nTLDs

Finanzielle Hürden für Back-End Provider könnten Probleme bei der kommende Einführungsrunde neuer Domains machen

Die Internet-Verwaltung ICANN rechnet bei der nächsten Einführungsrunde für Top Level Domains mit über hundert Bewerbungen potentieller Registry Back-End Provider. Doch hohe Gebühren könnten sich für viele als unüberwindliche Hürde erweisen.

Um eine Top Level Domain zu betreiben, ist ein Registry Back-End Provider verpflichtend. Er stellt die technische Plattform, also den Maschinenraum, zur Verfügung, um Domain-Namen zu verwalten. Weltweit gibt es im Markt der generischen Domain-Endungen derzeit 37 dieser Back-End Provider, darunter bekannte Namen wie VeriSign, Identity Digital, GoDaddy Registry, CentralNic, aber auch einige ccTLD-Registries wie Nic.at, Nominet (.uk), SIDN (.nl) oder die kanadische CIRA (Canadian Internet Registration Authority). Für die nächste nTLD-Einführungsrunde, die voraussichtlich im 2. Quartal 2026 beginnt, plant ICANN mit einem „Registry Service Provider Evaluation Program“, um das Bewerbungsverfahren zu beschleunigen; greift ein Bewerber auf die Dienste eines bereits qualifizierten Back-End Providers zurück, kann er diesen Schritt im Prüfungsverfahren überspringen. Dabei erwartet ICANN, dass sich den Bewerbern eine große Auswahl unter den potentiellen Back-End Providern stellt. „We’re preparing, I think, for roughly a hundred or so applications which will include the 40 existing providers that we’re aware of, and another 60 or so is sort of our rough market sizing“, so Russ Weinstein, Vicepresident GDD Accounts and Services bei ICANN.

We are hoping to see some diversification and new entrants into the space.

Edmon Chung, CEO von DotAsia, erwartet dabei reges Interesse vor allem aus dem Kreis der ccTLD-Verwalter:

We can expect a few more ccTLD registries that might be be interested. We’re probably not expecting a completely new startup that just comes in and becomes a registry, but beyond the 40, probably a few more ccTLDs.

Doch wer auf das große Geschäft hofft, benötigt zuerst einmal viel Geld. So beabsichtigt ICANN, jedem Back-End Provider einen Betrag von US$ 92.000,– für die technische Bewertung im Rahmen des »Registry Service Provider Evaluation Program« in Rechnung zu stellen, zusätzlich zu der geschätzten Gebühr von US$ 250.000,–, die ICANN für jede beantragte Zeichenfolge erheben möchte. Die Ankündigung führte zu scharfem Protest. Rubens Kuhl von der brasilianischen Registry Nic.br. erklärte:

What ICANN is suggesting right now simply kills off all Global South RSPs. Those RSPs could have the technical capability to run gTLDs, and they run very large ccTLDs … It simply seems like a system designed to keep the Global South out.

Mit »Global South« sind vor allem Länder in Afrika, Asien und Südamerika gemeint, für die US$ 92.000,– ungleich schwerer zu stemmen sein sollen wie für Back-End Provider in Nord-Amerika oder Europa. Neil Dundas von DNS Africa pflichtete bei:

I don’t think this proposed US$92,000 RSP pre-evaluation fee is going to encourage diverse participation in the next nTLD round, especially from developing regions. It’s a new financial barrier to entry that previously was not there and it will almost certainly hamper participation from developing regions.

Für Verwunderung sorgt vor allem, dass ICANN aktuell weniger als US$ 15.000,– verlangt, wenn eine bereits eingeführte gTLD zu einem bisher nicht akkreditierten Back-End Provider wechselt.

ICANN verwies darauf, dass das »Registry Service Provider Evaluation Program« voraussichtlich US$ 4,1 Mio. kosten werde, wobei rund US$ 2 Mio. allein auf die Entwurfs- und Implementierungsphase entfallen könnten. Der Betrag von US$ 92.000,– basiere auf der Annahme, dass lediglich die 37 aktuell bereits akkreditierten Back-End Provider an diesem Programm teilnehmen. Sollte die Zahl der Bewerber als Back-End Provider deutlich über 37 hinaus ansteigen, könnten die Kosten für jeden einzelnen Teilnehmer sinken. Da die Zahl der Bewerber aber bis zuletzt geheim bleiben dürfte, sollte man darauf besser nicht wetten.

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