nTLDs

Drogeriekette Boots lässt .boots fallen

Da waren es bereits 23: die britische “The Boots Company PLC”, Betreiberin der gleichnamigen Drogerie-Kette, hat die Internet-Verwaltung ICANN um eine Beendigung des Registry-Vertrages für die neue Top Level Domain .boots gebeten.

In einem Schreiben vom 12. April 2017 begründet die Registry die Beendigung mit einem Verweis auf Section 4.4 (b) des Registry-Agreements; dort heißt es:

Registry Operator may terminate this Agreement for any reason upon one hundred eighty (180) calendar day advance notice to ICANN.

Eine Begründung ist also nicht erforderlich. Ursprünglich delegiert wurde .boots im Jahr 2015; aktuell gibt es aber lediglich eine einzige registrierte Domain, nämlich die obligatorische nic.boots. Damit ist .boots die insgesamt 23. brand, die sich freiwillig zurückzieht. Im Fall von .boots hat ICANN angesichts des generischen Charakters auch geprüft, ob die Übertragung auf eine andere Registry in Betracht kommt; jedoch liege das weder im öffentlichen Interesse, noch sei die Boots-Company hiermit einverstanden gewesen.

Afrika

ICANN veröffentlicht großen Report über afrikanische Länderendungen

Im Vorfeld ihres 59. Meetings im südafrikanischen Johannesburg hat die Internet-Verwaltung ICANN den ersten umfassenden Marktbericht für Afrika vorgelegt.

Für 26. bis 29. Juni 2017 hat ICANN zum zweiten von drei jährlichen Meetings nach Südafrika geladen. Unmittelbar vor Beginn wurde nun die »The 2016 African Domain Name System Market Study« veröffentlicht, ein vom South African Communications Forum (SACF) erstellter, 213 Seiten starker Report, der als historisch erster seiner Art den Domain-Markt in insgesamt 54 afrikanischen Ländern untersucht. Konkret geht er auf die Stärken und Schwächen des DNS-Sektors in Afrika ein, entwickelt Empfehlungen, um das vorhandene Potential besser auszuschöpfen, und erforscht Optionen für ein Observatorium, das den Domain-Markt in Afrika weiter beobachtet. Herausgekommen ist ein einzigartiger Einblick in einen Kontinent mit mannigfaltigen, höchst unterschiedlichen Domain-Regionen.

Im Mittelpunkt stehen 54 ccTLDs (von denen .ss für den Süd-Sudan bisher nicht delegiert ist) fünf internationalisierte TLDs und drei Städte-Endungen. Insgesamt zählt der Bericht rund 3,5 Millionen Domain-Registrierungen unter afrikanischen ccTLDs sowie weitere 1,4 Millionen unter gTLDs (davon alleine 1,2 Millionen .com-Domains), jeweils per Mai 2017. Hohe Kosten, fehlende Infrastruktur und der Umstand, dass in Afrika das Internet hauptsächlich über Mobilgeräte genutzt wird, führen dazu, dass die Nachfrage nach Domains gering ist. Unklare oder restriktive Vergaberegelungen tun ihr übriges. Das führt dazu, dass einige ccTLDs nur wenige Registrierungen aufweisen:

.km(Komoren)103
.er(Eritrea)104
.gw(Guinea-Bissau)114
.gn(Guinea)277
.td(Tschad)234
.lr(Liberia)303
.ne(Niger)409
.bj(Benin)734

Ein grosses Problem sind sogenannte »domain hacks«. Dazu zählt die Studie beispielsweise Kameruns .cm, eine Endung, die offenbar weitgehend von Vertippern bei .com-Domains lebt. Andere Endungen wie .cf (Zentralafrikanischen Republik), .gq (Äquatorialguinea), .ga (Gabun) und .ml (Mali) werden von Domain-Registraren wie Freenom und SafeCow kostenlos vergeben. Im Gegenzug hat der Domain-Inhaber aber keine Rechte an der Domain; Webseiten mit attraktiven Inhalten können ohne Vorankündigung abgeschaltet oder für Werbezwecke genutzt werden. Zudem ziehen diese Endungen Cyberkriminelle an wie das Licht die Motten.

Für die Zukunft empfiehlt der Report, dass jede Registry wenigstens eine funktionierende Landing-Page hat, über die sämtliche Vergaberegelungen als auch ein vereinfachtes Registrierungsverfahren abrufbar sind. Vielleicht könnte so manche Registry das Potential ihrer Endung damit noch besser ausschöpfen – interessenten auch für exotische Domains gibt es genug.

Köln

7. NRW IT-Rechtstag vom 21. bis 22. September 2017

Der Kölner Anwaltverein und die Arbeitsgemeinschaft IT-Recht im Deutschen Anwaltverein (davit) laden im September 2017 zum 7. NRW IT-Rechtstag nach Köln. Die Veranstaltung konzentriert sich auf aktuelle rechtliche IT-Topthemen. Die Agenda steht mittlerweile fest.

Der 7. NRW IT-Rechtstag findet vom 21. bis 22. September 2017 in Köln statt. Unter der Moderation von RA Prof. Dr. Ulrich Luckhaus aus Köln referieren zahlreiche Fachleute zu einem weiten Themenspecktrum. So widmet sich Rechtsanwalt Dr. Marc Hilber und Bastian Cremer (Zurich Versicherung) der DSGVO und dem neuen BDSG und deren Wirkung auf die anwaltliche Arbeit, Rechtsanwalt Kai Recke (Eyeo GmbH) gibt Einblick in den aktuellen Stand der Adblockverfahren und Rechtsanwalt Thomas Meinke zeigt neue Online-Stolperfallen. Der erste Tag endet mit einem offenen Forum zu aktuellen Fällen und Fragen aus dem Auditorium. Am zweiten Tag stellt Erfried Schüttpelz (OLG Düsseldorf) die aktuelle Rechtsprechung des OLG Düsseldorf vor und Dr. Dipl.-Inf. Reto Mantz (LG Frankfurt/M) berichtet vom Recht auf Vergessenwerden in der Gerichtspraxis. Am Nachmittag gibt es zwei weitere Vorträge. Der NRW IT-Rechtstag endet nach 18:30 Uhr mit einem Get Together am Veranstaltungsort.

Der 7. NRW IT-Rechtstag findet von 13:00 Uhr am 21. September bis 18:30 Uhr am 22. September 2017 im Steigenberger Hotel, Habsburgerring 9-13, 50674 Köln statt. Die Kosten der Teilnahme an beiden Tagen liegen bei EUR 450,– zzgl. 19 % MwSt. (EUR 535,50) und umfassen 15 Stunden nach der FAO. Wer nur am ersten oder nur am zweiten Tag teilnehmen möchte, zahlt EUR 210,– zzgl. 19 % MwSt. (EUR 249,90) und erhält 7 Stunden nach der FAO am ersten und zahlt EUR 240,– zzgl. 19 % MwSt. (EUR 285,60) für 8 Stunden nach der FAO am zweiten Tag. Von den Kosten mitumfasst sind Getränke im Tagungsraum, Kaffeepausen, Mittagessen nebst Abendempfang am Freitag, die Seminarunterlagen und WLAN im Tagungsraum.

NAF

Auch .bank-Domains sind vor UDRP-Verfahren nicht gefeit

Mit dem Versprechen, UDRP-sicher zu sein, hat schon die Top Level Domain .feedback geworben. Auch im Fall von .bank versprechen hohe Registrierungsanforderungen den Schutz vor Streitigkeiten. Vor einem UDRP-Verfahren schützte allerdings auch .bank nicht, wie der Streit um mysummit.bank beweist.

»Trusted, verified, more secure and easily identifiable« – mit diesen Prädikaten wirbt die fTLD Registry Services LLC für eine Registrierung von .bank-Domains. Um diesen hohen Anforderungen gerecht zu werden, treibt fTLD einigen Aufwand; so dürfen lediglich geprüfte Mitglieder der globalen »banking community« solche .bank-Domains registrieren, die der Marke der Bank entsprechen. Hinzu kommen Gebühren, die sich – je nach Domain-Registrar – im hohen drei- bis vierstelligen US-Dollar-Bereich bewegen. Kein Wunder, dass bisher nur rund 3.130 .bank-Domains registriert sind. Im Gegenzug sollten die hohen Anforderungen Domain-Grabber abschrecken, so dass .bank-Domains eigentlich »UDRP-sicher« sein sollten. Das wird sich auch die in den US-Bundesstaaten Wyoming, Montana und Idaho tätige Summit National Bank gedacht haben, als sie am 9. Juli 2015 mysummit.bank registrierte. Umso überraschender ist, dass sich auf Betreiben der Summit Financial Group Inc., die in den US-Bundesstaaten Virginia und West Virginia den Bankgeschäften nachgeht, nun das National Arbitration Forum (Forum) mit dem weltweit ersten UDRP-Verfahren zu einer .bank-Domain befassen musste.

Wenig Zweifel hatte Panelist David P. Miranda noch daran, dass der Beschwerdeführerin, der Summit Financial Group Inc., Markenrechte an dem Begriff »Summit Community Bank« zustehen, die dazu berechtigen, ein UDRP-Verfahren zu initiieren. Allerdings hatte er rasch Zweifel, dass der Domain-Inhaberin keine Rechte oder legitimen Interessen an der Domain zustehen. Dafür streitet bereits der Umstand, dass es der Summit National Bank gelungen war, die Domain zu registrieren, da die strengen Vergaberegelungen für .bank ein solches Recht oder Interesse geradezu voraussetzen. Oder mit anderen Worten: würde die Domain-Inhaberin diese Voraussetzungen nicht erfüllen, würde schon deshalb die Grundlage entfallen, die Domain zu behalten – und obendrein wäre die Prüfung der Registry als oberflächlich entlarvt. Gleiches gilt auch für eine bösgläubige Registrierung und Nutzung der Domain mysummit.bank. Insoweit lässt sich festhalten, dass .bank-Domains URDP-sicher sind. Das Ergebnis hat daher nicht überrascht: die Summit National Bank durfte die Domain behalten. Mit der sich aufdrängenden Frage von “reverse domain name hijacking” hat sich das Schiedsgericht nicht mehr befasst.

Mit dem Versprechen, UDRP-sicher zu sein, hat im Jahr 2016 übrigens auch Top Level Spectrum Inc., Registry der neuen Top Level Domain .feedback, für sich geworben. Rund 5.000 mit Marken identische Domains wurden für lediglich US$ 5,– angeboten, verbunden mit dem Versprechen, »UDRP proof« zu sein. Sollte es dennoch zu einem UDRP-Verfahren kommen, versprach CEO Jay Westerdal, dass die Registry die Anwaltsgebühren übernehmen werde. Im Oktober 2016 musste er das Versprechen aber wieder einkassieren: im UDRP-Streit um debeers.feedback vor dem Schiedsgericht der WIPO entschied der Einzelpanelist auf einen Transfer der Domain. Der Domain-Inhaber hatte die Domain jedoch nicht zu Zwecken der Meinungsäußerung genutzt, sondern um massenhaft zweifelhafte Links zu posten.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

ccTLDs

Costa Ricas .cr wegen PirateBay-Domain unter Druck der USA

Die US-Regierung hat NIC Costa Rica, Verwalterin des Landeskürzels .cr, mit einer Schließung des Registry-Betriebs gedroht.

Auslöser ist offenbar der Streit um die Domain thepiratebay.cr, über die BitTorrent-Links zu urheberrechtlich geschützten Inhalten verbreitet werden. Nach Angaben von Pedro León Azofeifa, Präsident der Academia Nacional de Ciencias und damit der Sponsoring Organisation für .cr, versucht die US-Regierung bereits seit dem Jahr 2015, die Domain löschen zu lassen, bisher allerdings vergeblich. ICANNs Regierungsbeirat, das Governmental Advisory Committee (GAC), ist in den Vorgang eingeschaltet. Unklar ist, auf welche Rechtsgrundlage die USA ihre Androhung stützen, zumal ICANN seit dem 1. Oktober 2016 aus der US-Aufsicht des Handelsministeriums entlassen wurde. Überdies hat NIC.cr angekündigt, die Domain selbstverständlich zu löschen, wenn eine entsprechende Entscheidung eines Gerichts in Costa Rica vorliegt. Ob die USA diesen Schritt versucht haben, lässt die Mitteilung der Registry jedoch offen.

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