.brands

Neustar zieht Halbjahres-Fazit zu den Unternehmensendungen

Vor drei Wochen hatten wir über die Eindrücke, die Guillaume Pahud vom Umgang der Unternehmen mit ihren .brand-Domains gewonnen hatte, berichtet. Nun lieferte Tony Kirsch von Neustar eine Jahresmitte-Analyse zur Entwicklung von .brands.

Kirsch sieht im Laufe des 1. Halbjahres 2016 einen »incredible start«, und er bewundert die harte Arbeit vieler .brand-Betreiber, ihre Projekt in Bewegung zu bringen. Im vergangenen Dezember hatte Kirsch 2016 als das »Jahr der .brand« ausgerufen. Waren Ende 2015 lediglich 264 .brand-TLDs delegiert, so sind es mittlerweile 400. Aus den bis Ende 2015 insgesamt 1.371 Domains unter .brand sind mittlerweile 4.636 geworden, was einem Wachstum von 238 Prozent entspricht – und das in nur sechs Monaten, so Tony Kirsch. In einer Tabelle gibt Kirsch ein paar Zahlen dazu. Die Anzahl der aktiven Webseiten unter .brands stieg seit Beginn des Jahres von 317 auf 447. Für aktive Weiterleitungen sieht es besser aus: waren es am 01. Januar 2016 lediglich 601, sind es zum 01. Juli 2016 bereits 3.332. Im Schnitt gibt es derzeit 11,5 Domain-Namen pro .brand gegenüber 5,1 Domains Anfang Januar 2016.

Tony Kirsch geht auch ein wenig ins Detail: Mittlerweile verfügen 31 .brands über eine home.brand-Domain, wie home.microsoft, home.cisco und home.neustar. Kirsch sieht darin einen sich entwickelnden Standard, der den Kunden den Weg zum Anbieter zeigt. Als weiterer Trend stellt sich die Weiterleitung zu spezifischen Inhalten dar, wie etwa bei security.cisco und surface.microsoft. Der Kunde bekommt, was in der URL steht. Aber auch spezifische Micro-Seiten, die außerhalb des üblichen Angebots stehen, bieten .brand-Inhaber an. Bestes Beispiel sei das Angebot next100.bmw, bei dem BMW den Start der .brand mit neuen Konzepten verbindet, die direkt mit der zukünftigen Identität und Strategie des Konzerns verschmelzen. Die Verknüpfung von Social-Media und Unternehmen schmiedet auch Audi geschickt mit facebook.audi und twitter.audi, über die der Kunde findet, was er sucht. Den kompletten Umzug auf die eigene .brand wagten bisher aber nur wenige. Canon ist da Vorreiter: gibt man canon.com in der Adresszeile des Browsers ein, wird man auf global.canon weitergeleitet.

Die Euphorie von Tony Kirsch ist allerdings nur schwer nachzuvollziehen. Wie schon bei den Ausführungen zu Guillaume Pahuds Artikel sind wir eher enttäuscht. Man gewinnt bei Kirsch den Eindruck, da sei eine Institution, die die Arbeit aller .brand-Inhaber bewältigt. Tatsächlich sollte jeder einzelne .brand-Inhaber nach mehr als vierjähriger Vorlaufzeit zu mehr in der Lage sein. Die Internetentwickler der .brand-Inhaber bauen Webseiten, das ist deren täglich Brot. Dass .audi mit den genannten Seiten einfach auf seine Angebote unter Facebook und Twitter weiterleitet, erscheint nicht besonders innovativ. Aber immerhin leitet es den Kunden. Die von Kirsch gefeierte geschmeidige Weiterleitung von canon.com zu global.canon ist einfach eine Weiterleitung und keine besonders innovative Leistung. Dass technisch deutlich mehr von .brands zu erwarten ist und das DNS viel innovativer genutzt werden könnte, steht außer Frage. Es macht derzeit nur niemand. Mangelnde Ideen können dabei ein Faktor sein. Andererseits bestehen offenbar auch wirtschaftliche und tatsächliche Probleme: Gute Techniker und Entwickler zu bekommen, die solche .brand-Projekte voran bringen, sind bei dem dünnen Markt an Fachkräften nur schwer zu bekommen. Und sie kosten Geld.

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