Das African Network Information Centre (AfriNIC) kommt nicht zur Ruhe: nachdem im Herbst 2025 unter schwierigen Umständen ein neuer Vorstand gewählt wurde, droht nun eine Welle von Gerichtsverfahren mit der Cloud Innovation Ltd (CIL), die Tätigkeit der Regional Internet Registry zu lähmen.
Fünf Regional Internet Registries (RIRs) kümmern sich weltweit um die Zuteilung von IP-Adressen, darunter das Réseaux IP Européens Network Coordination Centre (RIPE NCC) für Europa, den Mittleren Osten und Teile von Zentralasien sowie das AfriNIC für Afrika. Die RIRs sitzen an der Schnittstelle für ein begehrtes Gut: IP-Adressen im Format IPv4, denn rund um den Globus gehen diese Adressen aus. Um eben diese IP-Adressen ist zwischen AfriNIC und ihrem Mitglied CIL, eine auf den Seychellen ansässige, aber mit der in Hong Kong ansässigen Larus Ltd. in Geschäftsverbindung stehende Unternehmung, ein heftiger Streit entbrannt. CIL hat über AfriNIC etwa 6,2 Mio. IPv4-Adressen bezogen. Im Jahr 2020 fiel AfriNIC bei einer Prüfung auf, dass die Mehrzahl dieser IPv4-Adressen vertragswidrig außerhalb der AfriNIC-Region eingesetzt wird; daher drohte man CIL den Entzug der IPv4-Adressen an. Das war der Auslöser für CIL, AfriNIC mit zahlreichen Klagen zu überziehen und zuletzt in ein Insolvenzverfahren zu drängen. In einer Mitteilung vom 12. März 2026 gab AfriNIC nun einen Einblick in den aktuellen Stand der Rechtsstreitigkeiten, und der fällt wenig positiv aus:
Specifically, we are currently facing a web of litigation and procedural roadblocks driven by CIL, Larus Ltd, and associated advocacy campaign.
So wurden laut AfriNIC Klagen eingereicht, mit denen versucht wird, vor dem Obersten Gerichtshof von Mauritius die Ernennung der in den Vorstand berufenen Direktoren für ungültig erklären zu lassen. Des Weiteren hat CIL gegen den Antrag des derzeitigen Insolvenzverwalters auf Entlassung Einspruch erhoben und gleichzeitig die Bestellung eines weiteren Insolvenzverwalters gefordert. Zudem hat der Insolvenzverwalter gemäß den Verpflichtungen von AfriNIC IP-Adresszuweisungen genehmigt; hiergegen wendet sich CIL und argumentiert vor Gericht, dass der Insolvenzverwalter seine Befugnisse überschritten habe, indem er die Bereitstellung von IP-Adressen an neue und bestehende Netzbetreiber, akademische Einrichtungen, Internet-Knotenpunkte und Unternehmen im Versorgungsgebiet von AfriNIC ermöglicht hat. Ungelöst ist auch der Antrag auf Auflösung von AfriNIC, den CIL im Juli 2025 gestellt hat; über diesen Antrag hat das Gericht noch nicht entschieden. Der Premierminister von Mauritius hatte AfriNIC damals gemäß dem Companies Act vorsorglich als »Declared Company« (geschütztes Unternehmen) einstufen lassen; diese Einstufung ist weiterhin gültig. Parallel zu diesem Liquidationsantrag hat CIL einen Antrag gestellt, um AfriNIC die Zuteilung von IP-Adressen zu untersagen. Ferner berichtet AfriNIC von Desinformationskampagnen, in denen Mitglieder aufgefordert werden, vorgefertigte Protestbriefe einzureichen, um AfriNIC in weitere Gerichtsverfahren zu verwickeln. Schließlich soll CIL versuchen, Governance-Reformen bei AfriNIC zu behindern. Neben den negativen Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb haben diese Maßnahmen laut AfriNIC Millionen von US-Dollar an Anwaltskosten gekostet.
Die genannten Maßnahmen, zusammen mit einer Vielzahl weiterer, direkt oder indirekt von CIL eingeleiteter Rechtsstreitigkeiten, würden eindeutig die Absicht belegen, Afrikas einzige RIR zu stören und/oder lahmzulegen. Man fühle sich jedoch verpflichtet, die Organisation weiterhin vor Gericht zu verteidigen, deren Integrität zu schützen und gemeinsam mit der afrikanischen Internet-Community die Ressourcen durch einen basisorientierten Prozess zu verwalten. Die künftige Ausrichtung solle von den AfriNIC-Mitgliedern anhand global anerkannter Prinzipien und nicht durch Einschüchterung, Erpressung oder die Manipulation des Rechtssystems bestimmt werden. Dass Lu Heng, CEO von CIL und Larus, von seinen Klagen ablässt, ist allerdings nicht anzunehmen:
This is not merely a dispute about Cloud Innovation or litigation tactics. There are only two coherent end states. One is decentralization: lower single-point discretion, more distributed trust, and less dependence on one fragile institutional gatekeeper. The other is radical reconstruction: split the current shell into separately accountable layers for technical registry functions, dispute resolution, and economic rights or transfer entitlement.