Studie

Den neuen Endungen fehlt die »universal acceptance«

Der Weltwirtschaft entgehen durch die fehlende Unterstützung von nTLDs und internationalisierten Domain-Namen (IDN) Umsätze in Höhe von rund US$ 10 Milliarden im Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der in Seattle ansässigen Unternehmensberatung Analysys Mason im Auftrag von ICANN.

Unter dem Motto »jeder Domain-Name sollte gleich behandelt werden« rief ICANN im Jahr 2014 die Universal Acceptance Steering Group (UASG) ins Leben. Sie sollte dafür sorgen, dass jede Top Level Domain oder eMail-Adresse überall im Internet lesbar ist und von allen Internet-Clients wie Webbrowsern, Mail-Programmen und Routern akzeptiert wird. Etablierte Zwei- und Drei-Zeichen-TLDs wie .de oder .com gelten insoweit als unproblematisch; im Zuge der Einführung von hunderten nTLDs mit vier oder mehr Zeichen und IDNs wurde diese Aufgabe aber ungleich komplexer. Inzwischen sind über 28 Millionen Domains mit neuer Endung sowie weitere 2,6 Millionen IDNs registriert und stellen die Technik vor neue Herausforderungen; gleichzeitig belegen sie, dass man daran arbeiten muss, dass Internet nicht nur auf lateinische Zeichen zu beschränken, sondern international und universal akzeptiert zu halten.

Doch daran hapert es. Konservative Schätzungen der UASG kommen zu dem Ergebnis, dass sich die wirtschaftlichen Vorteile durch eine bessere »universal acceptance« von Domain-Namen auf einen Betrag von US$ 9,8 Milliarden belaufen. Auf den Bereich der neuen Domain-Endungen entfallen davon US$ 3,6 Milliarden. Die Zahl leitet die UASG wie folgt her: der weltweite Umsatz im eCommerce beläuft sich auf US$ 1,548 Milliarden. Bei weltweit 4,3 Milliarden eMail-Adressen ergibt dies einen Umsatz von US$ 360,– pro eMail-Adresse im Jahr. Diesen Wert multipliziert die UASG mit 152 Millionen, der geschätzten Anzahl von eMail-Adressen mit nTLD, und bricht diesen Wert statistisch auf jene 13 Prozent der eCommerce-Webangebote herunter, die aktuell nicht »UA-ready« sind. Ähnlich kompliziert ist die Berechnung bei IDNs, wo die UASG auf ein ungenutztes Potential von US$ 6,2 Milliarden kommt. Ausgangspunkt sind 805 Millionen Personen mit entweder russischer, chinesischer, arabischer, vietnamesischer und indischer Sprache, die nicht online sind. Daraus errechnet die UASG 17 Millionen Nutzer, und wenn man davon ausgeht, dass im Durchschnitt jeder Nutzer US$ 364,– im Jahr ausgibt, kommt man zu einem Betrag von US$ 6,2 Milliarden.

»All organisations should make their software UA ready« – auf diesen Nenner ist das Ergebnis der Studie zu bringen. Der Aufruf richtet sich vor allem an Techniker und Software-Programmierer, die so wesentlich dazu beitragen, dass nTLDs und IDNs noch populärer werden. Um die Kosten gering zu halten, möchte die UASG eine zentralisierte, laufend aktualisierte Datenbank aller neu registrierten Domains bereithalten. Solange aber zum Beispiel die Kontaktfelder von Banken keine .bank-Domain unterstützen, ist der Weg zur »universal acceptance« noch weit.

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