Public Suffix List

Droht ein nTLDs Browser-Desaster?

Stellen Sie sich einmal vor, dass nach jahrelangem Warten die ersten neuen globalen Top Level Domains zur Verfügung stehen, Ihr Browser jedoch beim Aufruf nur Fehlermeldungen produziert. Glauben Sie nicht? Doch, dieses Problem heisst »Public Suffix List« und stellt schon jetzt so manche Registry vor Probleme.

Auf den ersten Blick scheint alles ganz einfach: Bei der »Public Suffix List« handelt es sich um eine Liste von Domain-Endungen, die von der gemeinnützigen Mozilla Foundation gepflegt wird, um Sicherheits- und Cookie-Einstellungen in Browsern zu verwalten. Unter »public suffix« versteht Mozilla jede Domain-Endung, unterhalb der ein Internetnutzer unmittelbar Domains registrieren kann, also zum Beispiel .com oder .pvt.k12.ma.us. Sie wurde ursprünglich für die Programmierung von Browsern konzipiert, steht inzwischen jedoch der Allgemeinheit zur Nutzung in jeder Software zur Verfügung. So greifen etwa der Mozilla-Browser Firefox ebenso wie Google Chrome oder Opera als auch einige Libraries in verschiedenen Programmiersprachen auf die »Public Suffix List« zurück, um zum Beispiel festzustellen, ob es sich um eine Suchanfrage oder eine Domain handelt, oder ob es sich überhaupt um eine gültige Domain handeln kann. Eingetragen werden kann grundsätzlich jede Top Level Domain wie etwa .uk, aber auch dazugehörige offizielle Subdomains wie etwa .co.uk; anders als die von der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) verwaltete TLD-Liste werden also auch offizielle Subdomains in der „Public Suffix List“ geführt. In der Regel reicht es, wenn sich die Registry direkt an die Mozilla Foundation wendet und um Aufnahme ihrer Endung(en) bittet.

So viel zur Theorie. In der Praxis hält diese »Public Suffix List« mit den aktuellen Entwicklungen rund um die Einführung neuer Top Level Domains oft nicht Schritt. So waren noch im Januar 2013 weder die neue Landesendung .cw (Curaçao) noch die generische Endung .post in die Liste aufgenommen worden, obwohl .cw bereits kurz vor Weihnachten 2010 und .post immerhin schon Anfang August 2012 in die IANA-Datenbank aller Top Level Domains eingetragen worden war. Wer dennoch Domains mit einer dieser Endungen aufgerufen hat, erhielt daher lediglich eine Fehlermeldung oder wurde zur Google-Suche weitergeleitet. Auf Bitten eines Registrars, die »Public Suffix List« zu ergänzen, reagierte Mozilla mit dem Hinweis, dass es länger dauern werde, bis die Änderung geprüft worden sei. Erst zwei Monate später wurden Teile der Änderungen übernommen und eingetragen; seither kann zumindest Firefox mit .post- und .cw-Domains umgehen. Bei Chromium und Google Chrome ist es jedoch weiterhin so, dass der Aufruf einer .post-Domain zur Suche führt; vermutlich hat Google seine Liste bis dato nicht aktualisiert. Safari nutzt die »Public Suffix List« zwar nicht, aber der Aufruf der Domain posteitaliane.post ist trotzdem nicht direkt möglich.

Abseits aller Querelen um das Programm zur Einführung neuer globaler Top Level Domains zeigt sich, dass der Teufel im Detail steckt. Und mit der „Public Suffix List“ allein ist es nicht getan: bis alle Anwendungen wie eMail-Programme oder Kontaktformulare mit den neuen Endungen umgehen können, ist noch viel Kommunikationsarbeit und Abstimmung erforderlich, wobei die meiste Arbeit bei den Registries liegen wird, damit ihre TLD trotz einer Delegation auch überhaupt genutzt werden kann. Einmal mehr zeigt sich: das Thema nTLDs duldet keinen Aufschub.

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