Hat der Hype um Web3-Domains schon wieder geendet, bevor er richtig begonnen hat? Ein aktuelles Posting im Kurznachrichtendienst X legt das zumindest nahe. Das System der klassischen Domain-Namen dürfte uns dagegen noch lange begleiten.
Der Abgesang auf das Domain Name System (DNS) wurde erstmals schon vor Jahrzehnten angestimmt. Ob Keyword-Systeme, ENUM, Sprachsteuerung oder Apps – es gab zahlreiche Versuche, Domain-Namen durch eine andere Technologie abzulösen. Als aktueller Herausforderer verstehen sich sogenannte Blockchain-Domains. Anders als klassische Domain-Namen, die auf IP-Adressen basieren und zentral von ICANN verwaltet werden, nutzen Blockchain-Domains dezentral die Blockchain-Technologie. Da sie direkt mit Kryptowährungs-Wallets verknüpft werden können, werden viele Blockchain-Domains auch als Web3-Domains bezeichnet. Es gibt für sie kein WHOIS-System, und statt regelmäßig zu zahlender Registrierungsgebühren genügt häufig eine Einmalgebühr, um eine Blockchain-Domain dauerhaft zu erwerben. Die drei aktuell bekanntesten Anbieter von Blockchain-Domains sind Ethereum Name Service (ENS), Unstoppable Domains und Handshake. Bisher sind diese alternativen Adressen aber noch nicht massentauglich, was unter anderem daran liegt, dass kaum ein Browser oder eMail-Programm diese Technologie unterstützt; so müssen beispielsweise Nutzer von Chrome und Firefox zusätzliche Add-ons installieren.
Umso mehr ließ eine Botschaft aufhorchen, die Matthew Gould, Gründer von Unstoppable Domains, am 17. März 2026 über X verbreiten ließ:
Web3 only domains were part of the crypto craze in 2021 but did not cross the chasm into mainstream usage. And for a while now we have believed they will remain a niche market now and into the future. They were a great place to start our journey into domains, but going forward our focus will be even more on the traditional market as it’s the market that has crossed the chasm and is seeing mainstream usage.
Klassische DNS-basierte Domain-Namen würden mittlerweile rund 90 Prozent des Geschäfts von Unstoppable Domains ausmachen; er geht davon aus, dass das DNS und das traditionelle Web in zwei bis drei Jahren sogar 99 Prozent des Geschäfts ausmachen werden. Das Unternehmen hatte sich 2024 bei ICANN um eine Akkreditierung als Domain-Registrar bemüht und diese auch erhalten; im Zuge der nTLD-Einführungsrunde 2026 will man zudem für zahlreiche Bewerber als Registry Service Provider fungieren. Ob Gould damit nur für Unstoppable Domains spricht oder die Nische der Web3-Domains an sich, bleibt abzuwarten; für den Domain-Blogger Andrew Allemann steht aber schon jetzt fest:
Web3 ‚domains‘ are dead.
Die Nutzer wollen seines Erachtens Konsistenz und verlässliche Regelungen; sie wollen Zentralisierung, nicht Dezentralisierung. Die Vorteile von Web3-Domains würden die Nachteile schlicht nicht überwiegen.
Alle Tendenzen und Motive sprechen damit dafür, dass uns das heutige System der Domain-Namen auch langfristig erhalten bleiben wird. Mit zunehmender technischer Erschließung wird das Internet weiter wachsen, je mehr Menschen daran teilhaben können. Gleichzeitig bleibt die Notwendigkeit, durch klare Strukturen die unübersichtliche und chaotische Menge an Informationen zu ordnen, um sie nutzbar zu machen. Ein Adressierungssystem ist also unumgänglich: es muss möglich sein, ein ganz bestimmtes Angebot gezielt ohne Umweg ansteuern zu können. Außerhalb der Online-Welt existieren hierfür Systeme wie zum Beispiel die Postleitzahlen oder die ISBN-Nummern im Buchhandel. Und für das Internet verspricht eben das Domain Name System große Vorteile. Es genügt die simple Eingabe einer Adresse in einen Standardbrowser, um sofort ein bestimmtes Angebot zu erreichen – einfacher geht es kaum. Alternative Systeme müssten diesen Grad an Benutzerfreundlichkeit steigern, um überhaupt akzeptiert zu werden. Dann die bestehende Infrastruktur: abertausende von Servern dienen derzeit weltweit allein dem Zweck, die Navigation per DNS zu ermöglichen. Daneben ist das DNS herstellerunabhängig und daher wenig anfällig für Monopolisierungsversuche, die automatisch Wettbewerber auf den Plan rufen würden. Auch wir sind uns sicher: Domain-Namen werden uns noch viele Jahrzehnte begleiten.