schweiz.eu

Eidgenossen im Domain-Wirrwarr

Das Motto „Warum einfach, wenns auch kompliziert geht“ scheint man in der Schweiz in Domain-Angelegenheiten verinnerlicht zu haben: nach jahrelangen Auseinandersetzungen um die Domain-Namen schweiz.ch, suisse.ch und svizzera.ch hat man jetzt auch im Wettrennen um schweiz.eu das Nachsehen. Von schweiz.mobi wollte man dagegen gleich gar nichts wissen.

Im Mai diesen Jahres hatte die Genfer WIPO nach einer langwierigen juristischen Auseinandersetzung entschieden, dass die Domains schweiz.ch, suisse.ch und svizzera.ch der Schweizer Eidgenossenschaft zustehen. Doch Stefan Frei, Inhaber der streitigen Domains, gab sich kämpferisch und trotzte wenige Wochen später nach langem Hin- und Her dem Bund im Rahmen einer aussergerichtlichen Vereinbarung immerhin noch CHF 50.000.– (ca. EUR 31.630,–) für die Übertragung ab. Mit Wirkung zum 1. Dezember 2006 gehen sie daher nun an die Eidgenossen über, die sich auch gleich noch eine Option für die entsprechenden .org-Domains inklusive der switzerland.org besorgten, bei denen binnen fünf Jahren ebenfalls CHF 50.000,– fällig würden. Fordert die schweizer Bundeskanzlei die Domains später ab, zahlt sie kontinuierlich weniger. Im Jahr 2016 ist die endgültige Übertragung dann unentgeltlich.

Nach so viel Ärger hätte man vermuten können, dass sich die Schweizer zumindest rechtzeitig um die Domain schweiz.eu bemüht hätten, doch weit gefehlt. Diese Domain hat sich der Österreicher Sebastian Roethler geschnappt, um sie – man ahnt es – jetzt wieder Stefan Frei zur Verfügung zu stellen. Über die Webadressen schweiz.eu, suisse.eu und svizzera.eu betreibt Frei unverändert eine „Plattform für Freemail-Adressen, Informationen zur Schweizerischen Eidgenossenschaft und Tools, die das Leben erleichtern“. Auf diesem Weg erhalten die Schweizer Bürger die grundsätzliche Möglichkeit, von einer attraktiven .eu-Domain zu profitieren.

Gut, die Schweiz ist nicht Mitglied der EU, so dass eine Notwendigkeit für eine .eu-Domain nicht unbedingt bestehen mag. Dass sich jedoch ausgerechnet der Pensionär Rolf Bluethgen die Mobil-Domain schweiz.mobi gesichert hat, dürfte zumindest auf den zweiten Blick schmerzen. Bluethgen will zwar aus hehren Motiven gehandelt haben, um zu verhindern, „dass irgendeine ausländische Firma die Adresse schnappt.“ Doch auf sein Angebot, die Domain zu übernehmen, reagierte der Bund mit kalter Schulter. Bleibt zu hoffen, dass man sich nicht auf die Registry und deren Liste gesperrter Namen verlassen hat, auf der sich auch zahlreiche Ländernamen wie Austria, Deutschland und Israel befinden. Dank eines Schreibfehlers rutschte Bluethgen mit seiner Registrierung nämlich durch diese Sperrliste durch: blockiert wurde schweitz.mobi statt schweiz.mobi ?

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