Registry-Pleite

ICANN stellt Notfallplan vor

Was tun, wenn die Registry pleite geht? Um ein ähnliches Debakel wie beim US-Registrar Registerfly.com zu verhindern, hat die Internet-Verwaltung ICANN einen Notfallplan ausgearbeitet, der im Fall der Fälle die Domain-Inhaber schützen und das Vertrauen in das Domain Name System bewahren soll.

Nicht zuletzt die im Mai 2007 bekannt gewordenen wirtschaftlichen Turbulenzen von Theglobe.com Inc., Mutterunternehmen der .travel-Registry Tralliance Corporation, haben gezeigt, dass nicht nur Registrare in Notsituationen geraten können. Um zu verhindern, dass in einem solchen Fall sämtliche registrierten Domains verloren gehen, hat ICANN daher in Zusammenarbeit mit großen gTLD-Betreibern, erfahrenen ccTLD-Verwaltungen und seinem Security and Stability Advisory Committee (SSAC) einen so genannten „Registry Failover Plan“ entwickelt, der erstmals Ende 2007 beim ICANN-Meeting in Los Angeles diskutiert wurde. Seither durchlief der Plan diverse Änderungen, um beim ICANN-Meeting in Paris im Juni 2008 abschließend beraten zu werden. Ziel ist es, die kritischen Funktionen einer Registry zumindest eine Weile aufrecht zu erhalten und des weiteren über Treuhänder sicherzustellen, dass die Inhaberinformationen verfügbar sind, um einer Ersatzregistry kurzfristig eine Übernahme des Betriebes und einen Domain-Transfer zu ermöglichen.

Der Notfallplan sieht hierzu einige wesentliche Mechanismen vor, um diese Ziele erreichen zu können. Zum einen soll ICANN über „information sharing“ in der Lage sein, auf Daten der Registry zuzugreifen; hierzu muss jede Registry zusätzliche Kontaktmöglichkeiten benennen, wobei diese vierteljährlich überprüft werden. Weiter soll das „crisis response team“ einberufen werden können, wenn ICANN Nachricht von einem Notfall erhält; dieses soll nicht nur die notwendigen Maßnahmen koordinieren, sondern auch die Öffentlichkeit informieren und als Anlaufstelle für die Medien dienen. Sollte eine Registry ausser Stande sein, kritische Funktionen weiter zu erfüllen, tritt ein Plan zur Überleitung der Domains ein, um deren Inhaber zu schützen; ein Verkauf der Registry etwa im Rahmen einer Ausschreibung ist in dieser Phase ebenfalls möglich, so dass unter Umständen ein aussenstehender Dritter die TLD-Verwaltung in der Krise übernehmen kann. Sollte sich kein Interessent finden, sollen die Domain-Namen mindestens noch 30 Tage funktionsfähig bleiben, um den Domain-Inhabern eine Reaktion zu ermöglichen; danach kann der Betrieb eingestellt werden.

Der Notfallplan liegt derzeit und voraussichtlich noch bis zum 14. August 2008 zur öffentlichen Stellungnahme aus. Das Interesse ist trotz der Brisanz des Themas allerdings bescheiden; aktuell datieren die letzten Kommentare auf Mitte November 2007 zurück.

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