nTLDs

ICANN sucht »Independent Objector«

Die Internet-Verwaltung ICANN hat einen weiteren Baustein ihres nTLD-Programms gesetzt: mit der Ausschreibung für den „Independent Objector“ wird aktuell ein kritischer Beobachter gesucht. Unterdessen prognostiziert eine neue Studie dem Programm erheblichen wirtschaftlichen Erfolg.

Sie finden, dass neue Domain-Endungen überflüssig sind? Dann hat Ihnen ICANN möglicherweise einen Traumjob anzubieten: mit dem sogenannten »Independent Objector« sucht die Internet-Verwaltung derzeit eine Person oder Organisation, die im öffentlichen Interesse frühzeitig entscheidet, ob gegen eine Bewerbung um eine neue Endung Einwendungen erhoben werden sollen. Allerdings sind auch einem »Independent Objector« Grenzen gesetzt: eingreifen kann er nur in den Fällen des Limited Public Interest oder der Community Objection. Erstere wurde bisher unter dem Gesichtspunkt der »morality and public order« diskutiert und erfasst alle Fälle, in denen eine Endung gegen allgemein akzeptierte Regelungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung verstößt; letztere soll bei Community-Bewerbungen bereits frühzeitig aufzeigen, wenn sich innerhalb der Zielgruppe Widerstand gegen eine Endung formiert. Die Frist zur Abgabe der Bewerbung endet am 22. Dezember 2011 um 23.59 Uhr UTC (koordinierte Weltzeit).

Dass sich der »Independent Objector« über mangelnde Arbeit nicht beklagen können wird, legt eine neue Studie von Dr. David Neal, Direktor von Empirica Research, im Auftrag von ARI Registry Service nahe. Die Studie legt ihren Schwerpunkt auf die Frage nach dem kommerziellen Potential neuer Top Level Domains. Von den befragten 200 klein- und mittelständischen Unternehmen gaben 49 Prozent an, wahrscheinlich eine auf ihr Unternehmen bezogene Endungen registrieren zu wollen; dabei seien sie auch bereit, 47 Prozent mehr im Vergleich zu ihren bisherigen Domains zu bezahlen. Hätten sie bei Aufnahme ihrer Geschäftstätigkeit wählen können, hätten sich 44 Prozent von Anfang an für eine neue Endung entschieden. Nicht zu unterschätzen ist dabei das Interesse an internationalisierten Domains: 54 Prozent der Befragten mit Kunden, die kein Englisch sprechen, wären an IDNs interessiert; mit 90 Prozent der am weitesten überwiegende Anteil entfällt dabei auf chinesische IDNs.

Wenn Sie nun immer noch glauben, dass niemand neue Domain-Endungen braucht, dann sollten Sie sich von einigen ernstgemeinten Initiativen eines Besseren belehren lassen. So hat etwa die im US-Bundesstaat Arkansas ansässige Dotrocks LLC angekündigt, sich getreu ihres Mottos »Every Person, Every Place, Every Possibility, ROCKS!« um die Endung .rocks bewerben zu wollen. Für mehr blaues Blut im Internet plädiert die Amsterdamer dotNoble Foundation mit ihrer Endung .noble. Eigene Clubs im Internet will .CLUB Domains LLC aus Florida ins Netz bringen, während sich .watch wohl aufs Zusehen beschränken will. Ebenfalls antreten wollen .dog und .lion, aber keine Sorge: unter .nurse finden Sie in Zukunft rasch erste Hilfe!

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