nTLDs

Registries verlangen wegen mangelnder Nachfrage Gebührenrabatt von ICANN

Die gTLD Registries Stakeholder Group (RySG), ein Interessensverband von Domain-Verwaltern, hat bei der Internet-Verwaltung ICANN um eine vorübergehende Reduzierung der Gebühren gebeten. Drei Jahre nach Registrierung der ersten Domains drohen offenbar einigen nTLDs ernsthafte wirtschaftliche Probleme.

Rund 1.200 delegierte Endungen, über 28 Millionen registrierte Domains – die nackten Zahlen geben auf den ersten Blick wenig dafür her, dass die nTLDs in der Krise stecken. Erste Zweifel wurden jedoch laut, als Uniregistry Anfang März 2017 ankündigte, die Großhandelspreise für 16 nTLDs teilweise drastisch zu erhöhen; so sollen .hosting-Domains statt wie bisher US$ 20,– künftig US$ 300,– im Jahr kosten. Nun gießt die RySG neues Öl ins Feuer: mit eMail vom 14. März 2017 wandte sich Paul Diaz, Chairman der RySG, an Akram Atallah, President von ICANNs Global Domains Division, und wies auf verschiedene Herausforderungen hin. So gäbe es aktuell nur 63 nTLDs mit mehr als 50.000 registrierten Domains; hunderte nTLDs kämen hingegen auf weniger als 10.000 Registrierungen. Der Betrieb einer Registry sei jedoch nicht ganz billig: bei bis zu 1.000 Domains sind jährlich US$ 25,- pro Domain an ICANN-Fees zu bezahlen, also mindestens US$ 25.000,- im Jahr, die quartalsweise mit fixen US$ 6.250,– abgerechnet werden. Bei 5.000 Domains reduziert sich diese Gebühr auf US$ 5,– und bei 10.000 Domains auf immerhin noch US$ 2,50 pro Domain im Jahr. Dem gegenüber müssten so genannte legacy TLDs wie .com nur US$ 0,25 pro Domain im Jahr zahlen. Die Höhe der Gebühren würden die nTLD-Registries daran hindern, wettbewerbsfähige Preise anzubieten. Wörtlich schrieb Diaz: »A number of gTLD operators are struggling.«

Um dieses Problem zu lösen, schlägt die RySG vor, die Quartalsgebühr von US$ 6.250,– um 75 Prozent zu senken. Der vierteljährliche Erlass von US$ 4.687,50 solle zunächst für vier aufeinanderfolgende Quartale gelten, und eine Verlängerungsoption enthalten. Darüber hinaus solle ICANN einen Fond auflegen und US$ 3 Mio. einlegen, um damit weltweit Marketing für nTLD zu betreiben; allerdings dürfe das Geld nicht in Studien und Löhne gesteckt werden, sondern in aktive Kampagnen. Das Geld könne ICANN dem Pool an Bewerbungsgebühren entnehmen, der mit rund US$ 100 Mio. gut gefüllt sei. Die bisherige Gebührenstruktur gebe die Realitäten des nTLD-Marktes nicht richtig wider, zumal nTLDs ohnehin mit der geringeren Bekanntheit zu kämpfen hätten. Es sei an der Zeit, den Registries unter ihre Arme zu greifen und nicht auf dem Geld zu sitzen. Das Bewusstsein der Verbraucher für nTLDs sei weit geringer als erwartet, und ICANN habe hierfür bisher nichts getan. Insgesamt gehe es um etwa 900 TLD-Registries und damit um rund US$ 20 Mio.; es bleibe also noch genug von den US$ 100 Mio. übrig, um es anderweitig zu investieren. Ausserdem sei ICANN nicht daran gehindert, in Zukunft einen Teil der Bewerbungsgebühren wieder an die Registries zu erstatten.

ICANN hat auf diese Bitte öffentlich nicht reagiert, doch erste Kritik wurde bereits laut. Es sei nicht ICANNs Schuld, dass einige nTLDs die gesteckten Ziele nicht erreichen; sie hätten eben nicht das richtige Geschäftsmodell. Einzelne nTLDs würden ihre Premium-Domains horten, in der Hoffnung, sie irgendwann für viel Geld verkaufen zu können, statt sie jetzt günstig auf den Markt zu werfen und die Endung damit populärer zu machen. Des Weiteren gäbe es für manche nTLDs keinen Bedarf, der über einige tausend Domains hinausgehe; so sei tree.house eine tolle Domain, doch welche weiteren attraktiven Adressen kann man sich sonst unter .house vorstellen? Schließlich sei es viel zu früh, um Erfolge oder Misserfolge einer nTLD zu beurteilen und gegebenenfalls wirtschaftlich zu helfen. Vielleicht gilt aber auch für viele (und sicherlich nicht alle) nTLDs der Satz, den ICANN-Gründerin Esther Dyson vor einigen Jahren über das nTLD-Programm hat fallen lassen:

You can charge people for it, but you are contributing nothing to the happiness of humanity.

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