Die Gesamtzahl der Phishing-Angriffe steigt nach einem Bericht der Interisle Consulting Group weiter stark an. Als besonders auffällig erweisen sich nach wie vor Domain-Namen unter der Endung .xin, andere Top Level Domains wie .garden und .win waren bei Cyberkriminellen aber ebenfalls gefragt.
Statt eines – wie im Vorjahr 35-seitigen – Berichts hat Interisle sich im Jahr 2026 dafür entschieden, verschiedene Aspekte des Phishings in einer Artikel-Serie zu beleuchten und damit den aktuellen Stand in Sachen Umfang und Verbreitung von Phishing zu dokumentieren. Grundlage der Analyse sind Daten aus Phishing-Berichten, die zwischen Mai 2025 und April 2026 von Anbietern wie der Anti-Phishing Working Group (APWG), OpenPhish, PhishTank und Spamhaus veröffentlicht wurden. Demnach hat sich die Zahl der Phishing-Attacken gegenüber dem Vorjahr 2025 (1.963.390) auf nun 4.251.720 mit einem Plus von 117 Prozent mehr als verdoppelt. Interisle spricht insoweit von einer »alarming rate« und ungenügenden Bemühungen quer über die gesamte Domain Name Industry, Phishing zu begrenzen. Die Zahl der Top Level Domains, die für Phishing verwendet wird, ist mit 854 gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent gestiegen; Phishing ist also nicht auf einige wenige TLDs begrenzt. Gleiches gilt für die Zahl der phishing-auffälligen gTLD-Registrare, die von 2.033 auf 2.459 gestiegen ist; berücksichtigt man darüber hinaus alle Domain-Registrare (also einschließlich der ccTLD-Registrare), ist deren Zahl von 3.125 auf 3.729 ähnlich angestiegen.
Wenig überraschend sind .com-Domains bei Phishern am beliebtesten. Hier zählt Interisle bei knapp 162 Mio. Domains exakt 869.180 Phishing-Fälle. Dahinter folgt .top mit 375.514 Phishing-Fällen, bei allerdings nur knapp 6,3 Mio. registrierten Domains. Auf den Plätzen folgen .cn (167.651 Fälle bei 12,53 Mio. Domains), .pro (130.945 Fälle bei 1,1 Mio. Domains) und .info (99.602 Fälle bei 5,25 Mio. Domains). Setzt man die Zahl der Phishing-Fälle ins Verhältnis zu den registrierten Domains, ergibt sich der sogenannte »Phishing Domain Score« von Interisle und das Bild verändert sich erheblich. Hier führt wie im vergangenen Jahr .xin mit einem Score von 5.910,0 vor .win (1.640,7), .icu (1.607,0), .garden (1.567,7) und .cfd (1.387,4). Interisle:
The top 5 TLDs are new gTLDs that played prominent roles in major phishing, scam, and fraud campaigns or associated with PhAAS infrastructures during our study period.
Dabei werden die einzelnen TLDs ganz gezielt eingesetzt, nämlich .xin für »unpaid toll, brand impersonation«, .win für »B2B credential harvesting, fake login portals (MS365, DocuSign)«, .icu für »brand impersonation, postal and delivery scams, subscription/renewal scams«, .garden für »malicious redirection, brand lookalikes« und .cfd für »authentication laundering, Google URL redirects«.
Vor allem die eindeutige Häufung von Phishing-Fällen unter nTLDs dürfte ICANN angesichts der laufenden Bewerbungsrunde um neue Top Level Domains mit Sorge betrachten. Karen Rose von Interisle erklärt:
The last round of new gTLDs was a goldmine for criminal abuse of domain names. What can wie do to prevent the new round from being just more of the same?
Die ICANN-Richtlinien sollten darauf abzielen, böswillige Registrierungen (DNS Abuse) messbar zu reduzieren und die Verantwortlichkeit für Missbrauch zu erhöhen. Registrare mit hohen Missbrauchsraten sollten deshalb zu Leistungsverbesserungen verpflichtet werden, bei deren Nichteinhaltung Strafen bis hin zur Deakkreditierung drohen. Aber es gibt auch positive Entwicklungen. Seit dem »Aus« von Freenom ist der Anteil der gemeldeten Phishing-Domains unter Länderendungen drastisch zurückgegangen. Damit erweisen sich ccTLDs weiterhin als Vertrauens- und Sicherheitsanker.