ICANN

Die Ombudsstelle der Internetverwaltung verzeichnet 2025 eine höhere Nachfrage

Die Ombudsstelle der Internet-Verwaltung ICANN hat ihren Jahresbericht 2025 veröffentlicht. Die Anzahl der bearbeiteten Fälle stieg demnach im Vergleich zu den Vorjahren deutlich an.

Fair, respektvoll und angemessen behandeln – diese Eigenschaften werden üblicherweise mit einer Ombudsstelle verbunden. Dem fühlt sich auch ICANN verpflichtet. Als informelle Streitbeilegungsstelle für die ICANN-Community soll das »Office of the Ombuds« fungieren, wenn sie eine Beschwerde über ICANN-Mitarbeiter, den ICANN-Vorstand oder Probleme in unterstützenden ICANN-Organisationen einreichen möchten. Die Ombudstelle ist seit Oktober 2024 mit der Britin Elizabeth (»Liz«) Field besetzt, zuvor unter anderem tätig für Amnesty International und die World Intellectual Property Organization (WIPO). Sie versteht sich nicht als Anwalt der Community, sondern untersucht Beschwerden über eine angeblich unfaire Behandlung, ohne in einem Streitfall Partei zu ergreifen. Der Prozess ist informell und flexibel, die Mittel allerdings begrenzt – das ICANN-Ombudsbüro kann nur Werkzeuge wie Verhandlungen, Moderation oder Pendeldiplomatie einsetzen, darf aber bei Bedarf formelle Ermittlungen anstoßen. Beschwerden an die Ombudsstelle unterliegen der absoluten Vertraulichkeit. Wer eine Beschwerde eingereicht hat, wird nur bei Verzicht auf Vertraulichkeit offengelegt; damit will man einem Machtungleichgewicht vorbeugen und Furcht vor den Folgen einer Beschwerde nehmen. Für Field ist dabei der Jahresbericht eine größere Chance, als nur Zahlen zu präsentieren; er soll das ICANN-Ökosystem stärken und verbessern.

Für den Berichtszeitraum 24. Juli 2024 bis 25. Juni 2025 meldet Field insgesamt 248 Beschwerdeverfahren. 212 davon waren jedoch außerhalb des Ombuds-Zuständigkeitsbereichs, also etwa in Betrugsfällen oder bei Verbraucherproblemen. Damit verblieben weitere 36 Fälle, für die Field zuständig war, ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese 36 Fälle teilen sich in die beiden Kategorien »Interpersonal and Relational cases« (wie Belästigung, interne Streitigkeiten und Unhöflichkeit) und »Unfairness« (z.B. unfaire Behandlung oder unfaire Anwendung von Verfahrensregelungen). In der ersten Kategorie stieg die Zahl der Fälle gegenüber 2024 von 7 auf 20 an, in der Kategorie »Unfairness« blieb sie mit 16 unverändert. Die drei häufigsten Streitpunkte waren in der Beziehungs-/Gruppendynamik zu suchen (28 Prozent), zum Beispiel wenn Mitglieder einer ICANN-Community sich weigern, miteinander zu kommunizieren, sodann in der „Process unfairness“ (25 Prozent der Fälle), beispielsweise wenn der Vorsitzende einer ICANN-Community nicht auf die Anfrage eines Community-Mitglieds reagiert, und unhöfliche Sprache und/oder Verhalten (22 Prozent der Fälle), zum Beispiel weil ein feindseliger Tonfall herrscht. Den Anstieg der Fälle erklärt Fields unter anderem damit, dass dies möglicherweise die Bemühungen des Ombudsbüros widerspiegelt, präventive und kooperative Problemlösungen zu fördern. Insgesamt hat Field zwei Hauptprobleme identifiziert: zum einen, dass das Vertrauen in das Multi-Stakeholder-Modell durch fehlende sinnvolle Beteiligung untergraben wird, zum anderen sollte die Besetzung von Führungspositionen einer ICANN-Organisation von einer gezielteren und konsequenteren Auswahl und Entwicklung profitieren. Wer mit Entscheidungen der Ombudsstelle nicht zufrieden ist, kann übrigens einen Rechtsbehelf einlegen. Im Berichtszeitraum wurden zwei solcher Anträge auf erneute Prüfung eingereicht. Keiner dieser Anträge wurde jedoch geprüft, da sie vom Board Accountability Mechanisms Committee (BAMC) bereits aufgrund unzureichender Begründung umgehend zurückgewiesen wurden.

Für die Zukunft verspricht Fields, die Webseiten des Ombudsbüros mit benutzerfreundlicheren und detaillierteren Informationen über die Abläufe im Ombudsbüro einschließlich Moderation und Mediation weiterzuentwickeln. Außerdem soll eine »Community Anti-Harassment Policy« eingeführt werden, um die Fähigkeiten zur Konfliktlösung zu stärken und Belästigungen vorzubeugen. Wer mehr wissen möchte: der 25-seitige Office of the Ombuds Annual Report steht ab sofort zum kostenlosen Download zur Verfügung.

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