In zwei aktuellen UDRP-Entscheidungen um .ai-Domains scheitern beide Beschwerdeführer. Im Streit um vois.ai fällt die Prüfung eines Reverse Domain Name Hijacking (RDNH) zu Gunsten des Beschwerdeführers aus, im Streit um armoriq.ai erging ein RDNH gegen den Beschwerdeführer. Was macht den Unterschied?
armoriq.ai – Forum Claim Number: FA2602002206245
Die MAJA Holdings LLC aus den USA sieht ihre Markenrechte durch die Domain armoriq.ai verletzt. Sie trägt vor, beim United Kingdom Intellectual Property Office (UKIPO) und beim European Union Intellectual Property Office die Marke »ARMORIQ« eingetragen zu haben; beim United States Patent and Trademark Office (USPTO) sei die Marke erst angemeldet, aber noch nicht eingetragen. Sie beruft sich grundsätzlich auf die Nutzung des Zeichens »ARMORIQ« im geschäftlichen Verkehr seit Oktober 2023. Der Gegner lebt in Serbien und teilt mit, er habe die Domain am 21. August 2024 registriert, lange bevor die Beschwerdeführerin ihre Marken 2025 angemeldet hat und diese eingetragen wurden. Der Entscheider Jeffrey J. Neuman wies die Beschwerde ab, da die Beschwerdeführerin die Bösgläubigkeit des Gegners nicht nachgewiesen habe, der offensichtlich die Domain vor Anmeldung der Marken registriert hat. Dass ein Markenrecht aufgrund der Nutzung des Zeichens bereits ab Oktober 2023 entstanden sei, habe die Beschwerdeführerin nicht nachgewiesen. Bei der Prüfung eines RDNH verwies Neuman auf genau diese Umstände und der sich daraus ergebenden Klarheit darüber, dass das UDRP-Verfahren zum Scheitern verurteilt war und die Beschwerdeführerin dies hätte wissen müssen. Das stelle einen Missbrauch der UDRP dar, weshalb Neuman ein RDNH bestätigte. Er betonte, dass das UDRP-Verfahren kein Ersatz für einen ordentlichen Markenrechtsstreit darstelle.
vois.ai – WIPO Case No. DAI2026-0003
Im Streit um die Domain vois.ai konnte der Beschwerdeführer VSSB Zrt. aus Ungarn nachweisen, dass er die Marke »VOIS« bereits als IR-Marke am 30. Juli 2020 registriert hatte; zugleich verwies er auf die am 13. Juni 2025 beantragte Marke »VOIS«, die am 14. Januar 2026 eingetragen wurde und Schutz unter anderem in Ungarn genießt. Die erstmals im Dezember 2023 registrierte Domain vois.ai hatte der pakistanische Gegner im Dezember 2025 in einer Auktion erstanden. Er konnte nachvollziehbar darstellen, dass er »VOIS« als Akronym von »voice intelligence systems« und als Verbindung der Begriffe »voice« und »intelligence« verstehe, die sich in »VOIS« zu einem 4-Zeichen-Begriff formieren, der in unterschiedlicher Weise Bedeutung gewinnen könne. Von der Marke des Beschwerdeführers habe er zum Zeitpunkt des Erwerbs nichts gewusst. Entscheider Evan D. Brown wies die Beschwerde ab. Er sah keine ausreichenden Beweise dafür, dass der Gegner gezielt gegen den Beschwerdeführer oder dessen Marke vorgegangen ist. Auch er prüfte ein RDNH, stellte aber beim Beschwerdeführer keine böswillige Absicht hinsichtlich des Verfahrens fest. Brown kam zwar zum Schluss, dass der Beschwerdeführer dem Gegner keine böse Absicht nachgewiesen habe, konnte jedoch auch nicht feststellen, dass die Beschwerde in böswilliger Absicht eingereicht wurde oder einen Missbrauch der UDRP darstelle. Der Beschwerdeführer sei Inhaber der Markenrechte an der Marke »VOIS« und brachte nachvollziehbare Argumente vor, weshalb der Gegner missbräuchlich Inhaber der Domain vois.ai sei. Damit war der Beschwerdeführer zwar letztlich erfolglos, unter den gegebenen Umständen waren die Argumente und das Verfahren jedoch nicht unangemessen.
Den Unterschied in beiden Verfahren macht einmal mehr die Frage der Priorität von Marke gegenüber der Domain. Aber auch nur bei der Frage eines RDNH wird er relevant. Bei der Abweisung der Beschwerden stehen sich einerseits das fehlende Markenrecht (armoriq.ai) und die nicht überzeugende Begründung der Bösgläubigkeit (vois.ai) gegenüber. Die Behauptungen des Beschwerdeführers im Streit um vois.ai waren berechtigt, führten aber nicht zum Erfolg, da der Gegner sehr gute Argumente für sich hatte. Im Streit um armoriq.ai war das fehlende Markenrecht zum Zeitpunkt, da der Gegner Inhaber der Domain wurde, ausschlaggebend für den Missbrauch der UDRP und damit die Feststellung eines RDNH.