nTLDs

Nach 14 Jahren des Wartens und 8 Jahren Rechtsstreit kündigt VeriSign nun den Start von .web an

Zum Abschied haben wir eine echte Krachermeldung: die .com- und .net-Registry VeriSign Inc. hat angekündigt, noch in diesem Jahr .web-Domains anzubieten. Inhaber von .com-Domains sollen dabei das Recht zum Erstzugriff erhalten.

Die Endung .web gilt als die wertvollste nTLD aus der Einführungsrunde des Jahres 2012. Sie eignet sich für Inhalte aller Art und ist kurz, einfach und prägnant, zudem selbsterklärend, international verständlich und von weltweiter Relevanz. Damit eröffnet sich auch Nischenanbietern beste Chancen auf attraktive, griffige, werbewirksame und vor allem noch freie, also verfügbare Internetadressen. Dementsprechend groß war das Interesse; mit Web.com Group Inc., Afilias Domains No. 3 Limited, DotWeb Inc., Charleston Road Registry Inc., Schlund Technologies GmbH, Ruby Glen LLC und NU DOT CO LLC traten 2012 gleich sieben Bewerber bei ICANN an, wobei sich am 27. Juli 2016 der Neuling NU DOT CO LLC im Rahmen einer Auktion nach 23 Runden zum Rekordgebot von US$ 135 Mio. durchgesetzt hat. Doch als herauskam, dass NU DOT CO LLC im Rahmen eines »Domain Acquisition Agreement« finanzkräftige Unterstützung von VeriSign erhalten hatte, war der Grundstein für jahrelange gerichtliche Auseinandersetzungen gelegt. So hatte Afilias Domains No. 3 Limited, die inzwischen als Altanovo Domains Ltd. firmiert, im November 2018 ein IRP-Verfahren (Independent Review Process) gegen ICANN eingeleitet. Der zentrale Vorwurf lautete, dass es NU DOT CO LLC versäumt hatte, offenzulegen, dass man mit VeriSign einen finanzstarken Partner im Rücken hatte, der das siegreiche Auktionsgebot von US$ 135 Mio. erst möglich gemacht hat. Am 30. April 2023 stellte das Board of Directors von ICANN auf Weisung des International Centre for Dispute Resolution (ICDR) fest, dass NU DOT CO LLC weder durch den Abschluss des »Domain Acquisition Agreement« mit VeriSign noch durch die Teilnahme an der .web-Auktion gegen die Regelungen im Bewerberhandbuch oder die Auktionsregeln verstoßen hat. Prompt folgte im Juli 2023 ein zweites IRP-Verfahren, in dem Afilias die Vorwürfe aus dem ersten Verfahren im Wesentlichen wiederholte und vertiefte. Damit war eine weitere Verzögerung von mehreren Jahren vorprogrammiert.

Doch nun scheint jeglicher Streit beendet. Seit dem 23. Juli 2026 ist die Top Level Domain .web in die Root Zone eingetragen und delegiert. Als offizielle Registry wird VeriSign Inc. geführt. In einer Pressemitteilung von VeriSign heißt es:

The delegation of .web follows the successful resolution of all previous disputes related to the generic top-level domain (gTLD), the details of which are confidential.

Das lässt vermuten, dass sich die Beteiligten wirtschaftlich geeinigt haben; gesicherte Informationen gibt es jedoch nicht. Und dann kommt die Meldung, die aufhorchen lässt:

Verisign plans to begin offering .web domain names through its channel partners later this year and will share further details about the planned launch in the coming months.

Der Einführung vorausgehen wird eine 30-tägige Sunrise Period, an der Markeninhaber mit Eintrag im Trademark Clearinghouse teilnehmen können; zudem soll es eine »Limited Registration Period« (LRP) für Inhaber von .com-Domains geben. VeriSign-CEO Jim Bidzos teilt mit:

We intend to run an LRP, and the rules that we will use is we will give all of our holders of .com registrations, the opportunity to come and get the same registration in .web before we open registrations for general availability.

Bei den Gebühren für .web unterliegt VeriSign keinen Beschränkungen. Geradezu demonstrativ weist das US-Unternehmen darauf hin, dass für .web das »Base Registry Agreement« mit ICANN gilt und nicht das strengere »Cooperative Agreement« mit dem US-Handelsministerium, das bei .com die Möglichkeit zur Gebührenerhöhung einschränkt. Es spricht also einiges dafür, dass .web-Domains teurer sind als .com-Domains und Premium-Domains zu erhöhten Gebühren angeboten werden; auch hier bleiben die Details aber abzuwarten.

Die Einführung von .web wird das Domain Name System voraussichtlich nicht über Nacht verändern, aber das Potential ist riesig. Und sie wirft eine spannende Frage auf: Kann in einer Zeit, die von digitalen Adressen überfüllt ist, ein vertrautes dreibuchstabiges Wort noch immer die Phantasie des Netzes beflügeln?

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