Domain-Auktion

Komplott bei .asia?

Die Wuppertaler Madunia GmbH wittert bei der Versteigerung von .asia-Domains aus Sunrise- und Landrushphase eine Verschwörung: laut einer Pressemitteilung soll Auktionator Pool.com mit einigen Mitwerbern um Top-Domains verbandelt sein. Richard Schreier, CEO von Pool.com, dementierte umgehend.

Wie berichtet, geht die neue Asien-Domain .asia bei der Einführung neue Wege: statt eines „Wettrennens“ um die begehrtesten Domains veranstaltet Verwalter DotAsia bei Mehrfachbewerbungen um .asia-Domains in der Sunrise- und der Landrush Period unabhängig vom Zeitpunkt der Anmeldung innerhalb einer Phase eine Auktion. Über den kanadischen Domain-Auktionator Pool.com werden die Domains meistbietend versteigert. Damit will DotAsia verhindern, dass sich gewiefte Domainer durch zahlreiche Vorbestellungen und technische Tricks in unlauterer Weise Vorteile verschaffen. Doch auch dieser Weg scheint holprig zu sein: wie die Madunia GmbH – eine Fantasiewelt und Community im Internet, in der der Modellbau zentrales Thema ist – festgestellt haben will, hat sich das irische Unternehmen Drake Ventures Ltd. im Rahmen der Auktionen einige der begehrtesten Domains geschnappt, darunter porn.asia, stocks.asia, lotto.asia und dating.asia.

Daran wäre wenig zu beanstanden, wenn hinter Drake Ventures Ltd. nach den Recherchen von Madunia nicht Drake Domains Corporation mit Sitz auf Barbados stecken würde – und die wiederum soll Richard Schreier von Pool.com gehören. Die Schlussfolgerung von Madunia: da Schreier als Auktionator naturgemäss alle Maximumgebote seiner Konkurrenten bekannt waren, gingen dank Insider-Informationen diverse Top-Domains im Millionenwert an ihn. Auch das australische Unternehmen Throne Ventures Pty Ltd. soll Drake Ventures Ltd. und damit Schreier gehören. Mit diesen Informationen wandte sich Madunia Anfang April 2008 an DotAsia; CEO Edmon Chung zeigte sich betroffen und versprach weitere Untersuchungen. Ebenso teilte er aber am 22. April 2008 mit, grundsätzlich kein Problem darin zu sehen, dass ein Auktionsteilnehmer mit dem Auktionator in Verbindung stehe.

Richard Schreier hat die Anschuldigungen inzwischen heftig dementiert. Weder er noch Pool.com haben ein „Inhaberinteresse“ an den Bieter-Unternehmen. Zwar habe Drake Ventures an der Sunrise Period teilgenommen; hierfür haben aber frühere Rechte bestanden, die zur Teilnahme berechtigt hätten. Schließlich habe Drake Ventures jeweils nur zu Beginn jeder Auktion ein Gebot abgegeben; bei 18 von 21 Auktionen habe man das Nachsehen gehabt. Zugleich schlägt Schreier zurück: die erhobenen Vorwürfe seien eine Retourkutsche, da Madunia bei einigen Auktionen zuvor ausgeschlossen worden war; Grund sollen unerlaubte Absprachen zum Gebotsverhalten („bid rigging“) gewesen sein.

Die Diskussionen und Untersuchungen dauern aktuell an. Schon jetzt zeichnet sich aber ab, dass auch eine Versteigerung von Sunrise- oder Landrush-Domains keinen Königsweg bietet, um jeglichen Kritiker verstummen zu lassen.

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