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Registry Radix gibt Einblick in die Premium-Domain-Verkäufe

Die Domain-Registry Radix veröffentlichte einen Premium-Domain Report für das erste Halbjahr 2017. Sie konnte in der Zeit Gewinne von über US$ 1 Mio. generieren.

Radix ist die Domain-Registry der Directi Group mit Sitz in Dubai, die zahlreiche Registrare und Hosting-Anbieter unter sich versammelt. Radix selbst betreibt 31 neue Domain-Endungen, darunter .tech, .fun, .site, .online und .store. In einem kürzlich veröffentlichten Report für das 1. Halbjahr 2017 legt sie ihre Premium-Domain-Verkäufe teilweise offen. Mit dem Verkauf von Premium-Domains konnte Radix in diesem Zeitraum insgesamt US$ 1.217.240,– (ca. EUR 1.061.547,–) an Gewinn mit 727 Premium-Domain-Verkäufen, bzw. Registrierungsverlängerungen erwirtschaften. Neu registriert wurden 469 Domains, die zusammen US$ 640.641,– (ca. EUR 558.699,–) erzielten, während 258 Verträge verlängert wurden, was US$ 576.599,– (ca. EUR 502.848,–) einbrachte. Die Verteilung der Verkäufe über die diversen von Radix verwalteten Endungen sieht für die vier erfolgreichsten wie folgt aus: .tech mit 127 Verkäufen und US$ 117.415,– (ca. EUR 102.397,–), .online mit 124 Verkäufen und US$ 319.039,– (ca. EUR 278.232,–) .space mit 101 Verkäufen und US$ 48.115,– (ca. EUR 41.961,–) sowie .fun mit 47 Verkäufen und US$ 37.170,– (ca. EUR 32.416,–)

Die Endung .online erweist sich als gewinnstärkste Endung in dem Feld aufgrund des erfolgreichen Verkaufs von casino.online für US$ 201.250,– (ca. EUR 186.343,–). Ein Ausreisser besonderer Art stellt .site dar, die mit lediglich 21 verkauften Premium-Domains US$ 65.662,– (ca. EUR 57.263,–) verbuchte. Davon abgesehen waren die höchsten Domain-Verkäufe:

room.techUS$ 11.467,–(ca. EUR 10.000,–)
ideas.techUS$ 6.500,–(ca. EUR 5.669,–)
creative.spaceUS$ 6.499,–(ca. EUR 5.668,–)
travel.funUS$ 6.499,–(ca. EUR 5.668,–)
vitamin.siteUS$ 6.499,–(ca. EUR 5.668,–)
quantum.techUS$ 6.499,–(ca. EUR 5.668,–)
holidays.onlineUS$ 6.250,–(ca. EUR 5.451,–)
airline.onlineUS$ 6.000,–(ca. EUR 5.233,–)
mar.techUS$ 6.000,–(ca. EUR 5.233,–)
james.storeUS$ 5.274,–(ca. EUR 4.599,–)

Die Preise sind von Radix lediglich geschätzt, da nicht klar ist, was der einzelne Registrar im Ganzen für die Domains veranschlagt hat. Den im Schnitt besten Preis von US$ 2.215,– (ca. EUR 1.932,–) erzielten .store-Domains, gefolgt von .host mit US$ 1.950,– (ca. EUR 1.701,–). Danach kommt das Mittelfeld mit .online (US$ 953,– (ca. EUR 831,–)), .tech (US$ 949,– (ca. EUR 828,–)) und .press (US$ 867,– (ca. EUR 756,–)). Radix verkaufte seine Premium-Domains überwiegend in den USA (66 Prozent), 10 Prozent der Verkäufe fanden in Frankreich statt, danach kamen China mit 7 Prozent und Großbritannien mit 5 Prozent. Deutschland, Japan, die Seychellen und die Cayman-Inseln waren mit jeweils 2 Prozent dabei.

Radix zeigt, dass man mit dem Verkauf von Premium-Domains als Registry durchaus gutes Geld machen kann. Was die Intention der Käufer dieser hochpreisigen Domains ist, bleibt ganz überwiegend im Dunkeln, denn nur die wenigsten Domains scheinen überhaupt entwickelt zu werden, wenn man sich die Domains der Verkaufsliste oben anschaut.

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ICANN genehmigt Donuts-Rightside Merger

Vier Wochen, nachdem die Rightside Group Ltd. die spektakuläre Übernahme durch den Konkurrenten Donuts Inc. offiziell bestätigt hat, sind weitere Details der Transaktion bekannt geworden. Auch ICANN hat inzwischen den Segen gegeben.

Ein Jahr, nachdem erste Übernahmemeldungen laut wurden, vermeldeten Donuts und Rightside am 14. Juni 2017 Vollzug: für satte US$ 213 Mio. erwarb Donuts, Betreiberin von über 190 neuen Domain-Endungen, den Konkurrenten Rightside Group Ltd. samt Portfolio mit 40 verwalteten nTLDs. Grundlage ist eine Zahlung von US$ 10,60 pro Anteil, die von Donuts vollständig in bar geleistet wird, offenbar teilweise finanziert über die Silicon Valley Bank. Wie kürzlich bekannt wurde, war das Übernahmeangebot befristet bis 26. Juli 2017; Kleinaktionäre müssen nichts weiter tun, eine aktive Zustimmung beschleunigt den Vorgang aber. Gleichzeitig mit der Übernahme haben die Parteien einen Streit mit Rightside-Aktionärin Susan Paskowitz beigelegt; sie hatte über die in Seattle ansässige Anwaltskanzlei Breskin Johnson & Townsend PLLC versucht, eine Sammelklage anzustrengen. Paskowitz hatte in der Klage unter anderem geltend gemacht, nicht ausreichend informiert worden zu sein. Rightside veröffentlichte daraufhin am 19. Juli 2017 bei der US-Börsenaufsicht ergänzende Unternehmensangaben.

Noch wichtiger war allerdings, dass inzwischen auch ICANN mitgeteilt hat, der Übernahme zuzustimmen. Am 17. Juli 2017 veröffentlichte Rightside eigens eine Pressemitteilung, in der das Unternehmen über die Entscheidung von ICANN informierte. Damit ist allerdings keine Aussage darüber verbunden, ob die Übernahme auch unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten nicht zu beanstanden ist; ICANN musste lediglich prüfen, ob man Bedenken in wirtschaftlicher oder technischer Hinsicht hat. Das war offensichtlich nicht der Fall. Finalisiert werden soll die Übernahme voraussichtlich im 3. Quartal 2017; ab dann soll Rightside zur 100prozentigen Tochtergesellschaft von Donuts werden; bislang öffentlich gehandelte Anteile von Rightside werden zudem vom Markt genommen. Was der Deal für Name.com bedeutet, ist unverändert offen; der in Denver (US-Bundesstaat Colorado) ansässige Registrar verwaltet etwa zwei Millionen Domains und gehört ebenso zur Rightside Group wie eNom und NameJet.

Donuts war nicht das einzige Unternehmen, das Interesse an den Vermögenswerten von Rightside öffentlich bekannt machte. Aus den Börsenunterlagen geht hervor, dass Rightside die Barclays Bank damit beauftragt hatte, sich nach potentiellen Käufern umzusehen. Im September 2016 soll daraufhin ein Angebot eingegangen sein, den Registrar eNom für US$ 150 Mio. zu erwerben. Offenbar zeitgleich ging ein Angebot ein, Rightside für US$ 13,50 je Anteil zu übernehmen, allerdings ohne eNom. Später kamen weitere Interessenten hinzu. Bekannt ist, dass einer der Interessenten auch die Registry XYZ.COM LLC war; wie wir heute wissen, hat sich jedoch letztlich Donuts durchgesetzt.

ccTLDs

Warnung vor Fake-Rechnungen an .lv-Domainbesitzer

Das »Institute of Mathematics and Computer Science Department of Network Solutions (DNS)« an der Universität in Lettland, zuständig für die Verwaltung des Länderkürzels .lv, warnt vor einer betrügerischen eMail.

In der Mitteilung meldet sich die Domain Expiration SEO unter der Adresse info@engez.org und weist darauf hin, dass der Vertrag über die Suchmaschinenoptimierung einer .lv-Domain in Kürze endet; gegen die Zahlung von US$ 75,- könne man ihn jedoch um ein Jahr verlängern. Wörtlich heisst es:

We do not register or renew domain names. We sell traffic generator software.

In der Aufmachung erinnert die Nachricht jedoch an eine Mitteilung, mit der Unternehmen daran erinnert werden, ihren Domain-Registrierungsvertrag zu verlängern. Die .lv-Registry weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich um eine Falschrechnung für nicht-existente Angebote zur Suchmaschinenoptimierung handelt; von einer Zahlung wird daher eindringlich abgeraten.

OLG München

gewinne-ein-iphone.de: Würdigung einer erstinstanzlichen Beweisaufnahme durch das Berufungsgericht

Das Oberlandesgericht München knackte im Rahmen eines einstweiligen Verfügungsverfahrens eine harte Nuss. Die Entscheidung hat nur mittelbar etwas mit Domain-Recht zu tun. Vielmehr geht es um eine verfahrenstechnische Sache, bei der aber die Domain gewinne-ein-iphone.de eine wichtige Rolle spielte.

Über die Domain gewinne-ein-iphone.de lief eine Werbeaktion, bei der die Teilnehmer Kontaktdaten hinterliessen und sich damit einverstanden erklärten, dass die Daten zu Werbezwecken an Dritte weitergegeben werden. Die Antragsgegnerin, die Stromlieferverträge per Direktmarketing für Dritte vermittelt, erhielt die Daten einer Person und rief sie an. Bei dieser Person handelte es sich um eine Rechtsanwältin. Deren Arbeitgeber, der seinerseits Strom und Gas vertreibt und entsprechende Verträge vermittelt, ist die antragstellende Partei. In einem einstweiligen Verfügungsverfahren vor dem Landgericht Augsburg (Az.: 1 HK O 1485/16) ging die Antragstellerin gegen die Antragsgegnerin vor und beantragte die Unterlassung solcher Werbeanrufe bei Verbrauchern. Es erging eine einstweilige Verfügung, gegen die die Antragsgegnerin Widerspruch einlegte. So kam es zur mündlichen Verhandlung vor dem LG Augsburg, bei der die angestellte Rechtsanwältin aussagte, dass sie an der Werbeaktion über die Domain gewinne-ein-iphone.de nicht teilgenommen habe; sie interessiere sich, wenn, für Gewinnspiele über Autos oder Reisen; bei gewinne-ein-iphone.de hätte sie schon deshalb nicht mitgemacht, weil sie keine iPhones möge. Darüber hinaus machte sie weitere detaillierte Angaben, warum sie nicht und kein anderer für sie an dem Gewinnspiel teilgenommen hat. Die Antragsgegnerin legte eine eidesstattliche Versicherung des Betreibers der Domain gewinne-ein-iphone.de mit, in der er darlegt, wie genau der Teilnahmevorgang der Person ablief, vom Eintrag auf der Webseite über die Bestätigung durch einen via SMS übersandten Code. Das Gericht wies daraufhin die einstweilige Verfügung zurück. Hiergegen ging die Antragstellerin in Berufung zum Oberlandesgericht München.

Das OLG München prüfte die Sache, verwertete die Zeugenaussage der ersten Instanz, bestätigte die Berufung und gab der einstweiligen Verfügung statt (OLG München, Urteil vom 26.01.2017, Az.: 29 U 3841/16). Das OLG ging zunächst davon aus, dass eine Werbung mit einem Telefonanruf gegenüber einem Verbraucher ohne dessen vorherige ausdrückliche Einwilligung stets als unzumutbare Belästigung anzusehen ist (§ 7 Absatz 2 Nr. 2 UWG). Das LG Augsburg habe festgestellt, es liege eine Einwilligung der Rechtsanwältin vor, weil es das Vorbringen der Antragsgegnerin als glaubhaft gemacht angesehen hat. Das OLG München sah die Würdigung der Beweisaufnahme durch das LG Augsburg als »fehlsam« an, weshalb es seinerseits diese, mangels Anwesenheit der Zeugin, neu würdigte. Bei seiner Beurteilung stützte sich das OLG München auf die Niederschrift der Vernehmung der Zeugin im ersten Rechtszug. Dieser Weg ist allerdings unüblich. Das OLG München bestätigte, dass es ein Verbot der abweichenden Beurteilung der Aussagen von Zeugen durch das Berufungsgericht ohne erneute Vernehmung gibt. Doch das sei auf ein Verfügungsverfahren nicht anwendbar, da hier als Mittel der Glaubhaftmachung auch mittelbare Beweismittel wie die eidesstattliche Versicherung, schriftliche Zeugenaussagen und anwaltliche Versicherung zulässig sind, die alle nicht mit dem Gebot der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme vereinbar sind. Dies klargestellt, stellte das OLG München nun fest, dass die beiden sich gegenüberstehenden Angaben, einerseits der Zeugin für die Antragstellerin und andererseits der eidesstattlichen Versicherung auf Seiten der Antragsgegnerin, in einem unüberwindlichen Widerspruch zueinander stehen. Doch bei der Würdigung beider Angaben gab das Gericht letztlich der Zeugenaussage vor der eidesstattlichen Versicherung den Vorrang. Das Gericht führte detailliert aus, warum es die Zeugin für glaubwürdig und ihre Aussage für glaubhaft halte, und warum es die »Glaubhaftmachungslage« der eidesstattlichen Versicherung als derart unsicher ansieht, dass es nicht von der für die lauterkeitsrechtliche Zulässigkeit des beanstandeten Anrufs erforderlichen, vorherigen Einwilligung ausgehen konnte. Es bestätigte die einstweilige Verfügung und gab der Antragstellerin Recht.

Die Angelegenheit und wie das OLG München sie angegangen ist, war heikel. Die Begründung für die erneute Würdigung der Beweisdaten in dem zehn Seiten umfassenden Urteil ist nachvollziehbar. Das OLG München räumt hier der mündlichen Aussage den Vorrang vor einer eidesstattlichen Versicherung mit technischen Details den Vorrang ein. Und das, obwohl Juristen bestens bekannt ist, wie unsicher das menschliche Erinnerungsvermögen ist. Aber die Würdigung der Zeugin und ihrer Aussage sowie der eidesstattlichen Versicherung machen einen überzeugenden Eindruck. An der Entscheidung, so heikel sie ist, ist nur schwer zu rütteln.

Auf das Domain-Recht spezialisierte Anwälte findet man auf Domain-Anwalt.de, einem Projekt der united-domains AG.

ccTLDs

Beschwerdefrist für .cn-Domains endet 2 Jahre nach Registrierung

Die Anwaltskanzlei Hogan Lovells hat auf eine wichtige Ausnahmeregelung im Streitschlichtungsverfahren für chinesische .cn-Domains hingewiesen.

Die CNNIC ccTLD Dispute Resolution Policy (CNDRP) sieht vor, das keine Beschwerden angenommen werden, wenn die streitige Domain mehr als zwei Jahre registriert war. Diese Ausschlussfrist immunisiert also markenrechtsverletzende .cn-Domains, wenn der Markeninhaber nicht schnell genug gegen die Rechtsverletzung vorgeht; in diesem Fällen bleibt nur noch der Gang vor ein Zivilgericht oder die Aufnahme von Vergleichsverhandlungen. Hogan Lovells kritisiert die Frist als zu kurz und regt an, die Frist auf drei Jahre zu verlängern; damit wäre ein Gleichlauf mit geänderten zivilrechtlichen Regelungen hergestellt, die ebenfalls eine Drei-Jahres-Frist vorsehen. Ob sich die .cn-Registry CNNIC dieser Forderung anschliesst, muss man abwarten; einstweilen kann Markeninhabern nur dringend empfohlen werden, auf potentielle Rechtsverletzungen zu achten oder eine präventive Registrierung in Betracht zu ziehen.

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