Die Domain ai.com wurde im April 2025 für US$ 70 Mio., zahlbar in Bitcoin, verkauft. Kaufpreis und Käufer wurden jetzt erst bekannt. Diese Meldung macht Schlagzeilen – weit über die Domain-Branche hinaus.
Die Domain ai.com wurde im April 2025 für seinerzeit umgerechnet US$ 70 Mio. in Bitcoin verkauft. Käufer ist Kris Marszalek, Mitgründer und CEO der Krypto-Plattform Crypto.com. Der Deal zählt zu den teuersten jemals bekannt gewordenen Domain-Transaktionen. Der Verkäufer bleibt weiter unbekannt. Der Kauf kam über die Domain-Broker Larry Fischer auf Verkäuferseite und John Mauriello (domainassets.com) auf Käuferseite zustande. Ein spektakulärer Deal, der in einem aktuellen Artikel in »The Financial Times« an die Öffentlichkeit kam. Einen großen Werbeeinstand gab Crypto.com anlässlich des Super Bowl am 08. Februar 2026. Der neuen Domain-Inhaber bietet seit dem 08. Februar 2026 über seine mutmaßliche Unternehmenstochter Mentat Forge Research Pte. Ltd (Singapur) als Betreiber von ai.com Nutzern die Möglichkeit, eigene private, persönliche KI-Agenten zu erstellen, die nicht nur Fragen beantworten, sondern tatsächlich im Auftrag des Nutzers handeln.
Ist dieser US$ 70 Mio. schwere Crypto-Deal die ideale Verschmelzung von Artificial Intelligence und Cryptocurrency? Bereits im März 2025 berichtete Ron Jackson (dnjournal.com) vom anstehenden Verkauf von ai.com. Am ersten Märzwochenende 2025 war ein Artikel bei TheInformation.com erschienen mit der Überschrift:
AI.com Is for Sale. Asking Price? $100 Million.
Der Inhaber der Domain hatte Domain-Broker Larry Fisher von GetYourDomain beauftragt, sie an den Mann zu bringen. Jackson konnte seinerzeit mit Fischer sprechen. Der übermittelte Worte des sich bedeckt haltenden Verkäufers, einem Domain-Investor, der sich als einen »geek or nerd« bezeichnet, der seiner Zeit immer voraus ist. Für ihn war der Kauf der Domain ai.com eine Liebhaberei, da die Domain seine Initialen »A. I.« wiedergibt. Doch mit dem in den letzten Jahren entstandenen AI-Hype wurde für ihn klar, dass er die Domain jetzt gewinnbringend verkaufen könne. Also engagierte er Larry Fischer, der die Domain tatsächlich auch verkaufen konnte – in Zusammenarbeit mit John Mauriello, einem Domain-Broker bei domainassets.com, der für den Käufer auftrat. Allerdings nicht zu einem neunstelligen Betrag, sondern »nur« für US$ 70 Mio. und das auch »nur« in Bitcoin.
So überwältigend der Betrag von US$ 70 Mio. für die Premium-Domain ai.com ist, und so einfach die Transaktion in Bitcoins gegebenenfalls verlaufen sein mag, gerade diese Merkmale schmälern die Denkwürdigkeit dieses Deals. Die Verschmelzung von Domain, AI und Kryptowährung weckt Erinnerungen an die spektakulären NFT-Deals in 2020, 2021 und 2022 (Ende 2022 waren NFTs bereits nicht mehr gefragt), die auch NFT-Domains umfassten. Seinerzeit wurden in der Blockchain gespeicherte Links zu Webseiten (NFTs, kurz für »non fungible tokens«) zu Millionenbeträgen – in Cryptocurrency – gehandelt. Alles wurde in NFTs verwertet und erzielte immer höhere Preise – auch NFT-Domains. Bis sich Ende 2022 plötzlich niemand mehr dafür interessierte und sich mehr oder minder herausstellte, dass die anfangs hochpreisig gehandelten NFTs von Kryptogewinnlern untereinander vermarktet wurden, um Anreize für neue Investoren (wobei der Schwerpunkt auf »Toren« gelegen haben dürfte) zu schaffen und noch mehr Geld schöpfen zu können. Im Juni 2022 erzielte eine Domain wie nft.mn US$ 60.000,– (ca. EUR 57.143,–), nfts.com im August sogar US$ 15.000.000,– (ca. EUR 14.736.511,–). Im November 2022 verkaufte sich nft.be dann aber für nur noch EUR 7.600,–. Der gesamte AI, .ai- und ai.TLD-Hype stellt sich mehr und mehr als eine Blase dar, die – ähnlich jener der NFTs – nicht weit tragen wird. Einen wesentlichen Unterschied gibt es: LLMs (»large language models«) bieten, unter ordentlicher Anleitung durch den Benutzer, durchaus sinnvolle Anwendungen, die allerdings mit Vorsicht zu genießen sind. Doch erweckt AI als Anlass für Domain-Deals, wenn diese zudem hochpreisig in Cryptocurrency bezahlt werden, den Eindruck von Buddy-Geschäften, um Anreize für noch höherpreisige Geschäfte im selben Metier zu schaffen. Wie der Preis von US$ 70 Mio. in Kryptowährung für ai.com mit der unter der Domain angebotenen Dienstleistung, die teilweise als Abonnement funktioniert, letztlich gegenfinanziert werden kann, bleibt zunächst offen. Der Umstand, dass renommierte Broker den ai.com-Deal ermöglicht haben und der Kaufpreis letztlich nicht mit den Milliardeninvestitionen in die LLMs selbst konkurriert, entwickelt sich das Geschäft über die Jahre vielleicht lukrativ. Wie vergangene Woche berichtet, ist die Ansicht von Mark Ghoriafi (Sedo) schlüssig: AI ist bald ein so allgemeines Feature, dass es der Endung .ai als beschreibendes Merkmal gar nicht mehr bedarf. Das dürfte auch auf »ai« im Domain-Namen zutreffen.