weil Sie sich versichern möchten, wer hinter der Website steht, die unter der Domain aufgerufen werden kann. (z. B. bei einem Online-Shop)
  • weil Sie sich aus geschäftlichen Zwecken über den Domaininhaber informieren möchten.
  • Sonstiges

Womit begründen Sie Ihr berechtigtes Interesse auf die whois-Daten zuzugreifen?

Teile dieser Abfragen sind dabei als Pflichtfelder gekennzeichnet. Das Ergebnis erhält nur, wer mindestens eines der Felder anklickt und eine Begründung einträgt, wobei auch tatsächlich falsche Angaben zumindest unmittelbar keine Folge haben. Demgemäß äußert sich die DENIC öffentlich dahingehen, dass diese Abfrage statistischen Zwecken diene. Falsche Angaben sind dennoch nicht zu empfehlen, allein um das ausdrücklich angedrohte Risiko rechtlicher Schritte zu vermeiden.

Ob die DENIC im Mai 2018 dazu übergeht, die WHOIS-Abfrage auch im Umgang der ausgeworfenen Daten zu modifizieren, bleibt abzuwarten. Jedenfalls ist sie nicht die einzige Registry, die dem Nutzerverhalten auf den Zahn fühlt: auch die belgische Domain-Verwaltung DNS Belgium hat einen ähnlichen Fragenkatalog in ihre WHOIS-Suchanfrage mitaufgenommen.

nTLDs

Amazon lädt Bot-Dienste zur Verifizierung für .bot ein

Amazon Registry Services Inc., Verwalterin der neuen Top Level Domain .bot, erweitert den Kreis der Registrierungsberechtigten.

Stand .bot in der Anfangsphase nur jenen Personen offen, die über Amazon Lex, Microsoft Bot Framework oder Dialogflow einen Chatbot veröffentlicht haben, gilt dies künftig auch für Gupshup, Howdy’s Botkit Studio und Pandorabots. Wer an der Registrierung interessiert ist, kann sich ab sofort verifizieren lassen; allerdings endet dieser Verifizierungszeitraum am 30. März 2018, so dass rasches Handeln gefragt ist. Mit einer freien Registrierung ist vorerst nicht zu rechnen; nach Unternehmensangaben handelt es sich bei .bot um einen Adressraum »specifically for developers and their end customers to find and discover bots«. Das schlägt sich allerdings auch in den Registrierungszahlen nieder; aktuell sind rund 1.300 .bot-Domains angemeldet, davon über 86 Prozent beim Registrar EnCirca Inc. Zudem liegt der Anteil der geparkten .bot-Domains ebenfalls bei rund 85 Prozent.

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