Statistik

Die Entwicklung der .ai-Verfahren bei der WIPO

Mit höheren Registrierungszahlen und Wertsteigerungen bei .ai-Domains gehen vermehrt Markenrechtsverletzungen einher. Entsprechend steigt die Anzahl von Streitbeilegungsverfahren vor der WIPO. Wir haben uns die Entwicklung angeschaut.

Vergangene Woche berichteten wir vom erfolgreichen UDRP-Verfahren von Aston Martin Lagonda Ltd. wegen der Domain astonmartin.ai. Ähnlich ergeht es aktuell BMW und Rolls-Royce, die in diesem Jahr um bmwgroup.ai und rolls-royce.ai streiten mussten. Die Anzahl der .ai-Verfahren vor der WIPO, die nach der UDRP geführt werden, hat im Laufe der Jahre zugenommen. Was zunächst verhalten im Jahr 2019 mit 5 Fällen begann, wuchs sich im vergangenen Jahr auf 51 Verfahren aus. Bis zum Jahr 2023 war es bei .ai allerdings gleichbleibend ruhig. Die Zahlen der vor WIPO geführten Verfahren sehen wie folgt aus:

WIPO .ai-Streitigkeiten

Jahr Anzahl Abgewiesen Terminated Transfers
20247052
20235122128
2022 4031
2021 5131
2020 5005
2019 5014
Summe 7733341

(Stand 19.03.2024)

Der Anstieg der WIPO-Verfahren 2023 spiegelt die Aufmerksamkeit auf .ai, der Landesendung von Anguilla, wider, die mit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 einhergeht. Mit den beeindruckenden Leistungen des Large Language Model (LLM) ChatGPT und anderer Modelle ist künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence, abgekürzt AI) in aller Munde. In der Folge wurden mehr .ai-Domains registriert, darunter auch mehr Markenrechte verletzende Domain-Namen, die zu mehr UDRP-Verfahren führen. Auch der Blick von Markenverantwortlichen dürfte sich zu der Zeit auf .ai ausgeweitet haben. Während WIPO in den Jahren 2019 bis 2022 im Grunde jeweils 5 Verfahren verzeichnete (2022 waren es nur 4), waren es 2023 plötzlich 51. Von denen wurden 21 beendet; in 28 Fällen entschieden die WIPO-Panels auf Übertragung der Domain auf den Beschwerdeführer, und nur in zwei Fällen kam es zur Abweisung der Beschwerde.

Allerdings scheint der sprunghafte Anstieg von UDRP-Verfahren 2023 bereits 2024 wieder nachzulassen. 2023 beendete WIPO 51 .ai-Verfahren, derzeit sind (18. März 2024) nach zweieinhalb Monaten in 2024 lediglich 7 als abgeschlossen gelistet. Rechnet man das auf das Jahr hoch, so ist insgesamt mit etwa 35 WIPO-Streitigkeiten zu rechnen. Das wären deutlich weniger als 2023. Die Rate einfach beendeter Verfahren liegt mit fünf gegenüber zwei Transferentscheidungen deutlich höher als 2023 – die Quote mag sich aber noch ändern. Wobei sich in den früheren Jahren die Tendenz von Transferentscheidungen (2019 und 2020) hin zu beendeten Verfahren (2021 und 2022) entwickelte.

Für Markeninhaber dürfte 2023 klar geworden sein, dass man sein Augenmerk, wenn es nicht von einem professionellen Dienstleister bereits gemacht wird, auch auf .ai-Domains lenken muss. Wir beobachten, wie sich die Dinge weiterentwickeln.

Hilfe beim Online-Markenschutz bietet unter anderem die united-domains GmbH, deren Projekt der Domain-Newsletter und domain-recht.de sind.

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