nTLD-Auktionen

Was wird aus den Einnahmen der Versteigerungen neuer Domain-Endungen?

Und sie bewegt sich doch: bei der seit über drei Jahren andauernden Suche nach einem Modell für die Verteilung der Auktionserlöse aus der Versteigerung von nTLDs ist ICANN ein Stück vorangekommen. Bis die ersten Gelder fließen, wird es aber noch eine ganze Weile dauern.

US$ 240.590.128,– – diesen Betrag hat ICANN aus der Versteigerung von bisher 17 neuen generischen Top Level Domains erlöst. Für sie gab es jeweils mehr als einen Bewerber, ohne dass sich eine gütliche Einigung erzielen ließ. Allein US$ 135.000.000,– stammen aus der Versteigerung von .web, die sich der Neuling NU DOT CO LLC mit Hilfe von VeriSign Inc. sicherte. Eher günstig war dagegen .srl; für die Endung musste die in Regensburg ansässige mySRL GmbH lediglich US$ 400.000,– bezahlen. Nach Abzug der Kosten von US$ 7.134.565,– verbleiben ICANN damit noch US$ 233.455.563,–. Das auf einem gesonderten Konto verwahrte Geld weckt schon seit Beginn des nTLD-Programms Begehrlichkeiten, weil umstritten ist, was mit den Einnahmen passieren soll. ICANN hat daher bereits im Januar 2017 die Cross-Community Working Group on new gTLD Auction Proceeds (CCWG) ins Leben gerufen, um Vorschläge auszuformulieren, wie mit dem Geld umgegangen werden soll. Nach intensiver Arbeit hat die CCWG ihren vorläufigen Abschlussbericht veröffentlicht und zur Prüfung an die beteiligten Interessensgruppen weitergeleitet.

Ende Juli 2020 haben nun mit der Generic Names Supporting Organization (GNSO) und dem Root Server System Advisory Committee (RSSAC) zwei wichtige Gruppen grünes Licht für den Report gegeben. Er sieht zunächst die Schaffung eines neuen Independent Project Applications Evaluation Panels vor, das eine Aufsichtsfunktion innehaben soll. Dessen Mitglieder müssen sich vor allem durch Kompetenz und Unabhängigkeit auszeichnen; auch Diversität soll berücksichtigt werden. Umstritten ist dabei noch, ob dieses Panel als neue Abteilung innerhalb ICANNs eingerichtet werden soll (was die CCWG bevorzugt), oder ob man mit einem unabhängigen Dritten zusammenarbeitet. Die konkrete Vergabe von Geldern soll sich zudem nach folgenden drei Kategorien richten:

  • Benefit the development, distribution, evolution and structures/projects that support the Internet’s unique identifier systems
  • Benefit capacity building and underserved populations, or;
  • Benefit the open and interoperable Internet

Obwohl diese Kategorien den Eindruck erwecken, als sollten die Auktionserlöse in die Internet-Community fließen, schließen sie einen potentiellen Empfänger nicht aus – ICANN selbst. In dieser Frage wurde sich die Arbeitsgruppe nicht einig, wie sie selbst betont. Für das Board of Directors von ICANN ist hingegen klar, dass man das entscheidende Wort mitzusprechen hat; immerhin hat man im November 2018 US$ 36 Mio. aus den Auktionserlösen bereits verwendet, um damit einen Reservefond für Krisenzeiten aufzustocken. Kritikern ebenfalls nicht gefallen dürfte, dass ICANN-übliche Streitschlichtungsverfahren nicht zulässig sein sollen, um einen (Nicht-)Erhalt von Geldern juristisch anzugreifen.

Ein abschließendes Votum ist damit nicht gefallen, das bleibt dem Board of Direcors vorbehalten. Da bis zur praktischen Umsetzung der Vorschläge weitere Zeit vergehen dürfte, wird es noch eine ganze Weile dauern, bis die ersten Gelder fließen.

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