ROA

VeriSign plant neue Branchenvereinigung

Die .com- und .net-Registry VeriSign Inc. ruft zur Gründung einer neuen »Registration Operations Industry Association« (ROA) auf: die auf technische Fragen zu neuen Top Level Domains spezialisierte Organisation soll offenbar ein Gegengewicht zur Domain Name Association (DNA) bilden.

Am 12. September 2014 trat Scott Hollenbeck, Senior Director von VeriSign, im unternehmenseigenen Blog erstmals mit dem Vorschlag in die Öffentlichkeit, eine Vereinigung zu gründen, die sich mit den technischen Aspekten der Registrierung und Verwaltung von Domain-Namen über das Extensible Provisioning Protocol (EPP) befasst. Das EPP wurde von Hollenbeck selbst ab November 2000 geschrieben und verfasst, und hat sich seither zum Standard entwickelt, über den die Registries und Registrare sämtliche Transaktionen zu den Domain-Namen mit generischer Endung (gTLDs) und zahlreichen Länderendungen (ccTLDs) abwickeln. Wie Hollenbeck ausführt, gäbe es zahlreiche Gremien, die sich mit dem politischen Aspekt von Domains befassen; ein Forum für die Diskussion der technischen Aspekte der Registrierung und Verwaltung von Domains über EPP gäbe es bisher jedoch nicht. Die dafür zuständige Arbeitsgruppe der Internet Engineering Task Force (IETF) habe ihre Arbeit im April 2004 eingestellt. Über die letzten Monate habe er zahlreiche Gespräche mit den Betreibern von Top Level Domains geführt und dabei viel Unterstützung für das Vorhaben festgestellt. Wie ernst es VeriSign damit inzwischen meint, zeigt allein der Umstand, dass man den Begriff »Registration Operations Industry Association« bereits markenrechtlich hat schützen lassen.

Auf wenig Begeisterung stößt dieser Plan hingegen bei der Domain Name Association. Die erst in diesem Jahr gegründete, gemeinnützige Organisation versteht sich als Interessenvertreter und Sprachrohr der Domain Name Industry, in der sowohl die Registries als auch die Registrare vertreten sind. Zu ihren Mitgliedern gehören zum Beispiel GoDaddy, Afilias, Donuts, Google, Amazon, Neustar und Nominet; VeriSign dagegen ist trotz seiner Stellung als wichtigste Domain-Verwaltung weltweit kein Mitglied der DNA. Ihr Executive Director ist Kurt Pritz, vormaliger Senior Vice President von ICANN und als das öffentliche Gesicht des nTLD-Programms ein gewiefter Strippenzieher. Zwar stimmte er Hollenbeck zu, dass ein größeres formales Ausmaß an Kooperation zwischen Registries und Registraren allen zu Gute komme; der dafür geeignete Platz sei jedoch aufgrund ihrer multifunktionalen und globalen Vielfalt die DNA. Er lud daher Hollenbeck und andere Vertreter von VeriSign ein, an dieser Kooperation teilzunehmen, gleich ob sie der DNA nun beitreten würden oder nicht.

Ob es am Ende zu einer solchen Kooperation kommt oder zwei rivalisierende Verbände gegeneinander antreten, ist derzeit nicht abzusehen. VeriSign hat für 16. Oktober 2014, unmittelbar im Anschluss an das ICANN-Meeting in Los Angeles, zu einer ersten Informationsveranstaltung geladen. Zu hoffen bleibt allerdings, dass die Gründung zweier Interessensgruppen nicht zur Entwicklung unterschiedlicher technischer Standards und damit dazu führt, dass sich die Domain Name Industry in einem Kleinkrieg verzettelt, denn damit wäre den Domain-Inhabern und Kunden am wenigsten geholfen.

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