Statistik

Eine Analyse des gTLD-Registrarmarkts zeigt dessen asymmetrische Struktur

GoDaddy, Namecheap, IONOS, Tucows oder natürlich united-domains.de – wer mit Domain-Namen zu tun hat, kennt die großen Domain-Registrare. Doch wie ist dieser regulierte Markt strukturiert? Dieser Frage ist Tobias Sattler, Mitbegründer der TechOps-Gruppe bei ICANN, in der Studie »A Data-Driven Analysis of Structural Asymmetries in the gTLD Registrar Market« nachgegangen.

Wer seinen Kunden Domain-Namen mit generischer Endung (gTLD) anbieten möchte, muss sich bei der Internet-Verwaltung ICANN akkreditieren lassen. Dazu schließt man ein »Registrar Accreditation Agreement«, das für alle Domain-Registrare gleich ist. Die sich daraus ergebenden rechtlichen Verpflichtungen gelten gleichermaßen für alle Registrare, unabhängig davon, ob sie – wie aktuell etwa GoDaddy – 52,7 Mio. .com-Domains verwalten oder gar keine. Diese Vereinheitlichung gewährleistet Vorhersagbarkeit, Gleichbehandlung und Chancengleichheit; dem Domain Name System hat sie seit mittlerweile über zwei Jahrzehnten gute Dienste geleistet. Trotz der prinzipiell gleichen Ausgangsgrundlage hat sich der Registrar-Markt in dieser Zeit entwickelt und gefestigt. Dieser Struktur ist Sattler in seiner Studie nachgegangen. Grundlage seiner Studie sind die Transaktionsberichte für jede generische Top Level Domain, die von ICANN monatlich veröffentlicht werden; daraus sind Neuregistrierungen, Verlängerungen, Transfers, Löschungen und Wiederherstellungen von Domains getrennt nach Registraren ersichtlich. Diese Berichte hat Sattler für acht der größten gTLDs (.com, .net, .org, .info, .shop, .store, .top und .xyz) über einen Zeitraum von 24 Monaten, von Januar 2023 bis Dezember 2024, gesammelt und ausgewertet.

Drei Erkenntnisse stechen dabei besonders hervor. So ist zunächst der Grad der Marktkonzentration hoch. Die sieben größten Registrare (Top 1 Prozent) vereinen 51,9 Prozent aller Neuregistrierungen und eingehenden Transfers auf sich. Die Top 10 Prozent der Registrare kommen auf 92,64 Prozent; die übrigen Registrare tragen zusammen nur 0,028 Prozent zum Markt bei. Zweitens ist ein beträchtlicher Teil der akkreditierten Domain-Registrare praktisch inaktiv. 116 Registrare, etwa 17 Prozent der gesamten Stichprobe, verzeichnen nahezu keine Transaktionsaktivität. Ihre Domain-Portfolien bleiben zwar durch Vertragsverlängerungen bestehen, ihr Beitrag zur Marktdynamik ist jedoch vernachlässigbar. Und drittens dominieren Vertragsverlängerungen das gesamte Transaktionsvolumen. Fast die Hälfte aller erfassten Transaktionen (49,7 Prozent) sind Vertragsverlängerungen. Bei den meisten Registraren übertreffen Verlängerungen alle anderen Transaktionsarten zusammen. Das Geschäft der gTLD-Registrare ist daher, wie die Transaktionsdaten zeigen, primär ein Portfolio-Management-Geschäft, während die Aktivitäten im neuen Markt auf wenige große Betreiber konzentriert sind. Auch ein regionales Muster konnte Sattler identifizieren. In der EU ansässige Domain-Registrare sind deutlich weniger konzentriert als der übrige Markt: Die größten 10 Prozent der EU-Registrare verzeichnen 72,9 Prozent der Neuregistrierungen und eingehenden Transfers, verglichen mit 94,9 Prozent bei Unternehmen außerhalb der EU. Ein Teil dieses Unterschieds dürfte auf eine größere Anzahl mittelständischer europäischer Registrare zurückzuführen sein. Ein anderer Teil könnte schlichtweg darauf beruhen, dass europäische Registrare einen Großteil ihres Geschäfts mit ccTLDs abwickeln, die in den Transaktionsberichten für gTLDs nicht sichtbar sind.

Auf zwei Einschränkungen weist Sattler hin. So wird der Reseller-Markt, mithin jene Registrare, die ihre Domains über akkreditierte Registrare ein- und dann weiterverkaufen, nicht gesondert erfasst. Ein akkreditierter Registrar erscheint daher als eine Einheit, auch wenn sein Volumen auf Tausende von Resellern verteilt ist. Zudem ist die Analyse deskriptiv, nicht kausal. Sie erklärt weder, warum der Markt so aussieht, noch prüft sie, ob eine bestimmte politische Änderung Verbesserungen bringen würde. Gleichwohl liefert die Studie eine empirische Grundlage, die in der Diskussion bisher fehlte: ein reproduzierbares und überprüfbares Bild der tatsächlichen Marktungleichheit. Die Zahlen liegen nun auf dem Tisch; es liegt an den Marktbeteiligten, die notwendigen Schlüsse zu ziehen.

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