nTLDs

Prüfungsverfahren dauert bis August an

Die Internet-Verwaltung ICANN treibt das Prüfungsverfahren für neue globale Top Level Domains voran: weit mehr als 800 Bewerber haben die Phase der »initial evaluation« erfolgreich absolviert. Hinter den Kulissen bleibt Streit jedoch nicht aus.

Exakt 819 Bewerber mit erfolgreich bestandener »initial evaluation«, darunter klangvolle Endungen wie .app, .swiss, .poker, .hotel, .blog, .bmw, .hermes und .sport meldet die ICANN-Datenbank derzeit. Ausgehend von ursprünglich 1.930 Bewerbern nähert sich das Prüfungsprogramm damit aktuell der Halbzeit; noch sind knapp über 1.000 Bewerbungen zu prüfen. Bis Ende August 2013 sollen sämtliche dann noch verbliebenen Bewerber geprüft sein. Zugleich wächst jedoch auch die Zahl der Aussteiger: bisher haben sich 83 Bewerber freiwillig aus dem Bewerbungsverfahren zurückgezogen, wobei zuletzt die beiden Endungen .marketing und .loreal hinzugekommen sind. Insgesamt 204 Bewerbungen sind einer Beschwerde (»objection«) ausgesetzt, darunter viele generische Endungen wie .cars, .cloud, .mail, .ski und .reisen. Immerhin 187 Bewerbungen müssen sich mit einer Frühwarnung (»early warning«) des Regierungsbeirats Governmental Advisory Committee beschäftigen; auch darunter befinden sich mit Endungen wie etwa .airforce, .baby, .health oder .city auffallend viele Bewerbungen um eine generische Top Level Domain.

Insgesamt acht Bewerbungen wie zum Beispiel .locus, .llc, .ltd, .life, .olayangroup und .mckinsey haben die Phase der »initial evaluation« dagegen nicht bestanden. Sie sind nunmehr »eligible for Extended Evaluation«, was – vornehm ausgedrückt – als zweite Chance zu werten ist. Vor allem der im US-Bundesstaat Kansas ansässige Bewerber Dot Registry LLC, der jedenfalls mit .llc und .ltd auf eine zweite Chance hoffen muss, sieht sich dabei systematisch benachteiligt. Bei der Frage nach »Funding Critical Registry Functions«, in der es unter anderem um den Nachweis eines für drei Jahre finanziell gesicherten Registry-Betriebs geht, hat man jeweils null Punkte erhalten. Üblicherweise legen die Bewerber hierfür eine Bankbürgschaft vor, und im Falle von Dot Registry versichert deren CEO Shaul Jolles, dies ebenfalls getan zu haben. Bei der Bewerbung um .inc, die mit den selben Unterlagen unterstützt worden sei, habe man hingegen bestanden; dies mache keinen Sinn, es sei denn, ICANN gehe gezielt gegen einzelne Endungen vor. Auch ein zweiter Bewerber gab an, ohne Nachfrage wegen fehlender wirtschaftlicher Nachweise abgelehnt worden zu sein. Beide Bewerber bemühen sich nun, auf dem kleinen Dienstweg bei ICANN zu intervenieren.

Bei ICANN scheint man schon geahnt zu haben, dass es noch jede Menge Streit geben wird. Die .com-Registry VeriSign sah sich daraufhin offenbar veranlasst, konkret nachzufragen, wofür die »Kriegskasse« bei ICANN gefüllt ist. In einem jetzt veröffentlichten Schreiben vom 14. Juni 2013 bittet VeriSign um Auskunft, was es mit der Risiko-Reserve von US$ 115,8 Millionen auf sich habe und welche potentiellen Risiken diese absichere. Im Verhältnis sei damit ein Anteil von US$ 60.000,– aus der Bewerbungsgebühr von US$ 185.000,–, umgerechnet also etwa ein Drittel, in diese Reserve geflossen. Sollten sich die von ICANN eingeplanten Risiken nicht verwirklichen, säße die Internet-Verwaltung auf einem prall gefüllten Bankkonto; erste Forderungen, den nicht verbrauchten Teil an die Bewerber zurückzubezahlen, wurden daher bereits laut. Eine öffentliche Stellungnahme von ICANN steht bisher aus.

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