Die Anzahl der Bewerbungen um eine neue generische Top Level Domain könnte deutlich hinter den Ergebnissen aus der Einführungsrunde des Jahres 2012 zurückbleiben. Das legen Zahlen aus dem Frühwarnbericht der US-amerikanischen Early Warning LLC nahe.
Nach einem Bilderbuchstart nimmt die Internet-Verwaltung ICANN seit dem 30. April 2026 Bewerbungen um eine neue generische Top Level Domain entgegen. Sofern ein Bewerber nicht selbst an die Öffentlichkeit tritt, bleibt vorerst geheim, wer sich um welche Endung bewirbt. Es besteht auch keine Eile zur Offenlegung; während der gesamten Bewerbungsphase und damit bis zum 12. August 2026 gilt der Grundsatz des »first come, first served« nicht, es hat also keinen Einfluss auf die Bewerbung, ob man zu den ersten Bewerbern zählt oder zu den letzten. Diese Unsicherheit erhöht für viele potentielle Interessenten das Risiko einer eigenen Bewerbung; gerade Unternehmen wüssten zu gerne, was die Konkurrenz plant – oder eben nicht. Hier setzt der »Early Warning Report« der Early Warning LLC an. Das Unternehmen mit Sitz in Scottsdale (US-Bundesstaat Arizona) verspricht Informationen und Kontakte, um unnötige Kosten zu vermeiden. Die Plattform ermöglicht es Bewerbern (und potenziellen Bewerbern), ihre gewünschten Domain-Endungen einzugeben und benachrichtigt zu werden, wenn diese mit den Endungen anderer Nutzer der Plattform übereinstimmen. Damit wissen sie schon lange vor offizieller Bestätigung durch ICANN, ob sich ein anderes Unternehmen für dieselbe Zeichenkette beworben hat oder bewerben will – vorausgesetzt, es hat sein Interesse ebenfalls bei der Early Warning LLC hinterlegt, denn Einsicht in die ICANN-Bewerberdatenbank hat auch dieses Unternehmen nicht. Wer sich hinter einer potentiellen Bewerbung verbirgt, wird schließlich erst offengelegt, wenn beide Bewerber zustimmen.
Wohin die Reise gehen könnte, legen nun erste Zahlen aus dem »Early Warning Report« nahe. Wie die Plattform mitteilt, liegt die Zahl der »String Interests Purchased« SIR bei mindestens 385. Ein SIR bedeutet dabei die Hinterlegung des Interesses eines Unternehmens an einer bestimmten Top Level Domain; sie ist nicht gleichbedeutend mit der (geplanten oder tatsächlich umgesetzten) Einreichung einer Bewerbung bei ICANN. Von diesen 385 SIRs betreffen wiederum 328 einzigartige Zeichenketten; das bedeutet im Umkehrschluss, dass es bei mindestens 57 SIRs zu einer Mehrfachbewerbung um die selbe Zeichenkette kommen könnte. Wiederum gilt: wer sich um welche Zeichenkette beworben hat, lässt sich den veröffentlichten Daten des »Early Warning Report« nicht entnehmen. Und zur Erinnerung: bei der Einführungsrunde des Jahres 2012 gingen letztlich 1.930 Bewerbungen bei ICANN ein. Davon haben letztlich 1.241 das gesamte Bewerbungsverfahren durchlaufen, 653 Bewerbungen wurden zurückgezogen. Dabei gab es 234 Mehrfachbewerbungen um die gleiche oder eine zum Verwechseln ähnliche Zeichenkette (»contention set«), von denen 233 gelöst wurden. Reine Markenendungen (.brand) gab es 2012 insgesamt 494, rund ein Fünftel davon hat sich in den Folgejahren durch Kündigung des »Registry Agreements« mit ICANN wieder freiwillig aus dem Domain Name System verabschiedet.
Repräsentativ sind die Zahlen aus dem Early Warning Report nicht. Das vom Domain-Blogger Kevin Murphy ins Leben gerufene, >vergleichbare Angebot »Stringtel«