Statistik

.com verliert eine halbe Millionen Registrierungen

So trüb und trist wie das Wetter war es im November auch bei .com und .net: die beiden wichtigsten generischen Domain-Endungen der Welt haben deutlich an Registrierungen verloren. Dafür weiss mit .al eine Länderendung die Herzen zu erwärmen.

Nicht wenige waren erstaunt, als VeriSign-CEO Jim Bidzos im November anlässlich einer Investorenkonferenz bekanntgab, davon auszugehen, dass am Ende des vierten Quartals 2016 weniger Domain-Namen unter .com und .net registriert sind als zu dessen Beginn. Und die Ankündigung scheint sich zu bestätigen: in den vergangenen vier Wochen musste .com Nettoverlust von 454.035 Domains einstecken, bei .net waren es immerhin 150.804 Adressen. Eine offizielle Begründung gibt es von VeriSign dafür aktuell nicht, aber zumindest deutet sich an, dass die Verluste nicht nur auf das Konto von .net gehen, sondern auch .com betrifft – eine TLD, für die es lange Jahre praktisch keine Begrenzung nach oben gab. Ein schwacher Trost mag sein, dass neben .com und .net auch .org und .info deutlich bluten müssen. Ob es sich nur um einen Vorweihnachtsblues oder eine anhaltende Entwicklung handelt, werden wir zum Jahreswechsel sehen.

So gar nicht besinnlich ging es in den Novemberwochen im Lager der nTLDs zu. Bei zusammen 1.184 delegierten Endungen sind zum 1. Dezember 2016 insgesamt 26.803.748 Domains registriert. Die Rangliste führt, wie nicht anders zu erwarten, unverändert .xyz mit 6.677.594 Domains an, ein Anstieg von 117.266 Domain-Namen gegen über dem Vormonat. Auf den Plätzen folgen ebenfalls unverändert .top mit 4.721.164 sowie .win mit 1.296.321 Domains. Überflieger des Monats ist aber ohne Zweifel .kiwi: die Konkurrentin zur neuseeländischen Länderendung .nz notierte am 1. November 2016 noch bei 10.516 Domains, nur einen Monat später sind es 187.252. Gründe für den enormen Anstieg wurden bisher nicht bekannt, zumal .kiwi bereits seit dem 1. Mai 2014 von jedermann weltweit registriert werden kann. Der Registry Dot Kiwi Ltd. wird es egal sei: sie ist aktuell vor .nyc (72.575) sowie .berlin (57.565) die erfolgreichste GeoTLDs unter den neuen Endungen.

Abschließen wollen wir dieses Monat mit einem Blick nach Albanien. Von dort meldet die Electronic and Postal Communications Authority (AKEP), dass im November 2016 erstmals mehr als 20.000 Domains unterhalb der Landesendung .al einschließlich aller offiziellen Subdomains wie .com.al oder .net.al registriert waren. Im Jahr 2015 verzeichnete .al nur 5.466 registrierte Domains, so dass der Anstieg durchaus beachtlich ist. Von einer massenmarkttauglichen Domain-Vergabe ist Albanien allerdings noch weit entfernt: wer die Registry-Website aufruft, um eine Domain zu registrieren, muss erst ein .pdf-Dokument herunterladen, ausfüllen und dann per Fax, eMail oder per Post zurücksenden.

Die aktuellen Domain-Zahlen:

.de16.152.228(Vergleich zum Vormonat:+ 12.931)
.at1.271.994(Vergleich zum Vormonat:+ 1.052)
.com128.165.193(Vergleich zum Vormonat:– 454.035)
.net15.797.743(Vergleich zum Vormonat:– 150.804)
.org10.652.689(Vergleich zum Vormonat:– 156.514)
.info5.474.670(Vergleich zum Vormonat:– 29.313)
.biz2.297.446(Vergleich zum Vormonat:+ 10.461)
.eu3.717.116(Vergleich zum Vormonat:– 8.978)

(Stand 1. Dezember 2016)

München

3. Domain-Stammtisch München am 06. Mai 2016

Kommenden Mai ist viel los in der Domain-Welt: Auf ICANNs Global Domain Divition (GDD) hatten wir bereits hingewiesen (ohne ein genaues Datum im Mai 2017 benennen zu können). Ebenfalls im Mai 2017 findet der 3. Domain-Stammtisch München statt.

Der Domain-Stammtisch München ist ein privat organisiertes, loses Treffen der Domain-Branche. Der aktuelle Stammtisch findet am Samstag, den 06. Mai 2017 ab 11 Uhr im Biergarten des Hofbräukellers statt. Wieder wird man sich ein wenig über die guten alten Zeiten aber auch aktuelle Themen austauschen. Die Vergangenheit zeigt, dass der Domain-Stammtisch leitende Mitarbeiter von mehr als 15 Unternehmen aus der Domain-Branche anzieht. Schon jetzt sind einige für das Treffen angemeldet. Neben den Veranstaltern Tobias Sattler (CIO united-domains AG) und Jochen Kieler (CBDO Key-Systems) sind bereits zwölf Teilnehmer angemeldet, darunter Anja Elsing (Geschäftsführerin regiodot) und bekannte Namen wie Richard Wein (CEO nic.at), Stefan Meinecke (CEO GreenSec), Wilhelm Laubach (CEO Smart Internet Solutions) und Uli Retzlaff (1&1 Internet). Da mit Anja Elsing jetzt schon eine Frau dabei ist, sollte für andere Frauen aus der Domain-Branche Anreiz genug bestehen, sich den 06. Mai 2017 für den Domain-Stammtisch München freizuschaufeln und zu erscheinen.

Der 3. Domain-Stammtisch München findet am 06. Mai 2017 ab 11:00 Uhr im Biergarten des Hofbräukeller am Wiener Platz, Innere Wiener Straße 19, 81667 München statt. Die Teilnahme am Event ist kostenlos. Für Essen und Getränke muss jeder Teilnehmer selbst aufkommen.

UDRP

Leichter Anstieg von WIPO-Streitigkeiten bei WIPO

Elliot Silver stellt in einem aktuellen Blogartikel auf domain investing.com fest, dass die Anzahl der UDRP-Verfahren bei der WIPO steigen. Wir nehmen das zum Anlass, nach langer Pause mal wieder auf der Statistikseite der WIPO zu blättern.

ICANN führte das UDRP-Verfahren Ende 1999 ein. In diesem Jahr verbuchte WIPO lediglich einen UDRP-Streit. Doch schon im Folgejahr und in den Jahren danach zeigte sich, wie erfolgreich das Verfahren und wie gering die Zahl der Auseinandersetzungen im Vergleich zur Zahl tatsächlich registrierter Domains war:

JahrDomainsFälle
199911
20003.7601.857
20012.4651.557
20022.0421.207
20031.7741.100
20042.5991.176
20053.3121.456
20062.8061.824
20073.4232.007
20083.9582.329
20094.6852.107

Die ersten Jahre zeigen nach einer Absenkung einen leichten Anstieg der UDRP-Verfahren. Bei der Anzahl der in Streit befindlichen Domains sieht es ähnlich aus.

Elliot Silver sieht nun für 2016 einen deutlichen Anstieg gegenüber 2015, obwohl das aktuelle Jahr noch nicht ganz um ist. Die Statistik von WIPO zeigt, dass in 2016 bisher 2.733 Domain-Dispute anhängig sind. 2015 waren es bis Dezember 2.520, und im gesamten Jahr 2.754 Fälle. Ein gewisser Anstieg ist also zu verzeichnen. Aber über die vergangenen sieben Jahre sieht das keinesfalls gravierend aus, denn auch in 2011 und besonders 2012 lagen die Zahlen höher als in 2015:

JahrFälle
20102.696
20112.764
20122.884
20132.585
20142.634
20152.754
20162.771((ohne Dezember))

Anhand dieser Daten lässt sich festhalten, dass über die Jahre immer einmal ein paar Domain-Streitigkeiten hinzukommen. Was dabei bisher nicht ins Kalkül gezogen wird, ist der Umstand, dass einerseits in den vergangenen vier Jahren mit Einführung der neuen Domain-Endungen die Anzahl der Endungen, die unter die UDRP fallen, exponentiell angestiegen ist. Auch die Anzahl der Länderendungen, die sich freiwillig der UDRP unterwerfen, nahm ihm Laufe der vergangenen 16 Jahren kontinuierlich zu. Im Mai 2000 war lediglich die Endung .nu (Niue) für die Streitschlichtung bei der WIPO eingetragen. Am Ende des Jahres waren es dann bereits 15 Länderendungen, darunter .tv (Tuvalu) und .ws (Western Samoa). 2006 waren 46 Länderendungen bei WIPO gelistet, und mittlerweile sind es 72. Davon ganz abgesehen stehen diese Zahlen in keinem Vergleich zu den in diesem Zeitraum registrierten Domains. Waren im Jahr 2000 noch keine 20 Mio. Domain-Namen registriert, liegen die letzten Werte bei über 312 Mio. registrierter Domains, davon allein über 127 Mio. .com-Domains.

Der Anstieg der UDRP-Streitigkeiten bei der WIPO ist kein Indikator für die Verwahrlosung des Internets aufgrund von vermehrtem Cybersquatting. Angesichts der aktuellen Gegebenheit ist es erstaunlich zu sehen, wie wenig UDRP-Verfahren geführt werden (oder werden müssen). Das alles bezieht sich lediglich auf die Zahlen, die WIPO liefert. Die Zahlen anderer Streitbeilegungsstellen sind nicht berücksichtigt. Die Vergangenheit hat jedoch gezeigt, dass auch beim National Arbitration Forum (NAF) keine rapiden Anstiege zu verzeichnen waren, auch wenn das NAF mittlerweile die auf nTLDs zugeschnittenen URS-Verfahren bearbeitet. Die Werte beim NAF lagen in der Vergangenheit stets etwas niedriger als bei der WIPO; so konnte NAF 2014 insgesamt 1.836 Dispute, davon 1.557 UDRP-Verfahren und 218 URS-Verfahren, schlichten. Andere Streitschlichtungsstellen weisen dagegen marginale Zahlen auf.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

ccTLDs

AFNIC ändert Inhaberwechselprozedere für .fr

Die .fr-Registry AFNIC gibt sich bereits seit geraumer Zeit erhebliche Mühe, das französische Länderkürzel noch attraktiver für die Nutzer zu machen.

Diesen Weg setzt man mit einer aktuellen Änderung der Naming Policy um. Künftig wird der Inhaberwechsel für .fr-Domains ausschließlich zwischen dem (alten und neuen) Domain-Inhaber sowie den beteiligten Registraren abgewickelt; AFNIC berechnet hierfür keinerlei Kosten mehr. Damit wird vor allem der Handel mit .fr-Domains attraktiver. Die Neuregelung betrifft dabei Ziffer 6.4 der Naming Policy, sie tritt am 12. Dezember 2016 in Kraft. Von der Änderung profitieren übrigens auch die europäischen Nachbarn: .fr-Domains können sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen registrieren, sofern sie ihren Sitz innerhalb der EU, der Schweiz, Liechtenstein, Island oder Norwegen haben.

UDRP

Volkswagen lässt drei markenverletzende Domains lediglich löschen

Die Volkswagen AG wandte sich im Rahmen eines UDRP-Verfahrens an die WIPO wegen dreier Domains, die die Marke Volkswagen in sich tragen. Sie verlangte nicht die Übertragung der Domains, sondern lediglich deren Löschung.

Die Volkswagen AG sieht sich aufgrund der Registrierung der Domains volkswagen.lol, volkswagenauto.xyz und volkswagencars.lol durch einen Dritten in ihren Markenrechten verletzt. VW ist Inhaberin zahlreicher Marken, die auf »Volkswagen« lauten, unter anderem einer internationalen Marke, die am 02. Juli 1998 eingetragen wurde. Darüber hinaus ist die AG seit 1995 Inhaberin der Domain volkswagen.com. Der Beschwerdegegner registrierte die drei streitgegenständlichen Domains im Laufe des Monats August 2016. Die Beschwerdeführerin erklärte, sie habe dem Inhaber die Markennutzung nicht erlaubt und er sei in keiner Weise mit der Volkswagen AG assoziiert; vielmehr sei er bereits aufgrund mehrerer WIPO-Verfahren hinlänglich als Cybersquatter bekannt. Der Beschwerdegegner und Domain-Inhaber, der sich hinter dem Namen Cameron Jackson aus Kingston, New South Wales in Australien versteckt, meldete sich nicht zur Sache. Als Entscheider wurde Ilhyung Lee berufen, Professor an der School of Law der University of Missouri.

Ilhyung Lee gab dem Antrag der Beschwerdeführerin auf Löschung der Domains volkswagen.lol, volkswagenauto.xyz und volkswagen cars.lol statt (WIPO Case No. D2016-1910). Alle drei Domain-Namen wiesen den markenidentischen Begriff »Volkswagen« auf, der jeweils auch die entscheidende Rolle in den Domains spielt. Die zusätzlichen generischen Begriffe »auto« und »cars« reichten nicht aus, die verwirrende Ähnlichkeit mit der Marke zu besiegen, zumal sie zugleich die Produkte beschreiben, die Volkswagen herstellt. Auf den Vorwurf, der Beschwerdegegner sei nicht legitimiert und habe keine eigenen Rechte am Begriff Volkswagen, reagierte der Beschwerdegegner nicht. Für Lee gab es keinen Anhaltspunkt, der für ein Recht oder legitimes Interesse des Domain-Inhabers spräche, die Domain-Namen zu nutzen. Bei der Frage nach der Bösgläubigkeit erschien es Lee schwierig, darauf zu schließen, der Beschwerdegegner hätte die Volkswagen AG oder ihre Marken zum Zeitpunkt seiner Domain-Registrierung nicht gekannt. Die zwischen den Parteien laufende Korrespondenz lasse eher darauf schließen, dass der Domain-Inhaber die Domains an VW zu einem hohen Preis verkaufen wollte. Ausserdem leiten die Domains auf eine Seite weiter, auf der es heißt: »Welcome to [der jeweilige Domain-Name]«. Aber von der inaktiven Nutzung einer Domain lasse sich nicht auf eine bösgläubige Nutzung schließen. Es komme auf die Umstände des Einzelfalles an. Hier sprach die sehr bekannte Marke zusammen mit dem Versuch des Domain-Inhabers, seine Identität im Wege eines Privacy Service zu verschleiern zusätzlich für seine Bösgläubigkeit. Damit bestätigten sich alle drei Tatbestandsvoraussetzungen der UDRP, und Ilhyung Lee gab dem Antrag auf Löschung der Domains statt.

Im Hinblick auf den von Volkswagen gestellten Beschwerdeantrag, der lediglich die Löschung und nicht den Transfer der Domains vorsah, lässt sich ein wenig auf die Domain-Strategie von Volkswagen schließen. Angesichts der berühmten Marke, die für Autos aus Wolfsburg steht, wären jedenfalls die beiden Domains, die als Zusatz »auto« und »cars« aufweisen, uninteressant. Immerhin ergäbe volkswagen.lol noch ein klein wenig Sinn. Allerdings verfügt VW auch über die eigene Domain-Endung .volkswagen, die vor knapp 2 Jahren ins Root eingetragen wurde, wobei Inhaberin der Endung .volkswagen die Volkswagen Group of America Inc. ist. Diese will die Endung für sich und die Konzernmutter mit dem Ziel nutzen, »the number one automotive brand« zu werden. Bisher sieht man davon unter der Endung nicht viel. Das spricht einmal mehr dafür, die Domain volkswagen.lol sich übertragen zu lassen. Ein anderer Aspekt ist, dass die drei im Streit stehenden Domains nicht geparkt waren oder sonst zur Bereicherung durch die Verwirrung von Nutzern genutzt wurden. Der Domain-Inhaber bot sie lediglich Volkswagen zum Kauf an. Dass Volkswagen darauf reagiert und gegen nicht aktuell schädigendes Cybersquatting vorgeht, zeigt, wie rigoros die Domain-Strategie des Konzerns ist. Das sollte in der Cybersquatting-Welt gehört werden und sie von einer Registrierung von VW-Domains abhalten.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

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