Domain-Newsletter

Ausgabe #787 – 08. Oktober 2015

Themen: Umfrage – nTLDs mangelt es noch an Bekanntheit | Statistik – .com klettert auf über 120 Mio. | TLDs – Neues von .cruise, .eu und .hiv | UDRP – BMW erstreitet b.mw vor der WIPO | ICANN – URS gilt auch für .cat, .pro und .travel | v68.com – Zahlenmix für US$ 44.000,- | Hong Kong – 2. DomainFest Asia im September 2016

UMFRAGE – NTLDS MANGELT ES NOCH AN BEKANNTHEIT

Die Internet-Verwaltung ICANN hat die erste „Global Registrant Survey“ veröffentlicht. Das Ergebnis ist eher banal: wer schon eine Domain hat, ist mit neuen Top Level Domains vergleichsweise vertrauter als der durchschnittliche Internetnutzer.

Cui bono – wem zum Vorteil? Das fragten sich nicht nur die alten Römer, auch ICANN sah sich mit der Frage konfrontiert, welchen Sinn die Erweiterung des Domain Name Space durch die Einführung neuer Top Level Domains ergibt. Inzwischen sind mehrere hundert der neuen Endungen eingeführt, weshalb ICANN das Informations- und Medienunternehmen Nielsen damit beauftragt hat, Domain-Inhaber und Internetnutzer nach ihren Erfahrungen zu befragen. Im Zeitraum Februar bis August 2015 wandte sich Nielsen daraufhin an 3.357 volljährige Domain-Inhaber aus 24 Ländern in Afrika, Asien, Europa sowie Nord- und Südamerika; das Ergebnis hat ICANN nun in einer 97-seitigen „Global Registrant Survey“ vorgestellt, wobei Nielsen bei der Bekanntheit einzelner TLDs zwischen der Gruppe der Domain-Inhaber und der Gruppe der durchschnittlichen Internetnutzer differenziert.

Demnach sind 99 Prozent der Domain-Inhaber mit zumindest einer Top Level Domain vertraut. Dabei führt .com mit 88 Prozent vor .net mit 80 Prozent und .org mit 75 Prozent; da bleiben .info (57 Prozent) und .biz (46 Prozent) schon deutlich zurück. Noch unbekannter sind .info und .biz beim durchschnittlichen Internetnutzer; dort kommen sie lediglich auf Werte von 41 bzw. 31 Prozent. Diesen „Legacy TLDs“ genannten Endungen stellt Nielsen die sieben ausgewählten neuen Endungen .club, .email, .guru, .photography, .link, .realtor und .xyz gegenüber. Sie waren 65 Prozent der befragten Domain-Inhaber ein Begriff, wobei .email mit 38 Prozent deutlich vor .link (33 Prozent), .club (26 Prozent) und .guru (21 Prozent) führt. Beim durchschnittlichen Internetnutzer ist dieser Wert aber wiederum signifikant geringer; dort kommt .email auf 28 Prozent, .link auf 24 Prozent und .club auf 13 Prozent Bekanntheit. Teilweise sind die Ergebnisse für einzelne neue Endungen ernüchternd: so sind aktuell zwar über 1,1 Millionen .xyz-Domains registriert; eine Website mit dieser Endung tatsächlich besucht haben bisher jedoch lediglich 5 Prozent der befragten Nutzer. In Deutschland gilt demnach .email mit 40 Prozent als bekannteste der von Nielsen ausgewählten Endungen; eine .email-Domain besucht haben hierzulande immerhin 20 Prozent. Bedenkt man, dass derzeit nur rund 52.000 .email-Domains vergeben sind, stehen damit Registrierungszahlen in keinem aussagekräftigen Verhältnis zu ihrer Bekanntheit. Für ICANN erfreulich sein dürfte, dass immerhin zwei Drittel aller Teilnehmer der Studie die neuen Endungen als innovativ, informativ und hilfreich bezeichneten. Überwältigt sind sogar 40 Prozent – allerdings liegt der Anteil der durch neue TLDs verwirrten Teilnehmer ebenfalls bei 40 Prozent.

Zu den weiteren Erkenntnissen der Umfrage gehört, dass die Bekanntheit einer Domain-Endung einer der Schlüsselfaktoren für eine Registrierung ist. Der Preis ist dagegen weniger wichtig. Aber auch auf die Registrare wartet noch Arbeit: lediglich 61 Prozent der Befragten fanden es einfach, Domains zu registrieren. In Europa sind es zwar 66 Prozent; damit riskieren die Registrare aber immer noch, dass einer von drei Kunden von der Registrierung Abstand nimmt.

Sie finden die „Global Registrant Survey“ unter:
> https://www.icann.org/news/announcement-2015-09-25-en

Quelle: icann.org

STATISTIK – .COM KLETTERT AUF ÜBER 120 MIO.

Jetzt ist es offiziell: seit wenigen Tagen sind erstmals über 120 Millionen .com-Domains registriert. Weltweit stieg die Anzahl registrierter Domains im 2. Quartal 2015 sogar auf über 296 Millionen an.

Über eine Million neue Domains allein im September 2015 – wer gedacht hat, dass .com im Schatten der neu eingeführten Endungen verblasst, sieht sich getäuscht. Im Gegenteil: auch wenn .net oder .org schwächeln, behauptet .com seine Vormachtstellung unverändert. Viel spricht dafür, dass die neuen Endungen dazu geführt haben, dass .com als weltweit bekannte und etablierte TLD noch stärker wird. Dafür spricht auch, dass nach Angaben von VeriSign im 2. Quartal 2015 bei .com und .net zusammen 8,7 Millionen Domains registriert wurden; im gleichen Quartal des Vorjahres waren es „nur“ 8,5 Millionen. Zwar differenziert VeriSign dabei nicht zwischen .com und .net; ein Blick auf unsere Zahlen für September genügt aber, um festzustellen, dass vor allem .com das Wachstum treibt.

Das Lager der neu eingeführten Top Level Domains nähert sich derweil der Marke von acht Millionen Domains. Inzwischen sind über 760 nTLDs delegiert und in die Root Zone eingetragen, wobei hunderte attraktive Endungen wie .sex, .sky, .cloud, .law oder .car noch ebenso inaktiv sind wie zahlreiche Marken-TLDs wie .axa, .bmw, .barclays, .microsoft oder .accenture. An der Spitze hat sich dabei wenig getan: es führt .xyz mit 1,15 Millionen-Domains vor Frischling .top, der auf etwa 545.000 Domains kommt. Überraschend tapfer schlägt sich weiter .science, die auf gut 325.000 Domains kommt.

Bei den ccTLDs war der September dagegen eher schwach. So hat .de über 8.000 Domains netto verloren, so dass die offizielle Bestätigung, wonach erstmals mehr als 16 Millionen .de-Domains registriert sind, weiter warten muss. Auch das US-Kürzel .us notiert um über 12.000 Domains leichter. Dafür kann man in Österreich zufrieden sein: nach einem Minus von etwa 800 Adressen im August klettert .at in den letzten vier Wochen um über 2.700 Domains nach oben.

Die aktuellen Domain-Zahlen:
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.de – 15.987.696 – (Vergleich zum Vormonat: – 8.634)
.at – 1.260.911 – (Vergleich zum Vormonat: + 2.778)
.com – 120.148.181 – (Vergleich zum Vormonat: + 1.006.902)
.net – 15,068,305 – (Vergleich zum Vormonat: + 31.112)
.org – 10.646.445 – (Vergleich zum Vormonat: + 12.458)
.info – 5.157.164 – (Vergleich zum Vormonat: + 809)
.biz – 2.176.472 – (Vergleich zum Vormonat: – 20.268)
.us – 1.716.522 – (Vergleich zum Vormonat: – 12.291)

(Stand 1. Oktober 2015)

Aktuelle Domain-Zahlen finden Sie unter:
> http://www.domain-recht.de

Weitere Registrar-Statistiken finden Sie unter:
> http://www.registrarstats.com

Quelle: ntldstats.com, eigene Recherche

TLDS – NEUES VON .CRUISE, .EU UND .HIV

Ein neues Zuhause für die digitale Rote Schleife: die auf den Cayman Islands ansässige Uniregistry hat die Endung .hiv übernommen. In einen neuen Hafen gesegelt ist auch .cruise, während EURid bei .eu durchgreift – hier unsere Kurznews.

Kreuzfahrer und Piraten, aufgepasst: die in Kalifornien ansässige Viking River Cruises (Bermuda) Ltd. hat sich den Registry-Vertrag für die Endung .cruise gesichert. Mitkonkurrent Cruise Lines International Association Inc. hat seine Bewerbung inzwischen freiwillig zurückgezogen; die offizielle ICANN-Datenbank führt sie bereits mit dem Status „withdrawn“. Hintergründe wurden bisher nicht bekannt; es liegt aber nahe, dass sich beide Parteien finanziell geeinigt haben. Ebenfalls eine Rolle dürfte gespielt haben, dass beide Bewerber ursprünglich geplant hatten, .cruise-Domains ausschließlich selbst zu halten; erst später hat Viking River Cruises entschieden, die Domain-Endung zumindest vorsichtig für die gesamte Kreuzfahrtbranche zu öffnen. In die Root Zone ist .cruise noch nicht eingetragen. Wer es gar nicht erwarten kann: die von der Donuts-Tochter Spring Way LLC verwaltete Mehrzahl-Endung .cruises hat bereits am 28. Mai 2014 mit der Live-Phase begonnen und kommt aktuell auf gut 2.200 registrierte Domains.

Die .eu-Registry EURid greift durch: Im Rahmen des „WHOIS Quality Programme“ wurden rund 20.000 .eu-Domains zurückgezogen oder gelöscht. Das Qualitätsprogramm zielt darauf ab, .eu als sicheren und vertrauenswürdigen Namensraum zu erhalten; dazu gehört, dass die Einträge im WHOIS wahr sowie auf aktuellem Stand sind. Dazu gehört auch, dass nur Personen mit Sitz innerhalb der EU, Norwegen, Island oder Liechtenstein eine .eu-Domain erhalten können. Die Einhaltung dieser Regeln wird von EURid laufend überwacht. Bei Verstössen wird der Domain-Inhaber zunächst per eMail kontaktiert und aufgefordert, seine Angaben innerhalb einer angemessenen Frist zu beseitigen; reagiert er nicht zufriedenstellend, droht der Verlust der Domain. Welche Umstände genau zur Entziehung der 20.000 .eu-Domains geführt haben, hat EURid nicht öffentlich mitgeteilt; wer allerdings Anlass zur Annahme hat, die Regeln nicht einzuhalten, sollte sich rasch um Abhilfe bemühen.

Die Top Level Domain .hiv hat ihre neue Registry gefunden: wie die Uniregistry Corp. am 28. September 2015 mitteilte, hat man sich mit dotHIV gemeinnütziger e.V. auf einen Verkauf verständigt. Ein Jahr nach Markteinführung von .hiv, die aktuell auf rund 600 registrierte Domains kommt, übernimmt künftig Uniregistry die Eignerschaft und organisatorische Verantwortung. Das Unternehmen betreibt bereits 24 nTLDs, darunter .help, .link, .audio und .tattoo, und hat schon über eine halbe Million Webadressen verkauft. Managing Director ist Frank Schilling, einer der erfolgreichsten Domain-Händler weltweit. Trotz des Registry-Wechsels bleibt .hiv in der neuen Struktur gemeinnützig, und auch dotHIV bleibt an Bord: man begleitet .hiv künftig als unabhängiger ehrenamtlicher Berater in sozialen Fragen sowie als Kontaktpunkt zur Community. Die technische und rechtliche Übergabe soll zum Welt AIDS Tag, also am 1. Dezember 2015, abgeschlossen sein. Durch die bisherigen Domain-Registrierungen unter .hiv sind übrigens bereits EUR 37.000,- an Spendenmitteln zusammengekommen.

Weitere Informationen zum „WHOIS Quality Programme“ finden Sie unter:
> http://www.eurid.eu/en/about-us/protecting-you-online

Weitere Informationen zu .hiv finden Sie unter:
> http://www.dothiv.org/

Quelle: icann.org, eurid.eu, dothiv.org

UDRP – BMW ERSTREITET B.MW VOR DER WIPO

Die Bayerische Motorenwerke AG hat in einem Verfahren nach der Uniform Domain-Name Dispute-Resolution Policy erfolgreich die Domain b.mw vor der WIPO eingeklagt.

Die Bayerischen Motorenwerke sahen ihren Namen und ihre Marken durch den malawischen Domain-Hack b.mw, bei dem die Endung Teil einer möglichen Rechtsverletzung ist, verletzt. Der Domain-Name b.mw leitete vor kurzem auf a.mw weiter, wo sich eine Liste mit zum Verkauf stehenden Domains findet. Dort war b.mw mit einem Preis von US$ 1.000.000,- oder mehr als Premium-Domain gelistet. Am 24. Juli 2015 initiierte BMW ein Beschwerdeverfahren bei der World Intellectual Property Organization (WIPO) unter dem Aktenzeichen DMW2015-0001. BMW trug unter anderem vor, dass die Beschwerdegegnerin auch Inhaberin von Domains ist, die bekannte Marken wie Porsche, Peugeot, Ferrari und andere enthalten. Inhaberin der Domain und Beschwerdegegnerin ist die japanische Living By Blue CO. LTD. Sie nahm in dem WIPO-Verfahren zu den Vorwürfen nicht Stellung.

Die Beschwerde prüfte Solopanelist William R. Towns. Er kam zu dem Ergebnis, dass die Voraussetzungen der UDRP erfüllt sind, und entschied auf Übertragung der Domain b.mw auf die BMW AG (WIPO Case No. DMW2015-0001). Towns führt aus, Marke und Domain unterscheiden sich nur durch den Punkt zwischen b und m. Zwar sei .mw eine Endung, doch könne man die in die Erwägungen über die Identität oder Ähnlichkeit zwischen Marke und Domain miteinbeziehen. In diesem Fall sei das angebracht, wie beispielsweise auch im Fall um die Domain tes.co (WIPO Case No. DCO2013-0017). Für Towns erfüllte BMW auch die Voraussetzung, einen ersten Anschein dafür zu geben, dass die Beschwerdegegnerin keine Berechtigung an der Domain aufweist. Weder ist sie unter dem Domain-Namen bekannt, noch hat sie seitens der Beschwerdeführerin die Erlaubnis, ihre Marke zu führen. Vielmehr nutzte die Inhaberin von b.mw die Domain, um auf eine Seite weiterzuleiten, wo sie neben anderen Domains zum Verkauf angeboten wird – zu einem Preis von US$ 1 Mio. oder mehr. Towns geht davon aus, dass die Domain-Inhaberin die Marke BMW kennt und die Domain mit der Absicht registriert hat, den guten Namen und die Bekanntheit der Marke BMW auszunutzen. Die Beschwerdegegnerin habe nicht nachgewiesen, die Domain gutgläubig nutzen zu wollen. Schließlich spreche alles dies dafür, dass die Beschwerdeführerin die Domain bösgläubig registriert und auch genutzt hat. Sie hat die günstig registrierte Domain für einen weit vielfachen Preis angeboten, einem Preis, der sich weit über denen der anderen unter a.mw gelisteten Domains bewegt. Dies dränge einem den unabweisbaren Schluss auf, die Beschwerdegegnerin habe gezielt Geld mit der berühmten Marke der Beschwerdestellerin machen wollen. Das spreche für deren Bösgläubigkeit. Aus diesen Gründen bestätigte Towns den Anspruch von BMW und entschied auf Übertragung der Domain.

Wir halten die Entscheidung im Ganzen für vertretbar. Wir weisen immer wieder darauf hin, dass man, gerade im Hinblick auf die nTLDs, die Endungen bei der Bewertung einer Rechtsverletzung gegebenenfalls mitberücksichtigen muss. Doch das will im Einzelfall begründet werden. Der renommierte Anwalt William R. Towns ist allerdings recht schnell mit der Begründung der Ähnlichkeit von Marke und Domain, indem er der Endung im Falle von b.mw kurzerhand die zusätzliche Bedeutung gibt, Teil der Marke zu sein. Ein lapidarer Verweis auf die Entscheidung tes.co reicht hier nach unserer Meinung nicht aus. Schon die Länge der Marke Tesco und die Verteilung der Buchstaben vor und hinter dem Punkt bei der Domain tes.co gäben Anlass, den Fragen, die das aus drei Personen bestehende Panel in der tes.co-Entscheidung vertiefter untersucht hat, in der Entscheidung b.mw erneut nachzuspüren. Lesenswert sind hier die Überlegungen von Rechtsanwalt Peter Müller, der im Rahmen der UDRP gerne einen differenzierteren Umgang mit beschreibenden Begriffen und Domain-Namen sähe.

Die WIPO-Entscheidung zu b.mw finden Sie unter:
> http://www.domain-recht.de/verweis/1255

Die Überlegungen von RA Peter Müller finden Sie unter:
> http://www.domain-recht.de/verweis/1257

Spezialisierte Anwälte findet man unter:
> http://www.domain-anwalt.de

Quelle: wipo.int

ICANN – URS GILT AUCH FÜR .CAT, .PRO UND .TRAVEL

ICANN hat in einem Boardmeeting die Einführung des Streitbeilegungsverfahrens nach der Uniform Rapid Suspension (URS) für die generischen Endungen .cat, .pro und .travel beschlossen. Ob das gut oder schlecht ist, darüber lässt sich streiten.

Die URS ist ein Streitschlichtungsverfahren, welches für die neuen Domain-Endungen entwickelt wurde. Sie ähnelt der Uniform Domain Name Dispute Resolution Policy (UDRP). Bei der URS muss der Beschwerdeführer darlegen, dass ein Domain-Name identisch oder zum Verwechseln ähnlich ist mit einem Begriff, für den er nach den Vorgaben des Trademark Clearinhouse Schutz genießt, der Inhaber dagegen kein legitimes Interesse oder Recht an der Domain hat und bei Registrierung und Nutzung derselben bösgläubig war und ist. URS-Verfahren sind schneller und günstiger als UDRP-Verfahren, führen aber bestenfalls lediglich zur Suspendierung der Domain bis zum Ende ihrer Registrierungszeit. Eine Übertragung der Domain, wie sie Ziel bei einem UDRP-Verfahren ist, findet bei der URS also nicht statt.

Die URS wurde für die neuen Endungen entwickelt, die seit Ende 2014 eingeführt werden. Jetzt aber wird die URS bei den bereits betagteren Endungen .cat (Katalonien), .pro (Buchhalter und Juristen) und .travel (Reiseindustrie) anlässlich der Registry-Vertragsverlängerung eingeführt. Das teilte das ICANN-Board anlässlich einer Sitzung vergangene Woche mit. Gegen die Einführung der URS bei älteren Endungen wandte sich bereits im Vorfeld die Internet Commerce Association (ICA). Sie geht davon aus, da die URS nicht im ordentlichen, ICANN-üblichen Prozess zur Diskussion gestellt wurde, gilt sie nicht als einverständlich eingeführtes Streitbeilegungsverfahren, das einer jeden Registry bei neuen Vertragsverhandlungen als Bedingung für die Fortführung des Vertrages aufgezwungen werden könne. Doch ICANN führt aus, die Verwaltungen von .cat, .pro und .travel hätten im Rahmen der Vertragsverhandlungen Interesse an der für nTLD-Verwalter gestalteten Registry-Verträge gezeigt, und man habe sich auf diese Vertragsform und die Übernahme der URS geeinigt; für ältere Endungen sei es keinesfalls verpflichtend, die URS als Streitbeilegungswerkzeug mit in zukünftige Verträge aufzunehmen.

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, das Registries neben die UDRP auch die URS Markeninhabern als Mittel zur Seite stellen, um gegen markenrechtsverletzende Domains vorzugehen. Bisher ist die Bilanz der geführten URS-Verfahren positiv. Allerdings kommt es immer wieder auch zu Entscheidungen, die nur schwer zu vertreten sind, sowohl bei UDRP- als auch bei URS-Verfahren. In den vergangenen Tagen ergingen zwei URS-Entscheidungen gegen die Beschwerdeführerin Netflix. Hatte Netflix im Juni dieses Jahres kein Problem, die Domain netflix.video durch URS-Entscheidung suspendieren zu lassen, so war sie gegen netflix.website und netflix.news nicht erfolgreich. In beiden Fällen war Panelist David J. Steele nicht von der Bösgläubigkeit des jeweiligen Domain-Inhabers überzeugt. Die Domain-Inhaber machten jeweils keinen Gebrauch von der Domain, weshalb Steele jeweils meinte: „In sum, after carefully considering the evidence before me, I find that the evidence is not clear and convincing that the domain name is being used in bad faith.“ Dass aber die Behauptung des Inhabers von netflix.website, er sei gar nicht Inhaber, seine Inhaberschaft sei schon lange beendet, sich als offensichtlich falsch erwies, spricht eher für die Bösgläubigkeit des Beschwerdegegners. Plausibler war da die Erklärung vom Inhaber von netflix.news, der meinte, er wolle eine Fanseite schaffen mit Neuigkeiten über die Dienstleistungen von Netflix und keinesfalls deren Logo benutzen, damit es zu keinen Verwechslungen kommt. Vorarbeiten für dieses Projekt legte er aber nicht vor.

Das Problem des URS-Verfahrens für Markeninhaber ist leider, dass nur eindeutige und klare Fälle (clear cut cases) erfolgreich sein sollten. Die Zweifel, die Panelist David J. Steele äußert, berechtigen dazu, die Beschwerde zurückzuweisen, auch wenn es bereits URS-Verfahren gab, bei denen die Nichtnutzung der Domain als bösgläubig ausgelegt wurde. Glücklich ist man mit den Netflix-Entscheidungen allerdings nicht, wenn man sich die Rechtfertigungen der Domain-Inhaber durchliest.

Das Ergebnis des ICANN-Boardmeetings finden Sie unter:
> http://www.domain-recht.de/verweis/1256

Die Netflix-URS-Entscheidungen finden Sie unter:
> http://www.adrforum.com/domaindecisions/1620796F.htm
> http://www.adrforum.com/domaindecisions/1639486F.htm
> http://www.adrforum.com/domaindecisions/1639527F.htm

Spezialisierte Anwälte findet man unter:
> http://www.domain-anwalt.de

Quelle: icann.org, domainincite.com, adrforum.com, thedomains.com

V68.COM – ZAHLENMIX FÜR US$ 44.000,-

Die vergangene Domain-Handelwoche fällt deutlich schwächer aus als ihre Vorgängerin. Den höchsten Preis erzielte v68.com mit US$ 44.000,- (ca. EUR 39.481,-). Allerdings lieferte die deutsche Endung .de unter den Länderendungen zwei gute Preise.

Mit v68.com zum Preis von US$ 44.000,- (ca. EUR 39.481,-) als teuerste Domain der vergangenen Domain-Handelswoche erweist sie sich als ganz schön mau. Auch die zweitplatzierte pdz.com zum Preis von EUR 37.010,- reicht nicht, das Bild zu schönen. Es folgten vier .com-Domains im Bereich von US$ 20.000,-. Schließlich zeigten sich auch zwei reine Zifferndomains: 59977.com zu US$ 15.525,- (ca. EUR 13.931,-) und 47000.com für US$ 11.000,- (ca. EUR 9.870,-), die sich beide in chinesischer Hand befinden.

Die deutsche Endung lag unter den Länderendungen deutlich vorne: mit der Ein-Zeichen-Domain j.de zu EUR 22.000,- und pionier.de zum Preis von EUR 19.500,- ließ sie alle anderen Länderendungen hinter sich. Darüber hinaus war .de bis hinab zum Preis von EUR 1.700,- für erotikgeschichten.de auch mengenmäßig mit insgesamt zehn Domains bestens vertreten. Mit einem Preis von glatten US$ 10.000,- (ca. EUR 8.973,-) sicherte sich da odd.tv gerade so den dritten Platz in der Länderliste, dicht gefolgt von der schweizer luft.ch mit EUR 8.915,-.

Die sonstigen generischen Endungen lieferten keine überzeugenden Zahlen: malta.biz kostete lediglich US$ 1.300,- (ca. EUR 1.166,-), und die teuerste unter den älteren generischen Endungen war opex.net mit US$ 4.500,- (ca. EUR 4.038,-). Immerhin fanden sich drei Drei-Zeichen-Domains unter .net, zu allerdings Preisen zwischen US$ 1.449,- (ca. EUR 1.300,-) und xwf.net zu US$ 1.906,- (ca. EUR 1.710,-). Alles in allem liegt eine schwache Domain-Handelswoche hinter uns.

Länderendungen
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j.de – EUR 22.000,-
pionier.de – EUR 19.500,-
score.de – EUR 5.100,-
profit.de – EUR 4.000,-
videothek.de – EUR 3.766,-
thatsup.de – US$ 3.500,- (ca. EUR 3.141,-)
tanzkurs.de – EUR 3.400,-
gedankenwelt.de – EUR 2.200,-
kaffeekasse.de – EUR 1.800,-
erotikgeschichten.de – EUR 1.700,-

odd.tv – US$ 10.000,- (ca. EUR 8.973,-)
migu.tv – US$ 2.019,- (ca. EUR 1.812,-)
lm.tv – US$ 2.000,- (ca. EUR 1.795,-)

luft.ch – EUR 8.915,-
beratung.at – EUR 4.000,-
nakedwines.es – EUR 3.500,-
startpage.fr – EUR 3.000,-
nlr.ch – EUR 2.920,-
nwz.nl – EUR 2.800,-
multimeters.nl – EUR 2.750,-
subscribe.me – US$ 2.500,- (ca. EUR 2.243,-)
albemarle.es – US$ 2.500,- (ca. EUR 2.243,-)
ibank.in – US$ 2.350,- (ca. EUR 2.109,-)
tomorrow.gr – EUR 2.300,-
bedrijfspanden.be – EUR 2.250,-
ipo.cc – US$ 1.980,- (ca. EUR 1.777,-)

Generische Endungen
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malta.biz – US$ 1.300,- (ca. EUR 1.166,-)
hvac.pro – US$ 1.200,- (ca. EUR 1.077,-)

opex.net – US$ 4.500,- (ca. EUR 4.038,-)
novum.net – US$ 2.799,- (ca. EUR 2.512,-)
ispn.org – US$ 2.499,- (ca. EUR 2.242,-)
xwf.net – US$ 1.906,- (ca. EUR 1.710,-)
fme.net – US$ 1.521,- (ca. EUR 1.365,-)
usse.org – US$ 1.500,- (ca. EUR 1.346,-)
visittheusa.net – US$ 1.500,- (ca. EUR 1.346,-)
hrj.net – US$ 1.449,- (ca. EUR 1.300,-)
2sharefiles.net – US$ 1.400,- (ca. EUR 1.256,-)
inhub.net – US$ 1.399,- (ca. EUR 1.255,-)
maeg.net – EUR 1.200,-
tunnell.net – US$ 1.200,- (ca. EUR 1.077,-)

.com
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v68.com – US$ 44.000,- (ca. EUR 39.481,-)
pdz.com – EUR 37.010,-
landsurvey.com – US$ 26.471,- (ca. EUR 23.752,-)
hips.com – US$ 25.000,- (ca. EUR 22.432,-)
youconnect.com – US$ 20.000,- (ca. EUR 17.946,-)
cardx.com – US$ 20.000,- (ca. EUR 17.946,-)
59977.com – US$ 15.525,- (ca. EUR 13.931,-)
aftermaster.com – US$ 14.000,- (ca. EUR 12.562,-)
unimedia.com – EUR 10.000,-
gute.com – US$ 11.110,- (ca. EUR 9.969,-)
47000.com – US$ 11.000,- (ca. EUR 9.870,-)
jell.com – US$ 10.000,- (ca. EUR 8.973,-)
dema.com – US$ 10.000,- (ca. EUR 8.973,-)
golfschool.com – US$ 8.000,- (ca. EUR 7.178,-)
ezzi.com – US$ 7.500,- (ca. EUR 6.730,-)

Weitere Domain-Preise finden Sie unter:
> http://www.domain-spiegel.de

Quelle: sedo.de, thedomains.com, domainnewswire.com

HONG KONG – 2. DOMAINFEST ASIA IM SEPTEMBER 2016

Das erste „DomainFest Asia“ vor wenigen Wochen soll ein großer Erfolg gewesen sein. Organisator Jothan Frakes hat daher schon jetzt den Termin für das Jahr 2016 bekanntgegeben.

Internettausendsassa Jothan Frakes, der erst kürzlich das Ruder beim US-Registrar Moniker in die Hand genommen hat, kündigte nach Austragung des ersten „DomainFest Asia“ in Macau an, dass das zweite „DomainFest Asia“ vom 19. bis zum 22. September 2016 in Hong Kong stattfindet. Weitere Details sind noch nicht bekannt, aber es sind ja noch gut 11,5 Monate bis dahin. Wer allerdings langfristig planen muss, wie etwa Domain-Investor Elliot Silver, Betreiber des Weblog elliotsblog.com, freut sich über die frühe Bekanntgabe des Termins. Er kündigte bereits an, wenn alles gut geht, wird er im kommenden Jahr dabei sein. Wer sonst noch zum „DomainFest Asia“ in 2016 kommt und Jothan Frakes bei der Organisation unter die Arme greift, ist aktuell noch nicht bekannt. Wir werden an dieser Stelle aber rechtzeitig Hinweise geben.

„DomainFest 2016 Asia“ findet vom 19. bis 22. September 2016 in Hong Kong statt. Weitere Informationen liegen noch nicht vor, werden aber zukünftig auf der DomainFest-Webseite zu finden sein unter:

> http://domainfest.asia

Quelle: domainfest.asia, elliotsblog.com, onlinedomain.com

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