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Donuts verklagt ICANN wegen .web-Auktion auf Schadensersatz

Die Donuts-Tochtergesellschaft Ruby Glen LLC lässt im Streit um die neue Top Level Domain .web nicht locker: vor einem US-Gericht hat man die Internet-Verwaltung ICANN auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagt. Die Erfolgsaussichten sind jedoch bescheiden.

Wie bereits berichtet, hat die US-amerikanische Nu Dot Co LLC im Rahmen einer von ICANN veranstalteten »auction of last resort« für eine neue Rekordsumme von US$ 135 Mio. den Registry-Vertrag für .web ersteigert. Allerdings hatte man dabei einen finanzstarken Partner im Rücken: die .com-Verwalterin Verisign Inc. hat inzwischen bestätigt, eine Vereinbarung mit Nu Dot Co getroffen zu haben, die notwendigen Mittel für das .web-Gebot zur Verfügung zu stellen. Mit Zustimmung von ICANN soll letztlich der Registry-Vertrag für .web auf VeriSign übertragen werden. So einfach gibt sich Donuts aber nicht geschlagen: am 08. August 2016 erweiterte man eine bereits vor dem United States District Court of California anhängige Klage gegen ICANN um eine Schadensersatzforderung gegen ICANN in Höhe von mindestens US$ 22,5 Millionen. Dieser Betrag orientiert sich offenbar an jenem Anteil, den Donuts erhalten hätte, wenn sich die insgesamt sechs unterlegenen Bewerber der .web-Auktion gütlich, also ohne eine ICANN-Auktion, geeinigt hätten.

Allerdings bestehen begründete Zweifel, dass Donuts mit dieser Klage Erfolg hat. Zunächst sieht das Bewerberhandbuch eine Regelung vor, die den Gang vor ein Zivilgericht ausschließt. Ob diese Klausel rechtswirksam ist, ist zwar umstritten; im Fall von .africa hatte ein Gericht vorläufig geurteilt, dass sie gegen § 1668 des kalifornischen Civil Code verstößt. Eine rechtskräftige Entscheidung gibt es bisher aber nicht. Des Weiteren erhebt Donuts den Vorwurf, dass es ICANN auf eine »auction of last resort« angelegt habe, um damit Einnahmen zu erzielen, die es bei einer gütlichen Einigung nicht gegeben hätte. Über bloße Behauptungen geht dieser Vorwurf jedoch bisher nicht hinaus, zumal aktuell noch offen ist, wie ICANN die Auktionserlöse verwenden wird. Ferner ist Donuts empört, dass .web am Ende bei VeriSign landet. Über den Umweg Nu Dot Co habe VeriSign ohne eigene Bewerbung für .web offensichtlich versucht, wettbewerbs- und kartellrechtliche Vorwürfe zu vermeiden, da .web allgemein als stärkster Konkurrent für .com und .net gilt. Beweise für diese Behauptung gibt es bisher jedoch ebenfalls nicht; VeriSign könnte genauso gut erst nach Schließung des Bewerberfensters entschieden haben, sich zu engagieren. So könnte VeriSign zumindest theoretisch den Registry-Vertrag mit ICANN für .com und .net verlieren, so dass es aus unternehmerischer Sicht sogar dringend geboten war, mit .web eine Alternative zu schaffen.

Eine Klage gegen Nu Dot Co oder VeriSign selbst hat Donuts bisher wohl noch nicht erhoben. Dies lässt die Vermutung zu, dass die Endung .web nun rasch in das Delegierungsverfahren übergehen kann, um so die Voraussetzung für eine Domain-Registrierung zu schaffen. Konkrete Termine für eine Sunrise-Period oder gar den Start der Live-Phase hat VeriSign bisher aber nicht veröffentlicht; möglicherweise wartet man ab, bis der Registry-Vertrag auch formell von Nu Dot Co übertragen wurde. Hoffnung auf eine rasche Registrierung sollte man sich also besser nicht machen.

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