Im Rechtsstreit um die Liquidation des African Network Information Centre (AfriNIC) ist ICANN ein Etappensieg gelungen: der Oberste Gerichtshof von Mauritius erteilte der Internetverwaltung die Zustimmung, sich an dem Verfahren zu beteiligen.
Millionenschwere Klagen, Kontenpfändungen, ein Insolvenzverfahren, Unregelmäßigkeiten bei der Vorstandswahl, ein von der Regierung eingesetzter Sonderermittler und ein Antrag auf Liquidierung – keine andere Regional Internet Registry (RIR) hat für eine vergleichbare Welle an Skandalen gesorgt wie AfriNIC. Allen Widrigkeiten zum Trotz gelang es am 12. September 2025, die insgesamt acht Vorstandsmitglieder zu wählen und damit den Weg frei zu machen für eine bessere Zukunft. Doch die Ruhe ist trügerisch. Cloud Innovation Ltd. (CI), die auf den Verleih von IPv4-Adressen spezialisiert ist und sich über den Hongkonger IP-Adresshändler Lu Heng seit Jahren Rechtsstreitigkeiten mit AfriNIC liefert, hatte im Juli 2025 mitgeteilt, die Liquidierung von AfriNIC anzustreben, weil dies der einzig verbleibende Weg zum Schutz der afrikanischen Internet-Community sei. Das Unternehmen damals:
By ‚winding up,‘ we refer to the legal process of dissolving AFRINIC as a corporate entity and transitioning its responsibilities to a more trusted framework.
Doch eine RIR ist angesichts ihrer systemischen Funktion kein gewöhnliches Unternehmen. Sie verwaltet Nummernressourcen im Rahmen einer globalen Architektur, die auf Koordination und Vertrauen basiert. Wenn eine solche Institution in Richtung Liquidation, Insolvenz oder Ressourceninstabilität gerät, beschränkt sich das Problem nicht mehr auf die Parteien eines gerichtlichen Liquidationsverfahrens.
Das sieht nun auch der Oberste Gerichtshof von Mauritius so und hat daher am 14. Mai 2026 einem Antrag von ICANN stattgegeben, sich an diesem Verfahren beteiligen zu dürfen. In der knappen Entscheidung des Gerichts heißt es:
In the circumstances and being given that the respondent is no longer objecting, I hereby grant leave to the applicant to intervene as a party in the winding-up application bearing cause number SC/COM/PET/000508/2025.
Damit ist ICANN nun in der Lage, die öffentliche Koordinierungsfunktion einer RIR zu erläutern, nicht jedoch dazu, das Verfahren zu politisieren. AfriNIC betonte, sich weiterhin dafür einsetzen zu wollen, Transparenz und Genauigkeit aller Informationen zu gewährleisten sowie die Integrität des Systems zur Verwaltung von Nummernressourcen für die afrikanische und indische Ozean-Region zu schützen; mit der Beteiligung von ICANN dürfte das ungleich leichter fallen. Allerdings warnt der Netzwerkingenieur Amin Dayekh:
The cavalry has arrived, but the city is not yet rebuilt.
Die Intervention müsse mit Bedacht eingesetzt werden. ICANN solle den Gerichtshof unterstützen, ohne den Eindruck zu erwecken, regionale Autorität an sich reißen zu wollen. ICANN selbst hat sich öffentlich zu dem Verfahren noch nicht geäußert.
In der Auseinandersetzung zwischen AfriNIC und CI hat der Oberste Gerichtshof zudem ebenfalls am 14. Mai 2026 eine einstweilige Verfügung erlassen, nachdem über die CI-Tochtergesellschaft Larus Ltd. falsche und irreführende Aussagen veröffentlicht worden sein sollen. Insbesondere soll fälschlicherweise behauptet worden sein, dass der Oberste Gerichtshof von Mauritius die Vermietung von AfriNIC-zugeteilten IP-Adressen genehmigt oder anderweitig autorisiert habe; solche Behauptungen muss CI nun künftig unterlassen. CI bleibt es aber unbenommen, ein Hauptsacheverfahren anzustrengen. Die Auseinandersetzung wird uns also noch eine ganze Weile begleiten.