Das skandalgebeutelte African Network Information Centre (AfriNIC) ist auf dem Weg der Besserung: nachdem im Herbst 2025 ein Vorstand gewählt wurde, steht jetzt ein Haushaltsplan kurz vor der Verabschiedung. Doch bei der Netzverwaltung traut man dem Braten nicht.
Millionenschwere Klagen, Kontenpfändungen, ein Insolvenzverfahren, Unregelmäßigkeiten bei der Vorstandswahl, ein von der Regierung eingesetzter Sonderermittler und zuletzt ein Antrag auf Liquidierung – keine andere Regional Internet Registry (RIR) hat für eine vergleichbare Welle an Skandalen gesorgt wie AfriNIC. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz gelang es am 12. September 2025, die insgesamt acht Vorstandsmitglieder zu wählen und damit den Weg frei zu machen für eine bessere Zukunft. Anlässlich der »Asia Pacific Regional Internet Conference on Operational Technologies« (APRICOT) im indonesischen Jakarta hatte Mukom Tamon von AfriNIC gleich mehrere freudige Nachrichten. Ein Zeichen für die Tatkraft des neuen Vorstands sei die Ernennung von Interimsmanagern – er selbst für die Bereiche Technologieinfrastruktur und Strategie, ein Finanzvorstand und eine weitere Führungskraft für die Einbindung der Interessengruppen. Zudem habe AfriNIC einen Haushaltsplan und einen Aktionsplan entwickelt, die noch im Februar 2026 veröffentlicht würden. Tamon erklärte:
That is a sign we are out of the quagmire. This year, the phoenix rises from the ashes.
Ab 2027 könne AfriNIC richtig durchstarten; der Vorstand arbeite bereits an einer formalen Strategie für die Jahre 2027 bis 2030. Anlass zur Freude macht, dass AfriNIC über einen Pool von 773.376 nicht zugewiesenen IPv4-Adressen verfüge. Tamon sagte:
Can’t wait for that to be zero, so we can start talking about what really matters: IPv6.
Die Number Resource Organization (NRO), der Dachverband der fünf weltweiten Regional Internet Registries (RIRs), scheint dem allerdings nicht zu trauen. Am 06. Februar 2026 veröffentlichte die NRO einen Status-Report zum Governance Document for the Recognition, Operation, and Derecognition of Regional Internet Registries. Es soll die Nachfolge des »Internet Coordination Policy‑2: Criteria for Establishment of New Regional Internet Registries (ICP‑2)« vom 04. Juni 2001 antreten. Es beschreibt den gesamten Lebenszyklus einer RIR, angefangen von ihrer Einrichtung über den Betrieb bis hin – und das ist die Lehre aus dem AfriNIC-Debakel – zur möglichen Aberkennung, um sicherzustellen, dass das System der Adressvergabe der globalen Internet-Community dient. Die Rolle von ICANN würde damit ausdrücklich gestärkt; die Netzverwaltung wäre künftig berechtigt, ein Verfahren auf Aberkennung des RIR-Status einzuleiten. Außerdem könnte für bis zu 90 Tage eine so genannte »Emergency Continuity« eingerichtet werden:
If an RIR is unable to adequately provide all or any part of its RIR Services to its Service Region, whether due to circumstances within or outside of its control, a temporary arrangement may be initiated to ensure continuity of RIR Services for the affected Service Region (such event, an Emergency Continuity).
In einem solchen Fall können die anderen RIRs und ICANN einen »Emergency Operator« mit der vorübergehenden Bereitstellung der RIR-Dienste beauftragen.
Im nächsten Schritt ist geplant, dass in der ersten Jahreshälfte 2026 das Address Supporting Organization Address Council (ASO AC) alle noch offenen Punkte abarbeitet und dann dem Number Resource Organization Executive Council (NRO EC) zur Entscheidung vorlegt. Die Endfassung des »Governance Document for the Recognition, Operation, and Derecognition of Regional Internet Registries« soll bis Jahresende 2026 verabschiedet werden.