Premium-Domains

Hot oder doch eher Schrott?

Die indische Domain-Verwaltung Radix FZC gibt einen exklusiven Einblick in den Verkauf ihrer Premium-Domains: während Registries und Registrare das Geschäftsmodell lieben dürften, fällt für Endkunden das erste Fazit eher gemischt aus.

Für die einen sind sie verhasstes Statusobjekt oder Verschwendung von Ressourcen, für die anderen lohnendes Investitionsobjekt: Premium-Domains sind besonders attraktive Domain-Namen, für welche die zuständige Registry (also nicht der Registrar) höhere Preise als für Standard-Domains festgesetzt hat. Ihren vorläufigen Höhepunkt haben Premium-Domains mit der Einführung neuer generischer Top Level Domains erreicht; fast keine Registry verzichtet darauf, hochattraktive Adressen für oft teures Geld zu verkaufen. So wird etwa bikes.online zu Gebühren von über EUR 6.000,- im Jahr angeboten. Die Geschäftsmodelle sind dabei durchaus variabel: so kostet date.berlin zwar im ersten Jahr um die EUR 3.600,-, in den Folgejahren fallen dann jedoch nur die üblichen Gebühren an. Welche Domain als Premium-Domain eingestuft wird, entscheidet allein die Registry; auch für ihre Zahl gibt es keine fixen Grenzen. Allerdings garantiert eine Premium-Domain ihrem Inhaber keinen Geschäftserfolg, sondern stellt allenfalls einen (wichtigen) Baustein hierfür dar.

Anders stellt sich die Situation für die Registry dar, für sie scheinen sich Premium-Domains auszuzahlen. Das legt zumindest eine Mitteilung der indischen Radix FZC nahe, die selbst insgesamt die neun nTLDs .online, .store, .tech, .website, .space, .press, .site, .host und .fun anbietet und rund 2,4 Millionen Domains unter Verwaltung hat. Im Jahr 2017 erlöste Radix über US$ 1,1 Millionen aus der Vertragsverlängerung von Premium-Domains. Davon entfällt der Großteil auf .online, .store, .space und .tech. Die „renewal rate“, also der Anteil an Vertragsverlängerungen, habe bei 71 Prozent gelegen. Allerdings ist die Berechnung ungewöhnlich: bei Premium-Domains im Erlöswert von US$ 100.000,- wurden solche zu US$ 71.000,- verlängert. Stellt man allein auf die puren Zahlen ab, wurden von zusammen 1.343 Premium-Domains 912 verlängert, was einer Quote von 68 Prozent gleichkommt. Bezogen auf den Erlös von US$ 1,1 Millionen ist das Gesamtbild aber erfreulich; bei 1.343 Domains ergibt sich pro Premium-Domain ein durchschnittlicher Preis von US$ 819,-. Mit anderen Worten: bei üblichen Gebühren von US$ 20,- muss Radix 41 Domains verkaufen, bis man auf den gleichen Betrag wie bei einer einzigen Premium-Domain kommt.

Insgesamt tragen „renewals“ für Premium-Domains zwar lediglich zu zehn Prozent zum Gesamterlös von Radix bei. Da sich die Inhaber aber in der Regel als besonders treu erweisen, sind ständige Einnahmen quasi garantiert, oder – wie es Radix-CEO Sandeep Ramchandani formuliert: „the opportunity to delivery long-term value vs a one-time transactional sale.“ Allerdings verschweigt er auch die Schattenseiten von Premium-Domains: zahlreiche dieser Adressen wurden frühzeitig von Domain-Spekulanten registriert und liegen seither brach; im besten Fall nutzt sie ihr Inhaber für Domain-Parking. Eine aktive Nutzung findet also nicht statt, so dass nTLDs in der Öffentlichkeit kaum an Präsenz gewinnen können. Es bleibt daher abzuwarten, ob es auf lange Sicht nicht wirtschaftlicher gewesen wäre, mit günstigen Domains ohne Premiums auf den Massenmarkt zu setzen.

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