ICANN

Rätseln um nTLD-Bewerber geht weiter

Erfolgreicher Start für das nTLD-Programm: wie die Internet-Verwaltung ICANN bekanntgab, hat der Auftakt in technischer Hinsicht reibungslos geklappt. Das große Rätseln um die Namen der Bewerber geht jedoch weiter.

Am 12. Januar 2012 exakt um eine Minute nach Mitternacht (UTC) öffnete das Bewerberfenster um neue globale Top Level Domains. Seither nimmt das TLD Application System (TAS) wie geplant und technisch reibungslos Registrierungen entgegen. Laut ICANN haben sich per 19. Januar 2012 insgesamt 25 Organisationen akkreditiert; da sich jede Organisation um bis zu 50 verschiedene Top Level Domains bewerben kann, ist bisher ein Rückschluss auf potentielle neue Domain-Endungen nicht möglich, zumal sich nicht jede akkreditierte Organisation tatsächlich um eine neue Endung bewerben muss. Und weil schließlich eine Akkreditierung über das TAS noch bis zum 29. März 2012 möglich ist, bleiben alle Zahlenspiele reine Spekulation. In einer Pressemitteilung stellt ICANN vorsorglich nochmals klar, dass erst Anfang Mai, voraussichtlich in den ersten beiden Wochen, eine Liste aller Bewerber und möglicher neuer Endungen veröffentlicht werden wird; bis dahin wird ICANN weder Zahlen noch einzelne Bewerber öffentlich kommentieren.

Den Schleier lüften können nur die Bewerber selbst, und in Einzelfällen tun sie das auch. So hat beispielsweise Colin Campbell, CEO von .Club Domains LLC, in seinem Blog verkündet, dass man noch am Öffnungstag des Bewerberfensters einen Antrag für .club eingereicht hat. Aus Australien (wenn auch nicht dem dortigen Dschungel) erreicht uns die Meldung, dass auch die DotKiwi Ltd. ihre Unterlagen für .kiwi eingereicht hat. Das TLD-Beratungsunternehmen Minds + Machines soll sich dagegen um bereits 20 Endungen beworben haben, ohne dass jedoch konkrete Namen bestätigt wurden. Mit allenfalls vereinzelten Bewerbungen ist aus Russland und dem arabischen Raum zu rechnen. So gab Andrey Kolesnikov, CEO der russischen Registry Coordination Center for TLD RU, an, dass er mit nur rund zehn Unternehmen rechne, die am Verfahren teilnehmen; sie werden sich voraussichtlich auf internationalisierte Top Level Domains in kyrillischer Sprache konzentrieren, wobei die Registry selbst eine Bewerbung für die kyrillische Variante von .children im Auge hat und im Februar 2012 einreichen will. Das in Dubai ansässige Beratungsunternehmen DotBrand Solutions prognostiziert schließlich für den arabischen Raum, dass nur eine oder zwei Bewerbungen von dort eingereicht werden; wer das sein könnte, ließ man aber offen.

Die große Unbekannte bleiben die Markenanmeldungen. Mit Ausnahme von Canon, Hitachi und Deloitte hat sich kein weltweit tätiges Unternehmen klar dazu bekannt, sich um die eigene Endung bewerben zu wollen. Selbst die Meldung der Wirtschaftswoche, die drei deutschen Dax-Konzerne SAP, Linde und RWE hätten ihre TLD-Pläne bestätigt, hat kein anderes Unternehmen zu einem Bekenntnis gebracht; stattdessen scheint man sich lieber zu belauern und zu warten, was die Konkurrenz macht. Einmal mehr wird also erst der Mai 2012 Aufklärung bringen, mit welchen neuen Endungen das Internet revolutioniert wird.

Quelle: icann.org, cctld.ru, itp.net, eigene Recherche

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