Themen: MarkMesh – neue Plattform für aktuelle Markendaten | Statistik – .de macht die 18 Millionen voll | TLDs – Neues von .dot, .uk und .vegas | pauscha.at – Vorabentscheidung durch den EuGH | Asien – Jahresbericht des ADNDRC für 2025 ist da | derm.com – viel Haut für US$ 825.000,– | eco – 10. Netzpolitisches Forum 2026 in Berlin
MARKMESH – NEUE PLATTFORM FÜR AKTUELLE MARKENDATEN
Stets aktuelle Daten zu eingetragenen Marken und eine automatische Nachricht bei jeder Änderung – mit diesem Versprechen tritt die Plattform MarkMesh an, um eine Lücke im Grenzgebiet zwischen Marken und Domains zu schließen.
Rund 190 Ämter weltweit verwalten eingetragene Marken, darunter das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA), das European Union Intellectual Property Office (EUIPO), die World Intellectual Property Organization (WIPO), das United States Patent and Trademark Office (USPTO), das Japan Patent Office (JPO) sowie die China National Intellectual Property Administration (CNIPA). Jedes dieser Ämter hat seine eigenen Regeln, sein eigenes Datenformat, seinen eigenen Aktualisierungsrhythmus und seine eigene Interpretation von Statusmeldungen. Es gibt Amtsblätter, öffentliche Portale und Datenschnittstellen (Application Programming Interfaces, kurz APIs), doch nicht selten gehen die Informationen zu ein und derselben Marke auseinander. Damit ähneln Markenämter TLD-Registries; auch hier gelten oft unterschiedliche Regeln und Anforderungen, die den Anwendern die Arbeit nicht unbedingt erleichtern. Mit diesem Zustand wollten sich Tobias Sattler und Lenz Gschwendtner nicht länger zufriedengeben; ihr Anspruch war es, mit der MarkMesh Ltd. eine Plattform zu entwickeln, die Markendaten aus unterschiedlichen Quellen zusammenführt, normalisiert und kontinuierlich aktualisiert.
Herausgekommen ist MarkMesh, eine Plattform für Markendaten und Markenmonitoring. Die beiden Gründer betonen, dass es sich nicht um einen Anmeldedienstleister handelt; MarkMesh reicht keine Markenanmeldungen ein, übernimmt keine Verlängerungen und zahlt auch keine amtlichen Gebühren. Das bleibt in der Hand des Markeninhabers und des jeweiligen Markenamts. Die Aufgabe von MarkMesh ist es vielmehr, die Markenämter zu beobachten, die für die Kunden relevanten Marken zu verfolgen und diese zu benachrichtigen, sobald sich etwas ändert. Oder kurz: Welche Marke erfordert die Aufmerksamkeit des Nutzers? Kombiniert wird das Angebot mit einem Pauschalpreismodell, angefangen bei EUR 199,– netto monatlich für Anwaltskanzleien und Rechtsabteilungen in Unternehmen, über EUR 490,– netto monatlich für Plattformen, die Unternehmen und deren Kunden bedienen, bis hin zu EUR 2.500,– netto monatlich für größere Partner mit individuellen Anforderungen. Eingeschlossen sind der Zugang zu allen angeschlossenen Markenämtern, eine unbegrenzte Anzahl von Nutzern sowie eine 30-tägige Testphase. Die beiden Gründer können dabei auf ihre Expertise zurückgreifen. Tobias Sattler war als CTO bei united-domains.de (deren Projekt dieser Newsletter ist) tätig, übernahm später den Vorsitz im Vorstand von PTI (dem Betreiber der IANA-Funktionen), war Mitbegründer der TechOps-Gruppe bei ICANN und verfasste das RFC 9167. Lenz Gschwendtner arbeitete ebenfalls als CTO bei einem Domain-Registrar, wanderte dann nach Neuseeland aus, war Mitgründer von iwantmyname, arbeitete dort mehr als zehn Jahre als CTO und begleitete das Unternehmen bis zu seiner Übernahme durch die Londoner CentralNic, die inzwischen für zahlreiche TLDs als Registry auftritt.
MarkMesh steht aktuell noch am Anfang. Die Gründer räumen ein, dass es noch viel zu lernen gäbe; aber es gäbe auch unzählige Ideen für die Zukunft, um die Plattform zu verbessern. „We tend to spend less time discussing why something is difficult and more time figuring out how to do it better“, so Gschwendtner.
Weitere Informationen finden Sie unter:
> https://markmesh.com/
Quelle: markmesh.com, eigene Recherche
STATISTIK – .DE MACHT DIE 18 MILLIONEN VOLL
Deutschlands Länderkürzel macht die 18 Millionen voll: zum Monatswechsel Juni auf Juli 2026 knackte .de zum ersten Mal die Marke von 18 Millionen registrierten Domains. Und auch .top gelang es, einen neuen Millionenrekord aufzustellen.
Fünf Jahre ist es her, seit .de mit Registrierung der 17-millionsten Domain letztmals eine Millionenmarke überschritt, doch nun ist es erneut soweit. Wie die .de-Verwalterin DENIC eG bekanntgab, hat .de mit Vergabe der 18-millionsten Domain ihre weltweite Spitzenposition weiter ausgebaut. Das explosive Wachstum der Anfangsjahre ab 2000 hat sich spätestens seit 2014 verlangsamt; dennoch ist die anhaltende Beliebtheit von .de unbestreitbar. Wie in vielen anderen europäischen Ländern ist sie beim lokalen Publikum deutlich beliebter als .com. „18 Millionen .de-Domains sind kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis eines starken Ökosystems aus Genossenschaftsmitgliedern und Partnern“, erklärt Tom Keller, Vorstandsmitglied der DENIC eG. „In einer Zeit, in der digitale Identität wichtiger denn je ist, steht .de für Verlässlichkeit und Zugehörigkeit. Wer in Deutschland sichtbar sein will, wählt .de.“ Diese Sonderstellung wird durch eine repräsentative Studie der Ipsos GmbH Hamburg aus dem Dezember 2025 unter mehr als 1.000 Befragten untermauert. Die ungestützte Bekanntheit von .de liegt bei 79 Prozent im Gesamtmarkt und damit deutlich vor .com (67 Prozent) und .net (17 Prozent). Die gestützte Bekanntheit erreicht mit 97 Prozent nahezu den Maximalwert. 78 Prozent der Befragten im Gesamtmarkt sind mit .de äußerst oder sehr vertraut. Zum Vergleich: Die Endung .com erzielt einen spürbar niedrigeren Wert von 64 Prozent. Bestnoten erzielt .de vor allem bei den Kriterien Datenschutz, deutschsprachige Inhalte und nationale Relevanz. Müssten sich die Befragten bei freier Wahlmöglichkeit für eine Endung entscheiden, wählen 72 Prozent im Gesamtmarkt die Endung .de; auch hier liegt .com mit 29 Prozent mit deutlichem Abstand dahinter.
Da geht fast unter, dass .com nach einem überragenden Zuwachs von 1,1 Mio. Domains im Mai 2026 im Juni 2026 kaum schlechter dasteht. Es ging in vier Wochen wiederum um fast 1 Mio. Domains netto voran, so dass .com insgesamt bei 166,6 Mio. Domains notiert. Im Übrigen widersetzte sich der Markt den sommerlichen Temperaturen; mit Ausnahme leichter Verluste bei .info ging es zwar insgesamt für alle wichtigen generischen Top Level Domains voran, aber mit teilweise bescheidenen Ergebnissen wie etwa bei .eu, für die es nur um gut 6.200 Domains voranging. Umso beachtlicher wiederum waren die Fortschritte bei den nTLDs, deren Gesamtzahl im Juni von 78.454.059 auf 82.123.395 anstieg. Angetrieben wurde der Markt einmal mehr von starken Zuwächsen bei .xyz, für die es um rund 725.000 Domains voranging, und .top, die mit einem Plus von rund 500.000 Domains als zweite nTLD überhaupt in den zweistelligen Millionenbereich vorrückte.
Bei den Länderendungen verdient die niederländische Landesendung .nl eine Erwähnung. Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Anzahl der Registrierungen weiter an. Mitte Juni 2026 lag die Gesamtzahl bei 6.129.000, verglichen mit 6.059.000 zu Jahresbeginn. Das Wachstum vom Jahresbeginn setzte sich also fort und beendete die Phase des Rückgangs in den Jahren 2024 und 2025. Die Registry SIDN führt die gestiegene Nachfrage nach .nl-Domains hauptsächlich auf die steigende Zahl von Unternehmensgründungen und -planungen zurück; Veränderungen der Gründungsrate spiegeln sich üblicherweise in den Daten des Domain-Marktes wider, bevor sie in den Daten der Handelskammer sichtbar werden, da sich Existenzgründer in der Regel drei bis sechs Monate vor der Unternehmensregistrierung ihre Domain sichern. Die aktuellen Zahlen der Handelskammer zeigen daher erst jetzt den positiven Trend, der sich bereits Anfang des Jahres bei den niederländischen Nachbarn abzeichnete: mehr Unternehmensgründungen und weniger Geschäftsaufgaben.
Die aktuellen Domain-Zahlen:
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.de – 17.998.588 – (Vergleich zum Vormonat: + 30.774)
.at – 1.517.196 – (Vergleich zum Vormonat: + 5.267)
.com – 166.610.853 – (Vergleich zum Vormonat: + 997.345)
.net – 12.491.409 – (Vergleich zum Vormonat: + 34.701)
.org – 11.980.715 – (Vergleich zum Vormonat: + 71.219)
.info – 5.286.975 – (Vergleich zum Vormonat: – 10.606)
.biz – 1.252.589 – (Vergleich zum Vormonat: + 25.618)
.eu – 3.689.382 – (Vergleich zum Vormonat: + 6.174)
.xyz – 11.304.188 – (Vergleich zum Vormonat: + 726.323)
.top – 10.400.923 – (Vergleich zum Vormonat: + 499.778)
.shop – 6.962.165 – (Vergleich zum Vormonat: + 327.128)
(Stand 01. Juli 2026)
Quelle: denic.de, sidn.nl, eigene Recherche
TLDs – Neues von .dot, .uk und .vegas
Das berühmte „dot“ wird im Domain Name System noch präsenter: die Dish DBS Corporation eröffnet in Kürze die Registrierung von .dot-Domains. Derweil baut .vegas die Sicherungsmöglichkeiten für Domain-Inhaber aus, während der DNS-Fond der .uk-Registry Nominet hohe sechsstellige Fördergelder verteilt – hier unsere Kurznews.
Die in Englewood (US-Bundesstaat Colorado) ansässige Dish DBS Corporation bereitet den Markteintritt der neuen Top Level Domain .dot vor. Wie das Trademark Clearinghouse (TMCH) meldet, geht es bereits in Kürze los, nämlich am 21. Juli 2026 mit einer Sunrise Period, die bis zum 19. Oktober 2026 andauert. Teilnahmeberechtigt sind Markeninhaber mit Eintrag im TMCH. Im Anschluss folgt ab dem 20. Oktober 2026 eine 12-tägige Early-Access-Phase, in der .dot-Domains zu Premiumgebühren registriert werden können. Der Live-Start von .dot ist aktuell für den 02. November 2026 angesetzt. Vergabebeschränkungen gibt es voraussichtlich nicht; nach Angaben der Registry ist „.dot designed for builders and the things they create. If you make products, communities, brands, or ideas worth a name of their own“. In der Bewerbung hatte die Dish DBS Corporation noch angekündigt, .dot als „a restricted, exclusively-controlled gTLD“ betreiben zu wollen. Im Fall von Streitigkeiten hat sich .dot den Regelungen der Uniform Domain-Name Dispute-Resolution Policy (UDRP) und der Uniform Rapid Suspension (URS) unterworfen. Zur Höhe der Gebühren liegen noch keine verlässlichen Angaben vor.
Die .uk-Registry Nominet hat die zweite Bewerbungsrunde ihres „DNS Fund“ eröffnet. Der im letzten Jahr ins Leben gerufene Fonds unterstützt Open-Source-Projekte, welche die kritische Infrastruktur des Domain Name System sicher und stabil halten. Um förderfähig zu sein, müssen die Projektvorschläge von Organisationen und Einzelpersonen dem Gemeinwohl dienen und auf zentrale DNS-Anforderungen eingehen. Sämtlicher mit Unterstützung des Fonds entwickelter oder modifizierter Quellcode muss öffentlich zugänglich gemacht werden, und sämtliche Dokumentation muss unter einer Creative-Commons-ähnlichen Lizenz veröffentlicht werden. Bisher flossen GBP 370.000,– in DNS-Softwarebibliotheken, Testumgebungen und Betriebswerkzeuge, die von Registries weltweit eingesetzt werden; in der zweiten Runde stehen sogar GBP 650.000,– zur Unterstützung von Open-Source-Projekten und deren Entwicklern bereit. „The response to the first round of the DNS Fund was incredible and made it clear how fundamental funding for open source developers is for the resilience of the internet“, so Paul Fletcher, CEO von Nominet. „This time round, we have increased the funding and made the fund more flexible to ensure we can support the people keeping the internet running for us all.“
Die US-amerikanische Dot Vegas Inc., Verwalterin der am 20. März 2014 delegierten Top Level Domain .vegas, legt in Sachen Sicherheit noch ein Stück drauf. Ab sofort ist es möglich, .vegas-Domains mit einem „registry lock“ zu versehen. Ein „registry lock“ sperrt eine Domain über die Registrar-Registry-Schnittstelle und sichert sie so gegen ungewollte Veränderungen und Einwirkungen durch unberechtigte Dritte ab. Änderungen an einer Domain sind nach dessen Einrichtung nur nach einem Authentifizierungsverfahren möglich; weder die Änderung des Domain-Inhabers noch die Aktualisierung der Nameserver sind ohne diese Verifizierung möglich. Mit dem „registry lock“ kann der Domain-Inhaber also jederzeit die volle Kontrolle über seine Domain behalten. Im Gegenzug fallen leicht erhöhte Registrierungsgebühren an. Zuständig für die Aktivierung des „registry lock“ ist der Domain-Registrar, eine Anfrage bei der Registry hilft also nichts.
Weitere Informationen zu .dot finden Sie unter:
> https://www.dot.dot/
Weitere Informationen zum „DNS Fund“ von Nominet finden Sie unter:
> https://nominet.uk/our-impact/nominet-dns-fund/
Quelle: domainincite.com, nominet.uk, bnamed.blog
PAUSCHA.AT – VORABENTSCHEIDUNG DURCH DEN EUGH
Liegt in der Verwendung einer österreichischen Marke in einer .at-Domain eine Markenverletzung, wenn die Website mittels Geoblocking für österreichische Nutzer gesperrt ist? Auf Vorlage des Obersten Gerichtshofs (OGH) in Österreich darf nun der Gerichtshof der Europäischen Union diese bisher ungeklärte Frage klären.
Hintergrund des Verfahrens ist ein Streit zweier österreichischer Fassbindereien, also holzverarbeitender Handwerksbetriebe, in denen Gefäße wie Holzfässer, Bottiche, Eimer und Kübel hergestellt werden. Die Klägerin ist Inhaberin zweier österreichischer Marken Nr. 304108 („Pauscha“) und 304109 („K.P.“). Im Zuge eines Insolvenzverfahrens hatte ein italienisches Unternehmen die europäische Wort-Bild-Marke „P A – since 1875“ sowie die Domain pauscha.at erworben und diese sodann auf die von ihr gegründete, in Österreich ansässige Beklagte übertragen; sie nutzte die Marke sowohl für ihre geschäftlichen Aktivitäten als auch im Rahmen der Domain, obwohl diese einen Bestandteil der Marken der Klägerin enthält. In einem Vorprozess wurde die von der Beklagten erworbene Unionsmarke gemäß Art. 58 Abs. 1 lit c UMV wegen Irreführung für verfallen erklärt. Die Beklagte reagierte in der Folge in Bezug auf die Domain mit Geoblocking für österreichische IP-Adressen; die Website der Beklagten ist daher aus Österreich nicht aufrufbar („service unavailable“). Zudem erscheint beim Aufruf der Domain zum Beispiel von Deutschland aus der Disclaimer „Diese Website ist nicht für den österreichischen Markt bestimmt“. Die Beklagte hat auch keine Kunden in Österreich; sie beliefert Kunden weder im Hinblick auf ihre Waren noch ihre Dienstleistungen mit einer Lieferanschrift in Österreich bzw. einem Leistungserbringungsort in Österreich. Die Klägerin macht nun gleichwohl unter anderem geltend, dass die Pflicht zur Unterlassung der Verwendung ihrer Marken in Form des Domain-Namens pauscha.at alle Verwendungen zur Kennzeichnung von Holzfässern und/oder Waren und/oder Dienstleistungen im Zusammenhang mit Holzfässern für unter einem Domain-Namen mit dem Bestandteil pauscha.at im Internet in Österreich oder außerhalb Österreichs aufrufbaren Websites oder für den Versand von eMails unter Verwendung einer eMail-Adresse mit dem Bestandteil pauscha.at an Empfänger in Österreich oder außerhalb Österreichs oder die Angabe einer solchen eMail-Adresse als eMail-Adresse der Beklagten umfasse.
Im Verfahren vor dem OGH ist nicht mehr strittig, dass die Klägerin aus ihrer nationalen Marke einen grundsätzlichen Anspruch hat, der Beklagten die Nutzung des Zeichens „Pauscha“ für Waren und Dienstleistungen der Fassbinderei zu untersagen. Der durch die Eintragung einer nationalen Marke gewährte Schutz ist jedoch grundsätzlich auf das Gebiet des Eintragungsmitgliedstaats beschränkt. Nach österreichischem Recht ist die Nutzung eines Zeichens als Bestandteil einer eMail-Adresse sowie als Domain grundsätzlich eine markenmäßige Benutzung im Sinne des § 10a MSchG. Die Besonderheit des Falles liegt daher darin, dass die Beklagte die Domain pauscha.at von Österreich aus betreibt, die Website unter pauscha.at jedoch durch Geoblocking für österreichische Nutzer sperrt und einen Disclaimer verwendet. Es ist für den OGH zu klären, ob dies dennoch eine Benutzungshandlung im Sinne des Markenrechts im Schutzland Österreich darstellt, insbesondere im Hinblick auf die Herkunfts- und Werbefunktion einer Marke und das Ziel eines unverfälschten Wettbewerbs. Für eine Benutzungshandlung trotz Geoblockings und der Verwendung des Disclaimers könnte sprechen, dass die Beklagte das Zeichen „Pauscha“ schon dadurch markenrechtswidrig im Inland nutzt, dass sie von ihrem Sitz in Österreich aus den Webauftritt unter der österreichischen Domain gestaltet. Dagegen spricht unter anderem die Überlegung, dass sich die Website ausdrücklich nicht an im Schutzstaat Österreich ansässige Verbraucher richtet. Da weder ein „acte clair“ (also eine eindeutige Rechtslage) vorliegt noch alle Rechtsfragen durch die bisherigen Vorabentscheidungen des EuGH gelöst sind, hat der OGH als letzte Instanz gemäß Art. 267 Satz 3 AEUV ein Vorabentscheidungsersuchen an den Gerichtshof der Europäischen Union zu richten.
Für international tätige Unternehmen mit Markenschutz könnte die Entscheidung erhebliche praktische Konsequenzen haben. Sollte der EuGH zu der Ansicht kommen, dass bereits die (Registrierung und) Nutzung einer .at-Domain einen ausreichenden Inlandsbezug begründet, auch wenn sich das Angebot ausdrücklich nicht an den österreichischen Markt richtet, würde das die aus einer Marke resultierenden Rechte erweitern. Sollte der EuGH stattdessen urteilen, dass Geoblocking und Disclaimer einen Inlandsbezug ausschließen, könnten Unternehmen ihre Angebote zielgerichtet beschränken. Bis wann der EuGH seine Entscheidung trifft, ist derzeit nicht absehbar.
Das Vorabentscheidungsersuchen des OGH (Beschluss vom 20.05.2026 – Az. 4 Ob 169/25v) finden Sie bei Auswahl des Dokumententyps „Entscheidungstexte“ und Eingabe der „Geschäftszahl“ „4 Ob 169/25v“ unter:
> https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Justiz/
Spezialisierte Anwälte findet man unter:
> https://www.domain-anwalt.de
Quelle: eigene Recherche
ASIEN – JAHRESBERICHT DES ADNDRC FÜR 2025 IST DA
Das Asian Domain Name Dispute Resolution Centre (ADNDRC), eines der fünf von ICANN akkreditierten Schiedsgerichte für UDRP-Verfahren, hat seinen Jahresbericht 2025 veröffentlicht. Demnach vermeldet das Centre einen Anstieg der Beschwerdeverfahren um fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Mit vier Büros in Peking (China International Economic and Trade Arbitration Commission), Hong Kong (Hong Kong International Arbitration Centre), Kuala Lumpur (Asian International Arbitration Centre) und Seoul (Korea Internet Address Dispute Resolution Committee) ist das gemeinnützig organisierte ADNDRC, das 2025 sein 25-jähriges Bestehen feierte, das einzige UDRP-Schiedsgericht in Asien, einem Wirtschaftsraum mit immerhin 4,75 Mrd. Einwohnern. Gesicherte Erkenntnisse über die Zahl der dort registrierten Domain-Namen liegen nicht vor, Streitpotential gibt es jedoch genügend. Das ADNDRC bearbeitete 2025 Streitigkeiten mit Beteiligung von Parteien aus über 40 Jurisdiktionen, was die zunehmende Internationalisierung des digitalen Handels und der Markenrechtsdurchsetzung widerspiegelt. Aber auch die Verfahren selbst werden komplexer, wie die ADNDRC-Vorsitzende Joanne Lau berichtet, insbesondere in verfahrenstechnischer und tatsächlicher Hinsicht. Die Parteien würden ein verstärktes Engagement durch inhaltliche Stellungnahmen, ergänzende Schriftsätze, Einwände gegen die Ernennung von Panelisten, Anträge auf Zusammenlegung und parallele Verfahren zeigen. Insgesamt werden Domain-Streitigkeiten dabei komplexer, was die Bedeutung effizienter und verfahrenstechnisch ausgewogener Streitbeilegungsmechanismen steigere.
Insgesamt gingen im Jahr 2025 exakt 260 Beschwerden beim ADNDRC ein, im Vorjahr waren es mit 175 noch deutlich weniger. Der Höchstwert von 272 UDRP-Verfahren aus dem Jahr 2021 bleibt aber vorerst unerreicht. Mit 96 Prozent wurde der weitaus überwiegende Teil der Verfahren durch Einzelpanelisten entschieden, nur in vier Prozent der Verfahren wurde um ein Dreiergremium gebeten. In der Tendenz stehen die Erfolgsaussichten für Markeninhaber günstig; in 78 Prozent der Verfahren konnten sie sich mit einem Transferantrag durchsetzen. Zu einer Abweisung kam es nur in 5,8 Prozent der Fälle, bei immerhin 9,2 Prozent der Fälle kam es zu einer vorzeitigen Verfahrensbeendigung. Die Verfahrenssprache war in etwa 2/3 der Beschwerden Englisch; es bedarf also nicht zwingend der Kenntnis einer asiatischen Sprache, um beim ADNDRC vorstellig zu werden. Die durchschnittliche Verfahrensdauer betrug im vergangenen Jahr 35,6 Tage, was einer Beschleunigung um 2,5 Tage gegenüber 2024 entspricht und den besten Wert seit 2020 bedeutet. Auf Seiten der Beschwerdeführer dominieren die Festlandchinesen (41,84 Prozent) vor den Cayman-Inseln (10,99 Prozent) und Südkorea (8,55 Prozent); auf Seiten der Beschwerdegegner liegt ebenfalls Festlandchina vorn (42,21 Prozent) vor den USA (19,01 Prozent) und Hong Kong (4,94 Prozent). Die meisten Verfahren betrafen chinesische .cn-Domains (104) vor Südkoreas .kr mit 17 und Hong Kongs .hk mit fünf Verfahren.
Für die Zukunft erwartet Joanne Lau, dass sich Domain-Streitigkeiten parallel zu den Entwicklungen in der gesamten digitalen Wirtschaft verändern. Dazu gehöre der Ausbau KI-gestützter Dienste (nicht erwähnt, aber miteingeschlossen wären halluzinierende Informationen, wie sie sich in Anwaltsschriftsätzen gelegentlich finden), plattformbasierter Ökosysteme und neue Formen der Online-Markennutzung. Alles weitere finden Interessierte ab sofort im 15-seitigen „Annual Report 2025“ des ADNDRC, der zum kostenlosen Download zur Verfügung steht.
Den „Annual Report 2025“ des ADNDRC finden Sie unter:
> https://www.adndrc.org/storage/uploads/events/event_2026060203274121.pdf
Spezialisierte Anwälte findet man unter:
> https://www.domain-anwalt.de
Quelle: adndrc.org, eigene Recherche
DERM.COM – VIEL HAUT FÜR US$ 825.000,–
Die vergangene Domain-Handelswoche brummt mit gleich sechs Domain-Verkäufen im sechsstelligen Bereich, angeführt von derm.com zum Preis von US$ 825.000,– (ca. EUR 723.684,–).
Die Kommerzendung .com glänzt mit gleich drei hochpreisigen Domains, angeführt von derm.com zum Preis von US$ 825.000,– (ca. EUR 723.684,–). Freuen kann sich auch huga.com mit ihrem Preis von aktuell US$ 24.995,– (ca. EUR 21.925,–), die sich bereits im September 2021 auf US$ 6.000,– (ca. EUR 5.172,–) steigerte, nachdem sie im Februar 2012 nur EUR 2.500,– eingebracht hatte. Nicht so gut lief es bei orthodontiste.com, die im Oktober 2011 bei US$ 8.500,– (ca. EUR 6.159,–) lag und jetzt nur noch auf EUR 4.995,– kommt.
Unter den Landesendungen steht die Kanalinsel Guernsey mit der Endung .gg weit vorne: x.gg erzielte im Januar 2016 gerade einmal EUR 7.088,–, jetzt vervielfachte sie ihren Wert auf sagenhafte US$ 115.000,– (ca. EUR 100.877,–). Die Domain sup.de muss hingegen Abstriche machen, von EUR 5.950,– im September 2015 auf jetzt EUR 2.999,–.
Die neuen generischen Endungen verhalten sich ruhig, verkünden aber den beachtlichen Verkauf der nordrheinwestfälischen Domain schiene.nrw zum Preis von EUR 3.000,–. Die klassischen generischen Endungen sind schwach besetzt. Die vergangene Domain-Handelswoche bietet exorbitante Zahlen, aber auch reichlich Leichtgewichte.
Länderendungen
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symphony.co – US$ 180.000,– (ca. EUR 157.895,–)
x.gg – US$ 115.000,– (ca. EUR 100.877,–)
magnus.io – US$ 104.500,– (ca. EUR 91.667,–)
multisensor.ai – US$ 19.225,– (ca. EUR 16.864,–)
scribed.ai – US$ 12.000,– (ca. EUR 10.526,–)
niro.ai – EUR 5.000,–
welovecare.de – EUR 7.995,–
piggyback.de – EUR 7.500,–
startseite.de – EUR 7.500,–
elevate-health.de – EUR 4.980,–
elevate-health.de – EUR 4.980,–
wavytalk.de – EUR 3.999,–
takedapro.de – EUR 3.249,–
marketingstrategie.de – EUR 3.149,–
sup.de – EUR 2.999,–
omnera.de – EUR 2.500,–
liqui.de – EUR 2.380,–
tfgm.de – EUR 2.000,–
atc.ch – US$ 6.010,– (ca. EUR 5.272,–)
paylink.me – US$ 2.750,– (ca. EUR 2.412,–)
mate.me – US$ 2.500,– (ca. EUR 2.193,–)
readycomputing.de – EUR 2.499,–
act.fr – EUR 2.490,–
Neue Endungen
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cobot.bot – US$ 4.840,– (ca. EUR 4.246,–)
schiene.nrw – EUR 3.000,–
just.poker – US$ 2.900,– (ca. EUR 2.544,–)
Generische Endungen
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waltsmb.net – US$ 5.000,– (ca. EUR 4.386,–)
finalwish.org – US$ 3.299,– (ca. EUR 2.894,–)
.com
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derm.com – US$ 825.000,– (ca. EUR 723.684,–)
amos.com – US$ 365.000,– (ca. EUR 320.175,–)
ino.com – US$ 130.000,– (ca. EUR 114.035,–)
freeroam.com – US$ 30.000,– (ca. EUR 26.316,–)
instacloud.com – US$ 29.888,– (ca. EUR 26.218,–)
huga.com – US$ 24.995,– (ca. EUR 21.925,–)
olkiluoto.com – EUR 17.000,–
trippa.com – US$ 12.255,– (ca. EUR 10.750,–)
klinea.com – EUR 10.750,–
neolys.com – US$ 10.000,– (ca. EUR 8.772,–)
ouragency.com – US$ 9.999,– (ca. EUR 8.771,–)
headsortails.com – US$ 9.900,– (ca. EUR 8.684,–)
freedomauto.com – US$ 9.250,– (ca. EUR 8.114,–)
ngoh.com – US$ 8.826,– (ca. EUR 7.742,–)
fundsolutions.com – US$ 8.500,– (ca. EUR 7.456,–)
companyos.com – US$ 6.000,– (ca. EUR 5.263,–)
79l.com – US$ 5.000,– (ca. EUR 4.386,–)
homebrain.com – US$ 5.000,– (ca. EUR 4.386,–)
hellbox.com – US$ 5.000,– (ca. EUR 4.386,–)
canlispor.com – US$ 5.000,– (ca. EUR 4.386,–)
orthodontiste.com – EUR 4.995,–
traceskin.com – US$ 4.960,– (ca. EUR 4.351,–)
kairn.com – EUR 4.000,–
cgcc.com – US$ 4.200,– (ca. EUR 3.684,–)
Weitere Domain-Preise finden Sie unter:
> https://www.domain-spiegel.de
Quelle: dnjournal.com, sedo.de, thedomains.com
ECO – 10. NETZPOLITISCHES FORUM 2026 IN BERLIN
Im Oktober 2026 lädt eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft eV zum „Netzpolitisches Forum 2026“ nach Berlin. Thema ist „Digitales Deutschland 2030 – Wie steht es um Deutschlands Digital Readiness?“.
Das Netzpolitische Forum 2026 von eco eV jährt sich zum zehnten Mal. Seit 2016 findet es jährlich statt. eco eV arbeitet damit an der Schnittstelle von Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Zum Termin am 06. Oktober 2026 in Berlin kommen als Referenten unter anderem Dr. Karsten Wildberger (Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung) und Dr. Stefanie Hubig (Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz). Beim Thema „Digitales Deutschland 2030 – Wie steht es um Deutschlands Digital Readiness?“ stehen die Internetwirtschaft, Anwender und die Bevölkerung im Mittelpunkt sowie die Frage, inwieweit Deutschland zu deren Gunsten digital aufgestellt ist. Ausgehend von Deutschlands heutigem Stand bei der digitalen Transformation fragt sich, welche Fortschritte sichtbar sind, wo strukturelle Hürden bestehen und wo gehandelt werden muss, um Digitalisierung in der Breite der Wirtschaft wirksam voranzubringen und die digitale Handlungsfähigkeit des Mittelstands bis 2030 zu stärken. eco eV wird anlässlich der Veranstaltung den „eco Digital Readiness Index 2026“ vorstellen.
Das Netzpolitische Forum 2026 „Digitales Deutschland 2030 – Wie steht es um Deutschlands Digital Readiness?“ findet am 06. Oktober 2026 von 17:30 bis 20:00 Uhr in der Hessischen Landesvertretung, In den Ministergärten 5 in 10117 Berlin, statt. Im Anschluss an die Veranstaltung darf genetzwerkt werden. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung jedoch Bedingung für die Teilnahme.
Weitere Informationen und Anmeldung unter:
> https://www.eco.de/event/netzpolitisches-forum2026/
Quelle: eco.de