Handel

Diskussion um den Kauf von vacation.rentals (US$ 500.300,–) und die .com-Wende

Im April 2018 machte ein spektakulärer Domain-Kauf von sich reden: die US-amerikanische Unternehmung VacaRent kaufte die Domain vacation.rentals zum bisher höchsten Preis, den eine nTLD erzielt hat: für US$ 500.300,–. Jetzt fragen sich Domain-Investoren, ob das der Wendepunkt im Domain-Handel oder lediglich ein Fake-Deal war.

Mike Kugler, Domain-Inhaber von vacation.rentals, stellte sich Ende Mai 2018 einem »Ask me Anything« und meinte: Die Tage von obszönen Preisen für .com-Domains nähern sich dem Ende, da es nTLDs gibt.

I am willing to wager the days of obscene dot-com sales are coming to an end now that the gTLDs are available and gaining ground even moreso. People are no longer forced to dot-com everything and can start to break their addiction to dot-com’ing everything.

Der Wendepunkt im Domain-Handel sind damit nicht unbedingt höhere Preise bei nTLDs, sondern geringere Preis bei .com-Domains.

Kugler ist verantwortlich für den Kauf von vacation.rentals zu einem Preis von US$ 500.300,–, der bereits Ende 2017 eingeleitet wurde. Kugler beschäftigt sich schon lange mit Suchmaschinenoptimierung (SEO) und entschied, dass für sein Geschäft die Domain vacation.rentals die einzig richtige Wahl sei. Diese befand sich in festen Händen. Er wartete zweieinhalb Jahre, bis er den Hinweis erhielt, dass die Domain zum Verkauf steht. Binnen 30 Sekunden wandte er sich an den Inhaber und bot ihm US$ 15.000,- für die Domain. Dafür erhielt er eine Absage und die Mitteilung, man erwarte einen Preis im oberen sechsstelligen Bereich. Daraufhin bot Kugler US$ 500.000,–, die die Gegenseite nach fünf Minuten Bedenken annahm. Auf einen Preis von US$ 500.300,– einigten sich die Parteien schließlich, weil bereits im Januar 2018 der Preis von US$ 500.000,– für home.loans bekannt wurde und Kugler den höchsten bezahlten Preis für eine nTLD als Marketingmittel nutzen wollte. Unter vacation.rentals bietet Kugler ein Angebot zur gebührenfreien Direktenanmietung bei Eigentümern und Hausverwaltungen.

Die Einschätzung Kuglers zur Wende im Domain-Handel teilt die Domain-Gemeinde nicht. Berechtigterweise stellt sich die Frage nach coffee.club, die im Herbst 2014 für US$ 100.000,– an coffee.org ging, ein Deal, der seinerzeit bereits die Wende bringen sollte. Jedoch scheinen die Besucherzahlen auf coffee.club gering sein. Rick Schwartz widmete vacation.rentals kürzlich einen Artikel auf seinem wieder aktivierten Blog ricksblog.com und bemängelt, vacation.rentals werfe auf konkrete Anfragen keine Ferienwohnungen auf Maui aus. Er fragt, ob es sich nicht um einen Fake-Deal handeln könnte. Doch Alt-Domainer Michael Costello vermutet die üblichen Anfangsschwierigkeiten, bis ein ordentlicher Kundenstamm zusammengekommen ist. Kugler selbst teilt mit, noch am selben Tage, an dem sich Schwartz über fehlende Unterkunftangebote für Maui auf vacation.rentals beklagte, habe sich tatsächlich ein Anbieter gemeldet und bietet nun eine Wohnung auf Maui an. Weiter informierte Kugler, dass es unter vacation.rentals am 8. Juni 2018 exakt 265 Anbieter gab und rund 700 Nutzer, und es würden täglich mehr. Ob der vacation.rentals-Deal daher wirklich den Wendepunkt für »obszöne« .com-Preise einleitet, werden wir erst in einigen Jahren sehen. Bis dahin freuen wir uns über jeden Rekordpreis.

In einem Podcast von Andew Allemann erzählt Mike Kugler, wie der Kauf von vacation.rentals zustande kam und welches Geschäft er mit der Domain betreibt.

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