Das Trademark Clearinghouse (TMCH), zentrale Datenbank zum Schutz von Markeninhabern im Zusammenhang mit neuen Top Level Domains, hat ein »White Paper« für .brand-Interessenten veröffentlicht. Doch der Zeitdruck auf potentielle Bewerber wächst.
Die Öffnung des Bewerbungsfensters für neue generische Top Level Domains am 30. April 2026 markiert einen wichtigen Meilenstein für Inhaber von Markenrechten. Zum ersten Mal seit 2012 haben sie die Möglichkeit, eine eigene, ihrer Marke entsprechende Top Level Domain (TLD) zu beantragen und damit zur eigenen .brand im Domain Name System zu werden. Eine .brand bietet Rechteinhabern einen eigenen, kontrollierten digitalen Raum. Dies trägt dazu bei, das Vertrauen in die Marke zu stärken, die Online-Sicherheit zu erhöhen und das Risiko von Domain-Missbrauch zu verringern. Bereits bei der Einführungsrunde 2012 war das Interesse an .brands groß; etwa 640 der insgesamt 1.930 Bewerbungen gingen auf Markeninhaber zurück und man darf vermuten, dass auch 2026 viele Markeninhaber antreten werden, bevor das Bewerbungsfenster am 12. August 2026 schließt. Um Rechteinhaber bei der Einschätzung dieser historischen Chance zu unterstützen, hat das Trademark Clearinghouse gemeinsam mit dem TLD-Beratungsunternehmen Com Laude (MarkMonitor Group) ein „white paper“ veröffentlicht: „From Trademark to TLD: How rights holders can turn trademarks into trusted digital spaces.“ Das „white paper“ erläutert den strategischen Wert von .brands, beschreibt die damit verbundenen operativen Aspekte und zeigt auf, welche Vorbereitungen potentielle Bewerber treffen sollten, wenn sie eine Antragstellung in der aktuell bereits laufenden Einführungsrunde in Erwägung ziehen.
Das »white paper« ist in die Kapitel »The strategic case for dotBrands TLDs«, »Lessons from the first round«, »Why the second round is different«, »Trademark protection and the role of TMCH«, »Application requirements«, »Technical and operational readiness« und »What success could look like« aufgeteilt. Erfrischend offen spricht das Papier eine Grundfrage der Bewerbung an. Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Einführungsrunde 2012 ist, dass der Erfolg einer .brand eng mit einem überzeugenden Geschäftsmodell zusammenhängt. Der Großteil der Bewerber aus 2012 handelte aus rein defensiven Motiven; sie wollten ihre Marken schützen und vermeiden, wertvolle Rechte an Dritte abzugeben. Diese Gründe sind zwar nachvollziehbar und gelten nach wie vor, führten aber selten zu einer aktiven Nutzung mit dem Ergebnis, dass die meisten .brands bis heute kaum aktiv genutzt werden. Die zweite Runde bietet nach Einschätzung des TMCH die Chance, diesen Fehler zu vermeiden. Die erfolgreichsten Bewerber in den kommenden Jahren sollen demnach diejenigen sein, die ihre eigene .brand von Anfang an als Teil einer umfassenderen Digital- und Markenstrategie betrachten. Der konkrete Anwendungsfall variiert dabei je nach Unternehmen; doch der gemeinsame Nenner ist, dass die Domain-Endung ein reales Geschäftsproblem lösen oder ein wichtiges strategisches Ziel ermöglichen sollte – sei es auch nur der Schutz geistigen Eigentums im hart umkämpften digitalen Raum.
Wer mehr wissen möchte: das »white paper« steht ab sofort nach Eingabe einiger weniger persönlicher Daten zum kostenfreien Download bereit. Allerdings darf man sich nicht täuschen lassen. Wer erst jetzt mit den Überlegungen beginnt, sich um seine .brand zu bewerben, hat bereits viel wertvolle Zeit verloren; der Zeitdruck bis 12. August 2026 ist enorm. Noch ist es aber nicht zu spät. Wer dagegen überlegt, auf die dritte Einführungsrunde zu warten, sollte wissen, dass deren Start völlig unklar ist. Übrigens: innerhalb der Bewerbungsphase gilt der Grundsatz des „first come, first served“ nicht; Bewerbungen in letzter Sekunde haben die gleichen Chancen wie die der ersten Bewerber. Bewerber und ihre Bewerbungen verrät die Internet-Verwaltung ICANN vorerst leider nicht.