Die Internet-Verwaltung ICANN hat eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit Blockchain-Domains beschäftigen soll. Erste Ergebnisse sollen im August 2026 vorliegen.
Niemand geringerer als Kurtis Lindqvist, President und CEO von ICANN, gab am 09. Juni 2026 bekannt, dass er eine neue Technical Study Group (TSG) eingesetzt habe, welche die potenziellen Auswirkungen der Integration generischer Top Level Domains mit alternativen Namensystemen auf Sicherheit und Stabilität des Domain Name Systems (DNS) analysieren soll. Hinter den alternativen Namensystemen stehen sogenannte Blockchain Domains oder Web3-Domains. Blockchain-Domains basieren nicht auf dem traditionellen DNS. Statt auf zentralen Nameservern werden die Daten des jeweiligen Blockchain Domain Name Systems dezentral auf vielen Servern verteilt gespeichert. Die bekanntesten Blockchain-Endungen zurzeit sind .eth, .crypto und .zil; sie können beispielsweise über Unstoppable Domains registriert werden. Beim Ethereum Name Service (ENS) erhält man Web3-Domains mit der Endung .eth; diese Domains werden in der Ethereum Blockchain gespeichert, vorausgesetzt, man hat eine Crypto-Wallet für Ether. Blockchain-Domains werden üblicherweise gegen eine einmalige Gebühr erworben; eine jährliche Verlängerung wie bei klassischen Domain-Namen im DNS ist also nicht erforderlich. Da Blockchain-Domains dezentral verwaltet werden, ist zudem keine Sperrung möglich. Allerdings sind Web3-Domains nicht massentauglich, denn nur wenige Browser unterstützen aktuell diese Technologie.
Das könnte sich auf Grundlage der Arbeit der TSG künftig ändern. Satzungsgemäße Aufgabe von ICANN ist es, den stabilen, sicheren und einheitlichen Betrieb des Internets zu gewährleisten, einschließlich des globalen DNS. Technisch gesehen ist es möglich, im DNS verwendete Domain-Namen in alternative Namenssysteme zu integrieren. Diese Integration könnte Nutzern Vorteile bringen, aber ohne geeignete Protokolle zu Betriebs-, Sicherheits- und Stabilitätsproblemen im DNS sowie in seinen Routing-Funktionen und deren Benutzerfreundlichkeit führen. Diese Risiken soll die TSG bewerten. Mitglieder der Arbeitsgruppe sind Sebastien Ducos (Unstoppable Domains), Nick Johnson (ENS Domains), Brian Lonergan (Identity Digital), Georgia Osborn (Security and Stability Advisory Committee), Don Ruiz (Orange Domains LLC), Swapneel Sheth (Verisign) und Suzanne Woolf (Public Interest Registry). Die Mitglieder wurden laut Lindqvist aufgrund ihrer vielfältigen und sich ergänzenden technischen Expertise im Bereich Internet-Namenssysteme ausgewählt. Die TSG sei bewusst klein gehalten, um eine zügige, aber dennoch gründliche und umfassende Analyse zu ermöglichen. Die TSG-Mitglieder nehmen an wöchentlichen Treffen sowie an zwei mehrtägigen Workshops teil, um einen Bericht zu erstellen, der bis Mitte August 2026 zur öffentlichen Kommentierung veröffentlicht wird.
Nicht unproblematisch ist der Zeitpunkt der Einberufung der TSG. Die aktuelle Bewerbungsfrist für neue generische Top Level Domains läuft bis 12. August 2026; bis dahin dürfte der TSG-Bericht kaum vorliegen. Nicht wenige potentielle Bewerber dürften bei ihrer Entscheidung über eine Bewerbung aber das Risiko Blockchain-Domains in ihre Überlegungen einbezogen haben und wären daher über zusätzliche Informationen durch ICANN froh.