nTLDs

ICANN-Studie zeigt Auswirkungen der neuen Endungen auf Registrierungsgebühren und ältere Endungen

Die Einführung neuer Top Level Domains hat zur allgemeinen Absenkung der Registrierungsgebühren geführt und den Markt insgesamt belebt. Zu diesem Ergebnis kommt die von der Internet-Verwaltung ICANN in Auftrag gegebene Studie »Assessment of the Competitive Effects Associated with the New gTLD Program«.

Die Steigerung des Wettbewerbs, die Vergrößerung des Angebots und die Erhöhung des Verbrauchervertrauens – diese drei hehren Ziele hatte sich ICANN auf die Fahnen geschrieben, um im Jahre 2012 mit dem nTLD-Programm das Domain Name System zu revolutionieren. Mit dem ersten Ziel, mehr Wettbewerb, hat sich die in Denver ansässige Analysis Group befasst und im September 2015 einen »Phase I«-Bericht veröffentlicht, der die Skalen für einen Test definiert. Dem folgte vor wenigen Tagen nun Phase II, bestehend aus einem 54-seitigen Bericht, der ab sofort zum Download zur Verfügung steht. Insgesamt betrachtet darf sich ICANN bestätigt fühlen: so sind zum Beispiel die Preise für »legacy TLDs« wie .com und .net im Durchschnitt als auch im Median inzwischen gesunken. Aber auch bei den 15 größten Registries als auch Registraren hat sich einiges getan: dort ist der Markt erheblich in Bewegung geraten, wobei die jeweiligen Marktführer an Marktanteil verloren haben. Auch die US-Dominanz scheint zu schwinden: das größte Wachstum an so genannten »registry operators« stellt die Studie in Europa und der Asia-Pazifik-Region statt.

Weniger überraschend ist dagegen, dass sich nTLDs an spezielle Interessensgruppen wenden, und der Anstieg bei einer nTLD aus dem gleichen Interessenskreis zu Lasten anderer nTLDs aus diesem Kreis geht. Domains mit neuer Endung werden demnach nicht blind registriert, sondern aus dem Angebot gezielt ausgewählt. Dabei besteht für die Analysis Group kein Zweifel, dass es einen Markt für nTLDs gibt: waren es im November 2014 noch zwei Prozent, entfallen auf die nTLDs inzwischen neun Prozent aller Domains mit generischer Endung. Da das Registrierungsniveau für »legacy TLDs« nicht gesunken ist, ist die Zahl der insgesamt registrierten Domains durch die nTLDs gestiegen. Allerdings lässt sich kein weltweit einheitlicher Effekt feststellen, der durch die Einführung von nTLDs belegt ist. Es lassen sich lediglich Anzeichen dafür finden, dass regionalspezifische nTLDs wie .nyc allen anderen TLDs an Marktanteilen wegnehmen, sobald sie verfügbar sind.

Unmittelbar hat die Studie keine Auswirkung, zumal sie lediglich eine Momentaufnahme darstellt. So sind neue Endungen wie .shop oder .web darin naturgemäß noch nicht berücksichtigt; beiden prognostizieren Experten jedoch erhebliches Marktpotential gerade im Verhältnis zu .com. Zudem ist der Markt an neuen Endungen noch äußerst volatil; so sind zum Beispiel Schwankungen um mehrere zehntausend Domains binnen weniger Wochen noch häufig festzustellen, etwa weil eine Marketingaktion einer Registry oder eines Registrars ausgelaufen ist. Doch wie auch immer man die Zahlen interpretiert: in der öffentlichen Wahrnehmung haben praktisch alle nTLDs noch erheblichen Wachstumsbedarf.

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