nTLDs

Afilias übernimmt nTLD-Registry von .archi, .bio und .ski

Afilias, bekannt geworden als Verwalterin der Top Level Domain .info, hat auf dem Registry-Markt zugeschlagen: zu öffentlich nicht näher bekannten Konditionen hat man die irische StartingDot Limited übernommen.

Wesentlicher Teil des Pakets sind die Rechte an den drei neuen Top Level Domains .archi, .bio sowie .ski. Die Registrierungszahlen dürften dabei aber kaum den Ausschlag gegeben haben: .bio kommt aktuell auf 14.818 Domains, .archi auf 6.676 und .ski auf 6.311. Während .bio und .ski als »unrestricted« TLDs für jedermann erhältlich sind, ist die Registrierung unter .archi im Wesentlichen Architekten vorbehalten. Afilias ficht das nicht an; stattdessen hält man alle drei Endungen für eine sinnvolle Ergänzung zu .organic, .green, .blue und .pro, die bereits von Afilias verwaltet werden. Und Afililias will noch mehr: die eMail-Adresse WeBuyTLDs@Afilias.info ebnet den Weg für weitere Zukäufe.

nTLDs

Im Kampf um .merck scheitern beide Merck am Communiity-Nachweis

Die Darmstädter Merck KGaA, Bewerberin um die neue globale Top Level Domain .merck, muss einen Rückschlag einstecken.

Das Community Priority Evaluations Panel von ICANN hat .merck den Status einer Community-Endung verweigert. Von 16 möglichen Punkten erreichten die Darmstädter 11; mindestens 14 Punkte hätten es aber sein müssen. Allerdings ging es auch der in New Jersey ansässigen Merck Registry Holdings Inc. nicht besser, im Gegenteil: die Mitbewerberin um .merck erreichte lediglich 9 Punkte. Die Begründung lag für das Panel auf der Hand: keines der beiden ursprünglich verbundenen Unternehmen konnte belegen, alleine für die »Merck-Community« zu stehen. Sollten sie sich nicht beide gütlich einigen, käme es wohl in Kürze zu einer Premiere: der ersten von ICANN geleiteten Versteigerung einer .brand im Rahmen des nTLD-Programms. Naheliegender dürfte jedoch sein, dass beide Unternehmen eine Art Gentlemen’s Agreement treffen, um beide .merck mit verwalten zu können. Otto Normaluser betrifft die Debatte wohl eher nicht: mit einer offenen, also für alle frei zugänglichen Registrierung ist nicht zu rechnen, egal wer die Endung .merck letztlich verwaltet.

Domain-Handel

Aktuelle Trends auf dem Zweitmarkt

Der Domain-Markt ist in diesem Jahr nicht so euphorisch wie im vergangenen. Kaum spektakuläre Zifferndomain-Verkäufe, wenige Hochpreis-Domains. Elliot Silver (domaininvesting.com) fragte einige Fachleute, wie sich der Zweitmarkt für Internetadressen weiter entwickeln wird.

Elliot Silver selbst besitzt lediglich ein kleines Domain-Portfolio von rund 500 Stück. Gleichwohl ist er am Marktgeschehen interessiert und kennt viele Fachleute, die er um ihre Einschätzung bat. Darunter finden sich Jeffrey Gabrieal (Uniregistry), Dave Evanson (Sedo) und Andee Hill (Donuts). Die jeweiligen Einschätzungen fallen entsprechend der jeweiligen Profession und Interessen aus.

So blickte Dave Evanson (Sedo) auf den allgemeinen Markt und erklärte .com nach wie vor zum »König« des Handels, auch wenn die neuen Endungen langsam wahrgenommen werden. Gesucht seien nach wie vor kurze .com-Domains, insbesondere Drei-Zeichen-Domains, die gerne nach China gehen. Domain-Parking macht sich nach wie vor bezahlt und erleichtert den Verkauf von Domains. Evanson erwartet, dass künftig mehr Domain-Portfolien verkauft werden, mit Preismarken über US$ 500 Mio. Jeffrey Gabriel (Uniregistry) sieht dagegen den chinesischen Markt zurückhaltender, während Europa mehr Verkäufe aufweist. Die neuen Endungen erfahren mehr Transaktionen, allerdings nicht zu hohen Preisen. Der Brexit habe sich zeitweise bemerkbar gemacht, das Geschäft verlief etwas schleppender; mittlerweile ist das aber beinahe wieder ausgeglichen. Nat Cohen (Telepathy) sieht nach wie vor eine hohe Nachfrage nach .com-Premium-Adressen, die als Brand genutzt werden können. Der indische Markt wächst derzeit, während der chinesische Markt nach seiner Einschätzung weiterhin starke Nachfrage aufweist. Auch Andrew Rosener (Media Options) sieht eine hohe Nachfrage nach Ein-Wort- und starken Zwei-Wort-.com-Adressen. Der Markt liefert jedoch nicht, weshalb seiner Einschätzung nach die Preise erheblich anziehen werden. Andy Booth schließlich sieht nach monatelanger Stagnation der Preise und einer Regression der Preise von unter anderem Drei-Zeichen-.com-Adressen, dass chinesische Endkunden die Wende am Markt bringen, was zu höheren Preisen im Herbst führen wird.

All diese Einschätzungen trafen bei dem ein oder anderen Leser nicht immer auf freundliche Ohren. Doch bewegen sich die Fachleute auf vernünftigen Bahnen: natürlich werden die neuen Endungen stärker auf den Zweitmarkt drängen. Und ohne Frage sind sehr gute .com-Adressen dünn gesät. Über die tatsächlichen Geschäfte werden wir wie gehabt imd Domain-Newsletter berichten.

UDRP

»Le Tigre«-Marken bringen keinen Erfolg beim Streit um letigre.com

Ein Unternehmen mit dem Namen »Le Tigre 360 Global« und diversen alten »Le Tigre«-Marken scheiterte im Rahmen eines UDRP-Verfahrens vor dem National Arbitration Forum (NAF) gegen die Exebridge Inc., die Inhaberin der Domain letigre.com ist.

Die Le Tigre 360 Global LLC ist seit 1982 Inhaberin einer US-amerikanischen Wort-/Bild-Marke »Le Tigre« sowie weiterer Marken. Sie sieht ihre Markenrechte durch die Domain letigre.com verletzt. Inhaberin der Domain ist die Exebridge Inc., die die Domain im Oktober 1995 registriert hatte. Damals führte sie noch den Namen LeTigre Solutions Inc., den sie im Jahr 2014 in Exebridge Inc. änderte. Die Domain wies nie irgendwelche Inhalte auf. Die Inhaberin nutzte sie aber ausgiebig für geschäftlichen und internen eMail-Verkehr. Sie erhielt zahlreiche Anfragen, auch von der Beschwerdeführerin, die Domain zu verkaufen, aber sie wies diese immer zurück, weil sie die Domain behalten will. Der Beschwerdeführerin hielt die Gegnerin entgegen, bei ihrer Marke handele es sich lediglich um eine Wort-/Bild-Marke; der Begriff »Le Tigre« sei generisch und weit verbreitet. Die Beschwerdeführerin wies darauf hin, sie sei seit 1993 auch Inhaberin einer dänischen Wortmarke »Le tigre«. Die Gegnerin meinte dazu, die Beschwerdeführerin operiere in einer anderen geographischen Region, weshalb sie und ihre Marken ihr bei Registrierung der Domain nicht bekannt waren. Sie selbst sei 19 Jahre unter dem Namen Le Tigre Solutions Inc. tätig gewesen, bevor sie ihren Namen 2014 in Exebridge Inc. (FKA) (formally known as) LeTigre Solutions Inc. änderte. Die Beschwerdeführerin startete vor dem National Arbitration Forum (NAF) ein UDRP-Verfahren, als Panelist war Charles K. McCotter Jr. berufen.

Charles K. McCotter Jr. wies die Beschwerde zurück, da die Beschwerdeführerin den Anscheinsbeweis nicht erbrachte, wonach die Gegnerin keine Rechte und legitimen Interessen an dem Begriff und der Domain letigre.com habe (NAF Case No.: FA1606001681089). Er stellte fest, dass zwar Wort-/Bild-Marken für ein UDRP-Verfahren nicht ausreichten, aber die Beschwerdeführerin nachgewiesen habe, Inhaberin einer Wortmarke, wenn auch in Dänemark, zu sein. Diese Marke und die Domain seien identisch. Dass es sich bei »Le Tigre« um einen generischen Begriff handelt, ändere nichts an dieser Einschätzung. Bei der Frage nach einem Recht oder rechtlichen Interesse seitens der Domain-Inhaberin an der Nutzung der Domain und des Begriffs scheiterte die Beschwerdeführerin, da die Gegnerin den von ihr vorgebrachten Anscheinsbeweis widerlegte. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, die Gegnerin firmiere nunmehr unter Exebridge Inc., und die Domain weise keine Inhalte auf, entkräftete die Gegnerin einerseits damit, dass sie die Domain seit mehr als 20 Jahren für eMail-Korrespondenz nutzt. Eine Domain müsse nicht zwingend Inhalte aufweisen, um legitim genutzt werden, soweit sie anderweitig für eMail genutzt wird, meinte McCotter mit Verweis auf andere UDRP-Entscheidungen. Andererseits spiegele die Domain auch den Unternehmensnamen wieder. Damit, so schloß McCotter, scheitere der Anscheinsbeweis der Beschwerdeführerin. Auf die Frage der Bösgläubigkeit ging McCotter gar nicht weiter ein. Er erklärte schlicht, die Beschwerdeführerin scheitere auch an dieser Voraussetzung, da die Gegnerin die Domain geschäftlich genutzt habe. Damit wies McCotter die Beschwerde insgesamt zurück und entschied auf Verbleib der Domain bei der Beschwerdegegnerin.

Manchmal, so will uns diese UDRP-Entscheidung sagen, nützen die besten und ältesten Marken nichts, wenn eine Domain nur ordentlich registriert und genutzt wird. Auch die Änderung des Unternehmensnamens der Gegnerin wirkte sich nicht schädlich aus, da der frühere Name im neuen Namen weiter transportiert wird.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

nTLDs

Interview mit .xyz-Registry-CEO Daniel Negari

Mit knapp 6,5 Millionen registrierten Domain-Namen führt .xyz die Weltrangliste der nTLDs unangefochten an. Doch wohin geht die Reise in Zukunft? Daniel Negari, CEO der Registry XYZ.COM LLC, hat im Interview mit dem Blog domaininvesting.com einen Einblick gewährt.

Ein Marktanteil von satten 28 Prozent gut zwei Jahre nach dem Live-Start – zumindest auf den ersten Blick gibt es wenig, was Negari mit .xyz falsch gemacht hat. Dementsprechend selbstbewusst gibt er sich im Interview. Aktuell sei .xyz die viertbeliebteste generische Domain-Endung nach .com, .net und .org; spätestens in den nächsten 3 bis 5 Jahren will man auf Platz zwei vorrücken. Dazu will .xyz die Endung für überall und für jeden werden; die Endung soll insbesondere für Start-Ups, junge Erwachsene und Menschen in aufstrebenden Schwellenländern erste Wahl sein. Dabei setzt Negaria auf „domain education“ ebenso wie auf »guerilla marketing«; auch vor eigenen .xyz-Konferenzen schreckt er nicht zurück. Allerdings räumt er zugleich ein, dass es viel Geld kostet, eine Registry aufzubauen. Er habe erhebliche Investitionen getätigt, um .xyz gegenüber Endkunden zu vermarkten, ein Missbrauchssystem zu entwickeln und (nicht zuletzt) die ICANN-Gebühren zu bezahlen – für das zweite Quartal 2016 habe er einen siebenstelligen Betrag überwiesen.

Als besonders interessante Märkte für .xyz hat Negari (wenig überraschend) China ausgemacht, aber auch andere Länder in Asien, Afrika und Südamerika. Per 8. August 2016 sei .xyz die Nr. 1 unter den nTLDs in 87 Ländern, in den Top 3 in 92 weiteren. Die Zahl der UDRP-Verfahren hält Negari für vergleichsweise gering; die WIPO-Datenbank listet aktuell rund 120 Verfahren, in denen eine oder mehrere .xyz-Domains streitig waren. Dennoch scanne man die Daten der registrierten Domains, ob darin ausgewählte Marken benutzt wurden und zu Phishing-Zwecken oder für Malware genutzt werden. Sie werden dann gegebenenfalls suspendiert und den zuständigen Registraren gemeldet. Für die nähere Zukunft kündigte Negari an, dass man hungrig nach weiteren Endungen sei; bisher habe man die vier nTLDs .rent, .theatre, .security und .protection direkt erworben; .cars, .car sowie .auto betreibe man im Rahmen eines Joint Ventures.

Leider ging Negari mit keinem Wort darauf ein, dass ein erheblicher Teil der .xyz-Registrierungen auf eine Marketing-Aktion zurückgeht. Dabei hat der US-Registrar Network Solutions zahlreichen Inhabern einer .com-Domain das passende .xyz-Pendant ohne zusätzliche Gebühren für das erste Jahr als »complimentary domain« ins Portfolio geschoben. Zudem gibt es Unmengen an »1 cent registrations«, die wieder auslaufen werden, sollten die Domain-Inhaber sich nicht für eine teure Vertragsverlängerung entscheiden. Wie hoch die Zahl der tatsächlich genutzten .xyz-Domains ist, bleibt so im Dunklen; die Statistiker von ntldstats.com melden jedenfalls einen hohen Parking-Anteil von rund 50 Prozent.

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