ICANN

TLD-IDNs kurz vor der Einführung!

Die Internet-Verwaltung ICANN hat den Weg für die Einführung internationalisierter Top Level Domains (IDNs) freigemacht: ab 16. November 2009 können sich weltweit Länder und Territorien um die Vergabe von vollständig in Landessprache verfassten Domain-Namen bewerben.

Es ist nichts weniger als ein historisches Ereignis im Internet: anlässlich des Meetings in Seoul hat ICANN den so genannten „Implementation Plan“ für den „IDN ccTLD Fast Track„-Prozess verabschiedet. Hinter diesen kryptischen Begriffen verbirgt sich ein Verfahren, das die Einführung von vollständig internationalisierten Domain-Namen beschreibt. Bisher war es möglich, Domain-Namen bestehend aus den Buchstaben von A bis Z des lateinischen Alphabets, den Ziffern 1 bis 9 und dem Bindestrich als einzigem Sonderzeichen zu bilden. Vor einigen Jahren sind dann einige Domain-Verwaltungen dazu übergegangen, für die von ihnen verwalteten Kürzel auf Ebene der Second Level Domain weitere Sonderzeichen zuzulassen; so lässt etwa die deutsche DENIC eG seit 2004 auch die Registrierung von Umlauten unterhalb von .de zu. Mit dem „Fast Track“-Prozess geht ICANN noch einen Schritt weiter: künftig ist es möglich, Domains auch auf Ebene der Top Level Domain zu internationalisieren, so dass erstmals Domains vollständig in Landessprache möglich sind. Die bisherigen Tests umfassten die Sprachen Arabisch, Persisch, Chinesisch (vereinfacht wie traditionell), Kyrillisch, Koreanisch, Hebräisch, Japanisch, Tamilisch, Hindi und Griechisch; zusätzlich erlaubt die Testumgebung Zeichen aus den Sprachen Amharisch, Bengali, Khmer, Thai und Urdu.

Jedenfalls für einen Teil dieser Sprachen können sich beginnend ab 16. November 2009 die Verwaltungen um die Zuteilung einer Top Level Domain in ihrer jeweiligen Landessprache bewerben. ICANN selbst spricht davon, dass der Satz an zur Auswahl stehenden Zeichen um 100.000 erweitert wird, wobei nicht für jede Top Level Domain alle Zeichen zur Verfügung stehen. Geschätzt wird, dass etwa 20 bis 30 Länderendungen von den neuen Möglichkeiten Gebrauch machen werden, darunter Russland, China und Bulgarien. Der „Implementation Plan“ regelt die Einzelheiten des Bewerbungsverfahrens und erinnert mit seinen zehn Modulen an das Bewerberhandbuch zur Einführung neuer generischer Top Level Domains; so sind beispielsweise Gebühren von US$ 26.000,- und jährliche Unkostenbeiträge an ICANN für die neuen Domains zu zahlen. Erfüllt ein Bewerber alle Kriterien einschließlich der Unterstützung von staatlicher Seite, erhält er die Genehmigung zum Beginn der Registrierung. Es wird davon ausgegangen, dass, je nach nationaler Domain-Verwaltung, die ersten vollständigen IDNs Mitte 2010 registriert werden können.

„Dies ist nur der erste Schritt, aber ein unglaublich großer und historischer hin zu einer Internationalisierung des Internets“, zeigte sich ICANN-CEO Rod Beckstrom euphorisch. Wiederholt verwies er darauf, dass von den 1,6 Milliarden Internetnutzern etwa die Hälfte eine Sprache nutzen, die nicht auf den Buchstaben des lateinischen Alphabets beruht. Mit der Einführung von TLD-IDNs ist ICANN ihrer Ein- und Anbindung an das weltweite Netz ein gutes Stück näher gekommen.

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