.brand

Compagnie Financière Richemont kündigt mit .iwc eine weitere ihrer nTLDs

Der schweizer Luxusgüterkonzern Compagnie Financière Richemont trennt sich von seiner fünften Markenendung.

Mit Schreiben vom 21. Februar 2018 kündigte das Unternehmen den Registry-Vertrag für die Endung .iwc, eine Abkürzung für »International Watch Company«. Die Berechtigung zu einer Kündigung ergibt sich aus Ziffer 4. 4b) des Registry-Vertrages und bedarf keiner Begründung. Für die Domain Name Industry hält sich der Verlust in Grenzen, mit Ausnahme der obligatorischen nic.iwc sind lediglich zwei weitere Domain-Namen unter .iwc registriert. Als sogenannte .brand steht .iwc zudem nur einem strikt begrenzten Kreis von Registrierungsberechtigten offen. Ganz überraschend kommt der Rückzug nicht: zuvor hatte sich Richemont schon von .chloe und .montblanc getrennt sowie die beiden erfolgreichen Bewerbungen um .mrporter und .netaporter noch vor Unterzeichnung des Registry-Vertrages zurückgezogen. Was Richemont mit den delegierten Markenendungen .cartier, .panerai und .piaget macht, bleibt offen; auch hier gibt es jeweils nur eine registrierte Domain. Zudem hält das Unternehmen noch die Rechte an der Endung .watches, hat dafür aber bisher keinen Starttermin veröffentlicht.

Datenschutz

Nominet macht WHOIS-Abfragen für .uk kostenpflichtig

Nominet, Registry der britischen Länderendung .uk, zieht Konsequenzen aus dem erhöhten Arbeitsaufwand durch die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO): Abfragen aus dem WHOIS kosten künftig eine Gebühr. Kostenlose Auskünfte gibt es zwar weiterhin, sie dauern aber einige Zeit.

Im März 2018 hatte Nominet mitgeteilt, den bevorstehenden Änderungen durch die DSGVO Rechnung tragen zu wollen und im ersten Schritt ab dem 25. Mai 2018 den Namen und die Adresse eines Domain-Inhabers nicht mehr zu veröffentlichen, es sei denn, er hatte ausdrücklich in eine Veröffentlichung eingewilligt. Doch nun folgt der zweite Schritt: am 19. April 2018 veröffentlichte die Registry eine Direktive, wonach es zu mehreren weiteren Änderungen im Umgang mit den WHOIS-Daten kommt. Neben der reduzierten Datenveröffentlichung müssen Nutzer, die im WHOIS suchen wollen, eine der Höhe nach noch nicht bekanntgegebene Gebühr bezahlen; Name und Adresse des Domain-Inhabers bleiben jedoch verborgen. Die neue Regelung gilt auch für Inhaber von Markenrechten und deren anwaltliche Vertreter, lediglich Strafverfolgungsbehörden erhalten weiterhin kostenlosen Zugriff. Zumindest eine Lücke lässt Nominet aber offenbar offen; wer sich einen Tag lang gedulden kann, erhält bei berechtigtem Interesse automatisiert einen vollständigen WHOIS-Auszug, also inklusive Name und Adresse des Domain-Inhabers. Dieser soll auch künftig kostenlos bleiben.

Eine weitere einschneidende Änderung für .uk droht dabei beinahe unterzugehen. Seit im Jahr 2014 die Second Level Ebene für .uk freigegeben wurde, mussten Personen und Unternehmen ausserhalb Großbritanniens zumindest eine Adresse innerhalb des Landes angeben; die beliebte »PO Box« genügte nicht. Im Interesse der Standardisierung der Registrierungsprozesse streicht Nominet dieses Erfordernis aber nunmehr vollständig. Trotz erheblicher Proteste konnte sich die Markenlobby damit nicht durchsetzen. Weiteren Diskussionsbedarf sieht Nominet dagegen bei der geplanten Unterstützung von Proxy- oder Privacy-Services, und will deshalb in Kürze mit den diversen Interessensgruppen ins Gespräch kommen. Von Seiten der Strafverfolgungsbehörden wurde jedoch bereits signalisiert, dass man diese Dienstleistungen nicht völlig ablehne.

Nominet ist nicht die erste Länderdomainverwaltung, die für eine WHOIS-Abfrage künftig Gebühren erheben möchte. Am 12. April 2018 hat das Council of Country Code Administrators (CoCCA) angekündigt, dass Inhaber von Markenrechten und sonstige Dritte mit berechtigten Interessen »historical abstracts« aus dem WHOIS bestellen können. Die Bestellung kostet US$ 3,– und kann online abgewickelt werden. Betroffen sind die Endungen .af, .cx, .gs, .gy, .ht, .hn, .ki, .kn, .sb, .tl, .kn, .ms und .nf. Ausgenommen sind Strafverfolgungsbehörden und Mitglieder der »Secure Domain Foundation«; sie haben vollen Zugriff auf die Zone Files und die unredigierten WHOIS-Daten.

Rio de Janeiro

Neue Konferenz »Domaining Americas« im Oktober 2018

In der brasilianischem Metropole Rio de Janeiro findet im Oktober 2018 die neue Domain-Konferenz »Domaining Americas« statt. Sie ist die erste Veranstaltung ihrer Art in Latein-Amerika.

Der Gründer und Organisator der »Domaining Americas«, der in Brasilien gebürtige und in Boston (USA) lebende Abner Duarte, zugleich Betreiber von premiumdomains-com.br, verspricht ein Treffen der Internetgeschäftswelt, bei dem man mit Nic.br, GoDaddy, VeriSign, ResellerClub, Sedo, AfterNIC und anderen direkten Kontakt knüpfen kann. Er erwartet mehr als 200 Teilnehmer. Als Sprecher sind bereits Braden Pollock (LegalBrandMarketing.com), Rubens Kuhl (Nic.br, Registro.br), Daniel Fink (ICANN) und weitere benannt. Die Veranstaltung findet am Samstag 06. und Sonntag 07. Oktober 2018 statt und startet nach einer Eröffnungsrede von Organisator Duarte mit dem Vortrag von Rubens Kuhl über die Evolution der brasilianischen Endung .br zu einer wettbewerbsfähigen Top Level Domain. Weiter steht ein ICANN-Panel fest, welches sich an Kuhls Vortrag anschließt. Zahlreiche weitere Vorträge und Redner sind geplant, aber noch nicht bestätigt.

Die »Domaining Americas« findet vom 06. bis 07. Oktober 2018 im Hotel & Restaurant Grand Hyatt Rio De Janeiro, Av. Lucio Costa 9600, Barra da Tijuca, Rio de Janeiro (Brasilien) statt. Das Frühbucherticket kostet US$ 275,–, der Rabatt endet am 01.06.2018. Vom 02.06.2018 bis 01.09.2018 kosten die Standardtickets US$ 475,– und ab dem 02.09.2018 US$ 699,–. Für alle Tickets entsteht eine zusätzliche Gebühr. In den Ticketpreisen enthalten sind die Kosten für Kaffeepausen, Parties, alle öffentlichen Vorträge und Workshops.

ccTLDs

Ärger bei Australiens .au-Verwaltung wegen Unregelmäßigkeiten

Aufruhr in Australien: rund um die australische Domain-Verwaltung auDA ist ein heftiger Personenstreit entbrannt.

Ein Triumvirat bestehend aus den beiden Geschäftsleuten Josh Rowe und Jim Stewart sowie dem ehemaligen auDA-Presseprecher Paul Szyndler hat unter grumpier.com.au eine Petition gestartet, um der aktuellen auDA-Leitung unter Chris Leptos, Sandra Hook und Suzanne Ewart das Misstrauen auszusprechen. Einer ihrer Vorwürfe zielt darauf ab, dass es bei der Freigabe von Second Level Domains unter .au zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein soll. Ausserdem bemängelt man fehlende Transparenz. Leptos, selbst erst seit 150 Tagen im Amt, hat inzwischen reagiert und mitgeteilt, dass er über ein Fehlverhalten früherer auDA-Direktoren informiert wurde und die Victoria Police eingeschaltet hat. Ausserden gebe es einen Antrag auf Einberufung eines Special General Meeting (SGM), das demnächst abgehalten werden soll. Konkrete Änderungen in der Vergabe von .au-Domains zeichnen sich bisher nicht ab.

.brand

Audi mit Vorsprung dank .audi

Die Registry Neustar warf wieder einmal ein Auge auf die Entwicklung von .brand-Domains und fokussierte hierfür .audi, die hauseigene Domain-Endung des Audi-Konzerns. Wir schauten uns das Angebot von Audi ebenfalls an.

Ryan Baker, Berater im Bereich »Professional Services« bei Neustar, zeichnet in einem Artikel auf makeway.world die Entwicklungen beim Ausbau der Domain-Endung .audi nach. Sie mache gute Fortschritte und falle unter vier Schlüsselbereiche: Offizielle Händler werden unter .audi positioniert, andere Händler erhalten ebenfalls .audi-Domains und Webseiten, weiterhin werden neue Produkte unter .audi vorgestellt und schließlich sind .audi-Domains zur Unternehmensdarstellung eingerichtet. Baker gibt zahlreiche Beispiel davon, was Audi da macht und welche Domain-Namen Audi nutzt. Doch beim stichpunktartigen Blick auf die kundenorientierte Domain my.audi wurden wir misstrauisch: my.audi leitet unmittelbar auf login.audi.com weiter und verweist auf Applikationen für Smartphones. Weiter störte, dass die Beispieldomains von Händlern wie audi-zentrum-baden-baden.audi oder autoschmitt-idstein.audi zwar zu den entsprechenden Inhalten unter genau den genannten Domains führen – aber wer kennt diese Domains und gibt sie ein? Oder anders: wie erfährt man als Nutzer von einer solchen Domain?

Neustar erklärte in früheren Artikeln, Domains im Format home.brand seien der gängige Weg zur Basis einer .brand-TLD. Unter home.audi findet man freilich nichts, die Domain ist nicht registriert. Unter nic.audi findet man das Network Information Center von .audi sowie einen Link »audi worldwide«, der jedoch auf audi.com leitet. Von audi.com gibt es ausschließlich Wege zu .com-Inhalten. Baker gibt auch einen Hinweis auf regionale Webseiten und nennt das Beispiel berlin.audi. Hierunter findet man Händler in Berlin und wird auf deren jeweilige .audi-Seite weitergeleitet. Das funktioniert auch mit anderen Städtenamen wie Leipzig, Hamburg und Muenchen, wobei die Umlautversion von München nicht funktioniert. Unter Hamburg werden beispielsweise nicht nur Hamburger Audi-Zentren angezeigt, sondern auch Audi Ahrensburg. Kleinere Städte und Gemeinden sind allerdings nicht vertreten; vorhandene Händler, wie mh-autoforum-giessen.audi oder audi-zentrum-kiel.audi, findet man bestenfalls nach einer Suche mit einer Internetsuchmaschine. Die »corporate identity«-Unterstützungsangebote, die auf Domains wie twitter .audi oder blog.audi lauten, leiten jeweils auf Seiten unter anderen Endungen weiter. Was fehlt – oder was wir nicht finden konnten –, ist tatsächlich eine Orientierungsseite unter .audi. Es fehlen auch intuitive Domain-Namen wie modelle.audi oder haendler.audi, ganz zu schweigen von Zwei-Zeichen-Domains wie a4.audi. Beim Versicherungskonzern Axa kommt man beispielsweise mit versicherung.axa weiter. Allerdings nur einen Schritt, denn es erscheint ein Angebot, bei dem man zwischen den Standortbereichen »Axa Deutschland«, »Axa Schweiz« oder »Axa weltweit« wählen kann, um dann jeweils auf .de-, .ch- oder .com-Domains weitergeleitet zu werden.

Nichtsdestotrotz steht Audi mit seinem Webangebot unter .audi sehr gut da. Beim Mitbewerber BMW finden sich keine Hinweise, dass es unter .bmw Vergleichbares gibt. Das erweist sich auch aus den Registrierungszahlen: .bmw weist laut nTLDStats derzeit 111 Registrierungen auf, von denen 34 geparkt sind. Bei .audi hingegen liegen 692 Registrierungen vor, von denen 158 geparkt sind. Die Axa-Versicherung glänzt mit lediglich 27 Registrierungen, von denen neun geparkt sind. Bei Canon, dem Unternehmen, das sich mit als erstes prominent zu einer nTLD-Bewerbung bekannt hat, gibt es bisher lediglich 29 registriete Domains, von denen 18 geparkt sind. Eine Ausnahme im Hinblick auf Transparenz ist die französische Einzelhandelskette E.Leclerc. Bei ihr finden sich einige Angebote unter ihrer Endung .leclerc, wie sport.leclerc und culture.leclerce, während andere Angebote sich nach wie vor unter .com-Domains tummeln. Doch den Unterschied macht der Umstand, dass am Ende einer jeden Angebotsseite eine Linkliste zu finden ist, die die Möglichkeit überhaupt eröffnet, Seiten unter .leclerc zu finden. Weder .audi noch .axa oder andere .brands, die wir uns kursorisch angeschaut haben, geben dem Nutzer die Möglichkeit, sich zu orientieren und die Angebote der Marken unter ihrer Markenendung zu finden. Audi bezieht in jedem Falle eine Vorreiterstellung bei der Entwicklung der eigenen Top Level Domain, aber auch Audi kann noch viel zugunsten der Nutzerfahrung beim Besuch von .audi tun.

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