2015

Ausblick auf neue Domain-Trends

Andrew Alleman befragte anlässlich der NamesCon Fachleute der Domain-Industrie und wollte deren Einschätzungen für das Jahr 2015. Neun folgten seinem Ruf und teilten (mehr oder weniger) einhellig ihre Meinungen über Registrierungen, Aufmerksamkeit, Wachstum und Konsolidierung der Industrie mit.

Domain-Registrierung
Die Fachleute sind sich überwiegend einig, dass die .brand-Endungen ganz entscheidend zur Akzeptanz der nTLDs beim Endnutzer beitragen und den Erfolg der neuen Domain-Endungen ausmachen. Aber auch die Endungen .blog, .shop und .web werden, so Marco Hoffmann (InternetX), zur Popularisierung der nTLDs beitragen. Christa Taylor (dotTBA) geht davon aus, dass bis Juni 2015 7,5 Mio. Domains unter nTLDs registriert sind, Marco Hoffmann (InternetX) geht von mehr als 10 Mio. Domains bis Ende des Jahres aus. Und das werden nicht nur geparkte Domains sein. Laut Richard Tindal (Donuts) haben 15 Prozent der .brand-Inhaber klare Pläne, wie ihre Endung am Markt auftritt. Die Endkunden werden so das Produkt »Neue Domain-Endungen«, dessen Einführung wir 2014 beobachten konnten, aufgrund verstärkten Marketings kennenlernen und akzeptieren. Das Jahr 2015, so Tindal, ist das Jahr des nTLD-Marketings, die nTLDs werden massiv beworben werden. Hintergrundinformationen gibt Tindal auch: so teilt er mit, dass 12 Prozent der bei Donuts registrierten Domains tatsächlich genutzt werden, Domains, die mehrere Seiten und originäre Inhalte aufweisen. Im Vergleich dazu liegt der Nutzungsgrad bei den traditionellen Endungen bei 30 Prozent. Man verzeichne zudem eine kontinuierliche Steigerung der Nutzung der neuen Domains. Für Jeff Sass (CMO .Club) werden die nTLDs in 2015 durch vermutlich eine Endung ihren »twerking moment« haben und in aller Munde sein. Was ist der »twerking moment«? Nun, ein herausragendes, unvermutetes Ereignis, das unvermittelt Popularität erhält und so über Nacht für Bekanntheit der nTLDs sorgen wird. Zudem soll, nach Ansicht von Christa Taylor (dotTBA) die allgemeine »renewal rate« der nTLDs bei 65 Prozent liegen. Keine schlechten Aussichten für die neuen Endungen. Bei alledem geht zumindest Kellie Peterson (DirectNic, DNC Holdings) davon aus, dass auch die Zahl der UDRP- und URS-Verfahren steigen wird.

Secondary market
Allenthalben gehen die Fachleute davon aus, dass auch der Domain-Handel in 2015 ansteigt. Hinsichtlich der nTLDs bezieht sich das insbesondere auf Premium-Domains, die vermehrt und zu höheren Preisen gehandelt werden, wohingegen, so Kellie Peterson (DirectNic, DNC Holdings), das mittlere Preissegment bei den traditionellen Endungen aufgrund der nTLD-Premiumkonkurrenz an Preisniveau verlieren, aber an Verkaufsvolumen gewinnen werde. Solomon Amoako (Sedo) ist der Ansicht, die Premium-Domainpreise für .com werden steigen, der russische und der lateinamerikanische Secondary-Market werden wachsen und die allgemeinen Medien werden mehr Interesse an der Domain-Industrie zeigen. Michael Gilmore (ParkLogic) sieht für 2015 auch neue Monetarisierungslösungen voraus, insbesondere mit Mobiltraffic und über Outsourcing des Domain-Managements großer Portfolien.

Industrie allgemein
Einigkeit herrscht bei den Experten auch darüber, was die Industrie als ganze betrifft: es wird weitere Konsolidierung in der Domain-Industrie geben, kleinere Parkinganbieter werden von größeren geschluckt und, wie Christa Taylor (dotTBA) vermutet, werden erste nTLDs scheitern und von anderen Registries fortgeführt werden. Registries, Registrare und andere Teile der Domain-Industrie werden aber auch gemeinsam daran arbeiten, die Endnutzer über die nTLDs aufzuklären und sie ihnen schmackhaft zu machen. Mit reichlich industrieübergreifenden Kooperationen ist zu rechnen.

ICANN
Was keiner der befragten Domainer ansprach, ist die Frage nach Internet Governance. Das scheint nicht auf deren Agenda zu stehen. Nur Christa Taylor (dotTBA) äußert sich zu ICANN und sieht die Internetverwaltung am Ende des Jahres auf einem Haufen von zigmillionen US-Dollar aus Auktionen sitzen, ohne damit irgendetwas Vernünftiges anzustellen. Glücklicherweise meldete sich Elisa Cooper (MarkMonitor) bei circleid.com zu Wort und sieht klar die Bemühungen ICANNs, die Energien darauf zu konzentrieren, die IANA-Funktionen auf eine globale Multi-Stakeholder-Gemeinschaft zu übertragen und neue, zuverlässige Mechanismen zu implementieren. Darüber hinaus wird die Domain-Sicherheit weiter auf der Agenda stehen.

Die Zukunft
Es ist aber nicht zu übersehen, dass in 2015 nicht alle Probleme der Domain-Industrie beseitigt sein werden. Ganz abgesehen von weiteren unzähligen Artikeln, die darlegen wie dumm, überflüssig und zum Scheitern verurteilt die neuen Endungen sind, wartet auch noch in 2016 genügend Arbeit für die Internetindustrie: Christa Taylor geht davon aus, dass frühestens 2016 überhaupt richtig Geld mit den neuen Endungen verdient werden wird. Ob bis dahin die .brands für die notwendige Aufmerksamkeit und Akzeptanz der Endnutzer gesorgt haben, werden wir spätestens dann wissen.

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