Im Mai 2026 legte NetKnowledge.com.au einen aktuellen IDN-Marktbericht vor. Der Rückgang von IDN-Domains in den letzten Jahren schwächt sich etwas ab, verstetigt sich aber. Weniger an der Studie beteiligte Teilnehmer als zuvor glauben an einen Anstieg der Zahlen in den kommenden fünf Jahren. Alfredo Calderón-Serrano nutzt die Erkenntnisse für eine Analyse und einen Ausblick auf zu ergreifende Maßnahmen, um IDNs und »Universal Acceptance« (UA) in den kommenden Jahren voranzubringen.
Internationalisierte Domain-Namen (IDNs) sind Domains in nicht-lateinischen Schriftzeichen, wie etwa die deutschen Umlaute ä, ö und ü, aber auch arabische, chinesische, kyrillische Schriftzeichen. IDNs umfassen einerseits Domain-Namen unter »lateinischen« Endungen (wie .com, .de, .fr) oder ihrerseits internationalisierten Endungen (.рф, .中国). Diese Domains ermöglichen es Nutzern, in ihrer eigenen Sprache und Schrift Domains zu registrieren und am Internet teilzunehmen. Man spricht von »Universal Acceptance« (UA). Es ist das Prinzip, wonach alle gültigen Domain-Namen und eMail-Adressen von allen internetfähigen Systemen akzeptiert, validiert, gespeichert, verarbeitet und korrekt angezeigt werden.
Der aktuelle IDN Market Report basiert auf Daten von 374 Top Level Domains, 71 davon Länderendungen, sowie 303 generischen Endungen, und auf einer von Januar bis April 2026 durchgeführten Umfrage, die sich an Registries, Registrare und Interessierte aus der Domain-Branche richtete. Insgesamt sind danach etwa 4,3 Mio. IDNs registriert, was einen Verlust von ca. 0,1 Mio. Registrierungen gegenüber 4,4 Mio. in 2025 darstellt. Insgesamt stehen laut der Studie alle Zeichen auf Abstieg: unter den 28 größten ccTLDs gingen 2025 IDN-Registrierungen um 0,4 Prozent zurück; bei gTLDs waren es minus 0,8 Prozent. Profitiert hat die kyrillische Endung von Russland, .рф, die sich um 2,3 Prozent steigerte. In Europa registrierten 19 von 28 ccTLDs Verluste, in Asien waren es 16 von 18 ccTLDs. In Amerika verbuchten zumindest 6 von 8 ccTLDs wirkliches IDN-Wachstum: .ar, .br, .ca, .pm, .py und .uy. Insgesamt gibt es 90 reine IDN-gTLDs, die zusammen auf 176.000 Registrierungen kommen. Die Studie gibt zahlreiche weitere Informationen zu Fragen der Bekanntheit von IDNs in den unterschiedlichen Weltteilen, Hindernisse bei der Einführung und Umsetzung von IDNs, technische Umsetzungen, WHOIS-Darstellung, eMail-Akzeptanz und den Ausblick auf die kommenden fünf Jahre. Sie erweist sich als informativ und lesenswert.
Da trifft es sich gut, dass der Puerto-Ricaner Alfredo Calderón-Serrano sich parallel den Stand der Dinge von Universal Acceptance und IDNs angeschaut hat. Dabei nimmt er deutlich die Position des Endnutzers in den Blick, der gegebenenfalls feststellen muss, dass das Internet für ihn nicht funktioniert, weil er eine Domain oder eine eMail in seiner Sprache nutzt. Es gehe nicht einfach um technische Anforderungen, sondern digitale Teilhabe, Vertrauen, Identität und alltägliche Nutzung. Für den Nutzer muss es, um digitale Teilhabe zu gewährleisten, möglich sein, mit seiner IDN-eMail-Adresse ein Online-Formular auszufüllen, seinen eMail-Client zu nutzen, sich unproblematisch auf einer Website einzuloggen und Zahlungssysteme zu nutzen, geschweige denn von Registrierungsportalen. Das alles ist nach wie vor kein Standard. Und der beruht letztlich auf fehlender technischer Umsetzung. Die Technik ist aufgrund zahlreicher Standards festgelegt, doch beruhen viele Angebote auf veraltetem Code, vor Jahren programmiert und dann nicht mehr angefasst, der die Standards nicht berücksichtigt. Das hat aber auch Nachteile für Unternehmungen, wenn sie nicht IDN-ready sind, da ihnen mögliche Geschäfte und Kunden verloren gehen, weil diese keinen Zugriff auf deren Seiten haben. Leider fehlt es bei den in diesen Fällen zuständigen Stellen an Wissen um IDNs: Es betrifft Pädagogen, kleine Unternehmen, öffentliche Einrichtungen, Software-Entwickler, Cybersicherheitsexperten, Trainer für digitale Kompetenz und gemeinnützige Organisationen. Die Normalität von IDNs muss auch für sie normal werden. Calderón-Serrano stellt Fragen, die essentiell für die zukünftige Entwicklung sind: funktioniert es, wenn ich meine IDN auf meine Visitenkarte drucke, wenn jemand eine IDN in das Suchfenster des Browsers tippt oder mit der mobilen App nutzt. Solche praxisorientierten Fragen sollten die kommende Entwicklungsphase von UA leiten. Gegenwärtig befinden wir uns in einer Übergangsphase, meint Calderón-Serrano. Die nächsten Schritte sind: UA muss eine Anforderung bei der Beschaffung werden, sie muss Teil der Ausbildung von Entwicklern werden, Unternehmungen müssen ihre Angebote von der Nutzerseite her testen, nicht vom technischen Ende her, digitales Verständnis muss auch IDNs umfassen und schließlich sollte Universal Acceptance nicht als Domain-bezogen verstanden werden, sondern die Menschen als das wahrnehmen, was sie sind. Er resümiert mit den Worten:
We are closer than ever to a multilingual Internet, but not yet close enough for the end user.