nTLDs

VeriSign spielt den »Sugar Daddy« für die .web-Registry

Seit der Auktion sind mehrere Tagen vergangen, doch die Wellen rund um die Top Level Domain .web schlagen weiter hoch: in einem Statement hat VeriSign Inc. inzwischen offiziell bestätigt, sich wirtschaftlich bei Nu Dot Co LLC beteiligt zu haben.

Nach 23 Runden, verteilt über zwei Tage, ging am 28. Juli 2016 der Rauch über dem ICANN-Hauptquartier auf. Für eine neue Rekordsumme von US$ 135 Mio. hatte der Neuling Nu Dot Co LLC den Registry-Vertrag für die globale Top Level Domain .web ersteigert und dabei sieben weitere Bewerber wie Afilias Domains No. 3 Limited, die Google-Tochter Charleston Road Registry Inc. sowie die Donuts-Tochter Ruby Glen LLC hinter sich gelassen. Die Hinweise, dass Nu Dot Co eine Art »Sugar Daddy« in der Hinterhand hatte, haben sich inzwischen bestätigt. Am 1. August 2016 veröffentlichte VeriSign eine Pressemitteilung, wonach man eine Vereinbarung mit Nu Dot Co geschlossen habe, die notwendigen Mittel für das .web-Gebot zur Verfügung zu stellen. Wie genau diese Vereinbarung aussieht, lässt VeriSign offen; so ist insbesondere unklar, ob VeriSign wenigstens mittelbar Gesellschaftsanteile übernommen hat. Betont wurde lediglich, dass VeriSign den Abschluss des Registry-Vertrages zwischen Nu Dot Co und ICANN erwarte und davon ausgehe, dass das Registry Agreement dann mit Zustimmung von ICANN zu VeriSign zugeordnet, am Ende also übertragen werde. Was Nu Dot Co im Gegenzug für die Rolle als eine Art »Trojanisches Pferd« erhält, ist öffentlich nicht bekannt.

In der Domain-Branche wird dieser Deal mit gemischten Gefühlen aufgenommen. So gilt etwa für den Anwalt und Blogger Mike Berkens, dass .web die einzig ernsthafte Alternative zu .com und .net aus dem gesamten nTLD-Programm war. Aus der Sicht von VeriSign war .web damit die einzige Endung, die man wirklich haben musste; es wäre daher grob fahrlässig gewesen, nicht zuzuschlagen. Mit Barreserven von knapp US$ 2 Milliarden sei auch das siegreiche Gebot letztlich nur Peanuts. Aber auch der Vorwurf der Begründung eines Monopols macht die Runde, das den kleineren Registries oder einem Newcomer keine Luft mehr lässt. Für VeriSign würden sich zudem Optionen bieten, die keine andere Registry hat: so wäre eine Bündelung von Domains im Paket aus den von VeriSign verwalteten Endungen .com/.net/.tv und in Zukunft .web zu Vorzugspreisen möglich. Allerdings könnte VeriSign zumindest theoretisch den Registry-Vertrag mit ICANN für .com und .net auch verlieren, so dass es aus unternehmerischer Sicht sogar dringend geboten war, mit .web eine Alternative zu schaffen.

Der einzige, der sich schon jetzt freuen darf, ist ICANN. Mit den US$ 135 Millionen für .web erhöht sich der Topf mit Einnahmen aus bisher 17 Auktionen auf über sagenhafte US$ 240 Millionen. Zu welchem Zweck ICANN diese Mittel verwendet, ist völlig unklar. Hinzu kommen Bewerbungsgebühren in Höhe von weiteren über US$ 357 Millionen, die zumindest teilweise in die Prüfung der insgesamt 1.930 eingegangenen Bewerbungen geflossen sind. Die »Kriegskasse« von ICANN dürfte also gut gefüllt sein – komme, was wolle.

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