Ausschreibung

Führungswechsel bei IANA?

Schreck für ICANN: im Rahmen einer derzeit noch informellen Ausschreibung sucht das US-Handelsministerium potentielle Bewerber für die Übernahme der Verwaltung der Internet Assigned Numbers Authority (IANA). Experten schliessen nicht aus, dass dies zum Split des Internets führen könnte.

In den Zuständigkeitsbereich von IANA fällt neben der Delegierung von IP-Adressen an die fünf regionalen Internet-Registries (RIRs), darunter dem Amsterdamer RIPE für Europa, insbesondere die Root Zone, in die sämtliche Top Level Domains eingetragen sind bzw. werden müssen. Organisatorisch untersteht IANA aufgrund eines zuletzt im Jahr 2003 verlängerten Vertrags der Internet-Verwaltung ICANN, ohne dass ICANN hierfür jedoch finanzielle Gegenleistungen erhält. Gleichwohl leitet ICANN hieraus einen Großteil seiner „Macht“ ab. Will zum Beispiel ein Land den Verwalter seiner Länderendung wechseln, bedarf es förmlich der Zustimmung von ICANN, auch wenn diese in Regel ohne weiteres erteilt wird.

Der derzeitige Vertrag mit ICANN endet jedoch Ende März 2006. Das US-Handelsministerium nahm dies zum Anlass, in einem so genannten „Request for Information“ (RFI) potentielle Interessenten aufzufordern, bis spätestens 7. März 2006 Vorschläge einzureichen, wie sie die IANA-Aufgaben übernehmen und künftig ausführen könnten. Unklar ist, welche Absicht das US-Handelsministerium damit verfolgt. Gerüchteweise soll Neustar, Verwalter der US-Länderendung .us, auf eine Neuausschreibung gedrängt haben. Auch Afilias, die International Telecommunication Union (ITU) und VeriSign werden als potentielle Übernahmekandidaten genannt. Selbst auf die Brüsseler EU sowie das Council of European National Top Level Name Registries (CENTR) wird spekuliert, auch wenn es als unwahrscheinlich gilt, dass die USA zentrale Aufgaben der Internet-Verwaltung aus ihrem Einflussbereich entlassen.

Für ICANN bedeutet dieser Schritt einen Schuss vor den Bug, auch wenn das Ministerium von einer offiziellen Ausschreibung zunächst Abstand genommen hat. Insider deuten dies als vorsichtiges Signal, den Vertrag mit ICANN zu verlängern, ohne sich jedoch den Weg zu Alternativen versperren zu wollen. Letztlich ist die Entscheidung hoch politisch; sollte es tatsächlich zur Trennung ICANN-IANA kommen, könnte dies zum Split des Internets führen, da Kernkompetenzen auseinanderfallen und gegeneinander ausgespielt werden könnten. Dass die USA hieran wirklich Interesse haben, muss allerdings ernsthaft bezweifelt werden.

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