DNS Abuse

Eine Gruppe von Registries und Registraren bündelt Kräfte gegen Domain-Missbrauch

Gemeinsam sind wir stark: eine Gruppe führender Registries und Registrare bündelt ihre Kräfte, um dem Adressmissbrauch im Domain Name System den Kampf anzusagen. In einem Positionspapier nennt man nun die wichtigsten Ziele – Spam genießt dabei keine Priorität.

Wenn sich Public Interest Registry (PIR), GoDaddy, Donuts, Tucows, Amazon Registry Services Inc., Blacknight Solutions, Afilias, Name.com, Amazon Registrar Inc., Neustar und Nominet UK zusammenschließen und ein gemeinsames Positionspapier vorstellen, lässt das nicht nur Domain-Experten aufhorchen. Ihr Anliegen: das Domain Name System (DNS) als Grundlage weiteren Wachstums des Internets als eine globale Ressource vor Missbrauch (»DNS Abuse«) zu schützen. Dazu gehört zunächst, zu definieren, was man unter »DNS Abuse« versteht. Im Mittelpunkt stehen demnach fünf verschiedene Kategorien von Missbrauch: Malware, Botnets, Phishing, Pharming und Spam, letzterer aber nur, wenn er als Liefermechanismus für die anderen vier Kategorien von Missbrauch dient; unverlangt zugesandte, massenhaft versendete Werbebotschaften ohne Missbrauchshintergrund fallen damit aus dem Raster, solange sie nicht zum Beispiel für Phishing dienen. Diese Ansicht deckt sich mit der Position der Internet-Verwaltung ICANN, die auf ihrer Website schreibt: »Complaints about spam are outside of ICANN’s scope and authority«.

Um derartigen Missbrauch zu bekämpfen, ist die Gruppe der Meinung, dass Registries und Registrare gemeinsam handeln müssen. Problematisch dabei ist, dass sie meist nur eine Handlungsmöglichkeit haben, nämlich die gesamte missbräuchlich genutzte Domain abzuschalten. Chirurgische Eingriffe, bei denen beispielsweise einzelne Webseiten unter einer Domain gezielt herausgegriffen werden, sind ihnen nicht möglich; daher zählen Maßnahmen, die auf eine Kontrolle von Inhalten abzielen (»Website Content Abuse«), nicht zu den Mitteln, die sie bei einer Missbrauchsbekämpfung nutzen wollen oder können, zumal dies unverhältnismäßig sein und zu Kollateralschäden führen könnte. Eine unmittelbare Handlungspflicht, auch ohne eine gerichtliche Anordnung, erkennt man nur in vier Fällen:

(1) child sexual abuse materials, (2) illegal distribution of opioids online, (3) human trafficking and (4) specific and credible incitements to violence.

Zur Begründung heisst es, dass von diesen Erscheinungsformen von Missbrauch eine physische und oft irreparable Bedrohung für menschliches Leben ausgehe. Über den Domain-Registrar bleibt dem Domain-Inhaber dann die Möglichkeit, derartigen Missbrauch selbst abzustellen und damit einer Abschaltung der Domain zuvorzukommen.

Vorläufig hofft die Gruppe mit der Veröffentlichung des Positionspapiers darauf, eine produktive Diskussion in der Community anzustoßen und die Rolle von Registries und Registraren in der Bekämpfung von Missbrauch zu definieren. ICANN dürfte diese Bemühungen wohlwollend verfolgen: auf Grundlage der eigenen Satzung versteht man sich als technischer Koordinator für die Sicherheit und Stabilität des DNS; mit Webinhalten hat man dagegen so wenig zu tun wie ein Strassenbauer mit Geschwindigkeitsverstössen. Gut möglich, dass sich nun auch Registries und Registrare deutlich und frühzeitig davon abgrenzen wollen, zu einer Art „Content-Polizei“ zu werden.

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