Domain-Newsletter

Ausgabe #1304 – 19. Februar 2026

Themen: AfriNIC – Skandal-RIR kommt langsam zur Ruhe | Cloud-Service – IONOS und BSI arbeiten zusammen | TLDs – Neues von .dk, .eus und .radio | blockchain.ai – Klagerücknahme statt -zustellung | ai.com-Deal – Mitbewerber bot Käufer US$ 500 Mio. | lotus.ai – Domain blüht auf für US$ 400.000,– | NIS2 – eco lädt noch im Februar zu Webinar

AFRINIC – SKANDAL-RIR KOMMT LANGSAM ZUR RUHE

Das skandalgebeutelte African Network Information Centre (AfriNIC) ist auf dem Weg der Besserung: nachdem im Herbst 2025 ein Vorstand gewählt wurde, steht jetzt ein Haushaltsplan kurz vor der Verabschiedung. Doch bei der Netzverwaltung traut man dem Braten nicht.

Millionenschwere Klagen, Kontenpfändungen, ein Insolvenzverfahren, Unregelmäßigkeiten bei der Vorstandswahl, ein von der Regierung eingesetzter Sonderermittler und zuletzt ein Antrag auf Liquidierung – keine andere Regional Internet Registry (RIR) hat für eine vergleichbare Welle an Skandalen gesorgt wie AfriNIC. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz gelang es am 12. September 2025, die insgesamt acht Vorstandsmitglieder zu wählen und damit den Weg frei zu machen für eine bessere Zukunft. Anlässlich der „Asia Pacific Regional Internet Conference on Operational Technologies“ (APRICOT) im indonesischen Jakarta hatte Mukom Tamon von AfriNIC nun gleich mehrere freudige Nachrichten. Ein Zeichen für die Tatkraft des neuen Vorstands sei die Ernennung von Interimsmanagern – er selbst für die Bereiche Technologieinfrastruktur und Strategie, ein Finanzvorstand und eine weitere Führungskraft für die Einbindung der Interessengruppen. Zudem habe AfriNIC einen Haushaltsplan und einen Aktionsplan entwickelt, die noch im Februar 2026 veröffentlicht würden. „That is a sign we are out of the quagmire“, so Tamon und kündigte an: „This year, the phoenix rises from the ashes.“ Ab 2027 könne AfriNIC richtig durchstarten; der Vorstand arbeite bereits an einer formalen Strategie für die Jahre 2027 bis 2030. Anlass zur Freude mache, dass AfriNIC über einen Pool von 773.376 nicht zugewiesenen IPv4-Adressen verfüge. „Can’t wait for that to be zero, so we can start talking about what really matters: IPv6“, so Tamon.

Die Number Resource Organization (NRO), der Dachverband der fünf weltweiten Regional Internet Registries (RIRs), scheint dem allerdings nicht zu trauen. Am 06. Februar 2026 veröffentlichte die NRO einen Status-Report zum sogenannten „Governance Document for the Recognition, Operation, and Derecognition of Regional Internet Registries“. Es soll die Nachfolge des „Internet Coordination Policy‑2: Criteria for Establishment of New Regional Internet Registries (ICP‑2)“ vom 04. Juni 2001 antreten und beschreibt den gesamten Lebenszyklus einer RIR, angefangen von ihrer Einrichtung über den Betrieb bis hin – und das ist die Lehre aus dem AfriNIC-Debakel – zur möglichen Aberkennung, um sicherzustellen, dass das System der Adressvergabe der globalen Internet-Community dient. Die Rolle von ICANN würde ausdrücklich gestärkt; die Netzverwaltung wäre künftig berechtigt, ein Verfahren auf Aberkennung des RIR-Status einzuleiten. Außerdem könnte für bis zu 90 Tage eine so genannte „Emergency Continuity“ eingerichtet werden: „If an RIR is unable to adequately provide all or any part of its RIR Services to its Service Region, whether due to circumstances within or outside of its control, a temporary arrangement may be initiated to ensure continuity of RIR Services for the affected Service Region (such event, an Emergency Continuity)“. In einem solchen Fall können die anderen RIRs und ICANN einen „Emergency Operator“ mit der vorübergehenden Bereitstellung der RIR-Dienste beauftragen.

Im nächsten Schritt ist geplant, dass in der ersten Jahreshälfte 2026 das Address Supporting Organization Address Council (ASO AC) alle noch offenen Punkte an dem Dokument abarbeitet und dann dem Number Resource Organization Executive Council (NRO EC) zur Entscheidung vorlegt. Die Endfassung des „Governance Document for the Recognition, Operation, and Derecognition of Regional Internet Registries“ soll bis Jahresende 2026 verabschiedet werden.

Die aktuelle Fassung des „Governance Document for the Recognition, Operation, and Derecognition of Regional Internet Registries“ finden Sie unter:
> https://www.nro.net/policy/internet-coordination-policy-2/rir-governance-document-version-2/

Quelle: theregister.com, eigene Recherche

CLOUD-SERVICE – IONOS UND BSI ARBEITEN ZUSAMMEN

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Internetdienstanbieter IONOS SE bauen ihre Zusammenarbeit aus: beide Partner haben eine strategische Kooperationsvereinbarung geschlossen, um die Sicherheit und Resilienz souveräner Cloud-Infrastrukturen für die öffentliche Verwaltung und die Wirtschaft zu stärken.

Gemeinsames Ziel der Vereinbarung, die am 13. Januar 2026 in Berlin unterzeichnet wurde, ist es, die Sicherheit und Souveränität der digitalen Infrastruktur in Deutschland zu erhöhen. Die Partnerschaft mit IONOS ermöglicht dem BSI tiefgehende Einblicke in die Architektur und die Betriebsprozesse der Cloud-Plattform von IONOS. Um Cloud-Lösungen detailliert auf ihre Sicherheit prüfen zu können, nutzt das BSI verbindliche Kooperationsvereinbarungen als Basis für den Austausch vertraulicher technischer Informationen. IONOS unterstützt bereits heute im Rahmen eines bestehenden Rahmenvertrags den Aufbau der souveränen Cloud für das Informationstechnikzentrum Bund (ITZBund). Die neue Vereinbarung mit dem BSI hebt diese Zusammenarbeit auf eine übergeordnete Ebene: Durch ein neu eingerichtetes Kooperationsforum zwischen IONOS und dem BSI wird ein kontinuierlicher Austausch zu Bedrohungslagen und Sicherheitsmaßnahmen etabliert.

Ein weiterer Fokus der Kooperation liegt auf der Zukunftsfähigkeit kryptografischer Verfahren. Gemeinsam untersuchen IONOS und das BSI den Einsatz von Post-Quanten-Kryptografie. Ziel ist es, sensible Daten der öffentlichen Verwaltung schon heute so zu schützen, dass sie auch gegenüber künftigen Entschlüsselungstechnologien resilient bleiben. Die Zusammenarbeit mit IONOS ist Teil der Cloud-Strategie des BSI, die darauf abzielt, die Cyber-Resilienz in Deutschland durch Kooperationen mit Schlüsseltechnologie-Partnern zu stärken. Die Vereinbarung wahrt die gesetzliche Neutralität des BSI und begründet keine exklusiven Vorrechte, sondern dient der allgemeinen Förderung hoher Sicherheitsstandards in deutschen Cloud-Ökosystemen.

„Wir freuen uns, mit IONOS einen starken europäischen Partner an unserer Seite zu haben, der mit seinen Hosting- und Cloudlösungen eine Schlüsselrolle im digitalen Deutschland spielt“, so BSI-Präsidentin Claudia Plattner. „Mit dem Aufbau einer souveränen Cloud für den Bund leistet IONOS zudem einen wichtigen Beitrag zur Cybernation Deutschland. Für das BSI als Cybersicherheitsbehörde Deutschlands ist es essentiell, Technologien in der Tiefe zu verstehen, um fundierte Sicherheitsbewertungen durchführen zu können – Basis dafür ist die nun geschlossene Kooperationsvereinbarung.“ Markus Noga, Chief Technology Officer von IONOS, ergänzt: „Souveränität braucht Transparenz und technische Belegbarkeit. Durch den direkten Austausch mit dem BSI stellen wir sicher, dass unsere souveräne Cloud-Architektur nicht nur höchste regulatorische Anforderungen erfüllt, sondern diese aktiv mitgestaltet. Wir bieten damit eine technologische Alternative, die Sicherheit ‚Made in Germany‘ mit der Innovationskraft moderner Cloud-Dienste verbindet.“

Hinweis: Die united-domains GmbH, deren Projekt domain-recht.de und der Domain-Newsletter sind, ist Teil der IONOS SE Group.

Quelle: eigene Recherche

TLDS – NEUES VON .DK, .EUS UND .RADIO

Historische Änderung in Dänemark: Punktum dk A/S wird den Direktvertrieb von .dk-Domains einstellen. Auch bei .radio zeichnen sich Neuerungen ab, während sich die baskische .eus mit DNS Abuse herumplagt – hier unsere Kurznews.

Punktum dk A/S, Registry der dänischen Länderendung .dk, stellt den Direktvertrieb von .dk-Domains an Endkunden ein. Ab dem 01. Juli 2026 muss jede .dk-Domain über einen akkreditierten Registrar verwaltet werden. Für bereits vergebene .dk-Domains, die direkt bei Punktum dk registriert sind, endet die Frist für einen Wechsel am 30. Juni 2028. Die Registry hat bereits begonnen, die betroffenen Domain-Inhaber zu benachrichtigen. Diese Änderung beendet ein jahrzehntelanges System, in dem dänische Unternehmen und Privatpersonen ihre .dk-Domains direkt bei Punktum dk A/S verwalten konnten; durch die Änderung orientiert man sich an dem Modell, das die meisten anderen ccTLDs anwenden. Man verspricht sich davon, dass mehr international tätige Domain-Registrare an einer Zusammenarbeit interessiert sind und so zu einem anhaltend hohen und gesunden Wettbewerb unter den Registraren von .dk-Domains beitragen; davon wiederum sollen Preise, Qualität und Sicherheit profitieren. Punktum dk wird aber auch weiterhin sicherstellen, dass für alle Domain-Inhaber Identitäts- und Datenprüfungen durchgeführt werden. Dies sei entscheidend für die Sicherheit von .dk-Domains und bleibe für Punktum dk von zentraler Bedeutung, wie die Registry mitteilt. Wer bereits jetzt seine .dk-Domain über einen Domain-Registrar seiner Wahl registriert hält, muss nichts tun; insoweit ändert sich durch die Umstellung nichts.

Die Puntueus Fundazioa, Registry der baskischen geoTLD .eus, muss sich mit verstärktem DNS-Missbrauch auseinandersetzen. Am 05. Februar 2026 hat die Stiftung ihre jährlichen Informationen zum Sicherheitsstatus von .eus-Domains veröffentlicht. Nach den Daten für 2025 stieg die Rate der Cyberattacken im Vergleich zu 2024 um zehn Prozent, wobei Phishing weiterhin die größte Bedrohung darstellt, wenn auch auf insgesamt bescheidenem Niveau. Im Vergleich zum Vorjahr verdoppelten sich die Phishing-Fälle, von 9 Fällen im Jahr 2024 auf 18 im Jahr 2025. Für Kopfzerbrechen sorgt vor allem, dass die Angriffe verstärkt von außerhalb des Baskenlandes stammen und damit das Vertrauen in den geschützten Namensraum unter .eus beschädigen. „Artificial intelligence has broken down language barriers. Attacks now reach us in our own language, making it easier to gain the victim’s trust“, so Puntueus-Direktor Josu Waliño. Ein Blick auf den Zeitraum von 2022 bis 2025 verdeutlicht das Wachstum der Angriffsversuche noch mehr. Im Jahr 2022 wurden 29 Fälle erkannt (eine Missbrauchsrate von 0,2 Prozent), davon 6 Fehlalarme; im Jahr 2025 hingegen wurden 117 Fälle erkannt (eine Missbrauchsrate von 0,7 Prozent), mit 46 Fehlalarmen. 2025 begann die Registry daher, künstliche Intelligenz in ihre Überwachungsaktivitäten zu integrieren, um Cyberangriffe vorausschauend zu erkennen. Das Überwachungstool analysiert neu registrierte .eus-Domains und kennzeichnet solche mit potenziellem Risiko, damit sie manuell überprüft werden können. Zusätzlich bietet Puntueus den Dienst BLOCK.EUS an. Dieser Dienst wurde für Unternehmen und Organisationen entwickelt, die von Identitätsdiebstahl bedroht sind, und verhindert Typosquatting sowie Phishing, indem er Tausende von Varianten einer .eus-Domain eines Unternehmens blockiert.

Bei der generischen Top Level Domain .radio zeichnen sich erhebliche Veränderungen ab. Wie sich der ICANN-Website entnehmen lässt, hat die European Broadcasting Union (EBU) ihre Rechte aus dem Registry-Vertrag mit Vereinbarung vom 05. Januar 2026 an die Digity LLC übertragen. In der Datenbank der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) ist der Wechsel noch nicht vollzogen, auch unter nic.radio findet sich bisher noch der Hinweis „Managed by the European Broadcasting Union“. Die in Chicago (USA) ansässige Digity LLC hatte 2023 die Rechte an der Top Level Domain .case erworben und arbeitet mit der Londoner CentralNic als Backend-Provider zusammen, weitere Domain-Endungen verwaltet sie bisher nicht. Der Registry-Wechsel ist beachtlich, da die EBU bisher stets betont hatte, die Interessen der globalen Radio-Community zu vertreten. „It is not in the public interest to see (dot-radio) managed as a generic TLD by a non-radio stakeholder with commercial interests.“ heißt es in einer Stellungnahme. Verlässliche Anzeichen dafür, dass mit dem Registry-Wechsel auch Änderungen in der Vergabe von .radio-Domains einhergehen, gibt es bisher nicht. Den Registrierungszahlen könnte frischer Wind nicht schaden: aktuell vermelden die Statistik-Experten von ntldstats.com lediglich rund 3.250 .radio-Domains.

Das Inhaberwechselschreiben für .radio finden Sie unter:
> https://itp.cdn.icann.org/en/files/registry-agreements/radio/radio-assign-pdf-05-01-2026-en.pdf

Quelle: punktum.dk, puntu.eus, icann.org

BLOCKCHAIN.AI – KLAGERÜCKNAHME STATT -ZUSTELLUNG

Im Oktober 2025 berichteten wir von einer Klage Haword Goulds wegen des Verlustes seiner Domain blockchain.ai, die zu dem Zeitpunkt ohne seine Kenntnis versteigert wurde. Wie sich nun herausstellt, ließ er die Klage den Beklagten nicht zustellen und nahm sie schließlich zurück.

Die Hintergründe für die Klagerücknahme sind nicht bekannt. Haword Gould war seit dem 16. Dezember 2017 Inhaber der Domain blockchain.ai. Die Domain hatte er über den Registrar OnlyDomains registriert. Die Registrierung sollte sich automatisch um den 19. Juli 2025 herum verlängern. Mitte September 2025 erhielt er die Nachricht, dass die automatische Registrierungsverlängerung gescheitert sei. Am 21. September 2025, 64 Tage nach Auslaufen der Registrierung, zahlte Gould die Verlängerungsgebühr an den Registrar; sobald die Aufforderung kam, zahlte er auch die separate Wiederherstellungsgebühr. Obgleich er beide Zahlungen fristgerecht geleistet hatte, ging die Domain um den 08. Oktober 2025 herum in den „PendingDelete“-Status bei der Registry Identity Digital. Damit war die Domain nicht mehr in den Händen des Registrars, sondern ausschließlich Identity Digital und Namecheap konnten noch die Löschung, Auktionierung oder den Transfer an einen Dritten verhindern. Wie Gould zu dem Zeitpunkt feststellen musste, befand sich blockchain.ai bereits in einer Auktion, die am 12. Oktober 2025 enden sollte. Die Beteiligten in der Sache wurden vom Anwalt von Gould angeschrieben, reagierten aber nicht. Am 11. Oktober 2025 reichte er beim „United States District Court Central District Of California“ unter dem Aktenzeichen 2:25-cv-09767 einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung ein, um die Auktion und einen Transfer zu stoppen. Das Verfahren richtete sich gegen Identity Digital Inc., Centralnic NZ LTD d/b/a OnlyDomains und Namecheap Inc. Er berief sich darauf, dass die Beklagten Identity Digital und Namecheap Inc. dazu verpflichtet seien, die Versteigerung auszusetzen oder zu stornieren, da diese auf einem unrechtmäßigen Löschstatus beruhe, der durch die Mitbeklagte OnlyDomains verursacht worden war. Er beantragte neben einem unverzüglichen Stopp der Auktion unter anderem, einen „Registry-Hold“-Status für die Domain zu setzen, damit diese nicht transferiert werden könne, und ihm wieder die Kontrolle über sie einzurichten.

Der Antrag wurde am Samstag, den 11. Oktober 2025 gestellt; bereits am Sonntag, dem 12. Oktober 2025, endete die Auktion. Diese wurde nicht gestoppt, sondern ausgeführt. Den Zuschlag für die Domain hatte „francescotolli“ mit einem Gebot von US$ 405.000,– erhalten, was in etwa EUR 346.154,– entspricht. Seitdem tat sich in der Akte nichts weiter. Nun meldete Andrew Allemann auf domainnamewire.com, nach Einreichung der ursprünglichen Klage habe Gould den Beklagten nie die Klage zugestellt. Am Sonntag, dem 01. Februar 2026, reichte er beim Gericht einen Antrag ein, in dem er erklärte, dass er die Klage freiwillig zurückziehe. Aus dem WHOIS ergibt sich für blockchain.ai ein „Creation Date“ für den 31. Oktober 2025 und ein „Updated Date“ am 18. November 2025. Seitdem hat sich nichts mehr bei der über NameCheap Inc. registrierten Domain geändert. Unter der Domain selbst gibt es derzeit kein Angebot. Seit spätestens 07. Februar 2026 kann man sich auf der unter blockchain.ai angezeigten Warteliste eintragen; auf was man dann wartet, ergibt sich nicht. Die aktuelle Registrierung läuft bis Ende Oktober 2035.

Den Eilantrag zur Sicherung der Domain blockchain.ai finden Sie unter:
> https://domainnamewire.com/wp-content/Blockchain-ai-lawsuit.pdf

Spezialisierte Anwälte findet man unter:
> https://www.domain-anwalt.de

Quelle: domainnamewire.com, eigene Recherche

AI.COM-DEAL – MITBEWERBER BOT KÄUFER US$ 500 MIO.

Wie vergangene Woche berichtet, zeigte sich, dass die Domain ai.com im April 2025 für US$ 70 Mio. in Bitcoin den Inhaber wechselte. Das brachte den Domain-Handel wieder einmal in das Wahrnehmungsfeld der allgemeinen Medien. Mittlerweile gibt es weitere Informationen um den Rekord-Deal.

Am ersten März-Wochenende 2025 war ein Artikel bei TheInformation.com erschienen mit der Überschrift: „AI.com Is for Sale. Asking Price? $100 Million“, und dnjournal.com berichtete wenige Tage danach darüber. Im April 2025 wurde die Domain sodann für US$ 70 Mio. in Bitcoin verkauft. Am 06. Februar 2026 machte der Käufer, Kris Marszalek (crypto.com), den Kaufpreis öffentlich. Grund dafür war, dem unter der Domain laufenden Projekt, für das beim Super Bowl zwei Tage später eine Werbung geschaltet war, frühzeitig Aufmerksamkeit zu bringen. Danach wurde auch der Name des Verkäufers bekannt, der ai.com gekauft hatte, weil die Domain seine Initialen A. I. wiedergibt. Es handelt sich um den 1983 geborenen malayischen „Technopreneur“ Arsyan Ismail, der unter anderem sehr stark in Kryptowährungen engagiert ist. Die Abwicklung des Kaufes in Bitcoin zwischen ihm und crypto.com-Gründer Marszalek ist dann schlüssig. Nun gibt es das Gerücht, Arsyan hätte die Domain ai.com 1993 als Zehnjähriger für rund US$ 100,– gekauft. Ritu Singh führt in einem Artikel bei dem indischen Medienunternehmen NDTV (New Delhi Television) aus: „As it turns out, the domain was purchased by Arsyan in 2021 on the domain brokerage site SAW.com for an undisclosed amount. The previous owner of the domain was Future Media Architects, Inc, a holding company for domain names owned by Kuwaiti Thunayan Khalid Al-Ghanim.“ Bei dem nicht offengelegten Betrag soll es sich, berichtet wiederum indiatimes.com, um US$ 10 Mio. handeln, die Arsyan 2021 für ai.com zahlte.

In einem am 07. Februar 2026 auf X geführten dreistündigen Gespräch zwischen „Domainer Expo“-Gründer Ish Milly und Domain-King Rick Schwartz fragt letzterer zum Thema ai.com: „How did the other CEOs miss it?“ Zumindest gab es einen weiteren Interessenten an der Domain ai.com. Marszalek eröffnete im Gespräch mit John Coogan und Jordi Hays bei der Live-Tech-Talkshow TBPN (The Big Picture Network), nachdem er den Zuschlag für ai.com erhalten hatte, habe ihm der Mitbieter US$ 500 Mio. und mehr für die Domain geboten. Im Gespräch führt Marszalek weiter aus, er glaube, er hätte den Mitbieter auch auf US$ 1 Mrd. hochtreiben können, aber er sei ganz dem Produkt verpflichtet. Andererseits teilt Marszalek zu einem früheren Zeitpunkt im Gespräch mit, dass man bei crypto.com nach dem Kauf von ai.com lange Zeit überhaupt keine klare Produktidee für die Domain hatte. Das alles klingt widersprüchlich. Die Erkenntnis um den vermeintlichen Wert der Domain kam jedenfalls nicht nur dem Mitbieter etwas spät, wie sich der Frage von Schwartz entnehmen lässt. Wenn AI-Unternehmen Mitarbeiter für Milliardensaläre einkaufen können, dann ist auch der Preis von US$ 1 Mrd. für ai.com eigentlich kein Problem für diese Unternehmen. Nur hätten die CEOs früher darauf kommen müssen. Die Domain hat sicher einen hohen Wert, aber US$ 70 Mio. oder gar US$ 1 Mrd.? Ihr Wert ergibt sich nicht daraus, dass man eine „Brand“, eine Marke in Händen hält, sondern eine Zwei-Zeichen-Domain, die eine ganze Branche bezeichnet. Bietet ai.com mit seinem KI-Assistenten zur Unterstützung von Verbrauchern bei eMail, Terminplanung, Buchungen und Kündigungen von Abonnements und anderem das Produkt, das den Kaufpreis tatsächlich refinanzieren kann? Nach der Super Bowl Werbung brach die Website unter ai.com zusammen, aber es reichte für 300.000 Anmeldungen von Neukunden. Möglicherweise rechnet es sich – entgegen unserer früheren Vermutung – doch.

Quelle: domaininvesting.com, thedomains.com, indiatimes.com, eigene Recherche

LOTUS.AI – DOMAIN BLÜHT AUF FÜR US$ 400.000,–

Die vergangene Domain-Handelswoche bietet wieder mehrere hochpreisige Domain-Verkäufe, angefangen mit delete.com zum Preis von US$ 494.352,– (ca. EUR 416.588,–) und lotus.ai zum Preis von US$ 400.000,– (ca. EUR 337.078,–).

Mit ordentlichem Abstand kann sich diese Woche die Kommerzendung mit delete.com zum Preis von US$ 494.352,– (ca. EUR 416.588,–) den besten Platz sichern. Danach kommt unter den .com-Domains paperboy.com auf aktuell US$ 75.000,– (ca. EUR 63.202,–) und verbessert sich gegenüber ihren US$ 27.500,– (ca. EUR 20.895,–) aus dem Dezember 2006; eastpoint.com erzielt US$ 21.020,– (ca. EUR 17.713,–) und verbessert sich gegenüber den im Dezember 2013 erzielten US$ 3.200,– (ca. EUR 2.350,–). Die Liste der .com-Verkäufe diese Woche führt zusätzlich auch einige Domains aus unteren Preisregionen auf, weil diese schon früher gehandelt wurden. So schafft es guardianship.com auf aktuell lediglich US$ 9.759,– (ca. EUR 8.224,–) und fällt so gegen den im April 2018 erzielten US$ 12.000,– (ca. EUR 9.836,–) ab. 9fan.com verbessert sich hingegen von im Juli 2020 erzielten US$ 1.143,– (ca. EUR 1.025,–) auf jetzt US$ 10.040,– (ca. EUR 8.461,–). Schließlich ist da noch smartfootball.com zum Preis von US$ 8.783,– (ca. EUR 7.401,–), die sich gegenüber den im Mai 2009 erzielten US$ 450,– (ca. EUR 340,–) deutlich steigert.

Unter den Landesendungen steht wieder Anguilla mit lotus.ai zum Preis von US$ 400.000,– (ca. EUR 337.078,–) vorne, die sich damit „lediglich“ mit US$ 90.000,– weniger hinter der besten .com-Domain einreiht. Überraschend meldet sich Kamerun zu Wort, mit l.cm zum Preis von US$ 6.000,– (ca. EUR 5.056,–), die sich gegenüber den im Juni 2011 erzielten US$ 1.550,– (ca. EUR 1.080,–) deutlich verbessert.

Von neuen generischen Endungen können wir diesmal nicht berichten. Die klassischen generischen Endungen sind bestens aufgestellt, mit unter anderem europeaninstitute.org zum Preis von US$ 17.501,– (ca. EUR 14.748,–). Die vergangene Domain-Handelswoche war mit drei Domains im sechsstelligen Bereich sehr erfreulich.

Länderendungen
————–

lotus.ai – US$ 400.000,– (ca. EUR 337.078,–)

gold.fi – EUR 22.500,–
emma.co – EUR 12.500,–
meteorit.de – EUR 7.500,–
l.cm – US$ 6.000,– (ca. EUR 5.056,–)
tractive.de – EUR 5.799,–
salsa.co.za – US$ 5.500,– (ca. EUR 4.635,–)
biogra.de – EUR 3.950,–
bluegreen.eu – EUR 3.900,–
institute.io – US$ 3.900,– (ca. EUR 3.287,–)
labase.eu – EUR 3.000,–
thesentinel.eu – EUR 2.999,–
makerpad.co – US$ 2.888,–
pr-profis.de – EUR 2.800,–
castra.de – EUR 2.749,–
padl.de – EUR 2.749,–
spectrum.fr – EUR 2.650,–
kestra.de – EUR 2.600,–
yoho.ca – US$ 2.500,– (ca. EUR 2.107,–)
appster.eu – EUR 2.499,–
tractive.nl – EUR 2.499,–
yty.eu – EUR 2.400,–
fyty.de – EUR 2.380,–
yfb.de – EUR 2.380,–
suite101.de – EUR 2.000,–
umamy.de – EUR 2.000,–

Generische Endungen
——————-

europeaninstitute.org – US$ 17.501,– (ca. EUR 14.748,–)
tcu.org – US$ 12.888,– (ca. EUR 10.861,–)
gnhcentrebhutan.org – US$ 10.567,– (ca. EUR 8.905,–)
personalinjury.net – US$ 10.100,– (ca. EUR 8.511,–)
thevamps.net – US$ 8.251,– (ca. EUR 6.953,–)
msfdn.org – US$ 7.501,– (ca. EUR 6.321,–)
globalfrp.org – US$ 7.272,– (ca. EUR 6.128,–)
bycatch.org – US$ 6.835,– (ca. EUR 5.760,–)
adviser.org – US$ 6.788,– (ca. EUR 5.720,–)
healthiestcities.org – US$ 6.751,– (ca. EUR 5.689,–)
sbclib.org – US$ 6.501,– (ca. EUR 5.478,–)
urbanstrategiesinc.org – US$ 5.515,– (ca. EUR 4.647,–)
richmondmainstreet.org – US$ 5.418,– (ca. EUR 4.566,–)
migraines.org – US$ 5.251,– (ca. EUR 4.425,–)
hungercoalition.org – US$ 5.033,– (ca. EUR 4.241,–)
foxieapp.net – US$ 5.001,– (ca. EUR 4.214,–)
saltinstitute.org – US$ 5.001,– (ca. EUR 4.214,–)
illinoistech.org – US$ 4.450,– (ca. EUR 3.750,–)
globalyouthconnect.org – US$ 4.101,– (ca. EUR 3.456,–)
protectionproject.org – US$ 4.099,– (ca. EUR 3.454,–)

.com
—–

delete.com – US$ 494.352,– (ca. EUR 416.588,–)
77bet.com – US$ 220.000,– (ca. EUR 185.393,–)
paperboy.com – US$ 75.000,– (ca. EUR 63.202,–)
artifacts.com – US$ 59.757,– (ca. EUR 50.357,–)
militia.com – US$ 58.830,– (ca. EUR 49.576,–)
join.org – US$ 55.066,– (ca. EUR 46.404,–)
shanti.com – US$ 50.369,– (ca. EUR 42.446,–)
meade.com – US$ 44.001,– (ca. EUR 37.079,–)
figo.com – US$ 40.000,– (ca. EUR 33.708,–)
parliament.com – US$ 37.050,– (ca. EUR 31.222,–)
hdusa.com – US$ 35.000,– (ca. EUR 29.494,–)
orgn.com – US$ 32.000,– (ca. EUR 26.966,–)
rjp.com – US$ 30.169,– (ca. EUR 25.423,–)
oden.com – US$ 29.100,– (ca. EUR 24.522,–)
techaisle.com – US$ 29.001,– (ca. EUR 24.439,–)
anish.com – US$ 24.530,– (ca. EUR 20.671,–)
forsyte.com – US$ 21.506,– (ca. EUR 18.123,–)
eastpoint.com – US$ 21.020,– (ca. EUR 17.713,–)
ainsley.com – US$ 16.556,– (ca. EUR 13.952,–)
archion.com – US$ 16.500,– (ca. EUR 13.904,–)
compro.com – US$ 15.500,– (ca. EUR 13.062,–)
9fan.com – US$ 10.040,– (ca. EUR 8.461,–)
guardianship.com – US$ 9.759,– (ca. EUR 8.224,–)
smartfootball.com – US$ 8.783,– (ca. EUR 7.401,–)

Weitere Domain-Preise finden Sie unter:
> https://www.domain-spiegel.de

Quelle: sedo.de, thedomains.com, eigene Recherche

NIS2 – ECO LÄDT NOCH IM FEBRUAR ZU WEBINAR

Der Verband der deutschen Internetwirtschaft eV (eco eV) lädt zum NIS2-Webinar unter dem Titel „NIS2 in the Domain Industry: Act Now – A Practical Solution for Article 28 Implementation“. Die einstündige Veranstaltung findet am 26. Februar 2026 um 17:00 Uhr statt.

Anlass für das eco-Webinar ist das am 06. Dezember 2025 in Kraft getretene deutsche Umsetzungsgesetz zur NIS2-Richtlinie. Dessen Artikel 28 stellt Registries, Registrare, Reseller und Anbieter von Datenschutz-/Proxy-Diensten vor erhebliche operative Herausforderungen. Zur Unterstützung der Domain-Branche stellt eco – Association of the Internet Industry eV eine von Rechtsanwalt Thomas Rickert (Director Names & Numbers bei eco eV) entwickelte Vertragsvorlage bereit, „die darauf ausgelegt ist, die Anforderungen von Artikel 28 nahtlos in bestehende Registry-Registrar-Vereinbarungen (RRAs) zu integrieren“. Nachdem Rickert seine Lösung bei ICANN vorgestellt hat, wird er sie nun im anstehenden Webinar einem breiteren Publikum bekannt machen.

Das Webinar bietet binnen einer Stunde unter anderem einen klaren Überblick über die Anforderungen von Artikel 28 und deren Auswirkungen, darüber wie das ICANN-RRA als Grundlage für eine effektive Zusammenarbeit dient. Es führt in die flexible Anhangvorlage für die NIS2-Konformität ein und einiges mehr. Nachdem Lars Steffen (Geschäftsbereichsleiter International, digitale Infrastrukturen & Resilienz bei eco eV) die Teilnehmer und Referenten kurz begrüßt, gibt Rickert eine fünfzehnminütige Einführung und ein Update zu NIS2. Danach stellt er zusammen mit Ronald Schwärzler (CEO der domainworx Service & Management GmbH), der als Geschäftsführer der Registries von .wien, .koeln und .cologne mit der Vertragsvorlage Erfahrung gesammelt hat, diese vor. Es schließt sich ein kurzer Frage- und Antwort-Slot an, ehe das Webinar um 18:00 Uhr endet.

Das Webinar „NIS2 in the Domain Industry: Act Now – A Practical Solution for Article 28 Implementation“ von eco eV findet am 26. Februar 2026 ab 17:00 Uhr online statt. Für die Teilnahme meldet man sich online an.

Weitere Informationen und Anmeldung unter:
> https://www.eco.de/event/nis2-in-the-domain-industry-act-now-a-practical-solution-for-article-28-implementation/

Quelle: eco.de, eigene Recherche

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, oder weitergegeben.
Bitte füllen Sie die gekennzeichneten Felder aus.*

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Der Domain-Newsletter von domain-recht.de ist der deutschsprachige Newsletter rund um das Thema "Internet-Domains". Unser Redeaktionsteam informiert Sie regelmäßig donnerstags über Neuigkeiten aus den Bereichen Domain-Registrierung, Domain-Handel, Domain-Recht, Domain-Events und Internetpolitik.

Mit Bestellung des Domain-Recht Newsletter willigen Sie darin ein, dass wir Ihre Daten (Name und E-Mail-Adresse) zum Zweck des Newsletterversandes in unseren Account bei der Optimizly GmbH (vormals Episerver GmbH), Wallstraße 16, 10179 Berlin übertragen. Rechtsgrundlage dieser Übermittlung ist Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe a) der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Sie können Ihre Einwilligung jederzeit widerrufen, indem Sie am Ende jedes Domain-Recht Newsletters auf den entsprechenden Link unter "Newsletter abbestellen? Bitte einfach hier klicken:" klicken.

Top