München

Ende Februar 2018 findet der Domain pulse statt

Das Jahr 2017 nähert sich dem Ende und 2018 steht bereits Start. Damit rückt auch der Domain pulse 2018 näher, den DENIC e.G. im Februar 2018 diesmal in München ausrichtet.

Domain Pulse ist die bedeutendste Veranstaltung für aktuelle Themen, Tendenzen und Trends rund um Domain-Namen im deutschsprachigen Raum. Zusammen und alternierend richten die Registrierungsstellen von Deutschland (DENIC eG), der Schweiz (SWITCH) und Österreich (Nic.at) die Fachtagung aus. Gastgeber ist im kommenden Jahr 2018 die deutsche Domain-Verwaltung DENIC e.G., die am 22. und 23. Februar nach München in die BMW Welt lädt. Das Motto der Domain pulse 2018 lautet »Next-Level Evolution: Homo Digitalis«. Eine vorläufige Agenda liegt auch schon vor. Offizieller Start ist um 10:30 Uhr am 22. Februar 2018 mit der Keynote »Digitale Erleuchtung – Erleuchtete Digitalisierung. Von der Naivität zur Humanität in der digitalen Welt.« Die angekündigten Vorträge beschäftigen sich unter anderem mit dem Internet of Things (IoT), Datenschutz, eGovernment, Freiheit versus Sicherheit im digitalen Raum. Als Referenten sind unter anderen Zukunftsforscher Matthias Horx, Wilfried Karl (ZITiS), mehrere Vertreter der DENIC und selbstverständlich Wolfgang Kleinwächter (Universität Aarhus) angekündigt. Die Veranstaltung endet am 23. Februar 2018 gegen 15:30 Uhr.

Der Domain pulse 2018 findet vom 22. bis zum 23. Februar 2018 in der BMW Welt, Am Olympiapark 1, 80809 München statt.

Consolidation

UDRP-Tipps mit Doug Isenberg

Domain-Anwalt Doug Isenberg hat sich in einem Artikel auf circleid.com das UDRP-Problem, gegen mehrere Domain-Namen gleichzeitig vorzugehen, vorgeknöpft. Ein UDRP-Verfahren des O2-Konzerns gegen 77 Domains wird zum Paradebeispiel, wie es nicht geht.

Markeninhaber sehen sich nicht nur einzelnen, Markenrechte verletzenden Domain-Registrierungen gegenübergestellt. Cybersquatter registrieren oft innerhalb kürzester Zeiträume massenhaft Domain-Namen, die die Rechte einzelner Markeninhaber verletzen. Statt gegen jede Domain einzeln vorzugehen, erscheint es effizienter und günstiger, gleichzeitig ein UDRP-Verfahren gegen mehrere Domains zu starten. Dies sieht die Uniform Domain-Name Dispute-Resolution Policy (UDRP) grundsätzlich vor. Dort heißt es: »complaint may relate to more than one domain name, provided that the domain names are registered by the same domainname holder.« Doch Cybersquatter sind nicht dumm, sie registrieren massenhaft Domains auch unter verschiedenen Namen und Registraren. Dann wird es schwieriger für Markeninhaber, ihre Rechte in einem Verfahren durchzusetzen. Doch bietet die UDRP die Möglichkeit der Zusammenlegung (consolidation) auch in jenen Fällen, wenn die Domains, gegen die es geht, sich in unterschiedlichen Händen befinden. UDRP-Panels verfahren dann oft nach der Devise: unterliegen die Domains oder die entsprechenden Webseiten der gemeinsamen Kontrolle und ist die Zusammenlegung fair und gerecht, kann das in einem Verfahren verhandelt werden. Die »WIPO Overview of WIPO Panel Views on Selected UDRP Questions« sieht zudem vor, dass die Verfahrenseffizienz eine solche Zusammenlegung unterstützt:

Procedural efficiency would also underpin panel consideration of such a consolidation scenario.

Der O2-Konzern scheiterte im Juni 2017 in einem UDRP-Verfahren jedoch kläglich, als er versuchte, 77 Domain-Namen von 25 unterschiedlichen Inhabern, registriert über vier Domain-Registrare, auf sich übertragen zu lassen (WIPO-Case No. D2017–0658). Der Alleinentscheider Andrew F. Christie ließ das Verfahren an der ersten möglichen Hürde scheitern, der Frage der Zusammenlegung. Dies, so Christie, sei in diesem Falle nicht oportun, da es das Verfahren nicht vereinfache und gegenüber den unterschiedlichen Parteien des Verfahrens nicht fair wäre. Wie sich nämlich zeigte, stand hinter den Registrierungen nicht eine einzige Person, sondern tatsächlich ganz unterschiedliche, die zum Teil auf das UDRP-Verfahren reagierten. In der Folge hätten zahllose Schriftwechsel mit vier verschiedenen Registraren geführt werden müssen; die Zurückweisung von elf Verfahrensteilen, bei denen die Domains bereits gelöscht waren, hätte erfolgen müssen; die Verfolgung von 20 unterschiedlichen Schriftwechseln mit unabhängigen Individuen, deren Positionen sich jeweils unterscheiden, müsste geführt und jede Partei einzeln in der Entscheidung berücksichtigt werden. Die verwalterische Aufgabe für das Verfahren wäre unangemessen hoch und sicherlich verfahrenstechnisch ineffizient, erklärte Christie und wies die Beschwerde deshalb zurück. Nicht ohne mitzuteilen, dass es O2 offen stehe, gegen die Domains jeweils einzeln vorzugehen. Das aber hat O2 bisher, fünf Monate später, wohl nicht getan.

Es gibt auch Gegenbeispiele, bei denen es zu einer »consolidation« kam und das UDRP-Verfahren für den Markeninhaber erfolgreich abgeschlossen wurde. Isenberg nennt als Beispiel ein Verfahren von UPS gegen 122 Domains, die zahlreichen verschiedenen Inhabern gehörten (NAF-Claim Number: FA1709001748088). Da war für das Panel allerdings klar, dass sich die Domains wirklich in einer Hand befanden, die verschiedene Aliase nutzte. Die Domains waren alle im selben Monat und beim selben Domain-Registrar registriert worden, nutzten denselben Privacy Service und die Kontakt-eMail-Adressen waren nach demselben Schema konstruiert. Andere Beispiele haben wir an dieser Stelle bereits besprochen; interessant ist dabei ein Verfahren der schweizer Vorwerk International AG (WIPO-Case No. D2016-2438). In diesem Falle lagen die Registrierungen der fraglichen Domains mehrere Monate auseinander, und die Domains lagen bei fünf unterschiedlichen Domain-Registraren. Gleichwohl stand für Entscheider Pablo A. Palazzi einer Zusammenlegung nichts entgegen: Die Ausführungen der Beschwerdeführerin dazu und der Umstand, dass sich keiner der Domain-Inhaber in der Sache meldete, überzeugten Palazzi davon, dass die streitigen Domain-Namen unter der Kontrolle einer Person mit unterschiedlichen Aliasen standen.

Die Entscheidung, ob eine Zusammenlegung oportun ist oder nicht, hängt demnach von den Umständen des Einzelfalles ab. In jedem Fall sollten Markeninhaber eher auf Nummer sicher gehen und lieber ein kleines Verfahren mehr führen, als ein großes zu verlieren. Sinnvollerweise achtet man dabei auf die Einheit des Registrars, die zeitliche Nähe der Registrierungen oder identische Webinhalte, also auf Muster, die es sehr nahe legen, dass die Domains unter einen Hut gehören. Dann klappts auch mit der Zusammenlegung in ein Verfahren.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

Doilette-Report

Australische Domain-Industrie schafft Arbeitsplätze

Millionen oder gar Milliardenbeträge werden in der Domain Name Industry bewegt, doch schafft die Branche auch Arbeitsplätze?

Dieser Frage ist die Unternehmensberatung Deloitte in der Studie »Economic analysis of the .au domain range« für Australien nachgegangen. Das Ergebnis dürfte überraschen: allein die Top Level Domain .au sorgt für über 4.500 Vollzeit-Jobs und einen Beitrag von AUD 677 Mio. (umgerechnet ca. EUR 433 Mio.) zum gesamtwirtschaftlichen Ergebnis des Landes. Allein an Löhnen und Gehältern wurden 2015/2016 insgesamt AUD 383 Mio. bezahlt, umgerechnet also EUR 245 Mio. Für die Jahre 2020/2021 erwartet Deloitte eine Steigerung von AUD 677 Mio. auf AUD 811 Mio. bis zu AUD 933 Mio. und bis zu 5.650 Arbeitsplätze. Dieser Bericht knüpft an einen Report aus den Jahren 2012/2013 an und kann damit auf eine solide Datenbasis zurückgreifen. Er steht ab sofort zum kostenlosen Download bereit.

Cyber-Monday

Europol sperrt über 20.520 Domains

Einen »Cyber-Monday« der besonderen Art vermeldet Europol, die Polizeibehörde der EU: am 27. November 2017 gab das Amt offiziell bekannt, mehr als 20.520 Domains gesperrt zu haben, über die gefälschte Markenprodukte vertrieben wurden.

Im Jahr 2014 hat Europol die globale Operation »In Our Sites« (IOS) ins Leben gerufen und damit den Kampf gegen Produktpiraterie auf eine neue Ebene gehoben. Im Visier hat man dabei vor allem den Verkauf gefälschter Markenprodukte und die sogenannte Online-Piraterie über eCommerce-Handelsplattformen und soziale Netzwerke. In einer gemeinsamen Aktion von Europols »Intellectual Property Crime Coordinated Coalition« (IPC³), dem »US National Intellectual Property Rights Coordination Centre« und den Strafverfolgungsbehörden aus 27 EU-Mitgliedsländern hat die Behörde jetzt erneut zugeschlagen: im Rahmen der achten Ausgabe von IOS hat man mehr als 20.520 Domains beschlagnahmt, über die zuvor gefälschte Waren, darunter Luxusgüter, Sportartikel, elektronische Produkte, Pharmazeutika und urheberrechtlich geschütztes Material, vertrieben worden war. Europol spricht von einem ganzheitlichen Ansatz, mit dem das Internet zu einem sicheren Platz für die Verbraucher gemacht werden soll.

Welche konkreten Domains von dieser Beschlagnahme erfasst sind, gab Europol nicht bekannt. Beim Aufruf soll jedoch eine Graphik mit dem Hinweis

This domain name has been seized – Operation in Our Sites-Project TransAtlantic VIII is a coordinated effort by the U.S., European, South American and Asian law enforcement agencies targeting websites and their operations that sell counterfeit goods.

erscheinen und die Betroffenen so informieren. Zudem steht fest, dass Europol damit so viele Domains wie noch nie zuvor beschlagnahmt hat; in den vorangegangenen sieben IOS-Operationen waren insgesamt nur 7.776 Domains gesperrt worden. Unklar bleibt, was zu diesem rapiden Anstieg geführt hat – möglich wären unter anderem wachsende Cyberkriminalität ebenso wie verstärkte Ermittlungstätigkeiten der Behörden. Auch die Frage, ob und inwieweit nTLDs zu diesem Anstieg geführt haben, bleibt vorerst unbeantwortet. Verdächtig sind nach Europol-Angaben allerdings Domains, welche die Worte »genuine«, »replica« oder »original« enthalten, ebenso wie Marken- und Produktnamen in einer Verbindung mit Zusätzen wie „offer“ oder »discount«.

Zu den in der Vergangenheit beschlagnahmten Domains gehört nach Presseberichten die Adresse airbagsplace.com. Über die darunter zu erreichende Website hatten Dina Gonzalez-Marquez und Emilio Gonzalez-Marquez aus Albuquerque (New Mexico) gefälschte Airbags angeboten und verkauft. Sollten sie verurteilt werden, drohen ihnen Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren sowie Geldstrafen von bis zu US$ 2 Millionen.

nTLDs

Strenge Registrierungsvoraussetzungen für Amazons .bot

Amazon Registry Services Inc., Verwalterin der neuen Top Level Domain .bot, hat die Registrierungsvoraussetzungen präzisiert. Und die sind alles andere als liberal.

Nach Unternehmensangaben handelt es sich bei .bot um einen Adressraum »specifically for developers and their end customers to find and discover bots«. Zumindest in der Anfangsphase steht eine Registrierung daher nur jenen Personen offen, die über Amazon Lex, Microsoft Bot Framework oder Dialogflow einen Chatbot veröffentlicht haben; weitere Entwicklungsplattformen sollen folgen. Ob diese Voraussetzungen vorliegen, will Amazon verifizieren; so müssen Nutzer von Amazon Lex beispielsweise eine »cross account role« einrichten. Damit verfolgt Amazon weiterhin den Kurs, verschiedene Geschäftsmodelle für die eigenen TLDs zu testen. Offiziell befindet sich .bot derzeit in einer Ruhe-Phase; der Start der Live-Phase könnte sich noch weit bis in das Jahr 2018 hineinziehen.

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Der Domain-Newsletter von domain-recht.de ist der deutschsprachige Newsletter rund um das Thema "Internet-Domains". Unser Redeaktionsteam informiert Sie regelmäßig donnerstags über Neuigkeiten aus den Bereichen Domain-Registrierung, Domain-Handel, Domain-Recht, Domain-Events und Internetpolitik.

Seite 1 von 454
Top